Der Peloponnesische Krieg im Schatten der Seuche. Die Folgen der Seuche und ihre Auswirkungen auf den Krieg


Hausarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

1. Das leuchtende Athen und seine dunkelste Zeit

2. Der Aufstieg Athens

3. Der Peloponnesische Krieg:

4. Warum und wie die Spartaner und Athener kämpften

5. Soziale Folgen: Wie die Athener ihre Toten begruben

6. Die Anomia von Athen Politische Folgen:

7. Die Auswirkungen auf Perikles

8. Der Krieg geht weiter

9. Die Auswirkungen der Seuche auf den Krieg

10. Fazit

Einleitung

Das leuchtende Athen und seine dunkelste Zeit

Athen auf dem Höhepunkt seiner Macht. Eine Stadt so prächtig und glänzend wie nie zuvor. Auferstanden aus den Trümmern vorheriger Kriege war Athen in der Mitte des fünften Jahrhunderts vor Christus einflussreicher denn je.1

Doch wo Macht und Wohlstand sind, sind auch Feinde. Athen wurde zum „Fremdkörper und Orientierungspunkt in einem, in eigentümlicher Mischung“2. Zwischen Sparta und Athen gab es Konflikte, die sich in den dreißiger Jahren des fünften Jahrhunderts vor Christus zuspitzten. Zwei mächtige Städte Griechenlands im Kampf um die Vorherrschaft. Und so erklärten Spar- ta und der Peloponnesische Bund im Sommer 432 Athen und dem attischen Seebund den Krieg.3

Nun war Athen in Gefahr. Die so glanzvolle Stadt als Hauptziel der Gegner. Seit 478 v. Chr. war Athen von Mauern4 umgeben. Daher riet der Staatsmann Perikles den Athenern, die Kinder und Frauen vom umliegenden Land in die Stadt zu bringen und den Spartanern das Land außerhalb zu überlassen.

„ [ … ] müssen Land und Dörfer im Stich lassen,

Meer und Stadt zu behaupten suchen und dürfen uns nicht aus Zornüber die Verwüstung des Landes mit den an Zahl weitüberlegenen Peloponnesiern in eine Schlacht einlassen. “ 5

Die Familien mussten ihre Häuser zurücklassen, ihre Wertsachen, ihre Ländereien. Ihr Vieh wurde auf andere Inseln verschifft.

Innerhalb der Mauern um Athen war mit circa 6000 Häusern bei weitem nicht genug Platz für

die nun weit mehr als 100 000 Menschen6. Einige Wenige kamen in den Wohnungen bei

Freunden oder Verwandten unter. Die Mehrzahl der Bürger vom Land musste sich in unbebauten Stadtgebieten oder Heiligtümern nieder lassen. Sie lebten unter miserablen Bedingungen in provisorischen Baracken oder unter freiem Himmel. Tausende eng zusammengepfercht wie Vieh in einem Stall.7

Ein Jahr später, im Sommer 430, brach die Seuche aus. Zwei lange Jahre beschattete sie das Leben in Athen, legte dann eine Pause ein um im nächsten Winter wieder für ein Jahr zu wü- ten.8 Ein zusätzliches Problem zum Krieg. Eines das unlösbar war und das gut einem Viertel der Bevölkerung das Leben nahm. Die Ärzte kannten die Krankheit nicht und somit auch kei- ne Heilung. Die Symptome arbeiteten sich von oben nach unten durch den gesamten Körper. Überlebende verloren Gliedmaßen oder sämtliche Erinnerungen, die meisten starben. Einige tapfere Menschen kümmerten sich um ihre kranken Angehörigen und steckten sich dann bei ihnen an, doch wer sie einmal überlebt hatte blieb dann verschont. Athen war im Ausnahme- zustand. Was einem Erkrankten half schadete dem Anderen, Niemand wusste Rat. Die Athe- ner mussten einfach ausharren und hoffen, dass es bald vorbei sein würde, während vor ihren Toren die Peloponnesier lagerten. 9

„ The Athenians, crowded into the city as a result of Pericles ‘ policy, were particularly exposed to the contagion which was

deadly to some and demoralizing to all. “ 10

Eine Stadt, die einst so prächtig war, erlag nun der Verzweiflung.

Doch was für Folgen hatte diese tödliche Krankheit, was für Auswirkungen auf den Krieg? Wie ging die Bevölkerung mit dieser Katastrophe um? Lässt sich die These „Die attische Seuche hatte Einfluss auf den Verlauf des peloponnesischen Krieges.“ belegen?

Der Aufstieg Athens

Anfang des 5. Jahrhunderts führte der Politiker Kleisthenes neue Ordnungen, die Gleichheits- ordnungen oder Isonomie11 in den athenischen Bürgerverband ein. Sie stabilisierten die inner- en Verhältnisse und stärkten die militärischen Abwehrkräfte entscheidend. Dank dieser Ver- besserungen konnte sich Athen gegen andere Poleis (Stadtstaaten) behaupten. Im Laufe der folgenden Jahre weitete Athen seinen Einflussbereich mit Bürgerkolonien auf andere Inseln aus, die wichtig waren für ihre Machtpolitik. Auch im Kampf gegen die Perser verzeichnete Athen wichtige außenpolitische Erfolge, die einen wirkkräftigen Hintergrund für die innenpo- litischen Entwicklungen bildeten. 12

In den Siebzigern des 5.Jahrhunderts gründete Athen den delisch-attischen Seebund, den Grundstein für einen weiteren Ausbau von Athens Macht, und brachte seine Mitglieder dazu, hohe Beiträge zu zahlen, mit denen sie die Flotte aufbauen wollten.13

Das ständige Wachstum Athens in den circa fünfzig Jahren vor dem Peloponnesischen Krieg sorgte dafür, dass Athen zur Zeit des Kriegsausbruchs um die Vierhundert Poleis zu den Mit- gliedern seines Seebundes zählte. Dadurch, dass sich die kleinen Städte entschieden, ihre Flot- ten-Beiträge in Geld zu zahlen, hatte Athen eine nicht unerhebliche Einnahmequelle. Es führ- te außerdem dazu, dass kleinere Poleis wirtschaftlich und militärisch gänzlich von Athen ab- hängig wurden.14

Mit den Einnahmen aus dem delisch-attischen Seebund konnte Athen seine Stadt, sein Militär und andere wichtige Stadtprojekte aufbauen. Der Staatsmann und Stratege Perikles ließ in der Mitte des Jahrhunderts unter anderem die Akropolis wieder aufbauen, größer und beeindru- ckender als sie vorher war. Ein Zeichen für die Macht und den Wohlstand der Stadt. Eine Stadt voll von Künstlern, Philosophen und Wissenschaftlern. Eine Stadt voll von Ideen und Träumen.15

Warum und wie die Spartaner und die Athener kämpften

Die Feindseligkeit zwischen den beiden führenden Mächten in Griechenland Sparta und Athen war ein alter Machtkampf, der nicht erst kurz vor dem Peloponnesischen Krieg begon- nen hatte. Die Anfänge gehen weiter zurück. Schon Ende des 6. Jahrhunderts versuchte Sparta Athen enger an sich zu binden, scheiterte jedoch. Sie halfen 510 v. Chr. die Tyrannis der Peisistratiden Athens zu stürzen, mischten sich danach aber in die innerathenischen Macht- kämpfe der Bevölkerung gegen Kleisthenes und seine politischen Reformen ein. Die Tatsa- che, dass die Spartaner dazu von Waffen Gebrauch machten, verspielte ihnen die Sympathie der meisten Athener.16

Während Athen immer und immer mächtiger wurde, entwickelnden sich die Rivalitäten mit Sparta zu einer offenen Gegnerschaft. Athen gehorchte, seiner Meinung nach, schon zu lange den Befehlen Spartas im Hellenenbund und nutzt 479 die Gelegenheit sich zu emanzipieren. Athen gründete den attischen Seebund.

Der Seebund führte eine offensive Politik, hauptsächlich gegen Persien, und wurde stetig ausgebaut. Als die Bedrohung Persiens zum größten Teil gebannt war, lies Athen in seiner Expansion nicht nach. Hätten sie ihre Machtstellung aufgegeben, hätten sie die Rache der von ihnen Unterdrückten Poleis fürchten müssen. Der attische Seebund war entscheidend für die Durchsetzung und Erweiterung ihrer Macht. Revolten wurden brutal niedergeschlagen und Staaten wurden gezwungen beizutreten.17

461 kam es dann endgültig zum Bruch zwischen den beiden Großmächten Athen und Sparta. Nachdem Sparta dem von Athen belagerten Thasos geholfen hatte, setzten sich Befürworter der antispartanischen Politik durch und Athen löste den Hellenenbund auf. Doch gegen Per- sien und Teile Griechenlands gleichzeitig zu kämpfen, überfoderte auch Athen auf längere Zeit. Deshalb handelten sie zehn Jahre später einen fünf-jährigen Waffenstillstand mit Sparta aus.18

Doch dieser Waffenstillstand beseitigte keinesfalls die Ursachen der Gegnerschaft oder stellte eine der n zufrieden. Es war mehr ein Vertrag aus zeitlicher und politischer Bedrängnis. Der Politiker Perikles wagte es nicht, eine offene Konfrontation mit Sparta einzugehen, doch er ließ es sich nicht nehmen Athens Macht weiter auszuweiten, wann immer es ihm möglich wurde. Somit verstieß er nur indirekt gegen den Vertrag mit Sparta.19

Der Peloponnesische Bund versuchte, unter Spartas Leitung, Athens Macht einzugrenzen. Sie fürchteten diese, da schon ein Großteil Griechenlands zu Athen gehörte. 20 Sparta hatte Angst vor der weltweit ersten Demokratie und ihrer Ausbreitung. Denn kein anderer Staat zog da- mals so oft in den Krieg wie Athen und vergrößerte seinen Machtbereich so erfolgreich. Die meisten Griechen dachten auch, dass das Ende Athens der Beginn der Freiheit für Griechen- land sein würde, ohne daran zu denken, dass Sparta als Sieger sofort den Platz des mächtigen Staats einnehmen würde.21

Unter der Leitung von Perikles erschwerte Athen den Handel für den Peloponnesischen Bund erheblich, indem zum Beispiel Korinths Verbündeter Megara als Mitglied des Peloponnesi- schen Bundes keine Häfen des attischen Seebundes mehr anfahren durfte. So war fast der ge- samte Ägäisbereich für Megara tabu. Auch die korinthische Kolonie Poteidaia musste seine Beziehungen zu Korinth abbrechen, da Poteidaia dem attischen Seebund angehörte. Nach und nach schwächte Athen Spartas Macht, während sie selbst immer stärker wurden. Noch immer war Sparta nicht bereit Athen anzugreifen. Aber die Mitglieder des Peloponnesischen Bundes drängten darauf, Korinth drohte sogar den Bund zu verlassen. Und so war Sparta gezwungen 431 v. Chr. einen Krieg zu beginnen, den man als „antiken Weltkrieg“ bezeichnen könnte, da alle damaligen Weltmächte beteiligt waren. Ein Krieg, brutal und langwierig, bei dem es im Endeffekt nur um den Ausbau und Erhalt der eigenen Macht ging.22

Die Spartaner und ihre Verbündeten setzten auf den altbewehrten Landkrieg und gingen ge- zielt auf Attika los. Sechs Jahre lang, einzig unterbrochen durch die Seuche 429 und ein Erd- beben 426, fielen sie immer zur Erntezeit in Attika ein, um die Felder und die Ernte zu zerstö- ren.

Athener setzten auf ihre Flotten und darauf, die Spartaner von ihren Verbündeten abzuschnei- den.23

„ Ein solches Volk aber vermag weder eine Flotte auszurüsten,

noch häufig Landheere ins Feld zu schicken, denn die Leute sind fern von ihrem Acker und sollen doch von deren Ertrag unterhalten werden,überdies wird ihnen der Seeweg versperrt. “ 24

Soziale Folgen

Wie die Athener ihre Toten begruben

Der Krieg gegen die Peloponnesier forderte bald die ersten Toten. Die Hinterbliebenen zeig- ten ihren Respekt und ihre Dankbarkeit mit aufwendigen Beerdigungen. Die Körper der Toten wurden drei Tage lang auf einem Gerüst ausgestellt, so dass ihnen Ehrengaben gebracht wer- den konnten. Zur Bestattung wurden sie in Särgen aus Zypressenholz vorgefahren. Für jede der zehn Phylen (“Stämme” in Athen) gab es einen Sarg. Und ein leerer Sarg für all die, die vermisst wurden, die nie Heimkommen würden. Die Bevölkerung folgte dem Leichenzug, still den Opfern gedenkend, zur staatlichen Grabstätte in der Vorstadt Athens. Nach dem die Särge in die Erde hinabgelassen worden, hielt ein ausgewählter, hoch angesehener Bürger die letzte Lob- und Dankesrede für die Gefallenen.25 Die Athener beerdigten jeden Toten mit dem gebührenden Respekt und der nötigen Hingabe. So war es immer schon der Brauch. Schon im Eid von Plataiai schwuren die Krieger nach der Schlacht keinen ihrer Mitkämpfer unbestattet auf dem Feld zurückzulassen.26 Alle Schlachten endeten für gewöhnlich damit, dass die ver- lierende Partei bat, ihre Toten angemessen bestatten zu dürfen. Die Zusage des Überlegenen dafür war selbstverständlich. Wer tapfer gekämpft hatte, verdiente auch eine respektvolle Be- erdigung. Dies war ein ungeschriebenes Gesetz, ja sogar ein Gebot der Götter. Wer dies igno- rierte, konnte mit göttlicher Strafe rechnen.27

[...]


1 Vgl. Peter Funke: „Die griechische Staatenwelt in klassischer Zeit (500-336 v. Chr.)“, Hg. Von H.J.Gehrke/ H.Schneider in „Geschichte der Antike. Ein Studienbuch“, Stuttgart, 2000, S.188-190.

2Vgl. Christian Meier: „Athen- Ein Neubeginn der Weltgeschichte“, München, 1995, VII „Gewohnt, auch über das Maß ihrer Kräfte zu wagen“ Athens Geschichte um die Jahrhundertmitte, S.357.

3 Vgl. ebd. S.153-154.

4 Vgl. Meier, „Athen“, VIII Das perikleïsche Athen, S.436.

5 Thukydides: „Der Peloponnesische Krieg“, übertragen von August Horneffer, Essen, 1993, 1, 143, Z.33-37. 2

6 Vgl. Meier, „Athen“, VIII Das Parikleïsche Athen, S.438, IX Vom Vorabend des Peloponnesischen Krieges bis zum Nikiasfrieden, S.543.

7 Vgl. Thuk., „Krieg“, 2, 14, Z.1-8, und 17, Z.1-13.

8 Vgl. ebd. 3, 87, Z.1-5.

9Vgl. Thuk., „Krieg“, 2, 47, Z.1-23, 49, Z.1-34, 51, Z.1-39.

10 Donald Kagan: „The Archidamian War“, 1974, 3. The Plague and Its Consequences”, S.78, Z. 9-11. 3

11 Vgl. Meier, „Athen“, IV. Neugründung der Polis unter Kleisthenes, S.206.

12 Vgl. Funke, „Staatenwelt“, Die östliche Mittelmeerwelt am Vorabend der Perserkriege, S.135; Die Zeit der Perserkriege, S.144.

13 Vgl. ebd., S.188-190.

14 Thuk., „Krieg“, Einleitung, S.XXIX-XXX.

15 Vgl. Funke: „Staatenwelt“, S.188-190.

16 Vgl. Funke, „Staatenwelt“, Die östliche Mittelmeerwelt am Vorabend der Perserkriege, S.134.

17 Vgl. ebd. Im Spannungsfeld der Großmächte: Die Zeit der Pentekontaëtie, S.147-149.

18 Vgl. ebd. Im Spannungsfeld der Großmächte: Die Zeit der Pentekontaëtie, S.151-151. 5

19 Vgl. ebd., Der Peloponnesische Krieg, S.153.

20 Vgl. Victor Davis Hanson: „ A war like no other - How the Athenians and Spartans fought the peloponnesian war“, New York, 2005, Chapter 1, Fear, Why Sparta fought Athens, Root causes?, S.12.

21 Vgl. ebd. Chapter 1, Fear, Why Sparta fought Athens (480-431), The sorrows of war, S.8-9.

22 Vgl. Funke, „Staatenwelt“, Der Peloponnesische Krieg, 152-154.

23 Vgl. ebd., Der Peloponnesische Krieg, S.154.

24 Thuk., „Krieg“,1, 141, Z.21-26.

25 Vgl. ebd. , 2, 34, Z.1-26.

26Vgl. Quellenpapier aus dem Seminar vom 24.05.2017, „Tod 204/GHI (Rhodes/Osborne) 88“, Marmorstelle aus Archarnai bei Athen mit der Inschrift des Eids, Z.24-26.

27Vgl. Alexander Rubel: „Stadt in Angst - Religion und Politik in Athen während des Peloponnesischen Krieges“, Darmstadt, 2000, 8.5 Bestattung und Totenkult. Die Bedeutung der Bestattungspflicht in Athen, S.324.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Peloponnesische Krieg im Schatten der Seuche. Die Folgen der Seuche und ihre Auswirkungen auf den Krieg
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V388910
ISBN (eBook)
9783668629530
ISBN (Buch)
9783668629547
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peloponnesischer Krieg, attische seuche, athen, antike, griechenland, pest
Arbeit zitieren
Jacquelin Koberstein (Autor), 2017, Der Peloponnesische Krieg im Schatten der Seuche. Die Folgen der Seuche und ihre Auswirkungen auf den Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388910

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