[...] Die Unterschiede durch die Anpassung der Ideen an eine andere Situation mag auch der Grund gewesen sein, daß sich ein großer Teil der kommunistischen Parteien und Gruppen in den sogenannten Entwicklungsländer der Dritten Welt sich eher am Kommunismus chinesischer Prägung als an dem sowjetischer orientieren bzw. orientiert haben.. Als ein entscheidender Unterschied zwischen den maoistischen Ideen und dem Marxismus-Leninismus sowjetischer Prägung wird häufig die Definition der Klassen und der daraus erfolgten unterschiedlichen entwickelten Auffassungen über den Charakter des Klassenkampfes. Ich werde diesen Bereich im folgenden Text näher untersuchen, inwieweit diese These haltbar ist. An Hand der marxistisch-leninistische Auffassung werde ich im Vergleich und der Kritik die Unterschiede zwischen dem sowjetischen Marxismus-Leninismus und den Ideen Mao Tse-tungs aufzeigen. Den Schwerpunkt werde ich dabei auf die Definition der Klassenzugehörigkeit, den Begriff der Klasse allgemein, die beiden Hauptklassen Arbeiterklasse bzw. Proletariat und Bourgeoisie widmen. Im nachfolgenden Teil werde ich auf den Klassenkampf eingehen. Die Gefahr der Bildung neuer Klassen innerhalb der Partei und der Gesellschaft, die Mao mit der Kulturrevolution verhindern wollte, kann ich in diesem Zusammenhang nur am Rande betrachten. Ebenfalls kann in diesem Rahmen nicht untersucht werden, welche Auswirkung die sich von der marxistisch- leninistischen Klassentheorie unterscheidende Auffa ssung Maos auf die Revolutionstheorie ausübt. Im Zusammenhang mit dem Thema ergab sich das Problem objektive Sekundärliteratur in deutscher oder englischer Sprache zu finden. Die Autoren stammen entweder aus dem maoistischen Lager oder aus antikommunistischen bzw. sowjetisch geprägten marxistisch- leninistischen. In Hinblick auf die Primärliteratur ergab sich das Problem, Maos Schriften aus der Zeit nach den 50er Jahren zu bekommen. Die meisten der erschienen Broschüren und Bände gehen auf die Texte, die in den Ausgewählten Schriften von 1956 bereits erschienen sind, zurück. Gerade die Schriften aus der Zeit der „großen proletarischen Kulturrevolution“ hätten mehr Aufschluß über Maos Sicht auf die Bildung von Zwischenklassen im Sozialismus und den andauernden Klassenkampf gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Klassendefinition
2.1 Klassen
2.2 Proletariat
2.3 Bourgeoisie
3. Klassenkampf
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Unterschiede zwischen den maoistischen Ideen und dem sowjetisch geprägten Marxismus-Leninismus, wobei der Fokus primär auf der Definition von Klassen sowie dem Verständnis des Klassenkampfes liegt.
- Klassendefinitionen im Vergleich
- Struktur des Proletariats bei Mao und Marx
- Unterteilung der Bourgeoisie
- Klassenkampf im Sozialismus
- Einfluss sozioökonomischer Bedingungen in China
Auszug aus dem Buch
2.1 Klassen
„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen. [...] Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große und feindliche Lager, in zwei große, einander gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat“2 heißt es im von Karl Marx und Friedrich Engels 1848 verfaßten Kommunistischen Manifest. Eine Klasse definiert sich für Marx durch die Gemeinsamkeit ihrer ökonomischen Existenzbedingungen, ihrer Lebensweise, Interessen und Bildung. Die sich im Klassenkampf gegenüber stehenden Klassen sind die Arbeiterklasse bzw. das Proletariat und die Bourgeoisie. Neben den Hauptklassen Proletariat und Bourgeoisie existieren auch noch Nebenklassen, z.B. die Bauernschaft in der kapitalistischen Gesellschaft. Der wesentliche Unterschiedsmerkmal für Klassen ist ihr Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion und das dadurch gegebene Verhältnis zu den Produktionsmitteln.3
Lenin definierte Klassen als „große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen.“4 Die Zugehörigkeit zu einer Klasse wird dieser Definition nach primär durch die ökonomischen Verhältnisse bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert die Bedeutung der Ideen Maos als Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus und stellt die Forschungsfrage bezüglich der Unterschiede in der Klassendefinition und dem Klassenkampf.
2. Klassendefinition: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Ansätze zur Definition von Klassen, wobei die marxistisch-leninistische Lehre mit den spezifischen Interpretationen Mao Tse-tungs verglichen wird.
2.1 Klassen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Klassendefinition durch Marx, Engels und Lenin dargestellt und dem maoistischen Verständnis gegenübergestellt.
2.2 Proletariat: Das Kapitel untersucht, welche Bevölkerungsgruppen Mao zum Proletariat zählt und wie dies von der klassischen marxistischen Definition abweicht.
2.3 Bourgeoisie: Diese Sektion behandelt die Klassifizierung der Bourgeoisie bei Mao, insbesondere unter Berücksichtigung der halbkolonialen Bedingungen in China.
3. Klassenkampf: Hier wird der Gegensatz zwischen dem Marxismus-Leninismus, der den Klassenkampf im Sozialismus als weitgehend überwunden betrachtet, und Maos Auffassung der Fortdauer des Kampfes thematisiert.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Unterschiede zwischen dem Maoismus und dem sowjetisch geprägten Kommunismus in Bezug auf Klassenfragen bei näherer Betrachtung eher gering ausfallen.
Schlüsselwörter
Maoismus, Marxismus-Leninismus, Klassenkampf, Proletariat, Bourgeoisie, Bauernschaft, Klassendefinition, Sozialismus, Produktionsmittel, Ideologie, China, Revolution, Kulturrevolution, Klassenstruktur, Arbeiterklasse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die ideologischen Konzepte Mao Tse-tungs hinsichtlich Klassen und Klassenkampf und stellt diese dem sowjetisch geprägten Marxismus-Leninismus gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Klassen, die Rolle des Proletariats und der Bourgeoisie sowie die Interpretation des Klassenkampfes in der sozialistischen Übergangsphase.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit sich Maos Klassentheorie und sein Verständnis vom Klassenkampf von der klassischen marxistisch-leninistischen Lehre unterscheiden und ob diese Unterschiede haltbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der primäre Schriften Maos mit marxistisch-leninistischen Definitionen und kritischen Sekundärquellen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Klassendefinitionen, die spezifische Auslegung des Proletariats und der Bourgeoisie sowie die Rolle des Klassenkampfes als Existenzgrundlage der Gesellschaft nach Mao.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Maoismus, Klassenkampf, Proletariat, Bauernschaft, Bourgeoisie und die ökonomische Basis der Klassenzugehörigkeit.
Warum spielt die Bauernschaft eine so große Rolle in Maos Konzepten?
Aufgrund der spezifischen ökonomischen Struktur Chinas als halbkoloniales Land sah Mao in der Bauernschaft eine notwendige Hauptkraft für die Revolution, was ihn dazu veranlasste, große Teile davon dem Proletariat zuzuordnen.
Wie unterscheidet sich Maos Auffassung vom Klassenkampf im Sozialismus?
Während der klassische Marxismus-Leninismus den Klassenkampf nach der Machtergreifung für beendet oder abklingend erklärt, betrachtete Mao ihn als ein andauerndes Phänomen, das sogar eine „permanente Revolution“ erfordert.
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- Maurice Schuhmann (Author), 2000, Klassenproblematik in den Ideen Mao Tse-tungs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39132