Der Begriff "Industrialisierung" bezeichnet einen volkswirtschaftlichen Prozess,
der durch eine bedeutsame Zunahme der gewerblichen Gütererzeugung (sekundärer Sektor) auf Kosten des Agrarbereichs (primärer Sektor) gekennzeichnet ist. Doch dieser Wandel einer Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft erforderte schnelle Veränderungen in der Produktionstechnik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Der Begriff "Industrielle Revolution" bringt dies zum Ausdruck.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Definition - Begriffserklaerung Industrialisierung, Industrielle Revolution
2. Der Beginn der Industrialisierung in England und das Uebergreifen auf Kontinentaleuropa
II. Hauptteil
1.Soziale Begleiterscheinungen und Folgen der frühen Industrialisierung in Deutschland
2. Erste Reaktionen auf ein kollektives Lebensschicksal
III. Schlussresumée
Industrialisierung - ein notwendiger Entwicklungsprozess
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozioökonomischen Transformationsprozesse der Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert sowie deren Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der entstehenden Industriearbeiterschaft.
- Historische Rahmenbedingungen und Ursprung der Industrialisierung in England und Kontinentaleuropa
- Die Entstehung der sozialen Frage und der industriellen Arbeiterklasse in Deutschland
- Strukturelle Wandlungen der Lebensumstände durch Urbanisierung und Fabriksystem
- Reaktionsformen der Arbeiterschaft, von individueller Anpassung bis zur organisierten Arbeiterbewegung
- Die Rolle politischer und ökonomischer Einflussfaktoren wie Zollverein, Technik und Gesetzgebung
Auszug aus dem Buch
Soziale Begleiterscheinungen und Folgen der frühen Industrialisierung in Deutschland
Die Umsetzung der Arbeiter war Voraussetzung, Folge und Gradmesser der Industrialisierung zugleich. Da der Wohnungsbau mit dem Tempo der industriellen Entwicklung nicht Schritt hielt, kam es zu derartigen Missständen, die es in der früheren Agrargesellschaft kaum gegeben hatte. Alleinstehende Arbeiter wohnten als sogenannte Schlafburschen zur Untermiete in den Städten. Ihr zu ertragendes Leid setzte sich bis in die Familien hinein fort, die ihnen eine Schlafstelle gewährten. Denn die meisten Familien der unteren Schichten lebten selbst bereits außerordentlich beengt. Trotzdem blieb ihnen oft keine andere Wahl, als ihr karges Einkommen durch Untervermietung aufzubessern. Die unerträglichen Auswirkungen dieser Wohnungsmisere blieb auf Frauen und Kinder, auf das Leben der Familie insgesamt nicht folgenlos. Krankheiten, unhygienische Zustände, Nahrungsmangel, Sittenverfall, hohe Sterblichkeit, fehlende Elternliebe u.a.m. sind Auswucherungen dieser Zustände.
Ein Übel besonderer Art war die Kinderarbeit. Früh wurden sie schon in den Arbeitsprozess eingespannt, ohne je eine Schule besucht zu haben. Ihr Zuverdienst wurde in den Familien dringend benötigt. Die Firmeninhaber hatten gegen billige Arbeitskräfte nichts einzuwenden, denn sie meinten, mit der Beschäftigung von Kindern einen sozial positiven Zweck zu erfüllen, da sie auf diese Weise die Kinder von Kriminalität und Bettelei fernhielten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung definiert zentrale Begriffe wie Industrialisierung und Industrielle Revolution und skizziert den Beginn des Prozesses in England sowie dessen Ausbreitung auf den europäischen Kontinent.
II. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert die sozialen Folgen der Industrialisierung in Deutschland, insbesondere die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Reaktionen der Arbeiterschaft, einschließlich der Herausbildung einer Arbeiterbewegung.
III. Schlussresumée: Der Abschluss fasst die Industrialisierung als einen zwar notwendigen, aber von schwerwiegenden sozialen Entwurzelungen und Herausforderungen begleiteten Entwicklungsprozess zusammen.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, Industrielle Revolution, Soziale Frage, Arbeiterklasse, Deutschland, Arbeitsbedingungen, Urbanisierung, Fabriksystem, Kinderarbeit, Arbeiterbewegung, Wirtschaftsentwicklung, 19. Jahrhundert, Proletariat, Kapitalismus, soziale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den sozioökonomischen Wandel, den Deutschland während der frühen Phase der Industrialisierung im 19. Jahrhundert durchlief.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören der technische Fortschritt, die sozialen Folgen für die Arbeiterschaft, die Wohnsituation, Kinderarbeit und die Entstehung politischer Organisationen der Arbeiter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen ökonomischem Fortschritt und den damit einhergehenden sozialen Missständen sowie die kollektiven Reaktionsweisen der betroffenen Arbeiterklasse zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen basiert, um die Entwicklungsphasen und gesellschaftlichen Strukturen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Lebenswelt der Industriearbeiter, den Fabrikordnungen, der sozialen Not und der Entwicklung einer Klassenidentität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Industrialisierung, Soziale Frage, Arbeiterbewegung, Fabriksystem und 19. Jahrhundert zusammenfassen.
Wie wirkten sich die Fabrikordnungen auf die Arbeiter aus?
Fabrikordnungen fungierten als ein strenges Regelsystem, das den Arbeitern wenig Freiraum ließ, ihren Alltag unter Zwang stellte und ihnen bei Zuwiderhandlung oft existenzbedrohende Konsequenzen wie Entlassung drohte.
Warum war die "soziale Frage" in Deutschland so drängend?
Aufgrund des schnellen Wachstums der Städte und der Fabriken, mit dem die soziale Infrastruktur nicht Schritt halten konnte, entstanden Massenelend, katastrophale Wohnbedingungen und eine hohe soziale Unsicherheit, die eine politische Antwort erforderten.
Welche Rolle spielte der Deutsche Zollverein für die Entwicklung?
Der Zollverein ab 1834 schuf die notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen, indem er Binnenmarktschranken beseitigte und somit ein einheitliches Wirtschaftswachstum und die notwendige Marktintegration erst ermöglichte.
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- Angelika Mennad (Author), 2002, Soziale Begleiterscheinungen und Folgen der frühen Industrialisierung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3891