Die Theorie des gerechten Krieges im Marxismus - Mao Zedong


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
25 Seiten, Note: 2-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Prinzipien des gerechten Krieges

3. Mao Zedong
3.1 Biografie
3. 2 politische Theorien
3.2.1 Die maoistische Widerspruchstheorie

4. Gerechter Krieg nach Mao Zedong
4.1 Iusta causa und legitima auctoritas
4.2 Die Ursachen des Krieges
4.3 Die restlichen Kriterien des gerechten Krieges
4.4. Chinas Haltung zur Atombombe
4.5 Formen des gerechten Krieges

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Den ungerechtesten Frieden ziehe ich dem gerechtesten Krieg vor.“ (Marcus Tullius Cicero)

Kann ein Krieg gerecht sein? Gibt es Gründe, um einen Krieg zu führen und zu legitimieren? Viel wurde über diese Frage gerätselt und diskutiert. Gerade im Hinblick auf die aktuelle weltpolitische Lage und hierbei besonders mit Augenmerk auf den Irakkrieg, wurde diese Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern dieses Konflikts erneut geführt. Die Debatten drehten sich vor allem darum, ob eine Kriegspartei einen Anspruch darauf erheben darf, einen selbst geführten Krieg als „gerecht“ oder „friedensschaffend“ zu definieren. Dabei sind diese Gedankenspiele keineswegs neu, im Gegenteil: bereits in der Antike und später auch im Mittelalter wurde vor allem von Philosophen und Theologen wie zum Beispiel Aristoteles, Cicero, Augustinus oder Thomas von Aquin versucht, ein theoretisches Konzept zur Legitimation eines Krieges zu entwerfen.

„Es muss wohl so etwas wie eine traditionelle Lehre vom gerechten Kriege durch das ganze Altertum hindurch gegeben haben, denn ihre Erörterung durch Cicero zeigt, dass die Begriffe, ja zum Teil sogar die Formulierungen des Aristoteles fast unverändert übernommen werden konnten.“[1]

Diese Ansätze wurden in der Neuzeit weiterentwickelt, besonders dankbar waren für diese Ideen die Kommunisten, passte die Idee eines objektiv-universell rechtfertigten Krieg doch sehr gut in die Zeit der kolonialen Befreiungskriege und des Klassenkampfs.

Mit der Theorie des gerechten Krieges im Marxismus wird sich auch die vorliegende Hausarbeit, die Im Rahmen des Seminars „Theoretische Reflexionen über den Krieg“ unter der Leitung von Prof. Dr. Yves Bizeul entstand, beschäftigen. Dabei wird dieses Thema insbesondere im Hinblick auf die Theorien und die politische Philosophie von Mao Zedong betrachtet werden.

Wie definiert Mao den „gerechten Krieg“, steht er dabei in der Tradition der klassischen Denker? Wurden seine Ideen in realen Konflikten erprobt beziehungsweise angewandt um diese zu legitimieren? Wie wurden andere Konflikte während der Ära von Maos Herrschaft beurteilt? Hat die Einführung der Atombombe in Hinsicht auf eine damit verbundene neue Dimension der Kriegsführung eine Änderung in Maos Konzepten verursacht? Mit diesen Fragestellungen soll sich diese Hausarbeit beschäftigen.

Zunächst wird aus Gründen des besseren Verständnisses der Begriff des gerechten Krieges im Spiegel seiner Zeit näher erläutert werden. Außerdem erfolgt ein biografischer Abriss über Mao Zedong und seine grundlegenden politischen Theorien, um dann die Problematik des gerechten Krieges im Maoismus detailliert darzustellen.

2. Die Prinzipien des gerechten Krieges

„Gerechter Krieg (lat. bellum iustum), eine auf römische Wurzel (Cicero) zurückgehende, von Augustinus und Thomas von Aquin wirkungsmächtig weiterentwickelte und in der spätscholastischen Theologie verfeinerte, in die völkerrechtliche Diskussion ausstrahlende und bis heute maßgebliche ethische Theorie, die Prinzipien für die normative Beurteilung zwischenstaatlicher Gewaltanwendung enthält.“[2]

Im folgenden Kapitel sollen die Kriterien des gerechten Krieges erklärt werden, so dass in späteren Kapiteln darauf Bezug genommen werden kann, und ein Vergleich mit den maoistischen Prinzipien möglich ist.

Die Lehre vom gerechten Krieg, so wie sie auf die klassische Philosophie zurückgeht, unterscheidet zwischen zwei Kategorien, dem „Recht zum Krieg“ (Ius ad bellum) und dem „Recht im Krieg“ (Ius in bello). Letzteres legt fest, wie sich die kriegsführenden Parteien in einem Konflikt zu verhalten haben, wohingegen Ersteres die Gerechtigkeit eines Krieges definiert. Dabei müssen verschiedenen Kriterien kumulativ erfüllt sein, um einen Krieg zu rechtfertigen. Diese Kriterien sind im einzelnen:[3]

a) Iusta causa: Iusta causa bedeutet, dass ein Krieg, um das Prädikat „gerecht“ zu erhalten, eine gerechte Ursache haben muss. Ein solcher Grund wäre nach traditionellem Verständnis Notwehr, also die Selbstverteidigung eines Staates oder eines Bündnisses gegen eine bewaffnete Aggression, wenn die Existenz des Staates beziehungsweise die Sicherheit seiner Bürger gefährdet wäre. Neuere Ansätze gehen allerdings aufgrund der veränderten weltpolitischen Lage davon aus, dass Präventivkriege oder Maßnahmen zu Friedenssicherung heutzutage auch berechtigte Gründe für einen Krieg sind.
b) Legitima auctoritas: Aus der Frage um den gerechten Grund eines Krieges folgend taucht nun die Problematik der legitimen Autorität auf. Es muss also eine Instanz geben, die verantwortlich für die Rechtfertigung eines Krieges ist. Diese Autorität trägt normalerweise Verantwortung für das Allgemeinwohl, und ist damit traditionell die Regierung des in Notwehr handelnden Landes. Einzelpersonen oder Institutionen scheiden damit als legitima auctoritas aus.
c) Recta intentio: Das nächste Kriterium ist die ehrliche Absicht. Diese liegt vor, wenn der Krieg einzig geführt wird, um die Autorität und Integrität eines Staates zu verteidigen oder dessen Bewohner zu sichern und vor Schaden zu schützen, also um eine Aggression abzuwehren und den Frieden wiederherzustellen.
d) Proportionalitas: Die Proportionalität oder Verhältnismäßigkeit ist ein weiteres Kriterium. Ein Krieg ist nur dann gerechtfertigt, wenn das zu erwartende positive Ergebnis höher zu bewerten ist als die verursachten negativen Auswirkungen. Die Folgen eines Krieges, auch in Hinsicht auf langfristige Ergebnisse, müssen also die verursachten Zerstörungen überwiegen.
e) Ultima ratio: Krieg muss immer das „letzte Mittel“ sein. Ein Krieg kann nur rechtmäßig sein, wenn vorher versucht wurde, den Konflikt mit allen anderen, friedlichen Mitteln wie zum Beispiel Diplomatie, Sanktionen oder ähnlichem, zu lösen. Nur bei Versagen aller anderen Alternativen (und natürlich immer unter Berücksichtigungen der anderen Kriterien), darf ein Krieg begonnen werden.
f) Ius in bello: Ius in bello, oder das „Recht im Krieg“ legt fest, wie sich die Kriegsparteien in einem Krieg verhalten sollen bzw. sollten. Das humanitäre Völkerrecht muss eingehalten werden. Zivilisten sind nicht Teil der Kriegshandlungen und müssen als solche behandelt werden. Sachschäden und Verluste an Menschenleben sowie Kollateralschäden sind zu minimieren. In der heutigen Zeit, zurückgehend auf die Genfer Konvention, schließt dies demzufolge auch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen aus. Kriegsgefangene müssen fair behandelt werden.

3. Mao Zedong

Nachdem nun die theoretischen Grundlagen des gerechten Krieges erläutert wurden, soll im folgenden kurz auf Maos Leben und seine grundlegenden politischen Theorien eingegangen werden.

3.1 Biografie

Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 in dem Dorf Shao-shan in der südchinesischen Provinz Hunan geboren Nach der Mitgliedschaft und Mitarbeit in diversen politischen Studentengruppen und ersten Veröffentlichungen war er eines der Gründungsmitglieder der Kommunistischen Partei Chinas. 1927 kommt es zum Bruch zwischen der KP Chinas und der Kuomintang-Partei[4] unter Chiang Kai-Shek, was einen Bürgerkrieg zur Folge hat. Mao kehrte in seine Heimatprovinz Hunan zurück und baut, von dort ausgehend, bewaffnete Einheiten und Bauernmilizen auf dem Land auf. Dies war gegen den offiziellen, leninistischen Kurs der KP, die das Hauptpotential der Revolution in der Stadtbevölkerung sah. Diese Unstimmigkeiten zwischen Mao und dem Führungsgremium konnten erst durch den so genannten „langen Marsch“ beigelegt werden.[5] Dieser resultierte aus einem Rückzug der kommunistischen roten Armee unter der Führung Maos vor der Kuomintang aus der Provinz Jianxi. Dieser Rückzug führte insgesamt über eine Wegstrecke von über 12000 Kilometern und wurde zu einem Symbol für die Widerstandskraft und den Willen Maos und der kommunistischen Partei. Mao Zedong wurde nach diesem Ereignis 1935 zum Vorsitzenden der KP gewählt und bestimmte von nun an die politische Linie. Seine Hauptunterstützung zog er stets aus den ländlichen Massen, die er als Haupttriebkraft der Revolution sah, und die Ihn aufgrund seiner Bildungs- und Kulturprogramme schätzen. Ein weiterer, wichtiger Machtfaktor, gerade in späteren Jahren, war das starke Charisma, und der ausgeprägte Personenkult um Mao.

Am 1.10. 1949 rief Mao Zedong die Volksrepublik China, der er bis 1958 als Staatspräsident vorstand, aus. Zwischen 1954 und 1959 hatte er zusätzlich die Position des Staatspräsidenten inne, bevor er 1976 starb.

3. 2 politische Theorien

Eine von Maos wichtigsten Leistungen liegt sicherlich in der so genannten „Sinisierung“, also der Anpassung, des Marxismus-Leninismus an die chinesischen Verhältnisse. Die eingangs in der Biographie angesprochenen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Führungsspitze der KP Chinas und Mao Zedong sind auf genau diese Anpassung zurückzuführen. Breslin merkt hierzu an, dass der Maoismus sich schon soweit vom Marxismus entfernt, dass er sogar als völlig neue Theorie anstelle einer Weiterentwicklung des Marxismus gelten könne:

„Indeed, some would argue that Mao’s ideas move so far away from Marx, and at times deny its basic essentials, that you cannot consider the two to be part of the same ideology. Mao did not so much add new interpretations and applications to Marxism […] as develop a totally new and distinct ideology […].”[6]

Mao stellte die These auf, dass es keinen ‚abstrakten’ d.h. allgemeingültigen Marxismus geben könne, sondern lediglich einen konkreten, an die jeweiligen kulturellen und mentalitätsbedingten Besonderheiten eines Landes –hier China- angepassten.

[...]


[1] Dickmann 1971, S. 80

[2] Nohlen 2002, S. 266

[3] Vgl. hierzu Riklin, Alois „Gerechter Krieg?“ in: Neue Zürcher Zeitung vom 23. März 2003

online unter: http://www.nzz.ch/dossiers/2002/irak/2003.03.23-hg-article8R1FQ.html

[4] Chinas erste Partei, nationalistisch geprägt

[5] vgl. Halbeisen 1987, S. 413

[6] Breslin 1998, S. 65f

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Theorie des gerechten Krieges im Marxismus - Mao Zedong
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Theoretische Reflexionen über den Krieg
Note
2-
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V39108
ISBN (eBook)
9783638379878
ISBN (Buch)
9783638654821
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Krieges, Marxismus, Zedong, Theoretische, Reflexionen, Krieg
Arbeit zitieren
MA Thorsten Schankin (Autor), 2004, Die Theorie des gerechten Krieges im Marxismus - Mao Zedong, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39108

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