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Resilienz und Armut. Zur Rolle des Resilienzkonzepts bei SuS aus Armutsverhältnissen

Title: Resilienz und Armut. Zur Rolle des Resilienzkonzepts bei SuS aus Armutsverhältnissen

Examination Thesis , 2014 , 93 Pages , Grade: 14

Autor:in: Studienrat Sebastian Heil (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Erde, in dem derzeit mehr als 1,6 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren in Hartz IV-Familien beziehungsweise in „relativer Armut“ aufwachsen. Diese traurige Realität kann als „Skandal“ bezeichnet werden und zu ungläubigem Kopfschütteln, Wut oder Resignation anregen. Trotz allen negativen Emotionen und der Hoffnung darauf, dass gesellschaftspolitische Maßnahmen, im Sinne primärer Armutsprävention, schnell eine Armutsverhinderung einleiten, gilt es, insbesondere für Pädagoginnen und Pädagogen, Armut als real vorherrschendes Gesellschaftsphänomen in Deutschland anzunehmen und handlungsfähig zu werden. Nicht zuletzt deshalb, da wegen den sozialen Ausgangsbedingungen der Kinder die Wahrscheinlichkeit hoch ist, „dass sie als Jugendliche und Erwachsene erhebliche psychosoziale Probleme haben werden und sich in die Gesellschaft nicht einfügen“. Vor allem Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrer täglichen Praxis in Kontakt zu Kindern aus Armutsverhältnissen stehen und verhältnismäßig viel Zeit mit ihnen verbringen, sollten sich herausgefordert fühlen, sich mit der belastenden Lebenslage dieser Schülerinnen und Schüler auseinanderzusetzen und adäquate pädagogische Interventionen einzuleiten. Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit wird nicht davon ausgegangen, dass Pädagoginnen und Pädagogen Kinder aus ihrer schwerwiegenden Armutssituation heben können oder dass Armut ein Problem darstellt, das pädagogisch beseitigt werden kann. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eher ein Konzept, das besagt, dass Kinder die Fähigkeit erwerben können, ihrer problematischen Lebenslage widerstandsfähig zu begegnen und dass jene Fähigkeit durch gezielte pädagogische Handlungen in ihrer Ausprägung mitbeeinflusst werden kann. Bildlich gesprochen, soll mit dieser wissenschaftlichen Arbeit erörtert werden, wie die Institution Schule Kindern aus Armutsverhältnissen dabei helfen kann, „Steh-auf-Männchen“ zu werden, die sich von den Widrigkeiten ihrer Lebenslage nicht dauerhaft umwerfen lassen, sondern immer wieder zäh und behaglich ihre stehende Haltung einnehmen. Abgezielt wird mit dieser Arbeit daher nicht auf Ideen zu einer pädagogischen Beseitigung von Armut, sondern eher auf die mit Armut einhergehenden psychosozialen Risiken für das Kind sowie darauf bezogene pädagogische Interventionen, die auf dem sogenannten Resilienzkonzept beruhen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen zum Resilienzkonzept

2.1 Zur Entstehung der Resilienzforschung

2.2 Begriffsbestimmung

2.3 Das Risiko- und Schutzfaktorenkonzept

2.3.1 Das Risikofaktorenkonzept

2.3.1.1 Vulnerabilität

2.3.1.2 Risikofaktoren/Stressoren

2.3.2 Das Schutzfaktorenkonzept

2.4 Der Wechselwirkungsprozess zwischen Risiko- und Schutzfaktoren

2.5 Ausgewählte Resilienzstudien

2.5.1 Die Kauai-Studie

2.5.2 Die Mannheimer Risikokinderstudie

3. Zum Armutsbegriff und zur Armutssituation in Deutschland

3.1 Relative Armut

3.2 Das Lebenslagekonzept

4. Kinderarmut unter Betrachtung des Risikofaktorenkonzepts

4.1 Kinderarmut als Kumulation von Risikobelastungen

4.1.1 Materielle Situation und damit verbundene Risikofaktoren für Kinder in chronischer Armut

4.1.2 Wohnsituation und Risikofaktoren

4.1.3 Kontakte zu Gleichaltrigen

4.1.4 Bildung – Zum eingeschränkten Lern- und Erfahrungsspielraum in Familie und Schule

4.1.4.1 Zur Bildungssituation in armen Familien

4.1.4.2 Kinder aus Armutsverhältnissen im Kontext der Schule

4.2 Zwischenfazit: Armut als komplexes Risiko für die gesunde Entwicklung des Kindes

5. Wie die Schule zum Schutzfaktor für arme Kinder werden kann

5.1 Grundlegende Gedanken zur Rolle der Schule in der Resilienzförderung – Lehrer zwischen Wissensvermittlung und fürsorglicher Zuwendung

5.2 Schulische Resilienzförderung nach dem Mehrebenen-Ansatz

5.2.1 Resilienzförderung als ein gesamtschulisches Projekt

5.2.2 Resilienzförderung im Schulunterricht

5.2.2.1 Der kindzentrierte Ansatz nach Grotberg

5.2.2.2 Julius und Goetzes Programm „Resilienzförderung bei Risikokindern“

5.2.2.3 Grünkes Förderung rationaler Denkmuster mit Hilfe der „Unterrichtsreihe zur Resilienzförderung auf Basis der rational emotiven Erziehung“

5.2.3 Elterneinbindung

5.2.3.1 Die ressourcenstärkenden Elterntrainings „Starke Eltern – Starke Kinder“ und „EFFEKT“ als schulische Möglichkeiten der Elternunterstützung

5.2.3.2 Lehrkräfte als Kursleiter im für Grundschulen adaptierten Elterntraining „Eltern stärken mit Kursen in Kitas“

5.2.3.3 Zur Rolle des Lehrers in beratend-unterstützender Funktion

5.2.4 Einzelne SchülerInnen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie Schulen Kindern aus Armutsverhältnissen als Schutzfaktor dienen können, indem sie deren Resilienz durch gezielte pädagogische Interventionen und ein resilienzförderndes Milieu stärken. Zentral ist dabei die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Schule trotz der deprivierenden Lebenslage chronischer Armut eine positive Entwicklung der Kinder unterstützen kann.

  • Grundlagen des Resilienzkonzepts und des Risiko-Schutzfaktoren-Modells
  • Analyse der Lebenssituation von Kindern in chronischer Armut
  • Die Rolle der Schule als Ort der Resilienzförderung und Persönlichkeitsentwicklung
  • Schulpädagogische Praxisansätze zur Resilienzstärkung
  • Systemische Elterneinbindung in den schulischen Resilienzförderansatz

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Erde, in dem derzeit mehr als 1,6 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren in Hartz IV-Familien beziehungsweise in „relativer Armut“ aufwachsen. (vgl. Öchsner 2014). Diese traurige Realität kann als „Skandal“ bezeichnet werden und zu ungläubigem Kopfschütteln, Wut oder Resignation anregen. Trotz allen negativen Emotionen und der Hoffnung darauf, dass gesellschaftspolitische Maßnahmen, im Sinne primärer Armutsprävention, schnell eine Armutsverhinderung (oder zumindest eine Armutsreduktion) einleiten, gilt es, insbesondere für Pädagoginnen und Pädagogen, Armut als real vorherrschendes Gesellschaftsphänomen in Deutschland anzunehmen und handlungsfähig zu werden.

Nicht zuletzt deshalb, da wegen den sozialen Ausgangsbedingungen der Kinder die Wahrscheinlichkeit hoch ist, „dass sie als Jugendliche und Erwachsene erhebliche psychosoziale Probleme haben werden und sich in die Gesellschaft nicht einfügen (lassen)“ (Rauh 2008, 177). Vor allem Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrer täglichen Praxis in Kontakt zu Kindern aus Armutsverhältnissen stehen und verhältnismäßig viel Zeit mit ihnen verbringen, sollten sich herausgefordert fühlen, sich mit der belastenden Lebenslage dieser Schülerinnen und Schüler auseinanderzusetzen und adäquate pädagogische Interventionen einzuleiten.

Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit wird nicht davon ausgegangen, dass Pädagoginnen und Pädagogen Kinder aus ihrer schwerwiegenden Armutssituation heben können oder dass Armut ein Problem darstellt, das pädagogisch beseitigt werden kann. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eher ein Konzept, das besagt, dass Kinder die Fähigkeit erwerben können, ihrer problematischen Lebenslage widerstandsfähig zu begegnen und dass jene Fähigkeit durch gezielte pädagogische Handlungen in ihrer Ausprägung mitbeeinflusst werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre Situation von Kindern in Armutsverhältnissen und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Schule als Schutzfaktor für diese Hochrisikogruppe.

2. Theoretische Grundlagen zum Resilienzkonzept: Dieses Kapitel führt in die Entstehung der Resilienzforschung ein und erläutert das Risiko- und Schutzfaktorenkonzept als zentrales theoretisches Modell.

3. Zum Armutsbegriff und zur Armutssituation in Deutschland: Hier wird der komplexe Armutsbegriff durch die Abgrenzung von relativer Armut und die Einführung des Lebenslagekonzepts differenziert betrachtet.

4. Kinderarmut unter Betrachtung des Risikofaktorenkonzepts: Das Kapitel analysiert Kinderarmut als Kumulation von Risikobelastungen und beleuchtet die Auswirkungen auf Bildung, Wohnsituation und soziale Kontakte der Kinder.

5. Wie die Schule zum Schutzfaktor für arme Kinder werden kann: Dieser Abschnitt erörtert schulpädagogische Umsetzungsstrategien und Resilienzförderansätze wie den Mehrebenen-Ansatz zur Unterstützung vulnerabler Kinder.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung einer multiprofessionellen, empathischen Schulkultur für die Förderung der inneren Widerstandsfähigkeit armer Kinder.

Schlüsselwörter

Resilienz, Armut, Kinderarmut, Resilienzförderung, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Schule, Schulpädagogik, Lebenslagekonzept, psychosoziale Risiken, Förderung, Inklusion, pädagogische Zuwendung, Stressoren, Bewältigungsstrategien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Lebenslage von Kindern, die in chronischer Armut aufwachsen, und erforscht, wie die Institution Schule durch das Konzept der Resilienzförderung als Schutzfaktor agieren kann.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Resilienzforschung, das Ausmaß und die Dynamik von Kinderarmut in Deutschland sowie konkrete schulpädagogische Interventionen zur Stärkung der Kinder.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Bedingungen Schulen erfüllen müssen, um für die spezifische Hochrisikogruppe der Kinder in chronischer Armut einen effektiven Schutzraum zu bieten.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung aktueller Studien (wie der Kauai-Studie oder der AWO-ISS-Langzeitstudie), um Zusammenhänge zwischen Armut, Risiko und schulischen Fördermöglichkeiten herzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Resilienzmodelle erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Lebenslagen armer Kinder. Abschließend werden praktische Ansätze wie der Mehrebenen-Ansatz und spezifische Eltern- und Kindertrainings vorgestellt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?

Neben dem zentralen Resilienzbegriff sind dies "chronische Armut", "Risikofaktoren", "Schutzfaktoren", "Lebenslagekonzept", "pädagogische Zuwendung" und "Multiprofessionalität".

Warum wird der "kindzentrierte Ansatz" nach Grotberg so hervorgehoben?

Dieser Ansatz wird als Grundlage für die Resilienzförderung betont, da er auf einer emotional-förderlichen Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern basiert, die für Kinder aus deprivierten Verhältnissen essenziell ist.

Welche Bedeutung kommt der "Elterneinbindung" zu?

Die Einbindung der Eltern ist ein kritischer Baustein, da die Familie die primäre Sozialisationsinstanz ist und ihre Stärkung den Schutzfaktor für die Kinder signifikant erhöht.

Was versteht die Arbeit unter dem "Mehrebenen-Ansatz"?

Dies ist ein ganzheitliches Konzept, bei dem die Resilienzförderung nicht nur auf der Ebene der Schüler, sondern auch durch die Lehrer, die Eltern und die gesamte Organisation der Schule in das System integriert wird.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Rolle der Lehrkräfte?

Lehrkräfte fungieren nicht nur als Wissensvermittler, sondern als wichtige Bezugspersonen, deren wertschätzende Zuwendung einen zentralen Schutzfaktor für resiliente Entwicklungsprozesse darstellt.

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Details

Title
Resilienz und Armut. Zur Rolle des Resilienzkonzepts bei SuS aus Armutsverhältnissen
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Emotionale und soziale Entwicklung (Erziehungshilfe))
Grade
14
Author
Studienrat Sebastian Heil (Author)
Publication Year
2014
Pages
93
Catalog Number
V388857
ISBN (eBook)
9783668638549
ISBN (Book)
9783668638556
Language
German
Tags
Resilienz Resilienzförderung Risikofaktorenmodell Vulnerabilität Armut Schutzfaktoren Kauai-Studie Lebenslagekonzept
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Studienrat Sebastian Heil (Author), 2014, Resilienz und Armut. Zur Rolle des Resilienzkonzepts bei SuS aus Armutsverhältnissen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388857
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