Allgemeine Didaktik. Übungslektion "Nathan der Weise"

Aufklärung


Lizentiatsarbeit, 2016
17 Seiten, Note: Bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Bedingungsanaylse
1.1. Lernvoraussetzungen der SuS

2. Sach- und Wertanalyse

3. Didaktische Reflexion und Planung
3.1. Lernziele
3.2. Methodische Überlegungen, Medien und Sozialformen

4.Strukturskizze
4.1. Tafelplanung

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

6. 1 Quellenverzeichnis

Einführung

Vor jeder LP[1]steht eine Herausforderung, einen effektiven Unterricht zu konstruieren. Dabei wird anhand des Lehrplans der Einsatz unterschiedlicher Lehrmittel (von Visualisierungen, Modellen bis zu realen Objekten) empfohlen. Jeder LP wählt selbst die Unterrichtsmethode als Mittel der Lernstoffübertragung an die SuS (Schülerinnen und Schüler). Lernen wird als „ein Vorgang mit relativ dauerhaften Resultaten, durch den neue Verhaltenspotenzen der Person entstehen oder bereits in seinem Repertoire vorhandene sich verändern.“ definiert.[2]

Es ist wichtig zu erwähnen, dass man Lernen aus der Perspektive der Lernenden betrachten sollte, um bessere und dauerhafte Resultate zu erhalten. So kann man sehen, wie die SuS die Unterrichtsstunde erleben, was für den Erfolg am Lernen bedeutend ist.

Wenn man die Unterrichtssituation in Betracht nimmt, werden unterschiedliche Aspekte gesammelt und untersucht. Unterschiede, die sich dabei ergeben, sollen nur der Weiterentwicklung der Handlungsstrategien im Unterricht dienen. Die Entwicklung einer Handlungsstrategie ist eine kreative Leistung, die mit der Persönlichkeit der Lehrkraft verbunden ist. Die Wahl der Handlungsstrategie hängt von den Lehrenden und der Situation ab und beruht auf Problemanalyse, der Datensammlung, den Zielvorstellungen der Forschenden und Anregungen von außen. Nach Helmke[3]sind folgende „Big Ten“ für einen erfolgreichen Unterricht nötig:

a) Klassenführung
b) Motivierung
c) Angebotsvariation
d) Aktivierung
f) Kompetenzorientierung
g) Lernförderliches Klima
h) Schülerorientierung
i) Klarheit und Strukturiertheit
j) Umgang mit Heterogenität
k) Konsolidierung und Sicherung

Die Palette der Maßnahmen ist vielfältig, sie reicht von non -verbalen Formen bis hin zu dialogischen Varianten. Den Lehrpersonen ist freie Hand gelassen und die Entscheidung liegt bei ihnen, ob in ihrer Konzeption des Unterrichts die Experimentierfreudigkeit gefragt wird.

1. Bedingungsanaylse

1.1. Lernvoraussetzungen der SuS

Die Klasse, mit der die Unterrichtseinheit „Nathan der Weise“ bearbeitet wird, ist eine zweite Klasse auf Gymnasialstufe. Die Lerngruppe besteht aus 21 SuS, darunter 13 Jungen und 8 Mädchen. Die Leistungsfertigkeit unter den SuS ist unterschiedlich. Einige SuS verfügen bereits über ein höheres Niveau der Sprachkompetenz und sie bereichern den Unterricht durch gute Beiträge. Das Sozialverhalten der SuS ist auch gut und sie können sich an die angegebenen Regeln im Klassenzimmer halten. Die Motivation bei den SuS im Fach Deutsch ist hoch. Viele von den SuS arbeiten gern und sind motiviert, das merkt man besonders bei den Gesprächen. Das Unterrichtsklima ist mit dem Verhältnis zwischen die LP und den SuS verbunden. Die Atmosphäre gibt ein Gefühl der Sicherheit, sie ist angstfrei und stressfrei.

Bei vielen SuS merkt man, dass sie Selbstständigkeit über das Lösen von Aufgaben verfügen. Es ist bedeutend, dass die SuS ihre Handlungen frei bestimmen. Die Selbstständigkeit für den eigenen Lernprozess und das Zusammenarbeiten mit anderen Mitschülerinnen und Mitschüler sollten ein Ziel und Element des Lernens sein. Die SuS erwarten von ihre/r LP gerecht behandelt zu werden. Die genannten Unterrichtsziele sollten nicht nur im Unterricht umgesetzt werden, sondern auch außerhalb der Unterrichtssituation. Dabei sollen die SuS in der Lage sein, ihre Erfahrungen zu reflektieren und die gestellten Forderungen der LP untereinander zu diskutieren.

2. Sach- und Wertanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Eine Sachanalyse besteht aus fachlichen Bezügen und Grundlagen für eine Unterrichtsstunde. Es ist empfehlenswert, den Lernstoff und Lerninhalt zur Erfahrungswelt der SuS anzupassen. Dabei sollte der LP in der Lage sein, den SuS ein höheres Niveau der Rezeption anzubieten, ohne die SuS zu belasten. In diesem Fall der Deutschstunde enthält die Sachanalyse allgemeine Grundlagen zu dem Werk und wichtige Interpretationsansätze, die für den erfolgreichen Verlauf des Unterrichts bedeutend sind. Da das Thema der StundeDer Templerherr:Kann man aus seinen Fehlern Tugend entwickeln?ist, wird auch ein besonderer Acht bestimmten Personen im Werk gegeben. Hier wird kein Bezug zum Unterricht gegeben, er wird in dem TeilDidaktische Analysehergestellt.

„Einen Lerninhalt zu unterrichten bedeutet, ihn systematisch anzugehen und diesen für andere verständlich zu machen. Es geht darum, die Sache zu klären und den Menschen

zu stärken.“ (Hentig, 1984/85, S. 59). ***

***zitiert nach Beat Bertschy (Dr. B. Bertschy, Fachdidaktiker und Lektor für Allgemeine Didaktik am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Sekundarstufe II, Universität Freiburg/Schweiz), inFachwissenschaftliche Analyse bzw. Sachanalyse oder: Worum geht es?, S. 1

Die Sachanalyse dient als die Grundlage für eine Unterrichtstunde, die von den SuS erkannt und erlernt werden soll. Traditionelle Dramen spielen eine große Rolle im Deutschunterricht. Manche Menschen sind der Meinung, dass diese Dramen wegen ihrer veralteten Inhalte nicht zeitgemäß sind. Doch mit diesem Drama wird versucht, den Text zu analysieren, und einzusehen, wie die Leitgedanken des Werks von großer Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft sind. Die SuS werden in der Lage sein, die beschriebenen Geschehnisse mit der heutigen Situation zu vergleichen und eventuelle Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zu erkennen. Vor den Schüler steht auch die Herausforderung, das Verhalten bestimmter Figuren mit ihren eigenen zu vergleichen und dadurch ein Fazit festzustellen.

Die SuS sind mit den vorgesehenen Methoden, Kompetenzen und Arbeitstechniken gut vertraut. Die Individualität (Einmaligkeit der Person) und die Personalität (Eigenwert, Würde) des SuS in partnerschaftlicher Interaktion werden anerkannt. Es werden die aktuellen Probleme der SuS berücksichtigt und dadurch werden die SuS bei der inhaltlichen und methodischen Planung des Unterrichts miteinbezogen. Das Lernen geschieht durch die Erfahrung, die die SuS selbst gemacht haben. Hier wird die Kooperation zwischen LP und SuS entwickelt. Die LP spielt die Rolle des Helfers. Die LP gibt keine Lösungen, sondern Hinweise zu den Lösungswegen in Form von „scaffolding“.[4]Die SuS sollen allein auf die Lösung kommen und die Resultate selbst erarbeiten oder vor der Klasse wiedergeben, so dass jeder profitiert- die SuS lernen mit- und voneinander.

Diese Lektion enthält 3 Schwerpunkte: dieCharakter-Ebene, wo sich die SuS mit bestimmten Textstellen durch Gruppenarbeit (GA) auseinandersetzten,inhaltliche Ebene, wo die Zusammenarbeit zwischen LP und SuS geprägt wird. Es wird versucht Schlüsselwörter zu erklären. Der dritte Schwerpunkt gehört derhistorischen Ebene, wobei die SuS mit dem BegriffAufklärungauseinandersetzten und so durch die Erkennung der wichtigsten Merkmale der Epoche, einen besseren Einblick ins Kern der Unterrichtseinheit bekommen. Zusätzlich wird bei der historischen Ebene ein Bezug auf das Heute hergestellt und epochale Schlüsselprobleme rücken in den Vordergrund[5]. Das Ganze verknüpft gut mit der didaktischen Wertanalyse, die erklärt warum wird etwas gelernt oder wieso eben nicht gelernt wird. Die didaktische Wertanalyse nach Wolfgang Kafki (1927)[6] lässt sich die Bedeutung eines Themas anhand folgender Fragen klären:Gegenwartbedeutung:Welche Bedeutung hat der Inhalt bereits jetzt im Leben der SuS? Welche Erfahrungen können die SuS aufgrund eigener Erfahrungen zum Thema herstellen?Zukunftsbedeutung: Worin liegt die Bedeutung für die zukünftige Lebenssituation der SuS?exemplarische Bedeutung: Welche Prinzipien und Methoden lassen sich in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt exemplarisch erfassen? Zeigt das Thema der „Aufklärung“ einen zentralen Zusammenhang zur Lebenswirklichkeit oder zu Glaubensinhalten auf?

3. Didaktische Reflexion und Planung

Um eine Unterrichtseinheit gut zu planen, sollte der Lehrer/in frei für die Anforderungen der Situation, als auch für flexible und kurzfristige Umstellungen sein. Dabei ist es auch wichtig, dass die Zielsetzung konzentriert verfolgt wird. Die Unterrichtsqualität hängt vor allem von der Klarheit des Formulierens der Lernziele und von der Wahl der Methoden ab, die bei der Erarbeitung der Unterrichtseinheit benutzt werden.

Dadurch, dass die auf den Unterricht vorbereitete Lehrperson die Lernziele, den Stoff und die Lernaufgaben kennt, die Methode und die Medien durchdacht und vorbereitet hat, entsteht kein zufälliger Verlegenheitsunterricht.[7]

3.1. Lernziele

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grobziel dieser Lektion ist, dass die SuS in der Lage sind, den zweiten Aufzug des Werks Nathan der Weise von Lessing, als auch die Epoche, zu der das Werk gehört, zu besprechen, verstehen als auch das sie auf ihre eigene Art und Weise interpretieren können.

Bei der Bestimmung von Lernzielen sollte man nicht folgende Repräsentationsformen[8]vergessen: Repräsentationsebenen nach Kintsch (1998):

- Prozedural (eine Handlung, ein wirkliches Ereignis)
- Episodisch (Kontext des Erlebten: Emotionen, Gefühle die damit verbunden sind)
- Visuell nicht sprachlich (Bilder; innere Bilder des Erlebten)
- Narrativ sprachlich (das Erlebnis erzählen)
- Abstrakt symbolisch (die Beschreibung des Erlebten in logisch-nachvollziehbarer Reihenfolge / Fachbegriffe verschriftlichen)

Repräsentationsebenen nach Brunner (1974):

- Enaktiv:Arbeiten am Gegenstand, direkte Auseinandersetzung mit dem Gegenstand
- Ikonisch:Der Lerngegenstand wird anschaulich, „wird äußerlich und innerlich bildlich dargestellt“/abgebildet. Innere Bilder dank äußerlicher Darstellung (Bilder, Visualisierungen, Video).
- Symbolisch:Lehrgegenstand wird „durch Zeichen, Wörter, Formeln, Sprache symbolisch repräsentiert“[9]

Anhand dieser jeweiligen Repräsentationsformen nach Bruner (1974) und Kintsch (1998) kann man folgende Teilziele bestimmen:

1. Eröffnung Vorstellen des Bildes des Templerherrn, Einstieg in das Thema, Wecken der Neugier bei den Schülern, Reaktivierung der SuS. (5 Minuten) (ikonisch: visuell nicht sprachlich / Narrativ sprachlich).
2. Vorstellung des Themas mit dem stummen Videoausschnitt aus dem Jahr 1967, Erster Aufzug: Sechster Auftritt, Schüler werden anhand ihrer Beobachtung grobe Eigenschaften des Tempelherrn nennen (3 Minuten zusehen + 5 Minuten Besprechung = 8 Minuten) (Ikonisch: Narrativ sprachlich)
3. Einschub LP: LP liest das Zitat. Es wird die schon begonnene Charakterisierung des Tempelherrn vertieft, weiter wird die Produktion als auch die Rezeption der gewünschten Kernidee ermöglicht. (2 Minuten) (Enaktiv: Prozedural / Episodisch)
4. Vertiefung des Themas Schema „harte Schale, weicher Kern“: Durch diese Schülerarbeit und Gesprächsmethode soll der Charakter des Tempelherrn vertieft werden. (5 Minuten) (Abstrakt sprachlich - symbolisch /Narrativ sprachlich)
5. Gruppenarbeit: In Gruppen besprechen die SuS den Charakter des Tempelherrn, sie argumentieren ihre Äußerungen. Sie sollen die Ursache für das Verhalten des Templerherrn erkennen. (5 Minuten arbeiten + 5 Minuten zusammentragen = 10 Minuten) (Enaktiv: Prozedural / Episodisch, dann auch Ikonisch: Narrativ sprachlich)
6. a) Einzelarbeit (EA) Eigenständige Interpretation des Monologs, Einsicht in die Charakterentwicklung des Templerherrn. (5min). (Symbolisch: Abstrakt sprachlich-symbolisch)
7. Zusammenfassung Partnerarbeit: Zusammen Ergebnisse erarbeiten, dann zu zweit nach vorne kommen und die Ergebnisse/Schlüsselwörter Mitschülern präsentieren. (8min). (Symbolisch: Abstrakt sprachlich-symbolisch, dann Ikonisch: Visuell nicht sprachlich / Narrativ sprachlich); LP gibt die Hausaufgabe. (2min). (Narrativ sprachlich).

[...]


[1]Lehrperson wird im Folgenden als LP abgekürzt

[2]Van Parreren, 1972, S. 20 zitiert nach Franz Baeriswyl in „Lernen, Wissen, Repräsentationsformen“, S. 9

[3]Helmke, 2012, S. 168f, zitiert nach Franz Baeriswyl in ‘Allgemeine Didaktik: Funktionsrhythmus“, S. 5

[4]vgl. Franz Baeriswyl, VF 22, 14.11.2016

[5]vgl. Franz Baeriswyl VF 24, 17.10.2016

[6]vgl. Franz Baeriswyl, VF 23-24, 17.10.2016 und Text Bertschy 17.10.2016: Die didaktische Wertanalyse, S. 2

[7]Franz Baeriswyl: Allgemeine Didaktik: Unterrichtsvorbereitung, S. 9

[8]vgl. Franz Baeriswyl in ‘Allgemeine Didaktik: Funktionsrhythmus“, S. 14-22

[9]vgl. Baeriswyl 26.09.2016, Kap. 2, S. 15

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Allgemeine Didaktik. Übungslektion "Nathan der Weise"
Untertitel
Aufklärung
Hochschule
Universität Zürich  (Lehrdiplom für Maturitätsschulen)
Veranstaltung
Allgemeine Didaktik
Note
Bestanden
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V388821
ISBN (eBook)
9783668631069
ISBN (Buch)
9783668631076
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufklärung Didaktik Unterricht, Lernen Lehrpersonen Lernenden Motivierung Klasseführung Lernziele Lerninhalt
Arbeit zitieren
Diplomierter Professor der deutschen Sprache Hadis Djeladini (Autor), 2016, Allgemeine Didaktik. Übungslektion "Nathan der Weise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388821

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Allgemeine Didaktik. Übungslektion "Nathan der Weise"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden