Satire und Comedy in Zeitschriften und Fernsehen - Ein Vergleich anhand ausgewählter Beispiele


Examensarbeit, 2004

92 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Satire
2.2 Comedy

3. Geschichte der einzelnen Formate
3.1 TV Total
3.2 Extra 3
3.3 Titanic – Das endgültige Satiremagazin
3.4 Vergleich

4. Selbstverständnis der einzelnen Formate
4.1 TV Total
4.2 Extra 3
4.3 Titanic
4.4 Vergleich

5. Typische Themen
5.1 TV Total
5.2 Extra 3
5.3 Titanic

6. Der typische Aufbau einer Ausgabe
6.1 TV Total
6.2 Extra 3
6.3 Titanic
6.4 Vergleich

7. Genauere Untersuchung von „TV Total“
7.1 Stand-Up
7.2 Einspieler
7.3 Umgang mit Gästen
7.4 Interaktion mit dem Publikum
7.5 Aktionen und deren Inszenierung
7.6 Raab und die Musik
7.7 Satirische Elemente
7.8 Selbstironie
7.9 Fazit – Thematische und stilistische Schwerpunkte

8. Genauere Untersuchung von „extra 3“
8.1 Der Moderator
8.2 „Klaus“
8.3 Beiträge
8.4 Das „Dossier“ und der Gast
8.5 Weitere Rubriken
8.6 Fazit

9. Genauere Untersuchung der „Titanic“
9.1 Cartoons
9.2 Lyrik
9.3 „Briefe an die Leser“
9.4 „Vom Fachmann für Kenner“
9.5 Beiträge
9.6 Aktionen
9.7 „Partner Titanic“
9.8 Fazit

10. Vergleich einzelner Aspekte
10.1 Der Moderator
10.2 Geschlossene Struktur, Rückbezüge und „Running Gags“
10.3 Thematische Schwerpunkte
10.4 Innovation
10.5 Den Rahmen sprengen

11. Fazit

12. Literatur- und Quellenangaben 2

Nichts ist komischer als eine Theorie des Komischen – wer bei diesen Worten auch nur andeutungsweise mit dem Kopf genickt hat, ist bereits gerichtet. Natürlich ist selbst ein schlechter Witz komischer als eine solche Theorie, und ein guter ist dies sowieso, […]

Robert Gernhardt (2000, S. 525)

1. Einleitung

Den Deutschen haftet im Ausland oft das unbegründete Vorurteil an, humorlos zu sein. Selbstverständlich sind Deutsche nicht mehr und nicht weniger lustig als ihre mitteleuropäischen Nachbarn oder, was das angeht, jedes andere Volk der Welt. Sicherlich hat man noch heute mit einer tragischen Geschichte zu kämpfen und viele Jahrzehnte galt es, vor allem bei Intellektuellen, als unangemessen, Komik zu produzieren. Diese Einstellung hat sich aber im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Und spätestens seit dem Beginn des Privatfernsehens Anfang der achtziger Jahre wird Unterhaltungskomik wieder geradezu industriell hergestellt. Humor ist Mainstream, deswegen für die Unterhaltungsindustrie unverzichtbar.

„Humor unterliegt einem allgemeinen Banalitätsverdacht.“ (Bleicher, 2003, S.76) In dieser Ausgabe wird aber nicht davon ausgegangen, dass Komik zu den niederen Formen der Literatur gehört.

In dieser Arbeit soll ein Querschnitt dessen gezeigt werden, was heute an seriell Komischem geboten wird. Das Augenmerk liegt hier auf dem Fernsehen und auf Zeitschriften, im Speziellen auf den Fernsehsendungen „TV Total“ und „extra 3“ und dem Magazin „Titanic“. Mit diesen drei Formaten erhält man einen guten Überblick über die aktuelle Situation in der Komiklandschaft.

Es findet ein Vergleich der drei genannten Formate statt, der wie folgt aufgeteilt ist: Nach den Definitionen der im Titel enthaltenen Begriffe „Satire“ und „Comedy“ werden allgemeine Tatsachen verglichen, die sich auf die Konzepte der Produktionen, ihr Selbstverständnis, ihre Geschichte, ihre Lieblingsthemen und den Aufbau einer typischen Ausgabe konzentrieren.

Daran anschließend werden an konkreten Beispielen verschiedene Rubriken und andere wichtige Aspekte der einzelnen Formate eingehend auf ihren satirischen Anspruch, die verwendeten Stilmittel und weitere im Zusammenhang der einzelnen Beispiele wichtige und interessante Aspekte untersucht. Dann werden noch verschiedene Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Formate eingehender verglichen, bevor im Fazit die Ergebnisse der Beobachtungen zusammengefasst werden.

Das Augenmerk liegt vor allem auf den vielen Facetten in der Verwendung von Komik und auf dem Anspruch, den die Formate an sich selbst stellen. An den Beispielen und in den Vergleichen soll gezeigt werden, welche Ziele die Verwendung von komischen Werken hat, wie sie mit Rezipienten, dem Markt und wirtschaftlichen Interessen und zentral mit dem Karikierten, Parodierten, Verlachten und Kritisierten interagieren. Es wird gezeigt, dass Satire und Comedy nicht als gegensätzliche Begriffe verwendet werden sollten, sondern dass die Abstufungen fließend sind.

2. Definitionen

2.1 Satire

Satire ist weniger eine literarische Gattung als vielmehr eine „Schreibart ohne eig. Form in allen lit. Gattungen“ (von Wilpert, 2001, S. 718). Sie kann in Gedichten, Komödien, Essays, Reportagen, Romanen, Novellen und allen anderen erdenklichen literarischen Formen auftauchen. Mit der Verbreitung der modernen Medien hat sich die Satire auch hier eine Nische gesichert. Fernsehsendungen, Kinofilme und auch Internetseiten mit satirischem Inhalt sind zu finden.

Satire prangert an. Sie will auf Missstände hinweisen, Ungerechtigkeiten aufzeigen und sicherlich auch die Zustände verbessern. Ziele sind andere Künstler und ihre Werke, Politiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder auch die Gesellschaft im Allgemeinen mit ihren Marotten, Trends und (Un-)Sitten. „Der Humor mag oftmals ohnmächtig sein, aber er ist deswegen noch lange nicht pazifistisch.“ (Grasskamp, 2002, S. 780) Satire kann im Tonfall stark variieren. Von liebenswürdiger Rüge bis zu bitterster und unversöhnlichster Bloßstellung umfasst sie alle Schattierungen. All diesen Varianten und Formen ist jedoch eine gewisse Aggression gemein. Dies liegt in der Natur der Satire. Sie will ein Gegenüber verspotten und richten.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Verwendung von Komik. Das Lächerlichmachen und Bloßstellen des Gegenübers ist komisch und regt den Rezipienten zum Lachen an, auch wenn ihm, zumindest bei einigen Vertretern der Satire, das Lachen im Halse stecken bleiben kann.

Meistens richtet sich Satire an einen gebildeten Rezipienten, der mit dem Verspotteten vertraut ist. Man versteht eine satirische Parodie nicht, wenn man nicht das Original kennt oder weiß, welche Inhalte z.B. ein gerügter Politiker vertritt. Üblicherweise wird die Satire als „höhere“ Form der Komik gesehen und Klamauk, Blödelei und auch Comedy gegenübergestellt, doch wie in so vielen Bereichen sind auch hier die Übergänge fließend.

Satire bedient sich vieler Stilmittel, von denen einige allein ihr vorbehalten sind. Parodie und Travestie, Polemik, Persiflage, Karikatur, Überspitzung oder Ironie werden mit Satire verbunden.

Die Geschichte der Satire beginnt in der Antike, wo sie bereits von den Griechen und den Römern praktiziert wurde. Von Wilpert (2001, S. 718) nennt Lucilius als „Begründer der heutigen Satire“. Sie entwickelte sich über das Mittelalter (hier z.B. Fabeln als Analogie zur echten Welt) bis in die Moderne.

In den deutschen Printmedien ist die Satire heute vor allem mit den Zeitschriften „Eulenspiegel“ und „Titanic“ vertreten. Im Fernsehen gibt es einige Sendungen, wie „Mitternachtsspitzen“ (WDR) und das in dieser Arbeit behandelte „Extra 3“ (NDR), die sich der Satire verschrieben haben.

2.2 Comedy

Zunächst einmal ist „Comedy“ das englische Wort für dt. „Komödie“, doch dies allein kann nicht den in den Medien grassierenden und oft vom Feuilleton beschworenen „Comedy-Boom“ beschreiben.

Die Verwendung des Wortes „Comedy“ in der Beschreibung eines Medienprodukts lässt den Rezipienten gewisse Darstellungsformen erwarten. Comedy ist in der deutschen Medienwelt vielgestalt und gleichzeitig klar einzuschränken. Wichtigstes Merkmal von Comedy ist sicherlich die Komik. Comedy-Produktionen haben witzige Inhalte und stellen diese auf witzige Art und Weise dar. Diese Komik tritt üblicherweise in vielen verschiedenen Formen auf. Sie reicht von Klamauk und Blödelei über Parodie bis hin zu satirischen Inhalten. Oft beschränken sich Comedy-Produkte, vor allem im Fernsehen, nicht auf eine Darstellungsform, sondern nutzen viele. Doch aller Comedy ist gemein, dass man sie mit „einfacher“ Unterhaltung gleichsetzt. Comedy will den Rezipienten unterhalten und verfolgt außer diesem nur bestenfalls sekundäre Ziele.

Der Tummelplatz der Comedy ist das Fernsehen. Die meisten Genreprodukte findet man hier. Auch das Kino verkauft Comedy, allerdings spricht man in diesem Zusammenhang normalerweise wieder klassisch von der „Komödie“. Die Printmedien haben ebenfalls Comedy zu bieten, doch beschränkt sich diese auf Comic-Strips und Bilderwitze. Comedy scheint eher audiovisuell zu wirken oder zumindest visuell mit Sprechblasen. Prosatexte werden eigentlich nicht als Comedy bezeichnet.

Ziele der Comedy sind, wie bei der Satire, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, gesellschaftliche Eigenheiten und Marotten, seltener auch Politiker und Künstler. Das Lieblingsthema der Fernsehcomedy aber ist das Medium selbst. Vor allem Stefan Raab mit seiner Sendung „TV Total“ (Pro 7) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Fernsehen auf Lustiges abzusuchen und dieses den Zuschauern zu präsentieren.

Die Anfänge von Comedy lassen sich bis in die frühesten Tage des Fernsehens zurückführen. Sketche in Unterhaltungssendungen und die Witze von Peter Frankenfeld waren zur bloßen Unterhaltung des Publikums gedacht und erfüllen somit den Comedy-Tatbestand. Insterburg und Co., Otto Waalkes, Diether Krebs und Dieter Hallervorden blödelten sich durch comedyähnliche Filme und Shows. „Ein Herz und eine Seele“ (ARD) war eine Sendung, die Comedy darbot, auch wenn sie sicherlich ebenfalls gesellschaftssatirische Anklänge hatte. Und ein Zitat, das man immer wieder im Hinblick auf die Urspünge der unterhaltenden Komik von vielen Comedy-Stars hört, ist: „Rudi Carrell hat alles erfunden.“

Der Begriff „Comedy“ tauchte zuerst in den achtziger Jahren auf, als die ersten Versuche, amerikanische Comedy-Formate zu übernehmen unternommen wurden. Im Laufe der Jahre wurden viele Sendungen importiert und für den deutschen Markt synchronisiert, später wagten sich die Fernsehschaffenden auch an eigene Konzepte. Als besonders erfolgreich haben sich die sog. „Sitcom“ (Situation Comedy) und das „Late Night Show“ Format erwiesen. Nachdem zunächst viele amerikanische „Sitcoms“ (z.B. „Alf“, zuletzt bei Kabel1 zu sehen oder „Married with Children“ [Pro7]) importiert wurden, wagten sich die deutschen Fernsehmacher an eigene Produktionen, wie z.B. „Anke“ mit Anke Engelke (Sat1). In den USA gibt es mehrere erfolgreiche Late Night Shows, die parallel laufen und miteinander in Konkurrenz stehen. Die bekanntesten Late Night Talker sind Conan O’Brian, Jay Leno und natürlich David Letterman. In Deutschland brauchte man mehrere erfolglose Anläufe (u.a. mit Thomas Koschwitz und Thomas Gottschalk, jeweils auf RTL) bis Harald Schmid das erste erfolgreiche Late Night Format in Deutschland startete (Sat1). Mittlerweile ist diese Form, die sich auf einen Entertainer oder Komiker zentriert, recht beliebt und vielfach abgewandelt worden. Auch „TV Total“ (Pro7), „Was guckst du?“ (Sat1) und „Anke Late Night“ (Sat1) bedienen sich bei diesen Sendungen. Weitere Erscheinungsformen von Comedy im deutschen Fernsehen sind Sketch-Shows („Sechserpack“ [Sat1], „Switch“ [Pro7]), Nachrichtensendungs-Parodien („Wochenshow“ [Sat1], „Freitag Nacht News“ [RTL]) und neuerdings auch Improvisations-Comedy („Dittsche – das wirklich wahre Leben“ [WDR], „Schillerstraße“[Sat1]).

3. Geschichte der einzelnen Formate

3.1 TV Total

Das Aushängeschild und das Gesicht der Sendung „TV Total“ ist der Entertainer Stefan Raab. Bevor man also die Geschichte der Sendung beschreibt, ist es sicherlich sinnvoll, den vorherigen Werdegang Raabs zu erwähnen.

Nach dem Abitur 1986, einem angefangenen Jurastudium und einer abgeschlossenen Metzgerlehre verdiente sich Raab sein Geld mit dem Komponieren und Produzieren von Jingles für Werbespots und TV-Sendungen. Seine Fernsehkarriere begann 1994 beim Jugend- und Musiksender VIVA TV, wo er eigentlich nur seine Jingles anbieten wollte. Man war dort aber anscheinend so beeindruckt von seiner frechen und unverschämten Art, dass man ihm eine Sendung anbot. Danach verbrachte er einige Jahre bei VIVA, wo der die Sendungen „Vivasion“ und „Ma` kucken“ moderierte. In dieser Zeit brachte er bereits einige erfolgreiche Songs heraus, die er meistens aus Situationen, die in seinen Sendungen eher zufällig entstanden, entwickelte. Seit 1999 moderiert er auf Pro7 die Sendung „TV Total“, die zunächst einmal in der Woche, seit Januar 2001 vier Mal wöchentlich ausgestrahlt wird. (Zum Aufbau der Sendung mehr in Kapitel 6.1) 1999 erhielt die Sendung in der Sparte „Beste Unterhaltungssendung“ den Deutschen Fernsehpreis.

Stefan Raab kann in seiner Sendung immer wieder mit Überraschungen aufwarten, die den Rahmen einer „normalen“ Unterhaltungssendung überschreiten. Zunächst schafft Raab es immer wieder, aus eingespielten Versatzstücken anderer Sendungen oder spontanen Gags in der Sendung Lieder zusammenzubauen, die sich meist ziemlich gut verkaufen und aufgrund der Popularität der Sendung schnell einen oft beschrienen „Kultstatus“[1] erreichen. Des Weiteren versteht er es, aufgrund spontaner Ideen und Witze, Mediengroßereignisse aus dem Fernsehboden zu stampfen. Aufgrund einer Äußerung in seiner Sendung, er könne es im Boxen mit der deutschen Weltmeisterin Regina Halmich aufnehmen, entstand eine abendfüllende Live-Boxshow mit großem Publikum, in der sich Raab, wie zu erwarten, die Nase brach. Als er versuchte, mit einem chinesischen Wok unterm Hinterteil eine Bobbahn herunterzufahren, stellte er fest, dass es ganz gut funktionierte und einige Wochen später trafen sich viele Fernsehprominente zum „Sportereignis des Jahres“ (Pro7), der „Ersten Wok-WM“, bei der Raab auch prompt Weltmeister im „Einer-Wok“ wurde. Außerdem versuchte sich Raab bereits im Eisschnelllauf, Kunstflug und als Sänger beim Vorentscheid zum „European Song Contest“, den er auch gewann.

3.2 Extra 3

„extra 3“ ist ein Urgestein der deutschen Fernsehsatire. Die Sendung läuft seit 1976 und wurde unter anderem von Dieter Kronzucker mitbegründet. Im Laufe der Jahre haben sich hier viele Journalisten austoben können, unter anderem Stefan Aust, Wolf von Lojewski und Hans-Jürgen Börner, der das Magazin von 1989 bis 1997 moderierte, ihm einen persönlichen Stempel aufdrückte und dafür sorgte, dass „extra 3“ in ganz Deutschland populär wurde. Mittlerweile ist Thomas Pommer der Moderator.

„Extra 3“ schaffte es, sich in all diesen Jahren trotz eines „vordere(n) Platz(es) in der Hitliste der meist diskutierten Sendungen“ (Jürgen Plog, NDR-Intendant im Jahre 2001, zitiert nach dem Vorwort der Pressemitteilung zum 25jährigen Bestehen der Sendung) in vielen Aufsichtsratssitzungen beim NDR zu halten. Dies liegt sicherlich nicht zuletzt an einer hartnäckigen Fangemeinde.

„Extra 3“ kann auf eine beeindruckende Liste von Studiogästen zurückblicken. Fast die gesamte Politprominenz Deutschlands und auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben das Studio betreten und mittlerweile gilt der Besuch beim NDR in Politikerkreisen als eine Art „Mutprobe“[2]. Denn einfach haben es die Gäste nicht. Die Fragen des Moderators sind gefürchtet, da sie zwar immer offensiv und entlarvend sind, jedoch nie ohne fundiertes Hintergrundwissen.

Im Jahr 2000 wagt man das Experiment, die Sendung fünf Folgen am Stück von Politikern aller großen Parteien moderieren zu lassen. Gregor Gysi, Thomas Goppel, Guido Westerwelle, Cem Özdemir und Ute Voigt kommen zu Wort und „schlagen sich tapfer“(NDR-Pressestelle, 2001). Die Redaktion besteht aus vier Redakteuren und vielen freien Mitarbeitern.

3.3 Titanic – das endgültige Satiremagazin

Im Jahre 1962 lag erstmals ein Satiremagazin namens „Pardon“ in den Regalen der Zeitschriftenhändler, in dem sich unter anderem die Satiriker F. W. Bernstein, F. K. Waechter, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler, Bernd Eilert, Peter Knorr und Eckhard Henscheid austobten. Das Magazin hatte bis 1979 Bestand und wurde dann durch das halboffizielle Zentralorgan dieser Autoren- und Zeichnergruppe, die unter dem Namen „Neue Frankfurter Schule“ bekannt geworden war, die „Titanic“, abgelöst. Die fünf Gründer waren Chlodwig Poth, Hans Traxler, F.K. Waechter, Robert Gernhardt und Peter Knorr. Seit dem Sommer 2004 liegt auch „Pardon“ wieder bei den Zeitschriftenhändlern aus und erscheint einmal im Quartal.

Nach und nach wurden die „alten Hasen“ der Neuen Frankfurter Schule durch junge Redakteure abgelöst und mittlerweile befindet sich keiner von ihnen mehr in der ständigen Redaktion. Allerdings sind im Impressum unter den „ständigen Mitarbeitern“ immer noch die meisten der oben genannten Namen zu finden. Chlodwig Poth ist leider im Sommer 2004 verstorben.

Chefredakteur der „Titanic“ ist Martin Sonneborn, der von acht weiteren Redakteuren unterstützt wird.

Die Autoren der „Titanic“ bringen regelmäßig Bücher heraus, in denen entweder die besten Texte aus dem Magazin oder auch völlig neue Arbeiten veröffentlicht werden. So gibt es das von Christian Y. Schmidt herausgegebene Buch „Apokalypse Rot Grün“ (Espresso Verlag, 2001) oder einige Gedichtbände von Redaktionsdichter Thomas Gsella. Außerdem gibt die „Titanic-BoyGroup“, bestehend aus Martin Sonneborn, Oliver Maria Schmitt und Thomas Gsella, regelmäßig Lesungen in ganz Deutschland.

Die „Titanic“ macht alle paar Monate Schlagzeilen durch besondere Aktionen. Diejenige, die in den letzten Jahren am meisten Aufsehen erregte, hing mit der Bewerbung Deutschlands für die Fußball-WM 2006 zusammen. In einer spontanen Nacht- und Nebelaktion ließen die Titanic-Redakteure einigen Fifa-Funktionären Präsentkörbe mit guter deutscher Wurst und einigen anderen Dingen zukommen und schickten ihnen gleichzeitig ein Fax, in dem sie sich als DFB-Mitglieder ausgaben. In diesen Schreiben baten Sie um eine Wahl zugunsten Deutschlands. Ein einziger Funktionär aus Neuseeland nahm dieses Schreiben ernst und enthielt sich deshalb seiner Stimme. Deutschland gewann die Wahl mit einer Stimme Vorsprung. Am nächsten Tag bat man auf der Titelseite der „BILD-Zeitung“ darum, bei der „Titanic“-Redaktion anzurufen und sich über diese Verunglimpfung des deutschen Fußballs und seines Helden Franz Beckenbauers zu beschweren. Die „Titanic“-Redaktion hat einige dieser Anrufe mitgeschnitten und verkauft diese auf CD.

Die jüngste Aufsehen erregende Aktion ist die Gründung der „PARTEI“, einer offiziellen Partei, die bereits bei den nächsten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen antreten und auch auf Bundesebene agieren will. Wahlkampfthema: „Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen. – Wir schon!“

In diesem Jahr feiert die „Titanic“ ihr 25jähriges Bestehen und hält zu diesem Anlass einige Lesungen, unter anderem auch mit den alten Mitarbeitern der Pardon und einigen Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule.

3.4 Vergleich

Die beiden Vertreter der Satire, „extra 3“ und „Titanic“, können auf eine lange Geschichte zurückblicken, währen TV Total ein eher junges Gesicht in der deutschen Medienlandschaft ist. Dies hängt sicherlich mit der erst seit kurzem aufkommenden Akzeptanz von „seichter“ Comedyunterhaltung zusammen. Erst das Privatfernsehen hat diese Art von Unterhaltung gefördert bzw. sie unter diesem Begriff zusammengefasst. Dass das Medium sich selbst auf diese Weise thematisiert ist sicherlich auch eher ein Trend der neunziger Jahre und erst seit „RTL Samstag Nacht“ die Regel.

Vor allem „TV Total“, aber auch die „Titanic“ schaffen es immer wieder, Schlagzeilen zu machen. „extra 3“ ist in dieser Hinsicht nicht so auffällig, was aber auch daran liegen mag, dass es so stark (vor allem auch bei den karikierten Personen) etabliert ist, dass es eine gewisse Narrenfreiheit besitzt. Die Aktionen der „Titanic“ und Stefan Raabs sind im Übrigen auch meistens spektakulärer und gehen über den Rahmen der Sendung bzw. des Blatts hinaus, während sich die Präsenz von „extra 3“ auf eine halbe Stunde in der Woche beschränkt.

4. Selbstverständnis der einzelnen Formate

4.1 TV Total

„TV Total“ ist ausschließlich als Unterhaltungssendung zu verstehen. Das Hauptthema der Sendung ist das Fernsehen selbst, wie es der Titel bereits nahe legt. Es wird auf verschiedene Arten thematisiert. Zunächst werden Ausschnitte aus anderen Fernsehsendungen gezeigt und vom Moderator kommentiert. Des Weiteren sind die Gäste der Sendung üblicherweise aus dem Fernsehen bekannt. Drittens verwenden die regelmäßigen MAZ-Einspieler Bilder und Filmausschnitte aus dem Programm aller Sender.

Den Umgang mit fremden und selbst produziertem Material beschreibt Raab folgendermaßen (Interview mit ZDF.online, http://www.tvtotal-infopage.de/tvt/stefanraab/interviews/zdf.shtml, Stand: 31.08.2004):

Wir haben einen anderen Ansatz, wir suchen uns etwas heraus und machen eine Geschichte daraus. Wir sind nicht darauf angewiesen, dass jemand Fehler macht, wir kaufen uns nichts zusammen, sondern stecken redaktionelle Arbeit rein. Außerdem ist der Hauptanteil bei "TV Total" eigenproduziertes Material, zum Beispiel das "Raabigramm", "Raab in Gefahr" und so weiter.

Bei „TV Total“ wird also Wert darauf gelegt, die gesammelten Fernsehausschnitte mit eigenen Modifikationen oder zumindest Kommentaren anzureichern. Auf diese Art und Weise kann man auch tendenziell weniger lustigen Ausschnitten eine komische Note geben. Das oben genannte „Raabigramm“, ein von Raab persönlich dargebrachtes Ständchen mit der Ukulele an eine Persönlichkeit findet mittlerweile nicht mehr statt. „Raab in Gefahr“ hingegen wird weiterhin regelmäßig in der Sendung gezeigt. Während es am Anfang ein ironisch gemeinter Titel für Raabs Besuche bei Hochzeitsmessen oder Pudelschönheitswettbewerben war, setzt er sich mittlerweile tatsächlich einigen Strapazen aus, unter anderem einem Kunstflug mit hohen Belastungen für den Körper.

Die Sendung wendet sich eher an ein junges Publikum. Da es sich um ein Format im Privatfernsehen handelt, wird auch hier die so genannte „werberelevante Zielgruppe“ der 14- bis 49jährigen angesprochen. Tendenziell schauen sich eher Jugendliche und junge Erwachsene die Sendung an. Es handelt sich hierbei um Personen, die mit der Pop- und Fernsehkultur, die bei Raab thematisiert wird, aufgewachsen sind.

4.2 Extra 3

Im redaktionsinternen Exposé definiert sich die Sendung wie folgt:

„extra 3“ ist das politisch-satirische Meinungsmagazin des Norddeutschen Fernsehens. Die 30minütige Sendung besteht aus pointiert journalistischen Filmen zu Themen der Woche sowie einem ca. 5minütigen Gesprächsblock mit jeweils nur einem Studiogast.

„extra 3“ ist ein aktuelles Wochenmagazin, das politische und gesellschaftliche Entwicklungen mit Humor aufgreift. „extra 3“ ist keine Comedy, kein „moralinsaures“ Kabarett – aber immer bissig, frech, mutig und überraschend. „extra 3“ hat den Anspruch, die mediale Inszenierung der Politik zu entlarven.

Man grenzt sich hier eindeutig gegen die momentan vorherrschende Comedy ab, möchte aber auch nicht mit dem altehrwürdigen (und vielleicht auch leicht angestaubten) Kabarett in einen Topf geworfen werden. Es wird vor allem auf den Punkt „Satire“ in ganz klassischer Definition Wert gelegt. Man will „entlarven“.

Einen wichtigen Part hierbei nimmt der Moderator ein, der „hintersinnig, charmant und meinungsstark“ (Redaktions-Exposé) sein soll, dabei niemals belehrend oder platt. Ihm soll der „Spaß am Bösen“ (Redaktions-Exposé) anzumerken sein. Bei seinen Moderationen und bei den Interviews besticht er durch brillanten Wortwitz, schmerzhafte, weil begründete Seitenhiebe und eine Mischung aus verschmitzter Ironie und Sarkasmus.

Die Zuschauer der Sendung sind (laut Redaktions-Exposé) „im Durchschnitt jünger als der NDR-Zuschauer, eher männlich und städtisch“. Die Sendung wendet sich an eine gebildete Zielgruppe, die über das tägliche nationale und internationale politische Geschehen gut informiert ist und erreicht immerhin bundesweit wöchentlich eine halbe Million Zuschauer.

4.3 Titanic

Es ist schwierig, ernsthafte Aussagen der Redaktion zum Selbstverständnis der „Titanic“ zu bekommen. Alles, was an die Öffentlichkeit gelangt – des Heft selbst, der Internetauftritt, die Erwähnung in anderen Medien, sogar die Redakteure persönlich bei Ihren Lesungen – hat einen satirischen Unterton und muss deshalb mit äußerster Vorsicht genossen werden. Denn „Was darf Satire? Alles.“ (Tucholsky, 1976, S.125) Auch sich selbst ständig hinterfragen und „auf die Schippe nehmen“. Oliver Maria Schmitt (2002, S. 936) definiert den Humor der „Neuen Frankfurter Schule“, auf die sich ja auch die Titanic bezieht, so: „50 Prozent Satire machen ihn angriffig, fies und furchtlos. 50 Prozent Nonsens machen ihn unberechenbar, erratisch und enigmatisch, nehmen der bösen, satirischen Hälfte aber das Unbedingte und Verbohrte.“ Diese Selbstironie, diese Unberechenbarkeit machen es schwer, hier mehr als nur Vermutungen anzustellen.

Ein deutliches Bild, wie sich das Magazin selbst sieht, kann man bereits im Untertitel herauslesen: „Das endgültige Satiremagazin“. In der „Titanic“ wird kompromisslose Satire praktiziert. Jeder kann Ziel dieser Satire sein, es gibt kaum Ausnahmen. Keiner ist unangreifbar oder unantastbar, kein Thema wird heuchlerisch verschwiegen. Direkt nach den Anschlägen vom 11.09.2001 prangte auf einer schwarzen Titelseite die Überschrift „100 Gründe, Amerika (gerade jetzt) zu lieben:“ – darunter eine freie Fläche, dazu klein gedruckt in der unteren rechten E>

Im Heft wird die Satire in den unterschiedlichsten Formen dargestellt. Reportagen mit starkem satirischen Unterton, Kurz- und Kürzestprosa, Lyrik (ganz in der Tradition der Neuen Frankfurter Schule), Erlebnisberichte, Cartoons, Kommentare, Interviews und sogar transkribierte Telefonanrufe haben, neben anderen, schwerer einzuordnenden Textsorten Platz im Magazin. Deshalb kann man die „Titanic“ als ein Forum für Satire in ihren vielfältigen Formen sehen.

Von der „Titanic“ wird eine eher gebildete Zielgruppe angesprochen. Um alle Texte mit allen Untertönen und Feinheiten zu verstehen, wird eine extrem breite Allgemeinbildung benötigt, die alle oben genannten Bereiche umfasst. Da es keine Leserbriefe im Magazin gibt (nur „Briefe an die Leser“, siehe Kap. 9.3), lässt sich auf diese Weise nicht ausmachen, wie sich denn in etwa das Verhältnis der männlichen und weiblichen Leser zusammensetzt, doch man kann vermuten, dass die „Titanic“ eine ähnliche Zielgruppe wie „extra 3“ anspricht, also eher männlich.

4.4 Vergleich

Ganz klar liegen die Betonungen bei „Titanic“ und „extra 3“ auf der Satire, bei „TV Total“ auf der Comedy.

„TV Total“ ist eine pure Unterhaltungssendung. Das soll nicht heißen, dass die beiden anderen Formate einen hohen Informations- oder Bildungsanspruch haben, aber mit der Betonung auf Satire steigt der Anspruch, Dinge zu kritisieren. Wenn bei „TV Total“ ein Filmausschnitt von einem Versprecher eines Nachrichtensprechers gezeigt wird, wird dieser damit nicht notwendigerweise kritisiert. Viel eher freut man sich diebisch über menschliche Schwächen bei unmenschlich perfekt wirkenden Personen. Wenn bei „extra 3“ und „Titanic“ ein Politiker karikiert und bloßgestellt wird, schwingt dabei immer die Aufforderung mit, etwas an diesen Missständen zu tun.

Die beiden satirischen Formate haben einen sehr ähnlichen Anspruch an sich selbst: Satire im ganz klassischen Sinne an die Leute zu bringen. Sie unterscheiden sich hier vor allem in den zur Verfügung stehenden Textsorten, bzw. Darstellungsformen. Außerdem liegt der thematische Schwerpunkt bei „extra 3“ eher bei den politischen Themen, während in der „Titanic“ Gesellschafts- und Kulturkritik mindestens gleichberechtigt neben der politischen stehen.

Tendenziell haben „Titanic“ und „extra 3“ eine ähnliche Zielgruppe. Diese mag sich vielleicht dadurch leicht unterscheiden, dass „extra 3“ potenziell leichter zu erreichen ist (man bekommt es für seine GEZ-Gebühren im Fernsehen), während die „Titanic“ mit einem Preis von immerhin 3,55 € eine kleine Anschaffung ist. Im Allgemeinen kann man aber sicherlich sagen, dass ein ganz ähnliches Publikum (gebildet, informiert und tendenziell eher männlich) angesprochen wird. „TV Total“ hingegen wendet sich an ein recht junges Publikum, das unterhalten werden will. Um die Themen zu verstehen, muss man das aktuelle Tagesgeschehen verfolgt haben und einigermaßen über aktuelle Ereignisse informiert sein. Vor allem aber muss man sich in der Medienlandschaft auskennen und sich in ihr seit frühester Jugend bewegt haben. Pop- und Fernsehkultur sind die zentralen Themen.

5. Typische Themen

Sicherlich überschneidet sich die Wahl der Themen, die in den drei Formaten angesprochen werden an vielen Stellen, doch man kann Bereiche ausmachen, die charakteristisch für die jeweilige Sendung bzw. Zeitschrift sind. In diesem Kapitel wird versucht, die entsprechenden Themengebiete einzugrenzen und zu beschreiben.

5.1 TV Total

Der Titel der Sendung deutet es bereits an: Hauptthema, Ziel und Übermittlungsmedium des Spotts ist das Fernsehen selbst. Schumacher (202, S. 944) beschreibt diese „Selbstreferentialität des Fernsehens“, die nicht nur bei „TV Total zu beobachten ist, folgendermaßen: „Fernsehen über Fernsehen, mit Gags über das Fernsehen und Gästen aus dem Fernsehen, die über das Fernsehen und dabei bevorzugt über lustige Begebenheiten aus dem Fernsehen berichten.“ Ursprünglich war die Sendung zentral auf das Fernsehprogramm ausgerichtet. Das zweite große Thema war der Moderator selbst. An diesem Konzept hat sich bis heute wenig geändert, allerdings wurde die Bandbreite etwas erweitert. Auch Zeitungsschlagzeilen, vorzugsweise aus der BILD-Zeitung, oder aktuelle Zeitgeistthemen (wie zum Beispiel die neuen Aufschriften auf Zigarettenschachteln) finden immer häufiger einen Platz. Raab bereichert auf diese Weise seine Sendung, auch wenn das Hauptaugenmerk sicherlich noch immer auf dem TV liegt.

So ziemlich alles aus dem Fernsehen kann zum Ziel des Spotts werden. Versprecher von Nachrichtensprechern, unfreiwillig komische Äußerungen von interviewten Personen, augenscheinlich lächerliche Auftritte in Volksmusiksendungen – all dies und noch unzählige andere Varianten des Themas „Fernsehen“ werden und wurden aufs Korn genommen. Dabei muss der Ausschnitt selbst nicht unbedingt für sich stehen und einzeln verstanden werden. Oft ist es der Zusammenhang oder auch Raabs Kommentar, der die Komik im Gezeigten hervorruft.

5.2 Extra 3

Bei „extra 3“ konzentriert man sich vor allem auf politische Themen, die Sendung versteht sich schließlich als politisch-satirisches Magazin. Im Bereich „Politik“ ist allerdings die komplette Bandbreite gegeben: Bildungs- und Familienpolitik, Umweltthemen, Außen- und Innenpolitik.

Auch andere Themen finden ab und zu ihren Platz. Vor allem Kultur und Gesellschaft sind immer wieder Lieferanten für interessantes Material, doch diese Themen machen nur einen kleinen Bruchteil des Programms aus.

5.3 Titanic

Die „Titanic“ hat von den hier untersuchten Formaten sicherlich das am weitesten gefächerte Programm. Politik, Kultur, Gesellschaft und Sport werden auf verschiedenste Weise aufs Korn genommen und gnadenlos demaskiert. Es überwiegen vor allem politische und gesellschaftliche, knapp gefolgt von kulturellen Themen.

Trotzdem selektiert die Redaktion. Einige Themen, die zu einer bestimmten Zeit gesellschaftlich aktuell sind, werden nicht betrachtet. So vermeiden es die „Titanic“-Autoren weitgehend, aktuelle Fernsehcomedy zu erwähnen. Erzeugnisse von Komikproduzenten werden vor allem in der „Humorkritik“ verhältnismäßig ernsthaft besprochen. Hier finden ab und zu Filmkomödien oder Komiksendungen einen Platz, anderswo im Heft werden sie aber nicht angesprochen.

Auch einige Erzeugnisse der trivialsten Trash-Fernsehkultur werden nicht erwähnt. Vielleicht, weil diese für sich selbst stehen und keines Kommentars mehr bedürfen, vielleicht, weil die Autoren sich gar nicht mit ihnen beschäftigen wollen. So fand man kaum ein Wort über den Dauerbeobachtungscontainer „Big Brother“ oder über die so genannten „Casting-Shows“ in der „Titanic“.

6. Der typische Aufbau einer Ausgabe

In diesem Kapitel wird auf den Aufbau der Sendung bzw. des Magazins eingegangen. Alle drei Formate folgen einem Aufbau, der sich von Ausgabe zu Ausgabe verändert, aber immer bestimmte Kernpunkte enthält. Hier soll auf die seriellen, in jeder Ausgabe vorkommenden Teile eingegangen werden und außerdem angeführt werden, welche zusätzlichen Dinge regelmäßig, aber nicht jedes Mal vorkommen.

6.1 TV Total

„TV Total“ ist eine Sendung des Privatfernsehens und wird deshalb durch zwei Werbeblöcke unterbrochen. Die Strukturierung richtet sich deshalb auch, aber nicht ausschließlich daran aus. Die Sendung beginnt eigentlich vor dem ersten Kurzwerbeblock. Stefan Raab erzählt in ca. dreißig Sekunden, was in der folgenden Sendung auf den Zuschauer zukommt.

Die eigentliche Show beginnt üblicherweise mit dem Auftritt Raabs, der von seiner Band mit Musik begleitet wird. In den letzten Monaten ist es ein fester Bestandteil des Programms geworden, dass ein Zuschauer aus der ersten Reihe dabei laut die Themen der Sendung vorliest und schließlich Raab ankündigt.

Nun folgt ein Teil der Sendung, den ich im Folgenden als „Stand-Up“ bezeichnen möchte, angelehnt an den englischen Ausdruck „Stand-Up-Comedy“. Die Art der Comedy ist seit einigen Jahren in ihrer amerikanischen Urform in Deutschland beliebt. Ein Comedian stellt sich erzählend vor ein Publikum und hat normalerweise außer seinem Mikrofon keine weiteren Hilfsmittel zur Verfügung. Diese Form der Comedy ähnelt sehr dem klassischen Kabarett, das oft auch nicht viele Hilfsmittel braucht. Michael Mittermeier, Tom Gerhardt oder auch der vom Kabarett kommende Dieter Nuhr sind bekannte Stand-Up-Comedians. Auch Stefan Raab beginnt in der ersten Phase seiner Sendung mit einer Art „Stand-Up“. Er steht vor dem Publikum und kommentiert aktuelle Geschehnisse, Schlagzeilen des Tages und Fernsehausschnitte. Dieser Teil dauert bis zum ersten Webeblock.

Nach der Werbung sitzt Raab an seinem Schreibtisch. Er kommentiert hier üblicherweise noch ein paar Dinge aus dem aktuellen Fernsehprogramm oder thematisiert eine vorangegangene Ausgabe seiner Sendung. Dann erscheint sein erster Gast. Mit diesem unterhält er sich einige Zeit.

Von nun an ist die Sendung etwas weniger strukturiert. Üblicherweise erscheint ein zweiter Gast oder einer seiner Mitarbeiter (z.B. „Showpraktikant“ Elton), der für die Sendung unterwegs war. Des Weiteren enthält der Rest der Sendung meist irgendeine Aktion, z.B. einen neu komponierten Song in Erstaufführung oder eine Scherzaktion bezogen auf ein aktuelles Medienereignis oder einen der Gäste.

Es gehören noch weitere Rubriken zur Sendung, die zwar nicht in jeder Folge, aber durchaus regelmäßig stattfinden. In „Raab in Gefahr“ begibt sich Raab in nicht notwendigerweise wirklich gefährliche Situationen. Davon wird in Form eines fertig geschnittenen Beitrags berichtet. In jeder Donnerstagssendung gibt es die „TV Total TV Tipps zum Wochenende“, in denen das Wochenendprogramm scherzhaft unter die Lupe genommen wird.

[...]


[1] Der Begriff wird in den letzten Jahren sehr inflationär im Zusammenhang mit Popkultur in der deutschen Medienlandschaft verwendet.

[2] Dieses Zitat stammt aus einem redaktionsexternen Exposé, das nie öffentlich erschienen ist, dem Autor aber in digitaler Form vorliegt. Im Folgenden wird bei Zitaten aus diesem Exposé immer darauf verwiesen.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Satire und Comedy in Zeitschriften und Fernsehen - Ein Vergleich anhand ausgewählter Beispiele
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
92
Katalognummer
V39083
ISBN (eBook)
9783638379656
ISBN (Buch)
9783638705837
Dateigröße
853 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Beispiele sind "TV Total" (Pro7), "extra 3" (NDR) und das Magazin "Titanic".
Schlagworte
Satire, Comedy, Zeitschriften, Fernsehen, Vergleich, Beispiele
Arbeit zitieren
Peter Loeks (Autor), 2004, Satire und Comedy in Zeitschriften und Fernsehen - Ein Vergleich anhand ausgewählter Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39083

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