Mittel zum Sieg? Caesars Clementia-Politik während des Bürgerkrieges


Seminararbeit, 2003

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Begründung

4. Beispiele

5. Wirkung

6. Ergebnis und Ausblick

7. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Als 49 v. Chr. der Bürgerkrieg begann, konnte der fünfzigjährige Caesar bereits auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken. Sein Krieg gegen die Gallier hatte das Einflussgebiet des römischen Staates enorm vergrößern können. Gerade dieser Erfolg aber gereichte Caesar zum Nachteil. Während der langen Zeit, die er nicht in Rom war, baute Pompeius seine Stellung aus, so dass dieser 52 v. Chr. zum consul sine collega ernannt wurde. In dieser Stellung erließ er Gesetze, denenzufolge Caesar nach Beendigung seiner Amtszeit in Gallien amtlos geworden wäre. Ein fließender Übergang von einem Amt zum nächsten war nicht mehr möglich, außerdem sollte er für eine neuerliche Bewerbung persönlich in Rom erscheinen.[1] In diesem Falle hätte er als Privatmann kommen müssen. Als solchem stand ihm eine Anklage durch seine politischen Gegnern bevor, die ihn wegen seines Verhaltens während des Konsulats 59 v. Chr. belangen wollten.[2]

Für Caesar war es nun zu einer Frage des politischen Überlebens geworden, sich zu verteidigen. Als Befehlshaber über mehrere Legionen entschloss er sich zum bewaffneten Kampf gegen die factio paucorum um Cato und Pompeius.[3] Von Caesar wurde erwartet, dass er ebenso wie Sulla seine Gegner mit den ihm zu Verfügung stehenden Mitteln wie Verbannung, Plünderung und Hinrichtung, bekämpfte.[4] Stattdessen war sein Kriegsstil von Verschonung und Begnadigung gekennzeichnet. Wie begründete Caesar dieses Verhalten, das der üblichen Kriegspraxis entgegenstand und welche Auswirkungen hatte diese, im folgenden an einigen Beispielen beleuchtete, Politik der clementia auf Freund und Feind?

2. Begriffsbestimmung

Als politisches Schlagwort taucht der Begriff der clementia schon vor Caesar auf. Ursprünglich ist damit das Verhältnis der Römer zu den unterlegenen Völkern gemeint. Cicero spricht dieses in de officiis an:

„[...] parta autem victoria conservandi i, qui crudeles in bello, non inmanes fuerunt [...]“.[5]

Durch Caesars Maßnahmen hatten auch die Teil an der Gnade des Siegers, die sich im Krieg gewalttätig verhalten hatten. Deutlich bleibt aber der Rangunterschied, das Verhältnis eines überlegenen Siegers einem Besiegten gegenüber, erhalten.

Dieser Sicht folgt auch Seneca, wenn er sagt, dass „Clementia est temperantia animi in potestate ulciscendi vel lenitas superioris adversus inferiorem in constituendis poenis.“[6]

Nach dem Kriegsrecht verfiel der Unterlegene der Willkür des Siegers. Nutzte dieser seine Stellung, sein formales Recht auf Bestrafung, nicht aus, wurde dies als ein Akt großer Gnade empfunden.[7] Tatsächlich erwartet wurde die Begnadigung aber nicht; auch Cicero hat sich nur dann einer milden Politik bedient, wenn es nicht in Widerspruch zu den Erfordernissen seiner Politik stand.

Trotzdem gehörte das Modell der clementia, zu Caesars Zeit zum Bild des gebildeten, humanen Römers, auch wenn es ein theoretisches Ideal blieb.[8]

Daneben tritt clementia auch als Schlagwort der populares in der Auseinandersetzung mit der Oligarchie auf, diesmal als Gegenbegriff zur legalen, aber als unangemessen empfundenen, crudelitas. Dass Caesar, als Vertreter popularer Interessen, um die Bedeutung dieses Terminus wusste, und sich diese bewusst zu eigen machte, scheint einleuchtend.[9]

Die Schwierigkeit in der Verwirklichung wird allerdings deutlich, wenn man berücksichtigt, dass clementia schwer mit der republikanischen Auffassung von der Gleichheit der Bürger vereinbar war. Der clementia-Geber nimmt ein besonderes Recht wahr, wenn er über das Leben des Unterlegenen bestimmt. Dieses Recht stand im römischen Verständnis einem Herrscher zu, weswegen Caesar vorgeworfen wurde, sich durch seine Politik der Milde Königsrechte anzumaßen und zu planen, die Monarchie wiederaufzurichten. Um diesen Eindruck nach Möglichkeit zu entkräften und um keine Vergleichsmöglichkeiten zum „bellum gallicum“ zu liefern, verwendet Caesar im „bellum civile“ statt des Wortes clementia Formulierungen wie lenitas und liberitas.[10]

Caesar ist also nicht der Erfinder der clementia, ist aber der erste, der diese konsequent angewendet und zur Erreichung seiner Ziele genutzt hat.

[...]


[1] Gelzer 1960, 138.

[2] Gesche 1976, 113.

[3] Alföldi 1985, 182.

[4] Dahlmann, in: Rasmussen 1974, 36.

[5] Cic., de off. 1,35: [...]; wenn aber der Sieg errungen ist, muß man die schonen, die im Krieg nicht grausam, nicht unmenschlich gewesen sind.“

[6] Sen., de clementia 2,3,1: „Güte ist Mäßigung der Leidenschaft in der Macht, sich zu rächen, oder die Sanftheit des Überlegenen gegen den Niederen in der Bestimmung der Buße.“

[7] Dahlmann, in: Rasmussen 1974, 33.

[8] Alföldi 1985, 175.

[9] Alföldi 1985, 178.

[10] Meier 1993, 451.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Mittel zum Sieg? Caesars Clementia-Politik während des Bürgerkrieges
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
10
Katalognummer
V39234
ISBN (eBook)
9783638380638
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittel, Sieg, Caesars, Clementia-Politik, Bürgerkrieges, Proseminar
Arbeit zitieren
M.A. Carl Christian Wahrmann (Autor), 2003, Mittel zum Sieg? Caesars Clementia-Politik während des Bürgerkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39234

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