Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Erklärung des Deutungsverfahrens Typologie und ihrer Anwendung am Beispiel dreier Personenmotive in dem Marienpreis.
Das Blümel. Dieser Marienpreis wurde von einem namentlich nicht bekannten Zisterziensermönch in Böhmen als Anhang einer Abschrift des Marienleben[s] von Philipp von Seitz verfasst. Das Verfassen solcher Marienpreise ist typisch für das Mittelalter, da fast ausschließlich geistliche Texte schriftlich festgehalten wurden und Maria als höchste Heilige im Zentrum der Frömmigkeit stand.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird zunächst der Typologiebegriff erklärt und die Anwendung der Typologie als Deutungsverfahren der Bibelexegese erläutert. Zum besseren Verständnis werden anschließend Ursprung und Entwicklung der Typologie geschildert. Im Folgenden werden noch kurz die Probleme dargestellt, die sich ergeben, wenn man heute versucht, Texte typologisch zu interpretieren.
Im zweiten Teil des Hauptteils werden die drei Frauenmotive Judith, Esther und Abigail typologisch interpretiert. Dazu werden zunächst die zu bearbeitenden Textstellen aus dem Blümel zitiert. Da der heutige Leser in der Regel – und im Gegensatz zum mittelalterlichen Leser – nicht allzu gut mit den biblischen Motiven vertraut ist, werden zum besseren Verständnis die Referenzstellen aus der Bibel wiedergegeben. Daran anschließend wird die typologische Auslegung der Motive auf Maria erfolgen. Dies geschieht unter der Leitfrage, inwiefern Judith, Esther und Abigail zu Vorabbildungen Marias wurden und wieso sie als unvollkommen angesehen werden können.
Im Schlussteil werden noch einmal kurz die Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Zum Typologiebegriff
2.1 Ursprung und Entwicklung der Typologie
2.2 Problematik der typologischen Deutung aus heutiger Sicht
3. Beispiele im Text und ihre typologische Auslegung
3.1 Judith
3.2 Typologie Judith – Maria
3.3 Esther
3.4 Typologie Esther – Maria
3.5 Abigail
3.6 Typologie Abigail – Maria
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelalterliche Deutungsverfahren der Typologie anhand des Marienpreises "Das Blümel". Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die drei alttestamentarischen Frauengestalten Judith, Esther und Abigail als Vorabbildungen (Präfigurationen) Marias interpretiert werden und in welcher Weise sie dabei als unvollkommen im Vergleich zu Maria dargestellt werden.
- Erklärung des wissenschaftlichen Typologiebegriffs und dessen Bedeutung im Mittelalter.
- Analyse des Marienpreises "Das Blümel" hinsichtlich typologischer Motive.
- Detaillierte Untersuchung der Frauenfiguren Judith, Esther und Abigail.
- Gegenüberstellung der alttestamentarischen Typen mit der neutestamentarischen Antitypus-Figur Maria.
- Diskussion der Unvollkommenheit der Vorbilder im Kontrast zur christlichen Heilsgestalt Maria.
Auszug aus dem Buch
3.1 Judith
Die Textstelle, in der Maria als Judith bezeichnet wird, findet sich in den Versen 230 – 238 im Blümel: Nu ledich vnz, rosen vein, Olofernes ouz der hel. / er vnd alle sein gesel Hat vnz vm vnd vm beleit, / du Judith, nv hilf vnd streit, slach von dem podech daz houbt / der vnz guter ding beroubt mit seiner groz bechorung / und tegleicher anvehtung wilt du unz, vrouw, pei gestan / so geesig wir im wol an
Diese Textstelle bezieht sich auf die biblische Darstellung der Heldentat der schönen Witwe Judith. Erzählt wird, wie der Feldherr des Königs Nebukadnezar, Holofernes, die jüdische Bevölkerung der Stadt Betulia durch Belagerung und damit einhergehenden Wassermangel dazu zwingen will, Nebukadnezar und nicht Jahwe als den wahren Gott anzuerkennen. Verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte beschließen die Stadtältesten, nach fünf Tagen zu kapitulieren, wenn Gott ihnen nicht spürbar hilft. Nun erscheint die Repräsentantin des gotttreuen Volkes, Judith, in Betulia - ihrer Geburtsstadt - und rügt die Menschen aufgrund ihres mangelnden Gottvertrauens. Es gelingt ihr mit Hilfe einer List Zutritt zum Lager des Holofernes zu erlangen. Dieser ist ihr aufgrund ihrer Schönheit derart zugetan, dass er ihr erlaubt, an ihren jüdischen Wasch- und Speisegewohnheiten festzuhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einleitung in die Thematik der Typologie und ihre Anwendung im Marienpreis "Das Blümel" sowie Vorstellung der Forschungsleitfragen.
2. Zum Typologiebegriff: Definition des Begriffs der Typologie als mittelalterliches Exegese-Verfahren sowie Erörterung seiner Herkunft und der Schwierigkeiten heutiger Interpretationen.
3. Beispiele im Text und ihre typologische Auslegung: Hauptteil der Arbeit, der die drei Frauen Judith, Esther und Abigail sowie deren jeweilige typologische Entsprechung zu Maria detailliert analysiert.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der drei Frauenfiguren als Vorbilder Marias und Reflexion über deren relative Unvollkommenheit gegenüber der vollkommenen Mutter Gottes.
Schlüsselwörter
Typologie, Marienpreis, Das Blümel, Mittelalter, Bibelexegese, Judith, Esther, Abigail, Maria, Präfiguration, Antitypus, Heilsplan, Frömmigkeit, Mittelalterliche Literatur, Biblische Motive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erklärung und Anwendung des Deutungsverfahrens der Typologie in mittelalterlichen Texten, konkret am Beispiel des Marienpreises "Das Blümel".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die mittelalterliche Bibelauslegung, die Verehrung Marias sowie die Verbindung zwischen alttestamentarischen Frauengestalten und neutestamentarischen Heilsereignissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie die Figuren Judith, Esther und Abigail als typologische Vorabbildungen Marias fungieren und worin ihre spezifische Unvollkommenheit im Vergleich zu Maria begründet liegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die typologische Interpretation, ein traditionelles Verfahren der Bibelexegese, um die Verbindung zwischen alttestamentarischen Personenmotiven und Maria in einem literarischen Kontext zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Interpretation der drei Frauenmotive Judith, Esther und Abigail, unterlegt mit Textstellen aus dem "Blümel" und deren biblischen Referenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Typologie, Marienfrömmigkeit, Exegese, biblische Vorabbildung und Mittelalter charakterisieren.
Warum wird Maria im "Blümel" mit Judith verglichen?
Maria wird mit Judith verglichen, weil beide als Retterinnen ihres Volkes bzw. der Menschen vor dem Bösen (dem Teufel/Holofernes) agieren und damit in den Heilsplan Gottes eingebettet sind.
Welche Rolle spielen die "menschlichen Fehltritte" der Frauen im Vergleich zu Maria?
Die Arbeit stellt heraus, dass Judith, Esther und Abigail trotz ihres Handelns menschlich unvollkommen bleiben – etwa durch den Einsatz von List oder Täuschung –, während Maria als Mutter Gottes als über solche Handlungen erhaben gilt.
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- Judith Schwickart (Author), 2004, Typologie im Bluemel am Beispiel der alttestamentarischen Frauengestalten Judith, Esther und Abigail, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38904