Das Kreditvergabeverhalten deutscher Banken im Kontext von Basel II -


Diplomarbeit, 2004

101 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung in das Thema und Aufbau der Arbeit

2. Überblick über die deutsche Kreditwirtschaft
2.1. Der Mittelstand in Deutschland
2.2. Der Bankensektor

3. Basel II: die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung für Kreditinstitute
3.1. Von Basel I zu Basel II
3.2. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
3.2.1. Erste Säule - Mindestkapitalanforderungen
3.2.1.1. Berechnung der Mindestkapitalanforderung
3.2.1.2. Kreditrisiko - Der Standardansatz
3.2.1.3. Kreditrisiko - Die auf internen Ratingansätze
3.2.1.3.1. Forderungen an Unternehmen
3.2.1.3.2. Forderungen an Retailkunden
3.2.2. Zweite Säule - Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren
3.2.3. Dritte Säule - Marktdisziplin
3.3. Aktueller Stand und bisherige Erkenntnisse

4. Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft
4.1. Kreditvergabeverhalten der Banken - Kreditnotstand für Mittelstand?
4.1.1. Erleichterungen für Kredite an den Mittelstand
4.1.2. Strukturwandel im Bankensektor
4.2. Der Einfluss auf die Kreditkonditionen
4.2.1. Das Rating
4.2.2. Kreditkonditionen nach Basel II
4.2.3. Prozyklische Wirkung von Basel II auf die Kreditwirtschaft
4.3. Auswirkungen von Sicherheiten und Kreditlaufzeit
4.3.1. Sicherheiten
4.3.2. Kreditlaufzeiten

5. Alternatives Finanzierungsangebot der Banken
5.1. Finanzierungsformen zur Verbesserung des Eigenkapitals der Unternehmen
5.1.1. Beteiligungskapital
5.1.2. Mezzanine Capital
5.2. Sicherung des Fremdfinanzierungsangebotes
5.2.1. Asset Backed Securities
5.2.2. Leasing
5.2.3. Öffentliche Förderprogramme

6. Untersuchung zum Kreditvergabeverhalten der Banken im Zuge von Basel II
6.1. Erläuterungen der Vorgehensweise und Zielsetzung
6.2. Umfang der empirischen Untersuchung
6.3. Auswertung der empirischen Untersuchung
6.3.1. Basel II allgemein
6.3.2. Rating und Kreditvergabeverhalten der Banken
6.3.3. Kreditrisikomanagement der Banken
6.3.4. Unternehmensfinanzierung

7. Fazit und Ausblick

Anhang I Insolvenzzahlen für Deutschland

Anhang II Quersubventionierung

Anhang III Die drei Säulen von Basel II

Anhang IV Zeitplan von Basel II

Anhang V Der umfassende Ansatz

Anhang VI Die aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen

Anhang VII Kosten-Nutzen-Analyse von IRB- und Standardansatz

Anhang VIII Vergleich der Mindesteigenkapitalanforderungen

Anhang IX Kreditderivate

Anhang X Anschreiben an die Banken

Anhang XI Fragebogen an die Kreditinstitute

Anhang XII Ergebnisse der empirischen Untersuchung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Versicherung

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1 Mittelstandsportfolio

Darstellung 2 Risikogewichtung für Unternehmen

Darstellung 3 Gewichtung der Bankengruppen und Ratingansätze

Darstellung 4 EK-Anforderung der verschiedenen Segmente

Darstellung 5 Rücklaufstatistik der Fragebögen

Darstellung 6 Fragebogen Nr. 23 und Nr. 24

Darstellung 7 Fragebogen Nr. 18

Darstellung 8 Fragebogen Nr. 16

Darstellung 9 Fragebogen Nr. 30 und Nr. 31

Darstellung 10 Fragebogen Nr. 39

Darstellung 11 Fragebogen Nr. 40

Darstellung 12 Insolvenzverfahren in ganz Deutschland

Darstellung 13 Quersubventionierung

Darstellung 14 Die drei Säulen von Basel II

Darstellung 15 Zeitplan von Basel II

Darstellung 16 Eigenkapitalanforderungen im Vergleich

Darstellung 17 Vergleich der EK-Anforderungen bei großen und kleineren Banken

Darstellung 18 Fragebogen Nr. 1

Darstellung 19 Fragebogen Nr. 2

Darstellung 20 Fragebogen Nr. 3

Darstellung 21 Fragebogen Nr. 4

Darstellung 22 Fragebogen Nr. 5

Darstellung 23 Fragebogen Nr. 6

Darstellung 24 Fragebogen Nr. 7

Darstellung 25 Fragebogen Nr. 8

Darstellung 26 Fragebogen Nr. 9

Darstellung 27 Fragebogen Nr. 10

Darstellung 28 Fragebogen Nr. 11

Darstellung 29 Fragebogen Nr. 12

Darstellung 30 Fragebogen Nr. 13

Darstellung 31 Fragebogen Nr. 14

Darstellung 32 Fragebogen Nr. 15

Darstellung 33 Fragebogen Nr. 17 und Nr. 18

Darstellung 34 Fragebogen Nr. 19

Darstellung 35 Fragebogen Nr. 20

Darstellung 36 Fragebogen Nr. 21

Darstellung 37 Fragebogen Nr. 22

Darstellung 38 Fragebogen Nr. 25

Darstellung 39 Fragebogen Nr. 26

Darstellung 40 Fragebogen Nr. 27

Darstellung 41 Fragebogen Nr. 28

Darstellung 42 Fragebogen Nr. 29

Darstellung 43 Fragebogen Nr. 32

Darstellung 44 Fragebogen Nr. 33

Darstellung 45 Fragebogen Nr. 38

Darstellung 46 Fragebogen Nr. 34

Darstellung 47 Fragebogen Nr. 35

Darstellung 48 Fragebogen Nr. 36

Darstellung 49 Fragebogen Nr. 37

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung in das Thema und Aufbau der Arbeit

In seiner Rede zum Kongress und Festakt der Landesregierungen Hessen, Niedersachsen, Thüringen und der europäischen Kommission am 10. Mai dieses Jahres referierte Edgar Meister, Mitglied des Vorstandes der deutschen Bundesbank über die „Auswirkungen und Folgen von Basel II auf das Kreditvergabeverhalten der Banken“. Er traf hiermit ein The- ma, das zur Zeit in den Medien sowie von Vertretern des Mittelstandes und Kreditinstitu- ten ausführlich diskutiert wird. Besonders die Seite der mittelständischen Unternehmer befürchtet mit der Einführung von Basel II eine restriktivere Kreditvergabepolitik der Ban- ken1, was sich letztlich in einer Verknappung von Krediten sowie in erhöhten Kreditkondi- tionen niederschlagen könnte.2

Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Dies betrifft sowohl die Banken, wie auch die Kreditnachfrager, die kleinen und mittelständischen Unterneh- men. Ausgangspunkt ist die derzeit schwierige konjunkturelle Situation. Die Ertragslage vieler Banken war in den letzten Jahren rückläufig, was zum einen auf geringere Provisi- onserlöse zum anderen aber auch auf niedrige Zinsmargen im Kreditgeschäft zurückzufüh- ren ist.3

Hierzu kommen deutliche Probleme im Unternehmenssektor. Der Umsatz in vielen Betrie- ben sinkt, die Investitionen und damit auch die Nachfrage nach Krediten gehen zurück und das Eigenkapital vieler Klein- und Mittelstandsunternehmen (KMU) schrumpft stetig, da die Chance zur Gewinnthesaurierung aufgrund der schlechten Ertragslage nicht möglich ist.4 Ausdruck dieser Schwäche sind die ständig steigenden Unternehmensinsolvenzen. Im Jahr 2003 mussten 39.700 Betriebe Insolvenz anmelden. Für das Jahr 2004 sollen es in et- wa gleich viel sein.5 Diese Insolvenzwelle wirkt sich wiederum negativ auf den Banken- sektor aus, woraus ein erhöhter Wertberichtigungsbedarf und schließlich ein vorsichtigeres Kreditvergabeverhalten von Banken resultiert.

Zusätzlich stehen die Banken vor einem Umbruch in der Regulierung. Der neue Basler Akkord, genannt Basel II, bezeichnet die neue Eigenkapitalvereinbarung des Basler Aus- schusses für Bankenaufsicht, die ab 2007 Anwendung finden soll. Oberstes Ziel ist die Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte und der Ausschluss von Bankenzusammenbrüchen. Direkt wird die neue Verordnung das Eigenkapital der Banken betreffen. Indirekt wird jedoch Basel II auch im Kreditvergabeverhalten, der Kreditbepreisung und in der Finanzierungspraxis mittelständischer Unternehmen Ausdruck finden.6

Über die Konsequenzen der Neuregelungen wird mittlerweile viel diskutiert. Von mittelständischer Seite wird argumentiert, die Banken zögen sich zurück aus dem Firmenkundengeschäft, Basel II hemme die Banken an der Vergabe neuer Kredite, gefährde Arbeitsplätze und Neuinvestitionen, z.B. durch erhöhte Kreditkonditionen.7

Edgar Meister sieht das Kreditvergabeproblem aufgrund oben beschriebener konjunktureller Probleme dagegen eher nachfrageseitig. Mit Basel II sei lediglich das Bewusstsein für die diffizile Behandlung von Kreditrisiken gestiegen. Ebenso sei ein erhöhter Nachholbedarf im Risikomanagement von Banken und Unternehmen aufgezeigt worden.8

Grundsätzlich bietet der neue Basler Akkord aufgrund der geringeren Risikogewichte für das Retailportfolio und verbesserte Verbriefungsmöglichkeiten auch Finanzierungschancen für KMU. Durch alternative Finanzierungsangebote der Kreditinstitute entstehen Möglichkeiten für die Kapitalbeschaffung deutscher Betriebe, indem ihnen zum Beispiel einen indirekten Zugang zum Kapitalmarkt geschaffen wird.

Es stellt sich zu diesem Thema also grundsätzlich die Frage, ob durch Basel II tatsächlich ein Kreditnotstand hervorgerufen wird, wie mögliche Konsequenzen für die Konditionengestaltung aussehen könnten oder welche Möglichkeiten von Banken geboten werden, alternative Mittel zu erhalten.

Nach einem kurzen Überblick über die derzeitige Situation in der deutschen Kreditwirtschaft wird in der folgenden Arbeit zunächst das Drei-Säulen-Modell der neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung Basel II näher beleuchtet. Hierbei werden die Probleme der bisherigen Vorschriften, die Verbesserungen, die Basel II bringen soll, sowie einen aktuellen Stand der Verhandlungen aufgezeigt.

Anschließend befasst sich die Diplomarbeit mit den Folgen von Basel II auf die Kreditver- gabe. Sowohl die Preis- als auch die Mengenkomponente spielen in diesem Zusammen- hang eine Rolle. Hieraus folgend werden Finanzierungsformen vorgestellt, die KMU zukünftig alternativ zum Bankkredit nutzen werden.

Ein letzter Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf einer bundesweiten Studie unter 500 Banken. Diese soll die theoretischen Grundlagen zum Thema „Auswirkungen von Basel II“ belegen oder gegebenenfalls widerlegen.

Ein Ausblick auf die weitere Zukunft wird diese Arbeit abschließen.

2. Überblick über die deutsche Kreditwirtschaft

2.1. Der Mittelstand in Deutschland

Mittelständische Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro9 sind der Kern der deutschen Wirtschaft.10 Sie entsprechen 99,7% aller Unternehmen, generieren 43,2% der Umsätze und tätigen 48,8% der Bruttoinvestitio- nen. Allein 69,7% der Arbeitnehmer und fast 80% der Auszubildenden in Deutschland sind im Mittelstand beschäftigt. Aufgrund solcher Zahlen spiegelt sich die besondere Bedeu- tung dieses Sektors wieder.11

Die Finanzierungsmöglichkeiten von kleinen und mittleren Unternehmen unterscheiden sich grundlegend von den Kapitalbeschaffungsgewohnheiten großer, international tätiger Konzerne. Aufgrund ihrer begrenzten Unternehmensgröße und des damit einher gehenden geringen Kapitalbedarfs sind mittelständische Unternehmen bezüglich ihrer Finanzie- rungsalternativen eingeschränkt. Ihre Hauptfinanzierungsquellen sind die interne Finanzie- rung über einbehaltene Gewinne, Abschreibungen oder Rückstellungen sowie die externe Finanzierung über Bankkredite.12 Nach wie vor beherrschend ist in Deutschland das Haus- bankprinzip. Die Betriebe beschaffen sich ihr Fremdkapital über Kreditinstitute, häufig in Form langfristiger Kredite. Laut einer Studie von Creditreform pflegen immer noch etwa 40% aller mittelständischen Unternehmen den Kontakt zu nur einer Hausbank.13 Im Ge- gensatz zur deutschen Kreditwirtschaft wird in den USA bereits eine Vielzahl von Finan- zierungsinstrumenten zur Beschaffung von Fremdmittel am Kapitalmarkt genutzt.

Dies liegt hierzulande an der meist festen Verknüpfung zwischen Unternehmensleitung und Kapital. Der Einfluss der familiären Kapitalgeber ist sehr hoch. Außerdem ist der Zugang zum Kapitalmarkt für viele deutsche KMU sehr schwer, da man an bestimmte regulatorisch oder marktseitig festgelegte Mindestvolumina gebunden ist. Weitere kostspielige Bedingungen, wie zum Beispiel ein Rating, können von vielen mittelständischen Unternehmen nicht aufgewiesen werden.14

Negative Charaktereigenschaft des Mittelstandes ist die sehr geringe Eigenkapitalausstat- tung. Die Eigenkapitalquote, d.h. der prozentuale Anteil des Eigenkapitals an der Bilanz- summe, ist entscheidender Faktor zur Beurteilung der Bonität eines Unternehmens. Besonders der Mittelstand ist jedoch gekennzeichnet von einer schwachen Eigenkapitalba- sis. Im Durchschnitt besitzen die deutschen KMU noch 7% Eigenkapital und der Trend ist weiter rückläufig.15 Hierbei gilt grundsätzlich, je kleiner der Betrieb, desto weniger Eigen- kapital ist vorhanden. Die Gründe für die geringe Eigenkapitalausstattung liegen zum einen in der schwierigen konjunkturellen Situation, zum anderen aber auch im Steuerrecht. Fremdkapitalzinsen können voll steuerlich geltend gemacht werden, während die Innenfi- nanzierung aus dem Cashflow keine steuerlichen Vorteile mit sich bringt.16

Die durchschnittliche Bonität von KMU liegt im Non-Investmentgrade Bereich, wie die nachfolgende Graphik zeigen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1: Mittelstandsportfolio

Quelle: Eigene Darstellung, Vgl. Taistra, Dr. Gregor (2003): Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf den Mittelstand, S.2

Sinkende Umsatzzahlen und rückläufiges Eigenkapital, welches als Risikopuffer dient, sind Indiz für die schwere Situation in der sich der deutsche Mittelstand zur Zeit befindet. Jedoch befinden sich auch die Banken in einer Krise.

2.2. Der Bankensektor

Der zweite wichtige Bestandteil einer Kreditwirtschaft sind die Kreditinstitute. Sie über- nehmen als Finanzintermediäre die Rolle der Kreditanbieter und versorgen Unternehmen direkt mit Kapital oder ermöglichen ihnen einen indirekten Zugang zum Kapitalmarkt.

Im Jahr 2003 gab es in Deutschland etwa 2600 Kreditinstitute mit ca. 50.000 Zweigstellen, welche fast ausschließlich einem der drei Bankensektoren, Genossenschaften, Sparkassen oder Privatbanken zugeordnet werden können.17 Der Sparkassensektor stellt mit 46% der Einlagen, 46% der Geschäftsstellen und 44% der Bilanzsumme den größten Sektor dar. Die durchschnittliche Bilanzsumme misst im öffentlichen Sektor 1,9 Mrd. Euro, im genos- senschaftlichen Sektor 0,4 Mrd. Euro. Allein die vier großen deutschen Geschäftsbanken18 sind hiervon abzuheben. Ihre Bilanzsumme betrug im Jahr 2002 durchschnittlich 264 Mrd. Euro. Im Vergleich zu europäischen und amerikanischen Banken sind deutsche Banken im Durchschnitt sehr klein. Die durchschnittliche Bilanzsumme in Europa liegt beispielsweise bei 3,0 Mrd. Euro.19

Auch die Eigenkapitaldecke der Kreditinstitute schmilzt durch zunehmend schlechte Ge- schäftszahlen, wodurch der Spielraum für die Vergabe neuer Kredite immer enger wird. Hier wird eine aktive Steuerung des Kreditportfolios immer bedeutender, da die Risiko- tragfähigkeit der Banken durch das geringe Eigenkapital begrenzt ist. Viele Kreditportfoli- os kleiner und mittelgroßer Banken beinhalten Klumpenrisiken, da sie nicht ausreichend diversifiziert sind. Eine Möglichkeit zur Risikoverlagerung wäre der Einsatz von Kreditde- rivaten und Asset Backed Securities. Hierbei werden Kreditrisiken verbrieft und am Kapi- talmarkt verkauft. Man erzielt so einen Diversifikationseffekt. Der Einsatz solcher Steuerungsmethoden ist jedoch bei vielen Kreditinstituten nicht üblich.20

Problematisch sind ebenso die sinkenden Zinsmargen, wodurch der Zinsertrag bereits im Jahre 2001 auf ein Rekordtief gefallen ist. Bis heute haben sich die Margen von diesem Tief nicht erholt. So ist beispielsweise die Zinsspanne in den Jahren von 1994 bis 2001 bei Genossenschaften um 23%, bei Sparkassen um 28% und bei Geschäftsbanken um 60% gesunken. Der erhöhte Wertberichtigungsbedarf durch steigende Kreditausfallzahlen hat dazu große Teile des noch verbleibenden Betriebsergebnisses aufgezehrt.21

Vor dem Hintergrund dieser Trends in der Kreditwirtschaft wird deutlich, dass ein Um- bruch in der Regulierung der Banken stattfinden muss. Für diese Umstrukturierung soll die Eigenkapitalvereinbarung Basel II sorgen, auf die nun im nächsten Kapitel genauer einge- gangen wird.

3. Basel II: die neue Eigenkapitalregelung für Kreditinstitute

3.1. Von Basel I nach Basel II

Verantwortlich für die Eigenkapitalvereinbarung ist der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Dieser hat seinen Sitz in der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Gegründet wurde der Ausschuss 1974 von den Zentralbankpräsidenten der G10-Staaten.22 Die gesetzliche Umsetzung der Richtlinien findet auf nationaler Ebene statt, da der Ausschuss nicht zur Gesetzgebung befugt ist. In welchem Umfang die Empfehlungen umgesetzt werden, bestimmen die Staaten in eigener Verantwortung.

Als Reaktion auf sinkende Eigenkapitalquoten in den Banken wurde 1988 die 1. Basler Eigenkapitalvereinbarung unter dem Namen Baseler Akkord geschaffen. Inhalt war die generelle Hinterlegung von Kreditrisiken mit haftendem Eigenkapital.23 Erstmals wurden somit die Ausfallrisiken im Kreditgeschäft direkt ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt. Für jeden Euro mussten Banken ab jetzt 8 Cent (entspricht 8%) an Eigenkapital bereitstellen.24 Später erhielt die Regelung den Namen Basel I. In der Bundesrepublik Deutschland erfolgte die Umsetzung in nationales Recht 1993 durch die 4. KWG-Novelle.

Das Ziel von Basel I, die Stabilität im Bankenwesen zu fördern, wurde zunächst erfolg- reich durchgesetzt. Dennoch zeigten sich sehr bald Schwächen der ersten Verordnung auf. In den Aufsichtsnormen der Wirtschaftsnationen wurden deutliche Unterschiede sichtbar.

Bankgeschäfte wurde demnach dort abgewickelt, wo die Kontrollvorschriften am schwächsten waren.25

Durch Globalisierung und wachsende Wirtschaftsmärkte wurden ständig Finanzinnovatio- nen an den Markt gebracht. Der große Druck auf die Zinsmargen durch neue internationale Konkurrenz verpflichtete die Banken ihr Kreditrisikomanagement zu optimieren. Es ent- standen neue Finanzinstrumente wie Asset Backed Securities, Kreditderivate oder Netting- vereinbarungen. Die dadurch entstehenden weiteren Risiken wurden von Basel I nicht ausreichend erfasst.26

Als Hauptkritikpunkt des ersten Baseler Akkords wird einheitlich die pauschale Hinterle- gung der Kreditrisiken mit 8% Eigenkapital, unabhängig von der Bonität des Schuldners, gesehen27. Ungeachtet davon, ob der Kreditschuldner eine hohe oder eher geringe Kredit- würdigkeit aufweist, wird der gleiche Betrag an Eigenkapital für die Banken fällig. Der selbe Betrag an Eigenkapitalkosten, der im Zinssatz enthalten ist, wird somit an den Kre- ditnehmer weitergegeben. Dies bringt eine sogenannte Quersubventionierung28 hervor, d.h. der gute Schuldner bezahlt eher zu viele Zinsen. Der schlechte Kunde erbringt zuwenig Zinsen, wird aber vom Mehrertrag des guten Kreditschuldners getragen.29

Hieraus ergibt sich ein weiteres Problem. Die Pauschalhinterlegung der Kreditrisiken bietet Banken keine oder eher negative Anreize für ein sicheres Kreditverhalten. Kreditzinsen sind nach wie vor gute Ertragsquelle für Banken. Durch undifferenzierte Kreditzinsen neigen Kreditinstitute dazu, eher Schuldner mit höherem Risiko zu bevorzugen, da hier höhere Zinssätze durchsetzbar sind. Bei guten Schuldnern sind die Eigenkapitalkosten im Verhältnis eher zu hoch, d.h. die Zinsmarge für die Bank kleiner. Folge dessen steigt das Risiko für die einzelne Bank sowie für das ganze Finanzsystem.30

Angesichts dieser Problempunkte von Basel I wurde 1999 das erste Konsultationspapier des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht vorgelegt.

3.2. Die neue Baseler Eigenkapitalverordnung

Oberstes Ziel des neuen Baseler Akkords ist die Stabilität und Solidität des internationalen Finanzsystems. Risiken, die im Kreditgeschäft für Banken entstehen, sollen besser erfasst und die Eigenkapitalhinterlegung risikoadäquater geregelt werden. Je höher das Risiko für einen Kreditnehmer ist, desto mehr Eigenkapital muss ein Kreditinstitut zukünftig dafür bereit halten. Insgesamt soll die Eigenkapitalausstattung in den Banken aber vom bisherigen Niveau nicht abweichen.31

Das erste Konsultationspapier von 1999 sah zunächst nur die risikogerechte Hinterlegung von Kreditrisiken und generell die Einführung von externen Ratings, für spezielle Banken die Verwendung interner Ratings vor. Mit dieser neuen Verordnung hatten die europäischen Finanzsysteme im Gegensatz zu den amerikanischen allerdings starke Probleme, da externe Ratings in den USA weitaus häufiger vorkommen.32

Mit dem zweiten Konsultationspapier vom Januar 2001 entstand das heute bekannte DreiSäulen-Konzept Basel II33, indem die Punkte von 1999 aufgegriffen und deutlich erweitert wurden. In den drei Säulen Mindesteigenkapitalanforderung (Minimum Capital Requirements), aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren (Supervisory Review Prozess) und Förderung der Marktdisziplin (Market Discipline) werden Verordnungen zur Stabilität und Solidität des Finanzsystems beschrieben.34

Zwischenzeitlich führte der Baseler Ausschuss mehrere Untersuchungen über die Auswirkungen der Regelungen durch. Die dritte und bis jetzt letzte so genannte Quantitative Impact Survey (QIS 3) fand im vierten Quartal 2002 statt. Daraufhin wurden im dritten Konsultationspapier vom April 2003 weitere Veränderungen unternommen.35

Am 26. Juni 2004 wurden die Verhandlungen zu Basel II abgeschlossen. Es wurde ein Framework erstellt, hinter dem sich die endgültige Vereinbarung verbirgt. Zusätzlich soll auch eine vierte Auswirkungsstudie durchgeführt werden.36 Die neuen Eigenkapitalvorschriften werden ab dem Jahr 2007 in Kraft treten.37

Die nachfolgenden Ausführungen zum Drei-Säulen-Modell Basel II beziehen sich auf das dritte Konsultationspapier vom April 2003.

3.2.1. Erste Säule - Mindestkapitalanforderungen

3.2.1.1. Berechnung der Mindestkapitalanforderungen

Die Eigenkapitalanforderung in Höhe von 8% wird wie bisher auch in Basel II beibehalten. Allerdings werden die Risikogewichte nun je nach Bonität des Kreditnehmers differen- ziert. Dies ermöglicht eine risikogerechte Bepreisung von Krediten, da für gute Schuldner zukünftig weniger Eigenkapital zu hinterlegen ist und so die Eigenkapitalkosten, die im Kreditzinssatz enthalten sind, gesenkt werden können.38 Die EK-Quote setzt sich wie folgt zusammen:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]39,40

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sieht die Deckung der Marktpreisrisiken, Kre- ditausfallrisiken und operationellen Risiken vor. Die Höhe der Eigenkapitalunterlegung er- gibt sich aus der Summe der risikogewichteten Aktiva für Kreditrisiko und dem 12,5- fachen der Eigenkapitalanforderung für das operationelle und das Marktrisiko. Die risiko- gewichtete Aktiva beim Kreditrisiko ergibt sich sowohl im Standardansatz als auch in den IRB-Ansätzen als Produkt von Exposurehöhe und dem jeweiligen Risikogewicht.41

Das Marktrisiko und das Kreditausfallrisiko wurden bereits in Basel I zur Berechnung des zu hinterlegenden Eigenkapitals berücksichtigt. Neue Komponente ist das operationelle Risiko. Hiermit sollen Verluste, die durch das Versagen von Menschen, internen Verfahren, Systemen oder externen Ereignissen entstehen, abgedeckt werden.42 Beispiele hierfür sind auftretende Computerviren, ein unerkannter interner Prüfungsfehler bis hin zu Betrug oder Terroranschlägen. Basel II bietet verschiedene Messmethoden für operationelle Risiken.43 Auf weitere Ausführungen soll jedoch diese Arbeit verzichten.

Marktrisiken entstehen durch Änderungen des Marktumfelds. Für Banken relevante Markt- risiken sind unter anderem Zinsänderungsrisiken, Währungsrisiken oder Aktienpositionsri- siken im Handelsbestand.44 Die Messung der Marktpreisrisiken bleibt unverändert gegenüber des ursprünglichen Baseler Akkords.

Als Grundlage zur Bestimmung der gewichteten Risikoaktiva aus dem Kreditgeschäft wer- den in Basel II zwei Ratingansätze vorgegeben, eine standardisierte Beurteilung von Kre- ditnehmern durch externe Ratingagenturen und einen auf internen Ratings basierenden Ansatz. Dieser interne Ansatz wird wiederum unterschieden in IRB-Basisansatz und fort- geschrittenem IRB-Ansatz. Die Wahl des jeweiligen Ansatzes kann von jedem Kreditinsti- tut selbst festgelegt werden.45

3.2.1.2. Kreditrisiko - der Standardansatz

Der modifizierte Standardansatz beruht auf dem Rating externer Agenturen. Damit eine Ratingagentur (External Credit Assesment Institution „ECAI“) von den nationalen Auf- sichtsbehörden zugelassen werden darf, muss sie bestimmte Eignungskriterien erfüllen.46

Die ECAI’s sollen frei sein von jeglicher politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit, die ein Ratingergebnis verfälschen würde. Die Ratingmethode an sich muss systematisch auf- gebaut sein und durch spezielle Kontrollverfahren (Validierung) ständig überwacht wer- den. Die Bonitätsurteile, die im Übrigen auch als Rating bezeichnet werden, müssen für andere Marktteilnehmer öffentlich ersichtlich sein. Die beurteilende Ratingagentur hat In- formationen, wie die Beurteilungsmethodik, der Zeithorizont oder Wahrscheinlichkeiten bezüglich der Änderung einzelner Ratings offenzulegen. Des weiteren soll eine ECAI durch deren Verwendung durch unabhängigen Parteien Glaubwürdigkeit erlangen. Zuletzt erwähnt das dritte Konsultationspapier die ausreichenden Ressourcen, die einem Ratingun- ternehmen vorliegen müssen. Ein enger Kontakt zur Unternehmensleitung ist notwendig, um ständig qualitative und quantitative Kriterien zur Benotung zu erhalten.47

Lässt sich ein UN zweimal durch Ratingagenturen bewerten, so muss stets jenes Rating verwendet werden, welches das höhere Risiko aufweist. Bei Mehrfachbeurteilungen werden die beiden niedrigsten Ergebnisse verglichen und das mit dem höheren Risikoge- wicht angewandt.48

Ist ein Kreditnehmer von einer Ratingagentur in eine Ratingklasse eingestuft worden, so bestimmt der Standardansatz nach Basel II die dazugehörigen Risikogewichte zur Berech- nung des erforderlichen Eigenkapitalaufwands. Grundsätzlich wird im Standardansatz zwi- schen vier zentralen Kreditschuldnerarten unterschieden: Unternehmen, Staaten, Banken und Private Schuldner bzw. Kleinunternehmen (sog. Retailgeschäft).49 Bei einem Stan- dardrisikogewicht von 100% werden die eingegangenen Risiken bei der Berechnung der risikogewichteten Aktiva in voller Höhe berücksichtigt. Die Eigenkapitalquote beträgt so- mit 8%. Ein Risikogewicht von 20% führt zu einer Eigenkapitalquote von 1,6%.50 Auf- grund der Themenstellung dieser Arbeit, werden die Kreditschuldnerarten Banken und Staaten nicht weiter ausgeführt.

3.2.1.2.1. Behandlung von Forderungen an Unternehmen und Retailkunden

Die bedeutendste Gruppe neben den Forderungen im Retailportfolio ist jene der Unternehmen. Das Risikogewicht für ungeratete Unternehmen liegt wie bisher bei 100%, kann aber von der jeweiligen Aufsichtsbehörde bei Bedarf nach oben revidiert werden. Diese Maßnahme ist jedoch von der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin zunächst nicht zu erwarten. Für schlechte Schuldner und Forderungen im Zahlungsverzug wurde zusätzlich ein Risikogewicht von 150% eingeführt.51

Die Risikogewichte für Unternehmen sind wie folgt den Ratingklassen zugeordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2 Risikogewichtung für Unternehmen

Quelle: eigene Darstellung, Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2001): The Standardised Approach to Credit Risk, S. 8

Wertmäßig relativ geringere Forderungen werden nach der neuen Basler Vereinbarung in ein Retailportfolio zusammengefasst. Dazu zählen natürliche Personen und kleinere Unternehmen mit einem Exposure bis zu 1 Mio. Euro.52

Da über 90% der deutschen Unternehmen dieser Gruppe angehören ist dies die größte Gruppe. Eine dem Retailportfolio zugeordnete Forderung wird mit 75% gewichtet. Anders ausgedrückt müssten 90% der deutschen Betriebe statt 8% nur noch 6% an Eigenkapital erbringen.53 Wichtig für die Aufsichtsbehörde bezüglich eines Retailportfolios ist das Gra- nularitätskriterium. Es sollen mögliche Klumpenrisiken vermieden werden, ansonsten ist der Ausschuss befugt, das Risikogewicht von 75% nach oben zu korrigieren.54

3.2.1.2.2. Kreditrisikominderungsmöglichkeiten im Standardansatz

Zur Reduzierung der Kreditrisiken wurden vom Ausschuss für Banken diverse Möglichkeiten zugelassen. Im Wesentlichen werden die Besicherung der Forderung, Garantien, der Verkauf von Kreditderivaten oder Nettingvereinbarungen mit dem

Schuldner genannt. Voraussetzung für die Anerkennung der

Risikoreduzierungsinstrumente (Credit Risk Mitigration „CRM“) ist die rechtliche

Durchsetzbarkeit. Außerdem sind alle Maßnahmen permanent zu kontrollieren und zu überprüfen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann das Kreditinstitut die Risikominderung bei der Berechnung der Eigenkapitalanforderung berücksichtigen.55

3.2.1.2.2.1 Sicherheiten

Als Risikominderungsmaßnahme wird hier die Forderung durch Bareinlagen, Gold, Schuldverschreibungen mit einem bestimmten Mindestrating oder Aktien eines Hauptindexes besichert. Die Sicherheit darf nicht abhängig sein vom Schuldner, z.B. ein Wertpapier, welches vom Kreditnehmer selbst emittiert wurde.

Zur Beurteilung vonSicherheitensind zwei Ansätze vorgesehen. Eine Bank kann selbst darüber entscheiden, ob sie den einfachen oder den umfassenden Ansatz anwenden will.

Das Prinzip des einfachen Ansatzes ist ähnlich dem Substitutionsansatz des derzeitigen Basler Akkords von 1988. Wird der einfache Ansatz angewendet, so erhält der besicherte Teil eines Kredits das Risikogewicht der Sicherheit. Dem nicht besicherten Rest der Forderung wird das tatsächliche Risikogewicht des Kreditschuldners angerechnet. Grundsätzlich wird ein Mindestrisikogewicht von 20% vorgeschrieben.

Beim umfassenden Ansatz wird der Wert der Forderung sowie der Marktwert der Sicherheit durch bestimmte Risikozu- oder abschläge (sog. Haircuts) angepasst. Auf diese Weise werden permanent die Veränderungen am Markt berücksichtigt. Die explizite Formel zur Berechnung des Forderungsbetrags nach der Risikominderung wird im Anhang V - Der umfassende Ansatz auf Seite 55 geschildert.56

3.2.1.2.2.2. Nettingvereinbarungen mit dem Kreditschuldner

Beim sog. Netting werden die Bilanzpositionen Forderungen und Verbindlichkeiten des Kreditnehmers miteinander aufgerechnet. Zur Berechnung der Eigenkapitalquote kann ein Kreditinstitut den Nettobetrag der aufgerechneten Positionen als Grundlage verwenden.57

3.2.1.2.2.3. Garantien und Kreditderivate

Sowohl Garantien als auch Kreditderivate müssen bestimmten Anforderungen entsprechen, um als Risikominimierungsmöglichkeit anerkannt zu werden. Sie sollen unmittelbare Forderung gegenüber dem Sicherungsgeber, ausdrücklich an eine Forderung gebunden, unwiderruflich und ohne Ausstiegsklausel zugunsten des Sicherungsgebers sein.58 Analog dem oben beschriebenen einfachen Ansatz bei den Kreditsicherheiten wird der besicherte Teil durch das Risikogewicht der Sicherheit substituiert.59

3.2.1.3. Kreditrisiko - Die auf internen Ratings basierenden IRB-Ansätze

Der Standardansatz im neuen Baseler Akkord ähnelt bis auf die Änderung der differenzier- ten Risikogewichte sehr stark der derzeitigen Eigenkapitalhinterlegung nach Basel I. Die eigentliche Innovation liegt in der aufsichtsrechtlichen Gleichwertigkeit interner Rating- systeme.60 Grundlage für die Berechnung des risikodeckenden Eigenkapitals ist hier der Einsatz bankeigener Ratings. Der Internal Rated Based Approach (IRB) beinhaltet einen Basisansatz und einen fortgeschrittenen Ansatz. Diese Ansätze unterscheiden sich haupt- sächlich in der Quantifizierung und Berücksichtigung der Risikokomponenten und den deutlich strengeren Mindestanforderungen beim fortgeschrittenen Ansatz.61

Wie oben beschrieben, wird im Standardansatz durch den Baseler Ausschuss jeder Risikoklasse ein bestimmtes Risikogewicht zugeordnet.62 Die Risikogewichte im IRB-Ansatz werden anhand einer vorgegebenen Risikogewichtungsfunktion berechnet. Diese Funktion hängt von vier zu ermittelnden Risikokomponenten ab.

- Erste und bedeutendste Komponente ist die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD, Probability of Default). Sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Schuldner einer bestimmten Ratingklasse innerhalb eines Jahres ausfällt. Es gelten bestimmte Ausfallindikatoren, z.B. der Verzug von mehr als 90 Tagen.63
- Weiterer Risikoparameter ist die Verlustquote bei Ausfall (LGD, Loss given Default), d.h. der erwartete eintretende Verlust pro Forderung bei Ausfall des Schuldners.
- Der ausstehende Forderungsbetrag zum Zeitpunkt des Ausfalls (EAD, Exposure at De- fault) ist ebenso relevante Risikokomponente, die ermittelt werden muss. Es wird der tatsächlich geschuldete Wert, z.B. vor Abzug von Einzelwertberichtigungen oder Son- derabschreibungen verwendet.64,65
- Letzte Komponente ist die Restlaufzeit (M, Maturity) des Kredits. Sie ist die Zeitspan- ne, die dem Schuldner zur Rückzahlung eines Kredits gewährt wird.66

Im zweiten Konsultationspapier von 2001 wurden zunächst sechs Forderungsklassen unterschieden. Im dritten Konsultationspapier von 2003 sind mit der Einordnung der Forderungskategorie Projektfinanzierung in die Gruppe Unternehmen die Kredite aufgeteilt in fünf verschiedene Schuldnerarten: Kredite an Unternehmen, Staaten, Banken, Privatkunden (Retail) und Beteiligungen.67 Staaten- und Bankenkredite werden im IRB-Ansatz wie Unternehmensforderungen behandelt.

3.2.1.3.1. Forderungen an Unternehmen

Für die Kredite an Unternehmen, Staaten und Banken hat der Basler Ausschuss sowohl einen Basisansatz als auch einen fortgeschrittenen Ansatz entwickelt. Für Kredite an Privatkunden bzw. Beteiligungen ist diese Unterscheidung nicht relevant.

Beim IRB-Basisansatz schätzen die Banken lediglich die PD selbst. Die anderen Risikokomponenten, EAD, LGD und M werden von den nationalen Aufsichtsbehörden als feste Größe vorgegeben. Im fortgeschrittenen IRB-Ansatz werden sämtliche Parameter unter Einhaltung bestimmter aufsichtsrechtlicher Mindestanforderungen68 von den Kreditinstituten selbst geschätzt. Dieser Ansatz ist für größere Banken mit komplexeren Datenerhebungen und Datenbeständen vorgesehen.69 Anhand der ermittelten Risikoparameter erfolgt die Berechnung der EK-Anforderung. In einem ersten Schritt wird über die Ausfallwahrscheinlichkeit und der dazugehörigen Risikoklasse ein Benchmarkrisikogewicht (BRW) berechnet. Mathematisch ist das BRW eine Funktion von PD. Jeder Forderung mit einer bestimmten Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) wird also ein BRW zugeordnet.70 Der Faktor aus BRW und LGD ergibt das eigentliche Risikogewicht.

Wird dieses Risikogewicht mit der Verlusthöhe bei Ausfall (EAD) multipliziert, so erhält man die anzuwendende Risikoaktiva, welche multipliziert mit dem Solvabilitätskoeffizient von 8% die endgültige Eigenkapitalanforderung ergibt.71

Im fortgeschrittenen Ansatz wird eine Laufzeitanpassung vorgenommen, indem explizit die Laufzeit M berücksichtigt wird. Im Basisansatz wird ein Standardwert von M = 2,5 Jahre festgesetzt.72

Die Formeln zur Ermittlung des Risikogewichts lauten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) an73 Unternehmen wird im neuen Akkord gleichgesetzt mit der einjährigen PD der Ratingklasse, in die der jeweilige Schuldner eingestuft wurde. Vorgeschrieben ist eine PD von mindestens 0,03%.

Die Verlustquote LGD darf nach unten korrigiert werden, wenn aufsichtsrechtlich aner- kannte Sicherheiten erbracht werden. Sie wird im Basisansatz und im fortgeschrittenen

Ansatz unterschiedlich ermittelt. Bei der Anwendung des IRB-Basisansatzes differenziert Basel II zwischen finanziellen Sicherheiten und anderen anerkannten IRB-Sicherheiten. Anerkannte finanzielle Sicherheiten sind jene, die schon im Standardansatz Anwendung fanden.74 Deshalb ist für diese Art von Sicherheiten der umfassende Ansatz für Kreditrisi- kominderungsmöglichkeiten aus dem Standardansatz maßgebend.75,76 Als andere aner- kannte IRB-Sicherheiten werden Forderungsabtretung oder Sicherheiten aus gewerblichen oder Wohnimmobilien genannt.

Im fortgeschrittenen IRB-Ansatz dürfen die Kreditinstitute unter bestimmten aufsichtrecht- lichen Bedingungen ihre LGD selbst schätzen. Hier gelten weitere Arten von Sicherungs- instrumenten, die allerdings sämtlichen Anforderungen des Baseler Ausschusses entsprechen müssen. Die LGD im fortgeschrittenen Ansatz ist der Verlust in Prozent der gesamten Höhe der Forderung zum Zeitpunkt des Ausfalls. Für die Restlaufzeit ist noch anzumerken, dass sie mindest ein Jahr höchstens jedoch fünf Jahre betragen muss.77

3.2.1.3.2. Forderungen an das Retail-Segment und Behandlung von Beteiligungen

Zum Retailportfolio zählen sowohl Kredite an Privatkunden als auch Kredite an kleine und mittlere Unternehmen bis zu einer Höhe von 1 Mio. Euro. Für die Behandlung der Privatkundenforderungen und Beteiligungen sind weder eine Trennung nach Basis- bzw. fortgeschrittenem Ansatz noch eine Laufzeitanpassung vorgesehen.78

Die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen läuft analog zu den Forderungen an Un- ternehmen. Aus der Ausfallwahrscheinlichkeit wird über eine komplexe Funktion ein Risi- kogewicht errechnet (BRW(PD) x LGD), welches multipliziert mit der EAD und dem Eigenkapitalfaktor (8%) das aufsichtsrechtliche Eigenkapital ergibt.79 In den ersten beiden Vorschlägen von Basel II war eine Granularitätsanpassung vorgesehen. Die gesamte risi- kogewichtete Aktiva sollte durch eine Kennzahl korrigiert werden, mit der Klumpenrisiken in einem Kreditportfolio negativ berücksichtigt werden. Darauf ist nun gänzlich verzichtet worden. Allerdings werden für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Mio. Euro Abschläge bei der Risikogewichtung gewährt. Dies kann als eine Art Granularität- sanpassung interpretiert werden, da die Höhe einer Forderung mit der Größe des Unternehmens positiv korreliert.80

Alternative Finanzierungsformen werden für Kreditnehmer mit schlechter Bonität im Ver- gleich zum klassischen Bankkredit an Bedeutung gewinnen. Eine Möglichkeit für jene Kreditnehmer ist die Aufnahme von externem Eigenkapital in Form einer Beteiligung. Tre- ten nun die Banken als Eigenkapitalgeber auf, entsteht ein erhöhtes Risiko für die Bank, da Beteiligungen an sich ein sehr hohes Ausfallrisiko mit sich tragen. Der Baseler Ausschuss für Bankensicherheit hat somit entschieden, für Beteiligungen ein deutlich höheres Risiko- gewicht anzusetzen, woraus eine Steigung der Eigenkapitalkosten im Beteiligungsportfolio der Kreditinstitute resultiert.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse zwischen IRB-Ansatz und Standardansatz wird im Anhang VII auf Seite 57 durchgeführt, da weitere Ausführungen der Vor- und Nachteile dieser beiden Ratingansätze den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen würden.

3.2.2. Zweite Säule - Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren

In der zweiten Säule werden Verfahren zur individuellen Prüfung durch die Aufsicht geregelt. Die Absicht des Baseler Ausschusses ist, eine qualitativere Bankenaufsicht zu erhalten, um die komplexen Bewertungsverfahren für die Kapitalanforderungen aus der ersten Säule besser kontrollieren zu können. Im dritten Konsultationspapier werden vier zentrale Grundsätze der aufsichtsrechtlichen Überprüfung vorgegeben.81,82

- Interne Aufsicht: Kreditinstitute sollen geeignete Verfahren entwickeln, um eine per- manent angemessene Eigenkapitalausstattung gewährleisten zu können. Hierfür sollen auch interne Stress-Tests durchgeführt werden, die mögliche Veränderungen der Marktgeschehnisse und deren Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb der Banken auf- zeigen sollen. Weiterhin werden die Überwachung durch die Geschäftsleitung, ein ord- nungsmäßiges Berichtswesen oder die Überprüfung interner Kontrollorgane als wichtige Elemente innerhalb eines Kreditinstitutes genannt.83,84
- Externe Aufsicht: Die internen Verfahren zur Beurteilung der angemessenen Eigenka- pitalstruktur der Banken sollen von den Aufsichtsinstanzen überprüft und bewertet werden. Es werden sowohl externe Überprüfungen anhand eingereichter Unterlagen, als auch Vor-Ort-Prüfungen in den jeweiligen Instituten durchgeführt.85
- Das ökonomische Eigenkapital der Banken zur Deckung der Kreditrisiken soll das re- gulatorische Eigenkapital des Baseler Ausschusses übersteigen. Die Aufsichtsbehörden haben die Möglichkeit eine individuell höhere Eigenkapitalausstattung zu verlangen.
- Wenn es die Bankenaufsicht für erforderlich hält, kann sie frühzeitig Maßnahmen er- greifen, um eine ständige Mindestkapitalausstattung der Banken zu gewährleisten. Das dritte Konsultationspapier beschreibt als mögliche Maßnahmen die stärkere Überwa- chung der betroffenen Bank durch die Aufsichtsbehörde, die sofortige Aufnahme von zusätzlichem Eigenkapital oder einen umsetzbaren Plan zur Wiederherstellung des ge- forderten Eigenkapitalniveaus.86

Das deutlich erweiterte Überprüfungsverfahren der Säule 2 kann als zentrale Ergänzung und Verstärkung der beiden anderen Säulen angesehen werden.87 Durch diese zweite Säule in Basel II wird die rein quantitative Aufsicht zu einer mehr und mehr qualitativeren Aufsicht.88 Für die Bankenaufsicht stellt dies einen Freiraum dar. Man ist mit diesen qualitativen Methoden in der Lage, flexibel auf Rahmenbedingungen zu reagieren. Sind zum Beispiel die Eigenkapitalanforderungen aus Säule 1 zu gering, kann der Ausschuss hier durch Zuschläge ein Mehr an Eigenkapital fordern.89

3.2.3. Dritte Säule - Marktdisziplin

Die dritte Säule von Basel II beinhaltet deutlich erweiterte Anforderungen an die Offenle- gung von Angaben zur Eigenkapital- und Risikolage eines Kreditinstituts.90 Eine erhöhte Transparenz zwischen den Marktteilnehmern soll die Stabilität des Bankensystems weiter festigen. Die Vorschläge zur quantitativen und qualitativen Offenlegung erstrecken sich über vier Schlüsselgebiete: Anwendungsbereich der neuen Eigenkapitalvereinbarung, Ei- genkapitalstruktur, Aufdeckung eingegangener Risiken und Eigenkapitalausstattung.91

Das Drei-Säulen-Modell von Basel II wird durch diese dritte Säule abgerundet. Zusammen sollen die Säulen weitreichende Verbesserungen im Bankensektor bewirken, sich gegenseitig stützen und kontrollieren.

3.3. Aktueller Stand und bisherige Erkenntnisse

Im Juli dieses Jahres wird der Richtlinienvorschlag der EU-Kommission für risikobasierendes Eigenkapital vorgelegt, welcher die Basel II-Vorgaben in EU-Recht umgesetzt.92 Zunächst stellt sich nun allerdings die Frage, welche Auswirkungen und Erkenntnisse die neue Eigenkapitalvorschrift für Banken bisher zeigt. Um jene Auswirkungen von Basel II auf das Bankensystem festzustellen, führte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im ersten Halbjahr 2003 eine Studie durch. Die Ergebnisse dieser insgesamt dritten Auswirkungsstudie (QIS3) wurden im Juni letzten Jahres veröffentlicht.

Sämtliche Kreditinstitute wurden aufgeteilt in zwei Gruppen, die sich durch die Höhe des Kernkapitals unterscheiden. In Deutschland wurden sechs Banken mit mehr als drei Milliarden Euro Kernkapital und 52 mit weniger analysiert.

Beachtlich ist als zentraler Aspekt, dass sich sämtliche große Banken für einen IRB-Ansatz entschieden haben. Die Mehrheit wählt sogar den fortgeschrittenen Ansatz. Die kleineren Finanzinstitute ließen den fortgeschrittenen Ansatz außen vor, wobei der Basisansatz gegenüber dem Standardansatz häufiger angewendet wird.93 In Deutschland wird der Großteil der Banken und Sparkassen dank der Unterstützung ihrer Verbände den Basisansatz des internen Ratings anwenden. Studien vom Sparkassen- und Genossenschaftsverband zeigen, dass die Entwicklung dieser bankinternen Ratingverfahren bereits weit vorangeschritten ist.94 Weltweit wird der Standardansatz von der Mehrzahl der Banken genutzt werden. Besonders kleinere und mittlere Banken in den G10-Ländern, sowie Kreditinstitute aus den Emerging Markets werden aufgrund der erhöhten Einführungskosten eines internen Ratings weiterhin den Standardansatz verwenden.95

In Darstellung 3 wird die Veränderungen der Eigenkapitalhinterlegung im Standardansatz und den IRB-Ansätzen jeweils für Banken mit einem Kernkapital von größer oder kleiner 3 Mrd. Euro verglichen. In der Summe bleiben die in der QIS3 analysierten EK-Kosten, wie von der Aufsichtsbehörde erwünscht, gleich. Betrachtet man jedoch die einzelnen Ansätze, entstehen beachtliche Unterschiede.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3 - Gewichtung der Bankengruppen und Ratingansätze in Deutschland

Quelle: Deutsche Bundesbank (2003): Erkenntnisse aus der Auswirkungsstudie zu Basel II, Länderbericht Deutschland, 2. Juni 2003, S.6

Gemäß einer europaweiten Studie der Raiffeisen Bankengruppe Österreich verringert sich die EK-Erfordernis im IRB-Ansatz um ca. 1,8%, wobei beim Standardansatz etwa 7,8% mehr EK gegenüber dem alten Basler Akkord gehalten werden muss.96 Die QIS3 sieht die deutschen Banken größtenteils schlechter als der Durchschnitt der G10-Staaten.97

Aufgrund der quantitativen Auswirkungsstudien und Erfahrungen aus dem Bankensektor wurden seit Erscheinen des ersten Konsultationspapiers permanent Modifikationen an Ba- sel II vorgenommen. Folgende Änderungen, die der Baseler Ausschuss in den letzen Mo- naten entschieden hat, sind besonders im Kontext mit der Kreditvergabe der Banken hervorzuheben:

- Wie schon erwähnt, wurde im Standardansatz das Risikogewicht für Retailforderungen von 100% auf 75% gesenkt, um die Erhöhung der Eigenkapitalhinterlegung durch das Risikogewicht von 150% für schlechte Bonitäten und der Deckung des operationellen Risikos auszugleichen.98 Hieraus entstehen deutliche Vorteile für den Großteil der deutschen Firmenkunden, vorausgesetzt die Banken verwenden den Standardansatz.
- Der Baseler Ausschuss folgte im Oktober 2003 der Argumentation amerikanischer Großbanken, den erwarteten Verlust von der Unterlegungspflicht zu befreien und nur die unerwarteten Kreditausfälle mit Eigenkapital zu hinterlegen, da für erwartete Verluste ohnehin Rückstellungen gebildet werden müssen. So wird eine Doppelbelastung für die Kreditinstitute ausgeschlossen.99
- Zu den Forderungen an Retailkunden sollen neben Unternehmen mit einem Kreditvo- lumen unter 1 Mio. Euro auch Unternehmen mit einem bestimmten Mindestumsatz ge- zählt werden. Die Aufsichtbehörde BaFin rechnet mit einer Jahresumsatzgrenze in Höhe von 5 Mio. Euro, eine abschließende Größe wurde vom Baseler Ausschuss noch nicht genannt.100
- Banken, die einen internen Ratingansatz anwenden werden, müssen sich bestimmten Stress Tests unterziehen. Das Ziel ist die Beobachtung des Eigenkapitals in verschiedenen Stress-Szenarien innerhalb des jeweiligen Kreditinstituts.101 Laut BaFin-Chef Jochen Sanio haben im Juni dieses Jahres 10% der Finanzinstitute jene Stress Tests aufgrund ihrer schwachen Eigenkapitalbasis nicht bestanden.102
- Als anerkennungsfähige Sicherheiten werden nach Basel II auch Kreditderivate103 de- finiert. Deutsche Kreditinstitute, besonders die Großbanken, nutzen diese neue Form von Risikotransfer bereits sehr rege. Die Deutsche Bundesbank sieht den Markt für Kreditderivate noch am Anfang und erwartet einen deutlichen Anstieg von derivativen Geschäften.104 Noch nicht als Sicherheiten definiert sind Bürgschaften, die besonders für Existenzgründer eine große Rolle spielen, und die Abtretung von Lebensversiche- rungen.
- Mit der Erhöhung der Risikogewichte für Beteiligungsfinanzierungen wird ein Rück- zug der Banken aus dem Beteiligungsmarkt erwartet. Vertreter der deutschen Kredit- wirtschaft fordern daher, bei ausreichend diversifizierten Beteiligungspools die
Eigenkapitalerfordernis zu senken. Noch hat der Baseler Ausschuss nicht darauf rea- giert.105

4. Basel II und Auswirkungen auf die deutsche Kreditwirtschaft

4.1. Kreditvergabeverhalten der Banken - Kreditnotstand für den Mittelstand?

In dieser Arbeit soll und kann nicht auf jede denkbare Auswirkung von Basel II eingegangen werden. Vielmehr wird der Schwerpunkt nachfolgend auf mögliche Veränderungen und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Banken hinsichtlich mittelständischer Kreditfinanzierung gelegt.

4.1.1. Erleichterungen für Kredite an den Mittelstand

Mit der Vorlage der ersten Konsultationspapiere ging in der mittelständischen Wirtschaft die Angst um, die Banken zögen sich aus dem Firmenkundenkreditgeschäft zurück, vergäben weniger Kredite und verursachten so einen Kreditnotstand speziell für mittelständische Unternehmen. Der Ausschuss für Bankenaufsicht hält diese Angst aber nicht für berechtigt. Er hat das Ziel vorgegeben die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten der Banken auf dem selben Niveau zu halten, wie bisher.106

Hierzu wurde zum einen den Banken die Möglichkeit gegeben, kleinere und mittlere Unternehmen dem Retailportfolio zuzurechnen und diese somit wie Kredite an Privatkunden zu behandeln. Diese Risikogewichte liegen deutlich unter jenen für Unternehmenskredite. Im Standardansatz wurde das Risikogewicht, wie oben beschrieben, auf 75% gesenkt. Da 90% der Unternehmen das Retailkriterium erfüllen, müssen Kreditinstitute ab 2007 für neun von zehn Firmenkunden weniger Eigenkapital unterhalten.

Auch im internen Ratingansatz ist für das Retail-Segment durch die modifizierten Risikogewichtungsfunktionen eine deutliche Eigenkapitalerleichterung zu erwarten.107 Der Baseler Ausschuss begründet diese Erleichterung im Vergleich zu den Unternehmenskunden mit der höheren Granularität108 und somit einem deutlich reduzierten Risiko.

[...]


1 Die Begriffe Banken und Kreditinstitute werden in der folgenden Arbeit synonym verwendet.

2 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2002): Rating, Basel II und die Unternehmensfinanzierung, S. 5

3 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2003): Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft - ein Überblick, S. 37

4 Vgl. Meister, Edgar (2004): Auswirkungen von Basel II auf das Kreditvergabeverhalten von Banken

5 Vgl. www.creditreform.de sowie Anhang I - Insolvenzzahlen für Deutschland, S.51

6 Vgl. Wolf, Jakob (2003): Basel II - Kreditrating als Chance, S. 12

7 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2003): Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft - ein Überblick, S. 38

8 Vgl. Meister, Edgar (2004): Auswirkungen von Basel II auf das Kreditvergabeverhalten von Banken

9 Vgl. www.ifm-bonn.de, Abgrenzungskriterien des IfM Bonn für KMU’s

10 Vgl. Lehnhoff, Jochen (2003): Das Mittelstandskonzept der Genossenschaften, S. 64

11 Vgl. Hesse, Mike (2003): Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand, S. 21

12 Vgl. Niederöcker, Bettina (2002): Finanzierungsalternativen in kleinen und mittleren Unternehmen, S. 68

13 Vgl. Kaulbach, Christian (2002): Die neue Eigenkapitalverordnung und deren Auswirkung auf die Finanzierung von Klein- und Mittelbetrieben, S. 10

14 Vgl. Hesse, Mike (2003): Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand, S. 24

15 Vgl. Köster, Dr. Thomas (2003): Kapitalversorgung des Mittelstandes - Ein Problem der Zukunft? S. 5

16 Vgl. Fischer, Dr. Thomas (2003): Moderne Unternehmensfinanzierung im internationalen Kontext - Basel II als Auslöser längst überfälliger Veränderungen?, S. 117

17 Vgl. www.bundesbank.de (2003): Bankenstatistik

18 Deutsche Bank, Allianz - Dresdner Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank

19 Vgl. Groß, Thomas/Lohfing, Anja (2004): Kreditinstitute im Strukturwandel, S.155

20 Vgl. Fischer, Dr. Thomas (2003): Moderne Unternehmensfinanzierung im internationalen Kontext - Basel II als Auslöser längst überfälliger Veränderungen?, S. 120

21 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2003): Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft - ein Überblick, S.45

22 Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Spanien, Schweden, Schweiz, USA

23 Vgl. Paul, Stephan (2001): Der Basler Akkord im Überblick, S.7

24 Vgl. Schneck, Prof. Dr. Ottmar (2002): Basel II: die neue Eigenkapitalvereinbarung der Banken, S.5

25 Vgl. Paul, Stephan (2002): Konzepte des Basler Akkordes: Ziele - Diskussion - Ausblick, S. 50

26 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001): Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II) S.45

27 Vgl. Schneck, Prof. Dr. Ottmar (2002): Basel II: die neue Eigenkapitalvereinbarung der Banken, S.5-6

28 Darstellung im Anhang II - Quersubventionierung, S.52

29 Vgl. Kaulbach, Christian (2002): Basel II - Die neue Eigenkapitalverordnung und deren Auswirkung auf die Finanzierung von Klein- und Mittelbetrieben, S. 5

30 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001): Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II), S.45

31 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung

32 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001): Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II), S.46

33 Vgl. Anhang III - Die drei Säulen von Basel II, S. 53

34 Vgl. Braun, Peter/Gstach, Olivier (2002): Rating kompakt, S.30

35 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung,

36 Vgl. Börsenzeitung (2004): Basel II steht kurz vor dem Abschluss, 6.05.2004, S. 3

37 Vgl. Anhang IV - Zeitplan für Basel II, S.54

38 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.21

39 Vgl. Paul, Stephan (2002): Basel II im Überblick, S. 10

40 gesamte risikogewichtete Aktiva = Kreditrisikoaktiva + (12,5 x (Marktrisiko + operationelles Risiken))

41 Vgl. Wilkens, Marco/Baule, Rainer/Entrop, Oliver (2002): Erfassung des Kreditrisikos nach Basel II, S. 49

42 Vgl. Hesse, Mike (2003): Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand, S.17

43 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S. 140

44 Vgl. Hesse, Mike (2003): Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand, S.17

45 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.23

46 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.16

47 Vgl. Geiger, Prof. Dr. H. (2002): Der Standardansatz zur Eigenmittelunterlegung bei Kreditrisiken, S.8

48 Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2001): The Standardised Approach to Credit Risk, S.13

49 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.8

50 Vgl. Wolf, Jakob (2003): Basel II - Kreditrating als Chance, S.18

51 Vgl. Paul, Stephan (2002): Basel II im Überblick, S.22

52 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S. 13

53 Vgl. Paul, Stephan (2002) Basel II im Überblick, S.23

54 Vgl. Paul, Stephan (2002) Basel II im Überblick, S.24 sowie Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.11

55 Vgl. Geiger, Prof. Dr. H. (2002): Der Standardansatz zur Eigenmittelunterlegung bei Kreditrisiken, S.9

56 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.22-25

57 Vgl. Hesse, Mike (2003): Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand, S. 93

58 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.37

59 Vgl. Geiger, Prof. Dr. H./Hirszowicz, Prof. Dr. Ch./ Doering, Dr. H.-U. (2001): Der Standardansatz zur Eigenmittelunterlegung bei Kreditrisiken, S.11

60 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001): Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II), S.50

61 Vgl. Wilkens, Marco / Entrop, Oliver (2001): Strukturen und Methoden von Basel II, S. 189f.

62 Vgl. Vollborth, Tim (2002): Basel II und Rating, Kapitel 5.2.1

63 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001) Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II), S.50

64 Hierzu zählen sowohl bilanzielle als auch außerbilanzielle Bilanzpositionen.

65 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.65

66 Vgl. Hirszowicz, Prof. Dr. Ch. (2001): Der IRB-Ansatz, S. 9

67 Vgl. Wilkens, Marco/Baule, Rainer/Entrop, Oliver (2002): Erfassung des Kreditrisikos nach Basel II, S.52

68 Vgl. Anhang VI - Die aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen, S.56

69 Vgl. Schneck, Prof. Dr. Ottmar (2002) Basel II: die neue Eigenkapitalvereinbarung der Banken, S.13

70 Vgl. Hirszowicz, Prof. Dr. Ch. (2001): Der IRB-Ansatz, S. 11

71 Vgl. Schmidt, Andreas (2002): Interner Rating-Ansatz aus Sicht einer Geschäftsbank, S.86/87

72 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.67

73 Vgl. Wilkens, Marco/Baule, Rainer/Entrop, Oliver (2002): Erfassung des Kreditrisikos nach Basel II, S.54

74 Vgl. Kapitel 3.2.1.2.2. Kreditrisikominderung im Standardansatz, S.12

75 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.61

76 Vgl. Anhang V - Der umfassende Ansatz , S. 55

77 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.67

78 Vgl. Arnold, Dr. Wolfgang (2001) Aktuelle Überlegungen zur aufsichtsrechtlichen Begrenzung bankbetrieblicher Kreditrisiken (Basel II), S.57

79 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S.69

80 Vgl. Wilkens, Marco/Baule, Rainer/Entrop, Oliver (2002): Erfassung des Kreditrisikos nach Basel II, S.58

81 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.34

82 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S. 162

83 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.34

84 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S. 162

85 Vgl. Paul, Stephan (2001): Der Basler Akkord im Überblick, S. 13

86 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003): Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, S. 169

87 Vgl. Mäder, Alexander (2001): Die „Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung“ und mögliche Auswirkungen auf Kreditinstitute und Mittelstand, S.13

88 Vgl. Loeper, Erich (2002): Aufsichtliches Überprüfungsverfahren, Informationsrechte und Eingriffsrechte der Bankenaufsicht, S. 178

89 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.35

90 Vgl. Hillen, Karl-Heinz (2002): Anforderungen der Bankenaufsicht, S. 234

91 Vgl. Paul, Stephan (2001): Der Basler Akkord im Überblick, S. 14

92 Vgl. Dow Jones Newswires (2004): Basel II könnte EU laut PwC-Studie Wachstum von 0,07% bringen

93 Vgl. Deutsche Bundesbank (2003): Erkenntnisse aus der Auswirkungsstudie zu Basel II, Länderbericht Deutschland, S.4

94 Vgl. Kleine, Dirk/Anclam, Sandra (2002): Basel II und die Folgen für kleine und mittelständische Unternehmen, S. 165

95 Vgl. Hofmann, Gerhard (2003): Zum Stand der Verhandlungen im Basler Bankenausschuss, S.5

96 Vgl. Benigni, Dipl. Ing. Mag. Sabine (2003): Erkenntnisse aus der Basel II-Auswirkungsstudie, S.3

97 Vgl. Anhang VIII - Vergleich der Mindesteigenkapitalanforderungen, S.60

98 Vgl. Hofmann, Gerhard (2003): Zum Stand der Verhandlungen im Basler Bankenausschuss, S.5

99 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.37

100 Vgl. Taistra, Dr. Gregor (2003) : Basel II - aktueller Stand und Auswirkungen auf den Mittelstand, S.8

101 Vgl. Hofmann, Gerhard (2003): Zum Stand der Verhandlungen im Basler Bankenausschuss, S.13

102 Vgl. Reuters (2004): Deutsche Kreditinstitute auf gutem Weg bei Basel II

103 Vgl. Anhang IX - Kreditderivate, S.62

104 Vgl. Sachs, Sebastian (2004): Kreditderivate profitieren von Basel II, Financial Times Deutschland

105 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian (2004): Grundlagen der neuen Eigenkapitalvereinbarung, S.38

106 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2003): Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft - ein Überblick, S.39

107 Vgl. Paul, Stephan/Stein, Stefan (2003): Basel II und die deutsche Kreditwirtschaft - ein Überblick, S.40

108 Durch die breite Streuung der kleineren Schuldner diversifiziert sich das Risiko

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Das Kreditvergabeverhalten deutscher Banken im Kontext von Basel II -
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen  (Volksbank Hochrhein eG)
Note
1,4
Autor
Jahr
2004
Seiten
101
Katalognummer
V39232
ISBN (eBook)
9783638380621
Dateigröße
981 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kreditklemme oder ausreichende Mittel, die von Banken angeboten werden? Verteuerung der Kredite? In einer bundesweiten Studie wurden 500 Banken zum Thema Kreditverhalten nach Basel II und die daraus resultierende Mittelstandsfinanzierung befragt. Die umfangreiche Diplomarbeit enthält sowohl diese Studie und die Auswertung dazu als auch Grundlagen zu Basel II und Lösungsansätze zur Verbesserung der Finanzierungsstruktur bei mittelständischen Unternehmen durch alternative Finanzierungsformen.
Schlagworte
Kreditvergabeverhalten, Banken, Kontext, Basel
Arbeit zitieren
Benjamin Seidler (Autor), 2004, Das Kreditvergabeverhalten deutscher Banken im Kontext von Basel II -, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39232

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