„This is really happening!” Ein äußerst unheimlicher Ausruf, den Rosemary in einer der grausamsten Szenen des Films von sich gibt. Gleichzeitig ist er ein ausgezeichneter Ausdruck für die Thematik des Films: Die Frage nach Realität und Traum bzw. Illusion. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ira Levin, das 1967 ein Bestseller wurde und dann 1968 von
Roman Polanski verfilmt wurde. Rosemary´s Baby beginnt mit dem Einzug von Rosemary und ihrem Ehemann Guy in ein gotisches Mehrfamilienhaus in Manhattan im Jahr 1965.
Der Film erzeugt durchgehend eine alltägliche und vertraute Atmosphäre, wie man sie aus Familienfilmen kennt. Die Unheimlichkeit schleicht sich unerwartet in das Geschehen ein und treibt damit beim Rezipienten den Grusel auf die Spitze, da diese Handlung auch im eigenen privaten Umfeld passieren könnte. Der gesamte Film handelt von der Schwangerschaft
Rosemarys und ihren unwirklich wirkenden Erlebnissen. Der Zuschauer ist Teil der Sichtweise von Rosemary und damit Teil der Verwirrung bezüglich der Realität. Erst am Ende bewahrheitet sich Rosemarys Zweifel und es wird aufgedeckt, dass ihr Mann mit den Nachbarn, den Castevets (Roman und Minnie) einen Pack geschlossen hatte. Die Castevets, die dem Satan dienen, versprechen Guy beruflichen Erfolg und im Gegenzug wird Rosemary das Kind des Satans austragen. Rosemary ist zwar nicht bewusst, dass das Kind satanischer Herkunft ist, wird aber immer skeptischer, was ihr Umfeld und deren Gesinnung ihr und dem Neugeborenen gegenüber angeht. Die unheimlichen Situationen und der Zweifel treiben sie in eine Art Panik, aus der sie trotz Bemühungen nicht flüchten kann.
Zwar führen die Zusprachen des Ehemannes, Arztes und der Nachbarn und die eigentliche nicht Existenz eines Satans zu einer deutlichen Hinterfragung Rosemarys geistiger Gesundheit beim Zuschauer, dennoch ist ihre Wahrnehmung an manchen Stellen des Films sehr realistisch und nachvollziehbar. Beim Rezipienten entsteht dadurch ein permanentes Hin-und-her-Gerissen-sein über die Wirklichkeit, was wiederum zu einer Erzeugung von Unheimlichkeit führt. „It is a story of violence, deceit, and misappropriation of a woman’s body by people that makes pregnancy a Gothic spectacle.“ (Valerius, Karyn 2005)
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG MIT KURZBESCHREIBUNG DES FILMS ROSEMARY`S BABY
2 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN IM FILM
2.1 ROSEMARY ALS HAUSFRAU UND MUTTER
2.2 GUY ALS VERSORGER
2.3 DIE VORMUNDSCHAFT VON GUY ÜBER ROSEMARY
3 DIE ENTSTEHUNG DES UNHEIMLICHEN DURCH GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN
3.1 DIE MACHTLOSIGKEIT ROSEMARYS
3.2 DAS SPIEL MIT DER REALITÄT
3.3 DER KÖRPER ROSEMARYS ALS BRUTSTÄTTE DES BÖSEN
3.4 DIE WENDUNG OHNE HAPPY END
4 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Geschlechtervorstellungen und patriarchale Strukturen in Roman Polanskis Film „Rosemary's Baby“ zur Konstruktion des Unheimlichen beitragen. Dabei wird analysiert, wie die Manipulation der weiblichen Wahrnehmung und die Instrumentalisierung des schwangeren Körpers den Rezipienten gezielt verunsichern.
- Analyse der Geschlechterrollen und Machtdynamiken zwischen Rosemary und Guy.
- Untersuchung der Verschmelzung von Realität und Traumsequenzen.
- Erforschung der psychologischen Wirkung des „Unheimlichen“ auf den Zuschauer.
- Betrachtung der Schwangerschaft als Ort des Horrors und der Fremdbestimmung.
- Hinterfragung patriarchaler Machtstrukturen innerhalb der Filmhandlung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Spiel mit der Realität
Im Film Rosemary`s Baby wird vordergründig Grusel erzeugt, in dem die Grenzen zwischen Realität und Traum/Fiktion verschwimmen. Da Rosemary Probleme hat die Realität einzuordnen, ist auch der Rezipient unschlüssig, was sich Rosemary einbildet und was wirklich passiert. Drei Aspekte unterstützen diese Verunsicherung: Die Kameraperspektive, die Diagnose einer Paranoia und die Traumsequenzen.
Der Film arbeitet hauptsächlich mit Nahaufnahmen von Rosemary, sodass ihre Emotionen sehr stark in den Mittelpunkt gestellt werden, und mit Kameraaufnahmen aus ihrer Perspektive, damit wiederum ihre persönliche Wahrnehmung dargestellt wird. Somit ist der ganze Film darauf ausgerichtet, dass der Zuschauer sich mit Rosemarys Gedankenwelt identifizieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG MIT KURZBESCHREIBUNG DES FILMS ROSEMARY`S BABY: Einführung in die Thematik des Films und Erläuterung des Forschungsansatzes zur Darstellung von Geschlechterrollen.
2 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN IM FILM: Analyse der klassischen Rollenverteilung zwischen Rosemary als Hausfrau und Guy als Versorger innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft.
3 DIE ENTSTEHUNG DES UNHEIMLICHEN DURCH GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN: Untersuchung der verschiedenen Faktoren wie Machtlosigkeit, Realitätsverlust und Körperinstrumentalisierung, die beim Zuschauer Unheimlichkeit erzeugen.
4 ZUSAMMENFASSUNG: Fazit der Arbeit über die Verschränkung von patriarchalen Strukturen und filmischen Mitteln zur Erzeugung von Horror.
Schlüsselwörter
Rosemary's Baby, Roman Polanski, Unheimliches, Geschlechterrollen, Patriarchat, Horrorfilm, Machtlosigkeit, Realitätsverlust, Schwangerschaft, Fiktion, Traumsequenzen, Psychologie, Körperinstrumentalisierung, Fremdbestimmung, Filmwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der filmischen Inszenierung von Geschlechterverhältnissen in „Rosemary's Baby“ und untersucht, wie diese dazu dienen, beim Zuschauer ein Gefühl des Unheimlichen hervorzurufen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind patriarchale Gesellschaftsstrukturen, die Rolle der Frau in der Ehe, die Wahrnehmung von Realität sowie die Darstellung von Schwangerschaft als potenziell bedrohliches Szenario.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie geschlechtsspezifische Merkmale und die Machtlosigkeit der Protagonistin im Film gezielt genutzt werden, um eine Atmosphäre der permanenten Verunsicherung und des Horrors zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medien- und filmwissenschaftliche Analyse, die unter Einbeziehung von Fachliteratur die psychologischen Effekte und narrativen Strukturen des Films untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Rollenverteilung der Charaktere analysiert, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung, wie durch Kameratechnik, Traumsequenzen und das medizinische Gaslighting der Protagonistin das Unheimliche konstruiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören das Unheimliche, patriarchale Strukturen, Machtlosigkeit, Realitätsverlust und die Instrumentalisierung des weiblichen Körpers.
Welche Bedeutung hat die Schwangerschaft im Film laut der Autorin?
Die Schwangerschaft wird als Zustand der totalen Fremdbestimmung dargestellt, in dem der Körper der Frau zum Objekt degradiert und durch das Umfeld sowie den Ehemann kontrolliert wird.
Wie beeinflusst die Kameraperspektive die Wahrnehmung des Zuschauers?
Durch die enge Bindung der Kamera an die Perspektive von Rosemary wird der Zuschauer gezwungen, deren subjektive Ängste und zunehmende Desorientierung zu teilen, was die Identifikation und den psychologischen Druck verstärkt.
- Arbeit zitieren
- Laura Knieling (Autor:in), 2017, Die Darstellung von gesellschaftlichen Geschlechtsvorstellungen im Film "Rosemary's Baby" und die daraus resultierende Erzeugung von Unheimlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388900