Abweichen von selbstauferlegten Moralkodex - Bestechung und Manipulation im Internationalen Olympischen Komitee


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Korruption im Zeichen der fünf Ringe: Ein Problem der moralischen Integrität oder der falschen Organisationsstruktur?

2. Formale Strukturierung, Ideale und Aufgaben des IOC

3. Geheimbund IOC: Ideales Umfeld für Bestechung und individuelle Bereicherung

4. Korruption als Folge der Kommerzialisierung

5. Auswirkungen der Korruption: Relation zwischen Anschuldigungen und wirklichem Schaden

6. Interne Reformen, Neustrukturierung oder Aufösung?

Literaturverzeichnis

1. Korruption im Zeichen der fünf Ringe: Ein Problem der moralischen Integrität oder der falschen Organisationsstruktur?

In Zuge des viel beachteten Korruptionsskandals um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen vehementen Kritikern des olympischen Systems und dessen Anhängern. Es waren in erster Linie Journalisten, die mit ihren Enthüllungen die Manipulationspraxis innerhalb des IOC und seiner Partnerorganisationen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückten. Zentrales Thema, neben dem Umgang mit Doping ist die Vergabe der Olympischen Spiele an Bewerberstädte. Diese Arbeit wird sich an letzterem orientieren, da das Thema Doping eine zu große Reichweite hat und hier den Rahmen sprengen würde.

Journalisten, wie Andrew Jennings oder Thomas Kistner, beschäftigen sich seit einigen Jahren verstärkt mit dem IOC und provozieren diesen und die Öffentlichkeit mit Büchern wie „Das Olympia-Kartell“[1] oder „Der Olympische Sumpf“[2]. Darin mahnen sie die undemokratische und selbstherrliche Arbeitsweise des IOC, die Bestechung und individuelle Bereicherung geradezu herausfordert, an. Nicht zuletzt die Präsidentschaft, des im Juli abgetretenen Juan Samaranch scheint den Kritikern reichlich Anlass zur Reformierungsforderungen zu geben. Manche plädieren gar für die Auflösung des IOC bzw. die Installierung einer ganz neuen Organisationsform.

Vertreter der Sportwissenschaft stehen dem IOC wesentlich moderater gegenüber. Das bestehende Treuhandsystem des IOC wird als prinzipiell adäquat angesehen und die Forderung von Seiten der Journalisten als überzogen zurückgewiesen. Man sucht das Heil der Olympischen Bewegung weniger in einer organisatorischen Erneuerung als in einer moralischen Wiederbelebung. Es muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass die augenscheinlich wissenschaftlichen Analysen zur Olympischen Bewegung nicht selten von Autoren stammen, die aufgrund ihres Werdegangs und Institutionszugehörigkeit die nötige wissenschaftliche Neutralität vermissen lassen. Ein Mitglied des „Deutschen Olympischen Institut (DOI)“[3] wird kaum den originären Charakter des Olympischen Systems angreifen.

Diese Arbeit wird in der Folge anhand dieser Meinungspolarisierung der Frage nachgehen, ob die Diskrepanz zwischen der rasanten Entwicklung im Weltsport und der ausgebliebenen Reorganisation des IOC ein positives Klima für Korruption im Umfeld Olympias geschaffen hat. Sind die Strukturen des IOC prädestiniert für Manipulation und illegale bzw. moralisch verwerfliche Handlungen seiner Mitglieder oder handelt es sich nur um Einzeltäter?

Als Ausgangspunkt wird zunächst die formale Strukturierung, die moralische und idealistische Zielsetzung und die konkrete Aufgabenstellung des IOC skizziert. Anknüpfend daran werden Darstellungen und Analysen der informellen Struktur des IOC nachvollzogen und damit die Erscheinungsformen korrupten bzw. nichtkonformen Handelns aufgezeigt. Durch die Darstellung der sportökonomischen Entwicklung soll gezeigt werden, wie die Kommerzialisierung, Olympia für die ökonomische Logik geöffnet hat und so überhaupt die Vorraussetzung für Bestechung und Bereicherung geschaffen hat. Anschließend soll der wohl berechtigten Frage nachgegangen werden, ob die Relation zwischen Empörung über die Vorfälle im IOC und dem wirklichen Schaden angemessen ist. Vorschläge und Diskussionen zur Reformierung schließen die Arbeit ab.

2. Formale Strukturierung, Ideale und Aufgaben des IOC

Das 1894 von Pierre de Coubertin gegründete Internationale Olympische Komitee versteht sich als ein Nicht-Staatliche-Organisation, die weder politische noch ökonomische Interessen verfolgt. Aufgrund seines Hauptsitzes in Lausanne unterliegt das IOC dem Schweizer Recht, hat aber aufgrund des internationalen Charakters eine Reihe von Sonderrechten, die den von zwischenstaatlichen Organisationen sehr ähnlich sind.[4]

Man definiert sich bewusst als eine Organisation, die ihre Mitglieder nicht als Repräsentanten ihres Staates begreift, sondern als eigenmotivierte Anhänger der Olympischen Idee. Aus diesem Grund rekrutiert das IOC seine Mitglieder durch Kooptation und bestimmt so von innen heraus, wer dem IOC beitreten darf. Betrachtet man die angesprochene rechtliche Sonderstellung offenbart sich unweigerlich ein gewisser Widerspruch.

Die Mitglieder entscheiden in der jährlich stattfindenden Session alle relevanten Fragen, allerdings sind hierfür keine strikten Verfahrensregeln vorhanden. Als ausführendes Organ wählt sich das IOC ein Executive Board. Oberstes IOC-Mitglied ist der Präsident. Das IOC stützt sich formell in erster Linie auf die Olympische Charta, die das Komitee als Verwalter bzw. Besitzer der Olympischen Spiele vorsieht. Zudem sind in ihr Ideale und Ziele der Olympischen Bewegung festegelegt: „The goal of the Olympic Movement is to contribute to building a peaceful and better world by educating youth through sport practised without discrimination of (...)“[5] Sport und besonders Olympia soll moralische Werte und Ideale transportieren. Dieser selbstauferlegte Anspruch impliziert natürlich einen enorm hohen Moralkodex für die Verwalter dieser Ideen.

[...]


[1] Jennings (1996)

[2] Kistner/Weinreich (2000)

[3] z.B. Sven Güldenpfennig, Wissenschaftlicher Leiter des DOI

[4] Rittberger/Boekl (1997)

[5] http://www.olympic.org/ioc/e/facts/charter/charter_intro_e.html

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Abweichen von selbstauferlegten Moralkodex - Bestechung und Manipulation im Internationalen Olympischen Komitee
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: IIlegales Verhalten
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V3918
ISBN (eBook)
9783638124294
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IOC, Olympia, Korruption
Arbeit zitieren
Anna Hörlein (Autor), 2001, Abweichen von selbstauferlegten Moralkodex - Bestechung und Manipulation im Internationalen Olympischen Komitee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3918

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