Persönliche Erfahrungen mit einer Jugendszene - Die Szene der Neonazis


Referat (Ausarbeitung), 2005
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schulisches Umfeld
1.1 Klassenumfeld
1.2 Angaben zur Beobachtungsperson

2. Plötzlicher Wandel
2. 1 Erste Reaktionen
2.2 Normalität –Entspannung in der Klasse

3. Beginn von politischer Tätigkeit

4. Einblicke
4.1 Kleidung
4.2 Musik
4.3 Organisation

5. Schlussbetrachtung

Literatur

Einleitung

Rechte Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Hass gegen Andersdenkende stellte in der Mitte der 90er Jahre ein zentrales Problem in Deutschland dar. In regelmäßigen Abständen (z. B. nach Wahlen oder gewaltsamen Übergriffen gegen Ausländer) kommt es in der Öffentlichkeit zu heftigen Diskussionen über Ursachen und Präventionsmaßnahmen. Leider konnte das Problem bisher nicht gelöst werden - im Gegenteil, vielerorts verschärft sich die Lage sogar. Bei den zahlreich geführten Diskussionen wird meiner Meinung nach jedoch meistens nur oberflächlich argumentiert. Wie ein junger Mensch plötzlich in dieser rechtsextremen Szene aktiv wird und sich in einigen Härtefällen mit ideologischen Ideen identifiziert, wird dagegen kaum betrachtet.

Im Rahmen des Seminars „Leben in Szenen“ wählte ich mir das Thema „Rechtsextremismus aus eigener Sicht“ aus. Hierbei möchte ich über einen Fall berichten, der sich in meinem persönlichen bzw. schulischen Umfeld ereignete. Ich schildere, wie ein Jugendlicher plötzlich und ohne erkennbare Anzeichen, von einem politisch normalen Umfeld, in die rechte Szene wechselte. In meiner Darstellung gehe ich auf den Werdegang dieses Jungen ein und beschreibe, wie aus einem einfachen Landjungen ein rechtsextremer und teilweise auch gewaltbereiter Mensch wurde. Der sich entspinnende Kreis, welcher sich in meinem Klassenumfeld vollzog, riss schließlich weitere Mitschüler in den Bann der Neonazis.

Das Ziel meiner Darstellung ist es, nicht anzuklagen oder zu verurteilen, sondern lediglich zu beschreiben und an ausgewählten Punkten zu analysieren. Weiterhin bin ich daran interessiert, gängige Annahmen über Mitglieder dieser Szene zu konkretisieren. In meinem beobachteten Fall handelt es sich beispielsweise um einen gebildeten und motivierten Jungen ( im Gegensatz zu bisherigen Annahmen, dass sich in der rechtsextremen Szene vorwiegend ungebildete und gelangweilte Jugendliche befinden). Daneben stelle ich szenespezifische Merkmale wie Musik, Kleidung, Personenkreis und Organisationsstruktur vor.

In zahlreichen Gesprächen mit diesem Jungen habe ich meiner Meinung nach einen guten Einblick in diese Szene erhalten, ohne mich in irgendeiner Form dort anzuschließen oder mich Gefahren auszusetzen.

Die folgende Darstellung soll auch keinen wissenschaftlichen Anspruch (wie es bei Seminararbeiten der Fall sein sollte) erheben. Vielmehr stelle ich bestimmte erlebte Vorgänge, Aktionen und Reaktionen in einer subjektiven Weise dar. An einigen Stellen werde ich jedoch Versuche unternehmen, bestimmte Aussagen oder Beobachtungen zu begründen. Um meine gemachten Beobachtungen zu bestätigen, ziehe ich die Verfassungsschutzberichte der Bundesregierung in meine Darstellung ein.

1. Schulisches Umfeld

An meiner Schule gab es zu meiner Schulzeit noch die Rechte Szene in einer ausgeprägten Form. Zwar war sie in einer Art Auflösung begriffen, da viele Anhänger die Schule nach der 10. Klasse verließen und die nachfolgenden Schüler diese Szene sehr stark ablehnten, aber es gab sie weiterhin. Gelegentlich kam es auch zu Übergriffen gegen Anhänger der linken Szene. Diese hielten sich jedoch stark im Hintergrund, daher sind diese Fälle nur sehr selten bei Lehrern und der Schulleitung bekannt geworden.

Besonders schwierig gestalteten sich zu jener Zeit Schulfeste oder Feiern. Es verging, während ich die 7. und 8. Klasse besuchte, kein Schulfest, auf dem es nicht zu Auseinandersetzungen mit Neonazis kam. Schüler, die diesen sehr nahe standen, machten sie auf schulische Veranstaltungen aufmerksam und plötzlich war die Schule von Rechtsextremisten umlagert. Weder Ordnungspersonal (was aus Schülern bestand), Lehrer noch die Polizei konnten diese Art von Aufmarsch verhindern, da an sich keine Gesetzesverstöße begangen wurden. Die Schulfeste während meiner frühen Gymnasialzeit waren auch oftmals mit Angst vor Übergriffen begleitet.

1.1 Klassenumfeld

Meine Schulklasse bestand aus 28 Schülern. Es gab eine gewisse Gruppenbildung, jedoch keine hierarchischen Strukturen. Leistungsmäßig gehörte die Schulklasse zu den stärksten des Jahrgangs. In der 7. und 8. Klasse gab es bei den Schülern keine erkennbaren Anzeichen von politischer Orientierung oder der Zugehörigkeit zu einer Szene. Lediglich aus Parallelklassen war bekannt, dass einige Schüler bereits sehr aktiv in der linken Szene agierten.

1.2 Angaben zur Beobachtungsperson

Christian, so der Name der Beobachtungsperson, war aus meiner Sicht ein typischer Schüler vom Land. Bis zur neunten Klasse war sein äußeres Erscheinungsbild schlicht, seine Kleidung einfach - generell legte er wenig Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. Leistungsmäßig gehörte er zum Mittelfeld der Klasse.

Von seinem familiären Umfeld weiß ich nur sehr wenig zu berichten. Mir ist bekannt, dass seine Eltern geschieden sind und er noch mehrere Geschwister hat. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit Fußball und Leichtathletik. In der Klasse galt Christian als ein ruhiger Schüler, welcher nicht häufig im Mittelpunkt stehen wollte und auch sonst zurückhaltend war. Von der Klasse wurde er akzeptiert und galt keineswegs als Außenseiter. Somit fallen die klassischen Motive ( keine Anerkennung, Außenseitertum, familiäre Probleme etc.) für einen derartigen Wandel weg. An dieser Stelle vermute ich, dass es sich um eine reine politische Neuorientierung handelte. Der ausgeklügelte Rekrutierungsapparat der rechten Szene hat ganze Arbeit geleistet. Im Gegensatz zum allgemeinen Freizeitangebot erzählte Christian später häufig von Unternehmungen ( Wanderungen, Kameradschaftsabende, Konzerte, Diskussionen), welche von der JN oder der NPD veranstaltet worden sind.

2. Plötzlicher Wechsel

Während ich diese Zeilen niederschreibe, habe ich das Gefühl, als lese ich einen Roman zum Thema. Die Situation am ersten Schultag in der 9. Klasse entspricht der Beschreibung nach vielen, welche einem Jugendroman gleichen.

Die ganze Klasse saß am Morgen des Jahres 1996 im Raum und warte auf die Klassenlehrerin, um endlich über den Stundenplan und Lehrerwechsel informiert zu werden. Ein Schüler fehlte jedoch, es war der besagte Christian. Kurz vor Beginn der Stunde, als die Lehrerin die Tür schließen wollte, kam er herein.

Alle Schüler schauten ihn ehrfürchtig an. Der ruhige Junge, den wir erwarteten, kam nicht. Welche Verwandlung musste er unternommen haben, um so auszusehen. Ein kahl geschorener Kopf, eine grüne Bomberjacke, gebleichte Jeans (welche an eine Tarnhose erinnerten) und Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln. Allen war natürlich klar zu welcher politischen Richtung sich dieser Junge während der Sommerferien zugewandt hatte. Niemand in der Klasse äußerte sich dazu und es war allen anzumerken, dass sie diese Situation erst einmal verarbeiten mussten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Persönliche Erfahrungen mit einer Jugendszene - Die Szene der Neonazis
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Erziehungswissenschaften/Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Leben in Szenen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V38942
ISBN (eBook)
9783638378628
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Grundlagen meiner Betrachtungen bilden persönliche Erfahrungen mit dieser Szene, die ich während meiner Schulzeit hatte. Meine Darstellung hat daher auch weniger einen wissenschaftlichen Anspruch, sondern ist vielmehr eine Bestandsaufnahme.
Schlagworte
Persönliche, Erfahrungen, Jugendszene, Szene, Neonazis, Leben, Szenen
Arbeit zitieren
Thomas Mrotzek (Autor), 2005, Persönliche Erfahrungen mit einer Jugendszene - Die Szene der Neonazis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38942

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