Die Bedeutung Augusto Cesar Sandinos


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Darstellung Augusto C. Sandino
2.1. Sandinos Ziele und Ideen
2.2. Sandinos Weg in die Öffentlichkeit

3. Die Rekonstruktion Sandinos durch Carlos Fonseca

4. Sandinos Bedeutung für die Revolution und die Zeit danach

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nicaragua ist ein Land in Mittelamerika mit vier Millionen Einwohnern. Die Landessprache ist spanisch und der Großteil der Bevölkerung besteht aus Mestizen.

Nicaragua erreichte zum ersten Mal internationale Aufmerksamkeit 1915, als europäische Firmen planten, einen alternativen Kanal zum Panamakanal durch Nicaragua zu erbauen. Die USA, die mit keinem anderen Land in Konkurrenz stehen wollten, erkauften sich schließlich durch den Bryan Chamorro Vertrag von 1916 die Optionsrechte auf einen Kanalbau. Ab diesem Zeitpunkt stand Nicaragua unter starkem Einfluss der Vereinigten Staaten.[1]

Zum zweiten Mal wurde über Nicaragua gesprochen, als ein kleiner Mann mit Hut 1926 versuchte, Nicaragua von der Vormachtstellung der USA zu befreien. Dieser Mann war Augusto C. Sandino (1895 – 1934), der Protagonist dieser Hausarbeit. Ich werde die Person Sandino näher beschreiben und dem Leser vermitteln, wer er war, was er getan, welche politischen Vorstellungen er hatte und was seine Ziele waren.

Eine Darstellung dieser Art stößt schnell an ihre Grenzen, denn es ist unmöglich, sowohl die geschichtlichen Rahmenbedingungen, als auch das komplette Gedankengefüge Sandinos und den Ablauf seines Befreiungskampfes in eine Hausarbeit zu fassen. Deswegen werde ich mich auf seinen Lebenslauf, verschiedene Eckpunkte die Sandinos Leben prägten und eine kurze Vorstellung seiner politischen Ziele und seines Weltbildes beschränken.

Sandino kämpfte sieben Jahre mit seinem „pequeño ejercito loco“[2] bis er 1933 einen Friedensvertrag unterschrieb. Nach seiner Ermordung wurde es international wieder ruhig und erst im Jahre 1979 konnte man in den Zeitungen nicht mehr übersehen, was sich in Nicaragua abspielte. Eine revolutionäre Bewegung sorgte für einen Umsturz und übernahm von 1979 bis 1990 die Macht in Nicaragua. Diese Bewegung nannte sich FSLN (Frente Sandinista de la Liberación Nacional) und bezeichnete sich selbst als die neue Generation Sandinos.

Ich werde von Sandinos Leben eine Brücke zum Erfolg dieser Revolution und der Zeit danach schlagen. Dafür ist es wichtig, Sandinos Weg zu Popularität aufzuzeigen und dabei die Rolle Carlos Fonsecas, einem der Mitgründer der FSLN, zu berücksichtigen.

Die explizite Beschreibung von Carols Fonsecas Rekonstruktion Sandinos ist notwendig, um zu verstehen, dass Sandino zwar „weiterlebte“, allerdings in einen anderen historischen Kontext eingebettet. Ich möchte dem Leser ein Verständnis dafür geben, wie ein Nationalheld und eine Symbolfigur die Zeit überstand, ohne an politischer Aktualität zu verlieren.

Bei der Recherche sind mir wesentliche Problematiken aufgefallen. Dadurch, dass die meiste Sekundärliteratur von politisch motivierten Personen verfasst wurde, ist es sehr schwer, den realen Inhalt zwischen den Zeilen zu erkennen. Bei einer Person, die einen so kontinuierlichen Platz in der Geschichte eines Landes innehat kommt es dazu, dass Fakten durch stetiges Erzählen nicht mehr ihrem Originalinhalt entsprechen. Außerdem ist noch zu erwähnen, dass die nach der Revolution verfassten Texte wissenschaftlich in vielen Bereichen nicht ernst genommen werden können, da sie nur den Mythos und Nationalheld Sandino bedienen.

Die meisten Werke auf die ich mich stützen konnte, wurden nach 1990 und der Ablösung der FSLN geschrieben. Diese sind nicht zahlreich, sondern hauptsächlich die Biographie Sandinos von Volker Wünderich und das Buch von Werner Mackenbach „Carlos Fonseca und der Sandinismus.“ Auch wenn ich nicht nur auf diese Bücher verweisen werde, sollte dem Leser bewusst sein, dass eine Hausarbeit zu diesem Thema, ohne die beiden Autoren enorm schwierig geworden wäre.

2. Darstellung von Augusto C. Sandino:

Augusto Nicolás Calderón[3] wurde am 18. Mai 1895 als unehelicher Sohn des Plantagenbesitzers Gregorio Sandino und der Tagelöhnerin Margarita Calderón in Niquinohomo geboren. Die ersten zehn Jahre seines Lebens verbrachte er bei seiner Mutter und erlebte somit das elende Schicksal einer Kaffeepflückerin hautnah. Im Alter von elf Jahren zog Sandino zu seinem Vater, wo er sich in den darauf folgenden Jahren durch die Diskriminierung seiner Stiefmutter und durch den Willen, sich die Annerkennung des Vaters zu sichern, ein hohes Maß an Ehrgeiz und Disziplin aneignete.[4] Nachdem er einige Jahre die Schule besuchte, machte er sich im Betrieb seines Vaters verdient. In der darauffolgenden Zeit arbeitete er im Mais- und Bohnengeschäft sowie als Mechanikerlehrling in Costa Rica.

Im Alter von 21 Jahren kam es zu einem Wendepunkt in Sandinos Leben. Die Quellen hierzu sind unklar, fest steht aber, dass Sandino nach einer Gewalttat aus seiner Heimatstadt flüchten musste.[5] Durch diese Flucht ausgelöst, begannen Sandinos Wanderjahre, die ihn über die Atlantikküste Nicaraguas, durch Honduras, Guatemala, bis nach Mexiko führten. Er arbeitete auf den Öl-Feldern in Veracruz und Tampico, wo zu dieser Zeit mehr als fünfzigtausend Menschen angestellt waren. In Mexiko, dass sich langsam von den Kämpfen Emiliano Zapatas und Pancho Villas[6] gegen die Oligarchie erholte, kam Sandino zum ersten Mal in Kontakt mit den gewerkschaftlichen Forderungen der Arbeiterbewegung, der Idee des Indohispanismus[7] und vor allem mit den Vormachtbestrebungen und Interessen der USA in Lateinamerika.[8] Durch diese Erfahrungen politisiert, beschließt Sandino 1926 nach Nicaragua zurückzukehren. Wenn man den Erzählungen Frank Niess Glauben schenken kann, waren vor allem die Äußerungen, die Nicaraguaner seien alle „ vendepatrias “, Auslöser für seine Rückkehr.[9] Sandino fand sich in Nicaragua im Anfangsstadium eines Bürgerkrieges zwischen den Liberalen und den Konservativen wieder.[10] Er suchte die Nähe zur Arbeiterklasse und ließ sich in den Goldminen von San Albino einstellen. Hier fasste er schnell als Agitator Fuß und erweckte in den Arbeitern den Wunsch nach politischen und sozialen Reformen.[11]

Sandino trat im August 1926 mit den um sich gesammelten Minenarbeitern auf Seiten der Liberalen in den Krieg ein.[12] Nach einigen Niederlagen, konnte Sandinos Heer immer mehr Siege verbuchen und wuchs in der entscheidenden Phase des Bürgerkrieges Anfang 1927 auf 800 Mann an.[13] Als Moncada, der General des Liberalen, am vierten Mai 1927 den Vertrag von Tipitapa unterschrieb, war Sandino der einzige der Generäle, der nicht unterzeichnete, weil er die darin vorgesehenen Bedingungen als Vaterlandsverrat ansah.[14]

Das Verhalten Sandinos ist abermals ein Wendepunkt, da er fortan, isoliert von Parteienpolitik, einen Krieg des nationalen Widerstandes führte. Nach der Gründung des „Verteidigungsheeres der nationalen Souveränität von Nicaragua“ (EDSN) im September 1927 , trug Sandino bis 1933 einen unerbittlichen Guerillakrieg im Norden Nicaraguas aus, wo er zu seiner erfolgreichsten Zeit 2000 Soldaten befehligte und einen Großteil des Nordens vom Atlantik bis zum Pazifik unter seinem Einfluss stand.[15]

Der Guerillakrieg war einer der Hauptgründe für Sandinos nachhaltige Bekanntheit, eine Schilderung des genauen Kampfverlaufes würde aber den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Ende 1932 ziehen die USA ihre Truppen aus Nicaragua ab. Ein zentrales Ziel Sandinos war erreicht worden, und er unterzeichnete Anfang 1933 einen Friedensvertrag mit der Regierung. Mit seinen Leuten baute er daraufhin unter dem Schlagwort „ Schwerter zu Pflugscharen “ Kooperativen im Norden auf. Von nun an war Sandinos Einfluss durch die Bindung an den Friedensvertrag relativ gering. Er versuchte sich allerdings in der Politik zu engagieren und verfügte immer noch über die Möglichkeit seine Heer zu mobilisieren.[16]

Am 21. Februar 1934 wurde Sandino von der Nationalgarde[17] ermordet. Die Anhänger seiner Bewegung werden ebenfalls in den folgenden Tagen vertrieben oder erschossen.

2.1. Sandinos Ziele und Ideen

Ein Merkmal der Ideologie Sandinos war seine Antipathie gegenüber den USA. Das Ziel seines Kampfes bestand darin, Nicaragua vom Einfluss der Vereinigten Staaten zu befreien. Man kann sagen, dass Sandino hauptsächlich Nationalist und Antiimperialist war. In einem Zitat Sandinos in dem politischen Manifest vom 1. Juli 1927 sagt er: „Ich bin Nicaraguaner und stolz darauf, dass in meinen Adern, mehr als anderes, indianisch amerikanisches Blut fließt ,dass aus Überlieferung das Geheimnis in sich birgt, ein loyaler und aufrichtiger Patriot zu sein.“[18]

Laut Niess kannte sein Patriotismus keine staatlichen Grenzen, sondern zielte auf die Befreiung ganz Lateinamerikas ab.[19] Dies ist leicht vorstellbar, da Sandino auch Verfechter des oben schon erwähnten Indohispanismus war und es als seinen Auftrag ansah, die Kulturen, gegen einen mestizischen Rassismus, zu verschmelzen und eine gerechtes Lateinamerika entstehen zu lassen. Sein Nationalismus war der, der Armen und Unterdrückten, der Bauern und der Arbeiter, unter denen sich zahlreiche Indios befanden.[20]

Auch wenn er mit den untersten Schichten und in deren Sinn für die Befreiung kämpfte, muss ganz deutlich gesagt werden, dass Sandino kein Kommunist gewesen ist.[21] Auch wenn er anfangs von den Kommunisten unterstützt worden war, brach er 1930 mit ihnen, da er sich nicht als Instrument von Ideen ansah, die er in vielen Punkten ideologisch nicht unterstützte.[22]

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt um Sandino zu verstehen, sind seine religiös-spirituellen Tendenzen, die fast in allen Manifesten, Briefen und Aussagen auffallen. So wurde der Krieg als „ Großer Kreuzzug “ bezeichnet und sein Heer durch „ die göttliche Gerechtigkeit und durch mehrere Kriegsgeister[23] beschützt. In einer Karte beschrieb er auch einem Weggefährten, dass sie sich schon in einem anderen Leben getroffen hätten: „... que lo acompañan han estado en otras existencias conmigo.“[24] Diese Eigenschaft Sandinos war hilfreich, um sich bei der oftmals spirituell-religiösen Indiobevölkerung verständlich zu machen.

Sandino vollbrachte es aber, dies in eine Symbiose zu den realpolitischen Zielen seines Kampfes zu transformieren. Wirtschaftliche Entwicklung, politische Teilnahme, Schulunterricht für alle und Abzug der Besatzer können in diesem realpolitischen Zusammenhang genannt werden, sowie der Kooperativenaufbau nach Abschluss des Friedensvertrages.[25]

Allerdings muss noch hinzugefügt werden, dass Sandino nach Wünderich zwar viel Pläne hatte, unter anderem die Schaffung einer neuen Partei, aber nach dem Friedensvertrag, außer der Errichtung von Kooperativen nicht viele seiner Ideen verwirklichte und sich kein politisches Profil aneignete.[26]

[...]


[1] Niess, Frank, Der Koloss im Norden. Geschichte der Lateinamerikapolitik der USA, Köln 1984, S. 137.

[2] Diesen Name wurde Sandinos Heer gegeben in: Selser, Gregorio, El pequeño ejercito loco: Sandino y la operación México – Nicaragua, Buenos Aires, 1958

[3] Erst als Jugendlicher nahm er den Nachnamen seines Vaters an. Später gab er sich den Beinamen Caesar, in welchem das C an den Namen seiner Mutter erinnern sollte. In dieser Hausarbeit werde ich seinen Namen mit Sandino abkürzen.

[4] Wünderich, Volker, Sandino, eine politische Biographie, Wuppertal 1995, S. 27 - 28.

[5] Macaulay, Neill, The Sandino affair, Chicago 1967, S. 50.

[6] E. Zapata und P. Villa kämpften bis in die 20er Jahre gegen die Oligarchie und setzten sich für eine gerechte Landreform zu Gunsten der Armen ein.

[7] Der Indohispanismus bezeichnet die Idee, das Kulturerbe Spaniens mit den indianischen Traditionen zu einer neuen lateinamerikanischen Identität zu verbinden.

[8] Wünderich, 1995, S. 39.

[9] Niess, Frank, Sandino, General der Unterdrückten: Eine politische Biographie, 1989 Köln.

[10] Die Parteienlandschaft in Nicaragua ist seit der Unabhängigkeit 1823 in Konservative und Liberale aufgeteilt, deren antagonistisches Verhältnis zu vielen Bürgerkriegen führte.

[11] Alemán Bolaños, Sandino. Estudio completo del heroe de las Segovia, zitiert nach Baylen, Joseph: “Sandino: Patriot or Bandit?” in: The Hispanic American Historical Review, August 1951, Bd.31, S. 398.

[12] Wünderich, 1995, S. 52.

[13] Ebd., S. 57.

[14] Macaulay, 1967, S. 61

[15] Wünderich, 1995, S. 252

[16] Ebd., S. 288

[17] Von den USA aufgebaute Einheit, die unter dem Befehl Anastasio Somozas stand. Mehr dazu in: Millet, Richards , Guardians of a dinasty, New York 1977.

[18] Sergio, Ramirez, El pensamiento vivo de Sandino, Band 1, Managua 1984, S. 117. Zitiert nach: Wünderch, 1995 S. 66.

[19] Niess, 1989, S. 200.

[20] Mackenbach, Werner, Carlos Fonseca und der Sandinismus, Berlin, 1995, S. 79.

[21] Belausteguigoita, Ramón, Con Sandino en Nicaragua, la hora de paz, Madrid, 1934, S. 86-87. Zitiert nach: Baylen, Joseph: “Sandino: Patriot or Bandit ?” in: The Hispanic American Historical Review, August 1951, Bd.31, S. 412.

[22] Wünderich, 1995, S. 205-206 und Mackenbach, 1995, S. 78.

[23] Sergio, Ramirez, El pensamiento vivo de Sandino, Band 2, Managua 1984, S. 216. Zitiert nach: Wünderich, 1995, S. 118.

[24] Karte von Sandino an Pedro Altamirano in: http://www.sandino.org/carta9.htm, 11.10.2004.

[25] Wünderich, 1995, S. 137.

[26] Ebd., S. 277.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung Augusto Cesar Sandinos
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Geschichte Nicaraguas
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V39244
ISBN (eBook)
9783638380690
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit ist einmal überarbeitetet worden und ist hilfreich für einen Gesamtüberblick der Geschichte Nicaraguas, so wie der revolutionären Strömungen Lateinamerikas in 30er und 70er Jahren.
Schlagworte
Bedeutung, Augusto, Cesar, Sandinos, Geschichte, Nicaraguas
Arbeit zitieren
Nicolas Martin (Autor), 2004, Die Bedeutung Augusto Cesar Sandinos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39244

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