Die Abtreibung ist ein stark diskutiertes Thema. Es herrscht ein reges Tauziehen der Argumente zwischen den Abtreibungsgegnern und den Abtreibungsbefürwortern. Doch kann man sich nicht auf eine einheitliche Regel einigen, wann Abtreibung (moralisch) erlaubt ist und wann nicht. Ein allgemeingültiges Urteil bzw. eine solche Lösung gibt es nicht. So versuchen Abtreibungsgegner und -befürworter mit ihren Argumenten dagegen bzw. dafür zu überzeugen. In ihrem Aufsatz „Eine Verteidigung der Abtreibung“ stellt J. J. Thomson die Thesen und Argumente der Gegnerseite vor, um diese anhand von Beispielen zu widerlegen und eigene Thesen aufzustellen. Dabei geht sie von verschiedenen Fallbeispielen aus, welche ich aufgreifen und konkretisieren werde. Ziel ihres Aufsatzes ist es, zu verdeutlichen, dass von Fall zu Fall in der Be- bzw. Verurteilung der Abtreibung unterschieden werden muss. Diese Erkenntnis zu festigen soll auch Ziel meiner Hausarbeit sein. Ich werde J.J. Thomsons Argumentationsstruktur darstellen und an einigen Stellen kritisch betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Betrachtung verschiedener Fallbeispiele
2.1. Abtreibung bei einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung
2.2. Abtreibung wegen bestehender Lebensgefahr für die Mutter
2.3. Die häufigsten Fälle
2.3.1. Abtreibung bei einer Schwangerschaft trotz Verhütung
2.3.2. Abtreibung bei einer Schwangerschaft mangels Verhütung
2.3.3. Abtreibung bei gewichtigen und weniger gewichtigen Interessen seitens der Mutter
3. Die Rolle einer dritten Person
4. Wäre Abtreibung trotz geringer Zeitdauer und geringem Aufwand gerechtfertigt?
5. Die Betrachtung der Situation nach einer Abtreibung
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Argumentationsstruktur von J. J. Thomsons Aufsatz „Eine Verteidigung der Abtreibung“ auseinander. Ziel ist es, anhand konkreter Fallbeispiele zu verdeutlichen, dass eine moralische Beurteilung der Abtreibung nicht pauschal erfolgen kann, sondern eine differenzierte Betrachtung der individuellen Umstände zwingend erforderlich macht.
- Analyse ethischer Fallbeispiele zur Abtreibung
- Untersuchung der Gewichtung zwischen dem Lebensrecht des Fötus und dem Selbstbestimmungsrecht der Frau
- Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen "Notwehr" und "Hilfeleistung" in der Schwangerschaftskonfliktberatung
- Reflektion über psychologische Folgen und die Rolle dritter Personen bei Abbruchsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.1. Abtreibung bei einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung
Fall 1: Jasmin ist 14 Jahre alt und lebt bei ihren Eltern. Sie geht auf ein Gymnasium, spielt Handball in der Schulmannschaft und liest Jugendzeitschriften mit ihren Freundinnen. Sie ist ein lebenslustiges, aufgeschlossenes junges Mädchen und ihre Reife entspricht ihrem Alter. Doch dann wird sie auf dem Weg nach Hause von einem Unbekannten vergewaltigt und ist schwanger.
Die Abtreibungsgegner vertreten die These, dass jede Person ein Recht auf Leben hat. Da der Fötus, wie Thomson den Gegnern zuerkannte, eine Person ist, hat er ein Lebensrecht. Die Mutter hat jedoch ein Entscheidungsrecht, was mit ihrem Körper geschieht. Ist das Lebensrecht des Fötus nicht stärker als das Entscheidungsrecht der Mutter? Sollte diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden, wäre eine Abtreibung des Fötus nicht erlaubt.
Frau Thomson nimmt hier das Geigerbeispiel zu Hilfe: Ich soll mir vorstellen, ich wäre gekidnappt und an den Blutkreislauf eines Geigers angeschlossen worden, damit meine Nieren ihn am Leben erhielten. Sie stellt also dar, dass ich unfreiwillig in der Situation bin. Das Geigerbeispiel ist gut auf unseren Fall übertragbar: Das Kidnapping steht für die Vergewaltigung. Es geschieht eine Tat, zu der weder ein Einverständnis der gekidnappten Person, noch das Einverständnis der kleinen Jasmin gegeben wurde. Es ist also ein Gewaltakt, der hätte gar nicht passieren dürfen und der die betroffene Person in eine neue und ungewohnte Situation bringt. Da im Falle der kleinen Jasmin der Zustand, ein Baby im Körper zu tragen, nicht gewollt war und sie vermutlich- hätte sie ein Mitspracherecht gehabt auch niemals zugestimmt hätte, hat der Fötus kein Recht, in ihrem Körper zu sein und diesen zum Überleben zu gebrauchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Zielsetzung, die Argumentation von J. J. Thomson anhand von Fallbeispielen kritisch zu untersuchen.
2. Die Betrachtung verschiedener Fallbeispiele: Analyse konkreter Szenarien wie Vergewaltigung, Lebensgefahr für die Mutter und ungewollte Schwangerschaften zur Prüfung ethischer Grenzwerte.
3. Die Rolle einer dritten Person: Diskussion darüber, ob und unter welchen Bedingungen eine außenstehende Person in den Schwangerschaftskonflikt eingreifen darf.
4. Wäre Abtreibung trotz geringer Zeitdauer und geringem Aufwand gerechtfertigt?: Auseinandersetzung mit der moralischen Relevanz des zeitlichen Aufwands einer Schwangerschaft für die Entscheidung zur Abtreibung.
5. Die Betrachtung der Situation nach einer Abtreibung: Beleuchtung der emotionalen und psychischen Nachwirkungen eines Schwangerschaftsabbruchs auf die Frau.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer individuellen Fallbetrachtung und kritische Reflexion über die aktuelle Rechtslage in Deutschland.
Schlüsselwörter
Abtreibung, Feministische Ethik, J. J. Thomson, Lebensrecht, Selbstbestimmungsrecht, Schwangerschaftskonflikt, Notwehr, Fallbeispiele, Moral, Ethik, Fötus, psychische Belastung, Schwangerschaftsabbruch, Vergewaltigung, Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der moralischen Problematik von Abtreibungen und untersucht kritisch die Thesen der Philosophin J. J. Thomson anhand verschiedener konkreter Fallbeispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ethische Abwägung zwischen dem Lebensrecht des Fötus und dem Recht der Frau auf körperliche Selbstbestimmung, sowie die Rolle von Prävention und sozialer Verantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass moralische Urteile zur Abtreibung nicht allgemeingültig gefällt werden können, sondern von Fall zu Fall differenziert betrachtet werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Anwendung ethischer Fallbeispiele (u.a. nach Thomson), um abstrakte moralische Thesen auf lebensnahe Situationen zu übertragen und deren Plausibilität zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Szenarien wie Schwangerschaft nach Vergewaltigung, medizinische Indikationen, Schwangerschaften trotz Verhütung sowie die Rolle Dritter bei der Entscheidung zum Abbruch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Abtreibung, Selbstbestimmungsrecht, moralische Verantwortung, Lebensrecht und die ethische Güterabwägung.
Warum wird das Geigerbeispiel in der Arbeit verwendet?
Es dient als analoge Gedankenübung, um zu verdeutlichen, dass das Recht auf Leben eines Anderen nicht automatisch ein Recht auf die Nutzung des eigenen Körpers zur Lebenserhaltung impliziert.
Welche Bedeutung kommt der "Wiedergutmachungsschwangerschaft" zu?
Der Begriff beschreibt den psychologischen Prozess, bei dem Frauen nach einem Abbruch versuchen, durch eine erneute Schwangerschaft erlebte Schuldgefühle oder Verluste zu bewältigen.
- Quote paper
- Yvonne Lehnigk (Author), 2004, Abtreibung - jede Abtreibung ist ein moralisches Problem, doch Abtreibung ist nicht gleich Abtreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39153