Caesar als Schriftsteller - Die Schrift de Bello Gallico


Seminararbeit, 2001

22 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Caesars literarisches Gesamtwerk

3. Aufbau und Inhalt der Commentarii

4. Entstehung und Datierung

5. Stil als Mittel zum Zweck

6. Publikum

7. Glaubwürdigkeit Caesars

8. Genus des Werkes

9. Zusammenfassung

10. Quellen und Literatur

1. Einleitung

„So wirkte und schaffte er wie nie ein Sterblicher vor und nach ihm, und als ein Wirkender und Schaffender lebt er noch nach Jahrtausenden im Gedächtnis der Nationen, der erste und auch der einzige Imperator Cäsar.“[1]

Mit dieser kühnen und doch leidenschaftlich begründeten Aussage lässt Theodor Mommsen seine Römische Geschichte ausklingen. Jenes Standardwerk, das das Caesarbild der Moderne noch lange prägen und auf die Probe stellen sollte. In der Tat kann auch der kritischere Forscher nach der Beschäftigung mit der Person Caesars nicht umhin, seine umfassende Begabung zu würdigen, seine unumstrittene Genialität auf dem Schlachtfeld, seine rhetorischen Fähigkeiten und nicht zuletzt sein politisches Engagement. Daß seine Taten die Zeiten überdauern sollten war sicher eine seiner größten Ambitionen, wie bei vielen berühmten Römern dieser Zeit. Doch in welcher Art und Weise sich noch zwei Jahrtausende später die meisten Menschen mit seinem Werk in Berührung kommen, das hätte er sich sicher nicht träumen lassen. Nach wie vor ist seine Schrift de bello Gallico erste Wahl an Quellenliteratur im Lateinunterricht für Anfänger auf der ganzen Welt. Allein diese Tatsache macht Caesar zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller aller Zeiten, gemessen an der Auflagenstärke seines Werkes.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Facette von Caesars Persönlichkeit und versucht einen Einblick zu geben in sein schriftstellerisches Werk. Dies soll anhand seiner Commentarii de bello Gallico geschehen, nicht nur, weil es seine berühmteste und umfangreichste Schrift ist, sondern auch, weil sie als einzige vollständig überliefert ist. Der Umfang gestattet es nicht, eine vollständige Bearbeitung dieses Komplexes zu liefern. Vielmehr soll ein Eindruck von Caesars literarischer Begabung vermittelt, ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung gegeben und eine Deutung seiner Motive versucht werden. Denn so vielseitig sich Caesars Betätigungsfelder auch darstellen, so waren sie doch niemals isoliert. Caesars Kriege hatten stets auch einen politischen Hintergrund, seine Redekunst brachte ihm seine Stellung bis hin zum Triumvirat, seine Pakte hielten ihm den Rücken frei für seine Eroberungen. So führte in Caesars Leben immer das Eine zum Anderen. So war auch seine literarische Tätigkeit mit Sicherheit nicht frei von Hintergedanken. Ob und inwieweit sich das auf seine Glaubwürdigkeit und die Authentizität seiner Berichte auswirkt, soll ebenfalls untersucht werden.

Erschwert wird diese Aufgabe durch die ungünstige Quellenlage in dieser Zeit. Obgleich Caesars bedeutendste Schriften fast ganz erhalten sind, mangelt es an verlässlichem Vergleichsmaterial. Die Caesarbiographen Sueton[2] und Plutarch[3] beziehen sich bei ihrer Schilderung des Gallischen Krieges zumeist auf Caesar selbst. Aulus Hirtius[4], der Verfasser des achten Buches von De Bello Gallico muß als Verehrer Caesars sehr kritisch betrachtet werden, während einer der wenigen Kritiker dieser Zeit, Asinius Pollio[5] nur durch Zitate überliefert ist. Der Historiograph Cassius Dio[6] schrieb erst im dritten Jahrhundert nach Christus. Die spärlichen Verweise bei Cicero[7] helfen für der Rekonstruktion des Geschehens kaum weiter. Gleiches gilt für einige Anspielungen beim Dichter Catull. Deshalb ist Caesar für die Erforschung seines Werkes über weite Strecken selbst der einzige Gewährsmann.

Es folgt zunächst eine kleine Einführung in Caesars literarisches Gesamtwerk, da er sich durchaus nicht nur mit seinen Commentarii befasst hat. Der Aufbau und Inhalt ebendieser wird im nächsten Abschnitt kurz umrissen. Da die genaue Datierung der Schrift nach wie vor in der Forschung umstritten ist, wird anschließend auf den Entstehungszeitraum und das Datum der Veröffentlichung näher eingegangen. Caesars markantem Stil ist der folgende Teil gewidmet, wobei aus oben genannten Gründen immer auch auf Caesars Motive Bezug genommen werden muß. In diesem Sinne muß dann auch die Frage nach dem speziellen Leserkreis gestellt werden, für den das Werk ursprünglich konzipiert war bzw. ob es einen solchen überhaupt gegeben hat. Die Glaubwürdigkeit Caesars ist nach wie vor ungeklärt und gehört wohl zu den reizvollsten Fragen, die seine Person als Schriftsteller betreffen. Forschungsansätze und Schwierigkeiten bezüglich dieses Themas werden im achten Abschnitt aufgezeigt. Nach dem Versuch einer Einordnung der Commentarii in die antike Literatur, der Festlegung auf ein bestimmtes Genus also, endet die Arbeit mit einer Zusammenfassung, die von Caesars Werk zurück auf seine Person führen soll. Ein Literaturverzeichnis zur Erleichterung der intensiveren Beschäftigung mit dem Thema findet sich selbstverständlich am Ende des Aufsatzes.

2. Caesars literarisches Gesamtwerk

„Er hinterließ tagebuchartige Aufzeichnungen über seine Leistungen während des Gallischen Krieges und des Krieges im Innern mit Pompeius.“[8]

Gemeint sind hier Caesars berühmteste Schriften, zum einen die genannten Commentarii de Bello Gallico, zum anderen die Commentarii de Bello Civile, wie uns Sueton hier wissen lässt. Genau genommen stammen nur die ersten sieben Bücher des Gallischen Krieges aus der Feder Caesars. Der Bürgerkrieg ist nicht vollständig überliefert. Über den Inhalt der Bücher ist der Information Suetons vorerst nichts hinzuzufügen.

Im Zuge dieser beiden Werke tauchen immer wieder das Bellum Africum, das Bellum Alexandrinum und das Bellum Hispaniense auf. Sie sind jedoch, genau wie das achte Buch des Bellum Gallicum, das seinem Gefolgsmann Aulus Hirtius zugeschrieben wird, nicht von Caesar[9], sondern von bewundernden Nachahmern geschrieben worden. Im Inhalt beziehen sie sich wie zu erwarten auf die kriegerischen Taten Caesars, die in seinen eigenen Schriften fehlen, namentlich die Auseinandersetzungen mit den Anhängern des Pompeius in Spanien und Nordafrika. Die Schriften werden hier nur um der Klarheit willen genannt, da sie gerne mit Caesars Büchern zum sog. Corpus Caesarianum[10] zusammengefasst werden, was durchaus missverstanden werden kann.

Doch damit ist Caesars literarisches Wirken noch lange nicht erschöpft, auch wenn von den folgenden Schriften und einigen kleineren Jugendwerken leider keine mehr erhalten sind. Mit de Analogia verfasste er eine philosophisch-rhetorische Schrift über den Gebrauch der Analogie in der Rede, die unter anderem von Cicero, dem damals wohl fähigsten Autor dieses Genres, hoch gelobt wurde.[11]

Ganz im Gegensatz dazu fand seine Schmähschrift Anticato anlässlich des Todes seines unangenehmen politischen Gegners Cato im intellektuellen Rom nur wenig Gegenliebe.[12] Dies ist nur ein Beispiel dafür, daß Caesar durchaus in Rage geraten konnte, wenn etwas nicht nach seinem Plan verlief, und dann zuweilen auch seinen viel gerühmten kühlen Kopf verlieren konnte.

Auch in der Kunst der Poesie versuchte er sich mindestens einmal. Auf dem Wege von Rom nach Spanien soll er einen erzählenden Gedichtband Iter verfasst haben. Der Verlust dieses Werkes schmerzt besonders, da man daraus sehr wahrscheinlich eine ungewöhnliche Seite seiner Persönlichkeit hätte erschließen können.[13]

Außerdem zählte Caesar zu den fleißigsten Briefeschreibern der Antike, wenn nicht gar der Weltgeschichte. Nicht nur die Anweisungen an seine entfernt operierenden Legaten und diverse Gewährsleute oder Spitzel formulierte er in dieser Weise. Auch den politischen Dialog mit Freund und Gegner in Rom führte er von seinem Feldlager aus. So versuchte er mehrfach, Cicero auf seine Seite zu ziehen, auch indem er bereitwillig seine Klienten und Verwandten in seine Armee aufnahm. Auch die Verhandlungen der Triumvirn dürften durch einen regen schriftlichen Austausch vorbereitet worden sein. So versiert soll er gewesen sein, daß er angeblich beim Reiten diktieren konnte und zwei oder mehr Schreiber gleichzeitig beschäftigte.[14]

Dieser kurze Überblick über Caesars bekannte Schriften zeigt deutlich, daß er mehr war als ein Soldat, der seinen Vorgesetzten Bericht erstattet. Hier begegnet uns ein Mann, der nicht nur in der Kunst der politischen Rede bewandert war, was in Rom für einen Patrizier verpflichtete, sondern darüber hinaus auch ein reges Interesse für Literatur jeder Art zeigte. Das alles in einer Zeit, in der Cicero gerade damit beschäftigt war, griechischen Freigeist für die konservativen Römer aufzubereiten. Dies zeigt auch die in jungen Jahren unternommene Reise zum griechischen Redner Appollonios Molon, dem auch Cicero schon zugehört hatte, nach Rhodos[15].

Auch seinen Zeitgenossen blieb diese Begabung nicht verborgen. Die Einfachheit und Sachlichkeit seines Stils war es, die seinem Werk den Weg in unzählige Klassenzimmer geebnet hat. Daß dies keineswegs als Herabwürdigung zu verstehen ist, zeigt die folgende Passage in Ciceros Brutus: „Er hat unstreitig Tagebücher verfasst, die unseren Beifall verdienen; sie sind ohne Schwulst, an der Sache orientiert und anmutig; alles ausschmückende Beiwerk einer Rede lassen sie vermissen, als ob man sie entkleidet hätte.“[16] Hinzu kommt die noch Caesars sprichwörtliche Schnelligkeit, seine celeritas, die er auch und vor allem bei seiner literarischen Tätigkeit in den Tag legte. Aulus Hirtius, sein Begleiter im Krieg, präsentiert sich als Augenzeuge, wenn er sagt: „Dabei ist unser Staunen über Caesars Kunst noch größer als das aller anderen; diese nämlich wissen nur, wie gut und vollkommen er seine Berichte schrieb, wir aber dazu noch, wie leicht und rasch.“[17] Mit Hirtius, seinem treuen Gefolgsmann, und Cicero, einem seiner schärfsten Kritiker, dürfte der Eindruck, den Caesars Stil auf die Römer machte, genügend umrissen sein. Wie Inhalt und Absicht des Bellum Gallicum mit dieser „entkleidet(en)“ Sprache verbunden sind, soll später gezeigt werden.

[...]


[1] T. Mommsen, Römische Geschichte, Berlin 1968, 582

[2] C. Suetonius Tranquillus, Die Kaiserviten

[3] Plutarch, Doppelbiographien

[4] Hirtius b. G. VIII

[5] z.B. bei Suet. 56,4

[6] Cassius Dio, Römische Geschichte, 38-40

[7] z.B. in Cicero, Brutus

[8] Suet. 56, 1

[9] Suet. 56, 1; Hirtius B. G. VIII; Eine alternative Argumentation liefert neuerdings L. Canfora, der das achte Buch Caesar selbst zuschreibt und die Verfasserschaft von Hirtius in Abrede stellt. L. Canfora, Caesar, München 2001, 346f.

[10] F. E. Adcock, Caesar als Schriftsteller, Göttingen 1959, 70-74

[11] Suet. 56,5; M.Gelzer, Caesar. Der Politiker und Staatsmann, Wiesbaden 1960, 126f.

[12] Suet. 56,5; Gelzer 280f.

[13] Suet. 56,5

[14] Plut. Caes. 17

[15] Plut. Caes. 3

[16] Suet. 56, 2

[17] Hirtius, B. G. VIII, 6-7

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Caesar als Schriftsteller - Die Schrift de Bello Gallico
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Gaius Julius Caesar
Note
1.0
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V3895
ISBN (eBook)
9783638124140
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Caesar, Schriftsteller, Schrift, Bello, Gallico, Proseminar, Gaius, Julius, Caesar
Arbeit zitieren
Stephan Geier (Autor), 2001, Caesar als Schriftsteller - Die Schrift de Bello Gallico, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3895

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