Exkursionsbericht: Pflanzensoziologische Aspekte des Nordwestdeutschen Tieflands und angrenzender Niederländischer Gebiete


Studienarbeit, 2005
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Naturschutzgebiet Heiliges Meer
2.1 Vegetation des Erdfallsees
2.2 Vegetation des Heideweihers
2.3 Vegetation des Großen Heiligen Meeres
2.4 Vegetation der Heideflächen

3 Das Naturschutzgebiet Borkener Paradies
3.1 Vegetation des Hudewaldes
3.2 Vegetation der offenen Flächen

4 Die Dünenlandschaft Kootwijkerzand in den Niederlanden
4.1 Vegetation des Kiefernwaldes
4.2 Vegetation der offenen Sandflächen und Heideflächen

5 Der Nationalpark de Hooge Veluwe in den Niederlanden
5.1 Vegetation des Nationalparks de Hooge Veluwe

6 Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Dies ist der Exkursionsbericht zu einer pflanzensoziologischen Exkursion vom 19.08.04 – 22.08.04 im Bereich des Nordwestdeutschen Tieflandes und angrenzender niederländischer Regionen. Dabei wurde zum einen das Naturschutzgebiet Heiliges Meer und das Borkener Paradies an einem Emsaltarm bei Meppen näher untersucht, sowie zwei Standorte in den Niederlanden, der Kootwijkerzand und der Nationalpark de Hooge Veluwe. Es handelte sich dabei vorrangig um Vegetationsformen der Heide und anderer sandiger „Magerstandorte“ sowie die Gewässer (begleitende) Vegetation der Seen im Gebiet des NSG Heiliges Meer.

2) Naturschutzgebiet Heiliges Meer

Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer liegt im nördlichen Randgebiet von Nordrheinwestfalen zwischen den Städten Hopsten, Recke und Hörstel. Es wurde 1930 offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt, war aber zu der Zeit bereits im Besitz des Westfälischen Provinzialverbandes (heute Landschaftsverband Westfalen-Lippe). Sein Gebiet wurde über die Jahre durch Ankauf von umliegenden Flächen auf heute etwa 90 ha erweitert. Es umfasst mit dem „Großen Heiligen Meer“, dem „Erdfallsee“ und dem „Heideweiher“ drei größere Seen und noch weitere kleinere Gewässer mit Röhricht- und Bruchwaldbereichen, sowie umliegenden Heideflächen. Es handelt sich um natürliche Gewässer von denen das Heilige Meer und der Erdfallsee, sowie kleinere Tümpel durch „Erdfallereignisse“ entstanden sind. Diese kommen dadurch zustande, dass in tieferen Bodenschichten liegende Gips-, Anhydrit- und Steinsalzlager durch Grundwasser ausgewaschen werden und so Hohlräume entstehen, die dann einstürzen können. An der Oberfläche können dann innerhalb von wenigen Stunden zylinderförmige Einsenkungen von über 10 m Tiefe entstehen. Zuletzt konnte dieses Ereignis in größerem Ausmaß im April 1913 beobachtet werden, als auf einer kreisförmigen Fläche von etwa 100 m Durchmesser der Boden langsam einbrach und eine ca. 11 m tiefe Einsenkung gebildet wurde, die sich langsam mit Wasser füllte. Der „Erdfallsee“ stellt das jüngste größere Gewässer des Naturschutzgebiets dar und ist noch als oligotropher See einzustufen. Durch ständigen Nährstoffeintrag bedingt zeigt er allerdings bereits Übergänge zum mesotrophen Gewässertyp. Das Große Heilige Meer ist wahrscheinlich zwischen 400 und 600 n. Chr. entstanden und weist aufgrund seines höheren Alters und dem beständigen Nährstoffeintrag einen mäßig eutrophen Zustand auf. Der Heideweiher ist ein typisch dystrophes Gewässer. Das Wasser ist aufgrund des Untergrundes aus Torfschlamm reich an Huminsäuren und hat eine bräunliche Farbe, der pH-Wert ist dementsprechend niedrig [Abschnitt nach: TERLUTTER 2004].

2.1) Vegetation des Erdfallsees:

Der Uferbereich des Erdfallsees zeigt eine typische sand-oligotrophe Vegetationszonierung auf Protopedon. Hier findet sich bis zu einer Wassertiefe von max. 50 cm stellenweise die sehr seltene Wasserlobelie (Lobelia dortmanna), ein Glockenblumengewächs welches auf sehr klares und somit nährstoffarmes Wasser angewiesen ist. Zusammen mit dem näher zum Ufer hin wachsenden Strandling (Littorella uniflora) bildet sie die Pflanzengesellschaft des Isoeto-Lobelietum eine durch Trophierung stark gefährdete, sehr seltene Pflanzengesellschaft [POTT 1999]. Der Strandling ist ein interessantes Gewächs aus der Familie der Wegerichgewächse. Er bildet ein recht großes Wurzelsystem aus und ist gut an Überflutung angepasst indem er sowohl zum C3- als auch zum CAM-Metabolismus fähig ist und zusätzlich auch CO2 aus dem Substrat aufnehmen kann. Seine Wuchsform als Sprossrosette wird auch als Isoetider-Wuchs bezeichnet und hat den Vorteil nur kurzer Stofftransportwege [POTT 1995]. An weiteren Pflanzen finden sich noch Sumpfhartheu (Hypericum elodes) und der Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris). In einem kleinen Uferbereich wächst seit einiger Zeit auch Phragmites australis, was auf den steigenden Nährstoffgehalt des Gewässers (und die Hauptzustromrichtung!) hindeutet.

2.2) Vegetation des Heideweihers:

Der Heideweiher ist ein sehr flaches, dystroph-mesotrophes Gewässer, mit interessanter Vegetationsstruktur. Der Weiher ist am tiefsten Punkt lediglich 1,5 m tief und kann bei längeren regenfreien Perioden auch trockenfallen, da er nicht Grundwassergespeist ist. Zur Mitte des Weihers hin findet sich die Pflanzengesellschaft des Nymphaetum albo-minoris mit der kleinwüchsigen und kleinblütigen Form der weißen Seerose Nymphaea alba, welche in einer „Trockenvariation“ und in einer „Feuchtevariation“ mit heteromorphen Blätter auftreten kann (Abbildung 1). Am Rande des Weihers findet sich die Gesellschaft des Sphagnetum cuspidato-denticulati wo neben dem auch zeitweise Trockenheit ertragenden Torfmoos Sphagnum cuspidatum hauptsächlich die Binse Juncus bulbosus vorkommt, man könnte wohl auch von einem Sphagno-Juncetum bulbosi sprechen (Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:

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Abbildung 2:

Weitere Arten waren auch hier der Wassernabel (Hydrocotyle vulgare) und einige andere Torfmoosarten. Am Ufer des Heideweihers findet sich dann eine 1-2 m breite Zone mit Gagelgebüsch (Myrica gale), auf die ein Birkenbruchwald folgt (Abbildung 3).

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Abbildung 3:

Vegetationszonierung am Heideweiher. Auf die teilweise stark schwankende Wasserfläche folgt die Zone des Sphagnetum cuspidato-denticulati. Am Ufer schließt sich eine Gagelstrauchzone an, auf die ein Birkenbruchwald folgt.

2.3 Vegetation des Großen Heiligen Meeres

Aufgrund seines eutrophen Charakters und seiner geologischen Struktur weist das Große Heilige Meer die artenreichste Vegetation der Gewässer auf. An seiner tiefsten Stelle reicht der See etwa 10 m in die Tiefe und weist zusätzlich eine bis zu 9 m mächtige Sedimentschicht – hauptsächlich Sapropel – auf [TERLUTTER 2004]. An dem See lässt sich sehr schön eine Vegetationsgliederung in Schwimmblattzone – Röhrichtbereich – Gebüsch – und Bruchwaldzone beobachten (Abbildung 4).

Abbildung 4:

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Der Schwimmpflanzengürtel beginnt vom Wasserkörper her mit dem Bereich der Spiegellaichkrautgesellschaft Potamogetonetum lucentis, wobei diese im Großen Heiligen Meer jedoch nicht sehr stark ausgeprägt ist. Auf sie folgt die Zone des Myriophyllo-Nupharetum die deutlich an den großen Schwimmblättern der weißen Seerose (Nymphaea alba) und der gelben Teichrose (Nuphar lutea) zu erkennen ist. Etwas kleinere und lanzettliche Blätter gehören dem Wasserknöterich (Polygonum amphibium), einem Amphiphyten der sowohl unter Wasser (fo. natans) leben kann und Schwimmblätter ausbildet, als auch im nassen Uferbereich aufrecht zu gedeihen vermag. Als weitere Art fand sich noch Ranunculus circinatus eine submers lebende, ihre Blüten jedoch über die Wasseroberfläche emporhebende Pflanze. Myriophyllum verticillatum konnte nicht gefunden werden, da für diese Art anscheinend schon zu eutrophe Verhältnisse vorherrschen.

Die Röhrichtzone setzt sich aus zahlreichen Arten zusammen, die unter der Gesellschaft des Scirpo-Phragmitetum zusammengefasst werden können. Die vorherrschende Art ist das Schilf Phragmites australis in welches die Teichbinse Scirpus lacustris und der Schmalblättrige sowie der Breitblättrige Rohrkolben (Thypha angustifolia, T. latifolia) eingestreut sind. Im flacheren Wasser kommen dann Arten wie die Wasserminze (Mentha aquatica), der Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus), Sumpffingerkraut (Potentilla palustris) und die seltenere Art straußblütiger Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora) sowie weitere Arten hinzu. Zum Ufer hin wird der Röhrichtgürtel aufgrund aufkommenden Lichtmangels kümmerlicher und wird durch Ufergehölze verdrängt. Hier findet sich die Pflanzengesellschaft des Carici elongatae-Alnetum mit Carex elongata, Alnus glutionsa, Frangula alnus, Salix aurita und S. cineria (Bestandteile des Frangulo-Salicetum) und weitere Arten im Übergang zum Erlenbruchwald, der die Abschlussgesellschaft bildet [POTT 1999] (Abbildung 5).

Abbildung 5:

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2.4) Vegetation der Heideflächen

Etwa ein viertel der Fläche des Naturschutzgebietes Heiliges Meer sind Heideflächen. Diese im frühen Mittelalter durch Abholzung und intensive Beweidung entstandenen nährstoffarmen Sandstandorte, nahmen einst große Flächen in ganz Nordwestdeutschland ein. Ende des 18. Jh. wurde dann Großflächig mit der Aufforstung dieser Flächen und später unter Düngemitteleinsatz auch mit ihrer landwirtschaftlichen Nutzung begonnen. Heute sind wenige Flächen unter Naturschutz gestellt worden, um diesen Landschafts- und Vegetationstyp fragmentarisch zu erhalten. Dies ist allerdings nur durch gezieltes Eingreifen des Menschen möglich und erfordert in erster Linie eine Beweidung der Heide [POTT 1999]. Auch die zunehmende Trophierung der Flächen durch Nährstoffeinträge von Außen stellt eine Gefahr für die Vegetationstypen dar, da so die offenen mageren Sandstandorte mit der Zeit von einer geschlossenen Folgevegetation bedeckt werden und die Sukzession schließlich zum Wald führt.

Am Heiligen Meer finden sich drei verschiedene Heidetypen mit zahlreichen kleinflächigen Pflanzengesellschaften, die sich hinsichtlich ihrer Wasser- und Nährstoffversorgung unterscheiden. Man kann grob Bereiche der feuchten und trockenen Heide, sowie Bereiche mit besserer Nährstoffversorgung voneinander abgrenzen (Abbildung 6).

Abbildung 6:

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[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Exkursionsbericht: Pflanzensoziologische Aspekte des Nordwestdeutschen Tieflands und angrenzender Niederländischer Gebiete
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Exkursion
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V39122
ISBN (eBook)
9783638379977
ISBN (Buch)
9783638776158
Dateigröße
5220 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Exkursionsziele: Borkener Paradies, Heiliges Meer, de Hooge Veluwe, Kootwijkrzand
Schlagworte
Exkursionsbericht, Pflanzensoziologische, Aspekte, Nordwestdeutschen, Tieflands, Niederländischer, Gebiete, Exkursion
Arbeit zitieren
Gunnar Söhlke (Autor), 2005, Exkursionsbericht: Pflanzensoziologische Aspekte des Nordwestdeutschen Tieflands und angrenzender Niederländischer Gebiete, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39122

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