Exegese von Mk 5, 25 - 34. Einordnung, Analyse und Kritik


Hausarbeit, 2014
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Textabgrenzung

3 Sprachliche Analyse

4 Narratologie

5 Literarkritik

6 Gattungskritik
6.1 Einteilung in Wunderkategorien
6.2 Abweichungen von gewöhnlichen Heilungswundern

7 Realienkunde und Traditionskritik
7.1 Frauen zur Zeit Jesus
7.2 Wundertäter im Vergleich zu Jesus
7.2.1 θεῖος ἀνήρ
7.2.2 Rabbinische Wundercharismatiker
7.2.3 Jüdische Zeichenpropheten

8 Redaktionskritik

9 Deutung und Ausblick

10 Literaturverzeichnis
10.1 Primärquellen
10.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

„Dein Glaube hat dich gerettet.“ In vielen Heilungsgeschichten findet man diesen Zuspruch. Jesus heilt den blinden Bartimaios (Mk 10, 46 - 52) und entlässt ihn mit den Worten „Geh fort! Dein Glaube hat dich gerettet.“ (Mk 10, 52). In Lk 17, 12 - 19, heilt Jesus zehn Aussätzige und erneut sagt er „Dein Glaube hat dich gerettet.“ So geschieht es auch bei der Heilung der blutflüssigen Frau.

Diese Hausarbeit wird sich intensiv mit dieser Perikope (Mk 5, 25 - 34) befassen, indem sie die zahlreichen Schritte der Exegese befolgt. Zuerst wird mit Hilfe der Textabgrenzung die Perikope in das Markusevangelium eingeordnet und vom restlichen Text abgesetzt. Anschließend folgt die Sprachliche Analyse, bei welcher der stilistische Aufbau der Bibelstelle untersucht wird. Die darauffolgende Narratologie befasst sich mit der Erzählstruktur und Abfolge des Heilungswunders. Da sich diese Perikope im Markusevangelium befindet, ist ein Synoptischer Vergleich überflüssig und wird deswegen durch die Literarkritik ersetzt, welche sich mit der Bearbeitung des Texts durch den tatsächlichen Autor und nachfolgende Redakteure auseinandersetzt. In Anschluss an die Literarkritik folgt die Gattungskritik. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Analyse der Gattung der Perikope. Danach wird in der Realienkunde wie auch in der Traditionskritik die Bibelstelle historisch-kritisch betrachtet. Weiterhin folgt die Redaktionskritik, welche die vorherigen Analyseschritte im Hinblick auf das gesamte Markusevangelium vereinigt. Abschließend wird ein Fazit gezogen. Die Durchführung dieser analytischen Schritte zielt auf ein vertieftes Verständnis der Perikope sowie die Auseinandersetzung mit der sprachlichen Vorgehensweise, historischen Einflüssen, wie auch der Intention des Autors ab.

2. Textabgrenzung

Die Perikope Mk 5, 25 - 34 befindet sich in dem Abschnitt des Markusevangeliums, der die Tätigkeiten Jesu in Umgebung des See Genezareth, von Kapitel 4 bis Kapitel 8, beschreibt. Zuvor kommt jedoch die Taufe Jesu im ersten Kapitel, wie auch seine Tätigkeiten in Kafarnaum (Kapitel 1 - 4). Im Anschluss folgt sein Wirken auf dem Weg nach Jerusalem, sowie in Jerusalem selbst (Kapitel 8 - 13). Die Passionsgeschichte in Kapitel 14 bis 15 und das leere Grab in Kapitel 16 beenden das Markusevangelium[1]. Die Heilungsgeschichte der blutflüssigen Frau ist mit der Auferweckungsgeschichte der toten Tochter Jairos verwoben. Beide sind Teil von Mk 5, 21 - 43. Allerdings ist der Ausschnitt Mk 5, 25 - 34 in sich schlüssig und stellt deswegen eine alleinstehende Heilung dar, welche die sie umgebende Auferweckung unterbricht. Handlungsanfang und Handlungsende sind schnell zu erkennen. In Vers 25 wird die blutflüssige Frau zum ersten Mal erwähnt. Da sie die zu heilende Person sowie die tragende Figur der Heilungsgeschichte ist, beginnt hier die Perikope. Die vorherigen Verse (22 - 24) gehören zu der darauffolgenden Auferweckungsgeschichte. Hier bittet Jairos um die Heilung seiner schwerkranken Tochter.

Die Zugehörigkeit von Vers 21 ist etwas undeutlich. Jesus kommt am Ufer des Sees an und eine Volksmenge bildet sich. Obwohl dieser Vers noch vor Jairos Bitte steht, passt er dennoch besser zur Geschichte der blutflüssigen Frau[2]. Sie ist in dem Gedränge der Volksmenge und kämpft sich zu Jesus vor. Bei der Auferweckung der Tochter aber ist diese Volksmenge nicht mehr vorhanden. Vers 21 kann somit als neutrale Einleitung von Mk 5, 25 - 34 gesehen werden, die jedoch nichts zur Handlung beiträgt. Die Menge ist nämlich kein aktiver Teilnehmer des Geschehens. Die Frau ist Teil dieser Masse und kann sich dadurch unbemerkt Jesus annähern.

Das Ende der Perikope ist eindeutig definiert; mit Vers 34 endet die Heilungsgeschichte. Der Frau wurde geholfen und Jesus entlässt sie mit den Worten „Geh fort in Frieden und sei gesund von deiner Plage!“ Gleich darauffolgend in Vers 35 wird die Auferweckungsgeschichte mit der Meldung, dass Jairos Tochter gestorben ist, fortgesetzt.

3. Sprachliche Analyse

Bei der sprachlichen Analyse der Perikope wird deutlich, dass sie sprachlich sehr einfach gehalten wurde. Oft werden Metaphern, Personifikationen oder andere stilistische Werkzeuge benutzt, um den Text sprachlich besser zu gestalten und den Rezipienten zu beeinflussen. Hier sind allerdings nur sehr wenige Stilmittel vorhanden.

Das meist benutzte Wort ist die Konjunktion und, die insgesamt zwölfmal in der Perikope vorkommt. In der Regel wird sie am Versanfang verwendet, so dass eine Anapher entsteht. In Vers 29 und 30 wird diese durch und sofort verstärkt. Dieses sofort ist nicht als Zeitangabe einer augenblicklichen Handlung zu verstehen, sondern als Wendepunkt an dem eine neue Wirklichkeit - ein neues Erlebnis - beginnt[3]. Auffallend ist, dass der oft genutzte Versanfang und in Vers 34 und 35 durch ein aber ersetzt wird. Dies sondert das Ende der Perikope vom Rest ab und verleiht ihm mehr Bedeutung.

In Vers 26 kann eine Form von Chiasmus gefunden werden. Zuerst wird von den Ärzten geredet, welche der Frau ihr Ganzes abverlangten, dennoch hatte sie keinen Nutzen davon und es kam zum Schlimmeren. Die Ärzte, die allgemein das Gute repräsentieren, stehen dem „Schlimmeren“ gegenüber, so wie das Ganze ihrer Habe dem „Nichts“ gegenüber steht, das es ihr gebracht hat.

Auffällig sind auch die Wiederholungen bestimmter Wörter. Besonders oft ist von dem Berühren die Rede. In Vers 27 wird beschrieben wie die Frau das Gewand berührt. Im darauffolgenden Vers 28 sagt die Frau, dass sie gerettet werde, wenn sie nur seine Gewänder berührt. In Vers 30 fragt Jesus seine Jünger wer ihn berührte. Die Jünger antworten ihm in Vers 31 und wiederholen seine Frage „Wer berührt mich?“ Durch Wiederholungen wird die besagte Stelle besonders betont und akzentuiert. Die Berührung ist also sehr wichtig für die Perikope, da sie oft erwähnt wird.

Es kommen 35 Verben vor, von denen zwölf Partizipien sind. Diese verleihen der Perikope mehr Handlung, da sie einen Vorgang in einem Wort zusammenfassen, anstatt einen Nebensatz benutzen zu müssen. Somit bekommt ein kurzer Text mehr Inhalt und eine schnellere Handlung. In der Perikope werden 27 Substantive verwendet. 17 von diesen Substantiven, wie zum Beispiel Blutflu ß (Vers 25), Plage (Vers 29) und Tochter (Vers 34), stehen in Verbindung mit der Frau, ganz besonders mit ihrer Krankheit und ihrem Leiden. Nur sechs der Substantive beziehen sich auf Jesus, wie Gewand (Vers 27) oder Kraft (Vers 30). Die restlichen vier Substantive sind die Volksmenge (Vers 27, 30, 31) und die Schüler (Vers 31).

Die Perikope ist dynamisch geschrieben. Diese Dynamik entsteht durch das Verhältnis von Verben zu Substantiven. Verben kommen in diesem Text 35-mal vor, während Substantive nur 27-mal verwendet werden. Dadurch, dass Verben häufiger als Substantive vorkommen, ist die Perikope eher dynamisch, also mehr auf die Handlung bezogen als auf die Beschreibung der Charaktere.

4. Narratologie

Nach der Betrachtung der Perikope sind zwölf Handlungsschritte zu erkennen. Zuerst hört die kranke Frau von Jesus, der gerade in der Volksmenge ankommt (Vers 27a), worauf sie sein Gewand berührt (27b). Sie wird von ihrer Krankheit geheilt (Vers 29). Jesus bemerkt die Berührung (Vers 30a) und fragt seine Jünger wer das war (Vers 30b). Darauf antworten die Jünger (Vers 31) und Jesus sieht sich nach der Person, die ihn berührte um (Vers 32). Die Frau tritt vor und wirft sich nieder (Vers 33a) und erzählt ihm die ganze Wahrheit (Vers 33b). Zuletzt antwortet Jesus ihr (Vers 34a), sie soll in Frieden gehen (Vers 34c) und sei geheilt (Vers 34d).

Die eigentliche Handlung beginnt erst mit Vers 27. Vers 25 und 26 dienen zur Beschreibung der Krankheit, an der die Frau leidet. Es wird erklärt, dass sie schon seit zwölf Jahren mit dieser Krankheit zu kämpfen hat und dass ihr auch Ärzte nicht helfen konnten, wodurch sie ihren Besitz verlor und sich die Krankheit sogar noch verschlimmerte. In Vers 27 wird beschrieben, dass sie von Jesu Kommen gehört hat und wie sie sein Gewand von hinten berührt. Anders als bei anderen Heilungsgeschichten geht die Frau nicht direkt auf Jesus zu und bittet ihn um Hilfe. Sie nimmt überhaupt keinen

Kontakt auf. Die Berührung ist fast schon unauffällig. Sie nähert sich ihm von hinten und berührt sein Gewand. Die Frau sieht Jesus nicht ins Gesicht und versucht auch nicht mit ihm zu reden. Vers 28 zeigt wie viel Vertrauen die Frau in Jesus und seine Heilkräfte hat. So sagt sie, allein durch die Berührung seines Gewandes geheilt zu werden. Nachdem ihr jahrelang nicht ein einziger Arzt mit seinen Heilpraktiken ihr Leiden lindern konnte, hat sie Zuversicht und Hoffnung, dass ihr Jesus helfen kann. Sie sagt auch ganz eindeutig „[…] so werde ich gerettet“. Es ist keine unklare Aussage, dass ihr vielleicht geholfen werden könnte. Sie ist der festen Überzeugung, durch die bloße Berührung von Jesus gerettet zu werden. Vers 28 trägt keine aktive Handlung, sondern verdeutlicht Glaube und Bestreben der Frau. Im darauffolgenden Vers wird sie von ihrer Plage geheilt. Bei dem Wort Plage entsteht die Verbindung zu den zehn Plagen im 2. Buch Mose oder auch zu den sieben Plagen aus der Johannesoffenbarung. Dies zeigt wie schlimm die Krankheit für die Frau gewesen sein musste und wie groß die Erleichterung nun für sie ist. Danach - in Vers 30 - bemerkt Jesus „die von ihm ausgegangene Kraft“. Nicht nur bemerkt er die Berührung, er kann sie in einer großen Volksmenge auch deutlich von dem Gedränge unterscheiden. Jesus merkt, dass diese bestimmte Berührung einen Sinn hat und es nicht nur jemand aus der Menge ist, der sich zu Jesus vordrängt. Woraufhin er auch seine Jünger in direkter Rede fragt, wer ihn denn berührte. Diese werden durch die Frage verwirrt, da es sehr wahrscheinlich ist, dass man in einer Menschenmenge berührt werden kann. In Vers 32 sieht sich Jesus nach der Frau um. Er sucht direkten Kontakt mit ihr. Die Frau, welche deutlich verängstigt wirkt, zeigt sich, fällt nieder und sagt ihm die ganze Wahrheit. Der Ausdruck „die ganze Wahrheit“ deutet an, dass sie ihm alles erzählt was ihr geschah und auch mehr als zu Beginn der Perikope genannt wird. Im letzten Vers spricht Jesus sie in direkter Rede an und - anstatt sie zu kritisieren - benutzt er „Tochter“ als Anrede, um sie zu ermutigen. Er erklärt ihr, dass es ihr Glaube war, der sie gerettet hat und gibt ihr den Heilungszuspruch „sei gesund von deiner Plage“.

Man kann sehen, dass sich das Handlungsverhältnis der Perikope nach der Hälfte verschiebt. Von Vers 25 bis einschließlich Vers 29 steht überwiegend die Frau im Mittelpunkt der Geschichte und treibt die Handlung voran. Ab Vers 30 kippt die Aufmerksamkeit des Lesers zu Jesus über und bis zum Ende der Perikope handelt hauptsächlich er.

[...]


[1] Cf. Bienert, David, Bibelkunde des Neuen Testaments, Gütersloh 2010, S.65 [Im Folgenden: Bienert (2010)]

[2] Cf. Gnilka, Joachim, Das Evangelium nach Markus (Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament 2), Neukirchen-Vluyn 2010, S.209 [Im Folgenden: Gnilka (2010)]

[3] Cf. Berger, Klaus, Exegese des Neuen Testaments, Heidelberg 1984, S.23 [Im Folgenden: Berger (1984)]

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Details

Titel
Exegese von Mk 5, 25 - 34. Einordnung, Analyse und Kritik
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Biblische Methodenlehre
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V388846
ISBN (eBook)
9783668629295
ISBN (Buch)
9783668629301
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Markus 5, Biblische Methodenlehre, Neues Testament, Analyse, Bibel, Wunder, Heilung
Arbeit zitieren
Anne Sander (Autor), 2014, Exegese von Mk 5, 25 - 34. Einordnung, Analyse und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388846

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