Das Ideal des Geistes und seine Erfüllung - Zur Todesthematik im Werke Heinrich Manns


Magisterarbeit, 1997
111 Seiten, Note: 9 (cum laude)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

EINLEITUNG

Das Frühwerk; Anfänge eines Schriftstellers

Das Wunderbare; die Kunst, der Tod und das Bürgerleben

Pippo Spano; die Kunst, der Tod und das Komödiantendasein

Heinrich Manns `Wende'; die Essays um

Auferstehung; die Liebe, der Tod und das Leben

Liliane und Paul; die Liebe, der Tod und das Leben

Zum Schluß

LITERATURVERZEICHNIS

SIGLEN

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist nicht nur, was sie in concreto zu sein scheint: die logische, und damit hoffentlich lesbare Zusammensetzung bedruckter Blätter. Sie ist mehr. Sie ist an erster Stelle Ausdruck und Endergebnis einer siebenjährigen Studienzeit. Zudem ist sie das Resultat einer dreijährigen - wenn auch nicht immer intensiven - Beschäftigung mit Heinrich Mann, von dem ich immer mehr las und von dessen Werken ich für diese Arbeit immer mehr streichen mußte. Drei Jahre, die mich immer mehr von dem Trick lehrten, der Literaturwissenschaft heißt. Auch ist sie jedoch Ausdruck einer nur mir bekannten Zusammenarbeit verschiedener Personen, ohne die diese Arbeit nicht die Form gehabt hätte, in der sie jetzt vorliegt. Es freut mich, an dieser Stelle den folgenden Personen für ihren jeweiligen Anteil an dieser Zusammenarbeit danken zu können.

Zunächst möchte ich Herrn Dr. Harbers danken für seine geduldige und nüchterne Betreuung ("Was hast du vor? Eine Dissertation?"); es war eine Betreuung, in der ich die Freiheit hatte, seine Hinweise auf eigene Weise zu verarbeiten.

Nicht in bezug auf den Inhalt dieser Arbeit, sondern für seine lay-out- technische Meisterschaft habe ich Ilja Nieuwland zu danken, der sich auch als unermüdlicher Kaffeetrinker und damit willkommener Kantinenbegleiter erwiesen hat.

Mein Dank gilt übrigens auch meinen jeweiligen Mitbewohnern, die mit ihrer Verwunderung, ihrem Interesse und ihren Bemerkungen die Arbeit sicherlich vorangetrieben haben.

Zum Schluß gilt mein Dank meinen Eltern, die immer mit Geduld und Interesse meine Studentenlaufbahn begleitet und mich auf jede mögliche Weise unterstützt haben.

Groningen, im August 1997 Robert Haak

Einleitung

In dem "großen und wichtigen"[1] Essay Zola legt der Schriftsteller Heinrich Mann (1871-1950) dem französischen Demokraten (Z 126) und Romancier (Z 255) folgende Worte in den Mund: "Die möglichste Lebensfülle bringt die möglichste Menge Glück. Wir sind nur da, das Leben zu verbreiten; jedes eurer Empfängnisse ist erhaben, heilig, und vielleicht das entscheidende..." (ZO 110) Sofort nach diesen ausschließlich auf das Leben ausgerichteten Gedanken heißt es dann: "Einige Jahre früher hatte am andern Ende Europas eine nicht weniger große Leidenschaft die Tötung alles Lebens gepredigt: aus Liebe, und um des Geistes willen, wie diese hier das Evangelium der Fruchtbarkeit. Zola war sehr allein damals, doch lebte sein ferner Bruder Tolstoi." (ZO 110)[2]

Zola der Beschwörer des Lebens und Tolstoi der des Todes? Und dennoch `Brüder'? Im Essay geht Heinrich Mann auf diese Frage nicht weiter ein, denn nur Zola steht zentral.[3] Mann bekennt sich sogar selbst zu dem aktivistischen Standpunkt dieses Dichters: "An seine Geistesform sind wir hundertfach gebunden. Seine Geistesform zu entwickeln und zu erhöhen, sind wir hundertfach verbunden." (ZO 111) Heinrich Mann also auch ein Beschwörer des Lebens?

Sieht man sich die Heinrich-Mann-Forschung genauer an, ist man geneigt, diese letzte Frage positiv zu beantworten, denn von dem Motiv des Todes ist kaum die Rede. Eine günstige Ausnahme bildet in diesem Zusammenhang die Arbeit von Henk Harbers, der feststellt, daß "eine ausführliche Behandlung des Todesmotivs im Werk Heinrich Manns [...] noch ein Desideratum der Forschung"[4] sei. Ein Blick auf die Forschungsliteratur, die seit dieser 1984 erschienenen Dissertation entstanden ist, macht schon schnell deutlich, daß seitdem niemand diesem Hinweis gefolgt ist. Überdies ist bemerkenswert, daß Gesamtdarstellungen zu Heinrich Mann nur vereinzelt erscheinen; in der Regel handelt es sich in der Forschung um Einzeldarstellungen, die - wie nützlich sie auch sind - den Blick auf eine übergreifende Thematik trüben. Dabei ist das Alterswerk, sieht man von einigen ersten Studien[5] ab, noch weitgehend unerforscht geblieben. Sogar das `Sammelbecken' der Heinrich-Mann-Forschung, die Jahrbücher, die Helmut Koopmann und Peter-Paul Schneider seit Jahr und Tag herausgeben, enthält keine Beiträge zur Todesthematik und widmet sich dem Alterswerk nur sehr vereinzelt. Stattdessen erscheinen - und das ist typisch für die Heinrich-Mann-Forschung - die Artikel in den Jahrbüchern als `neue' Bauwerke aus nur altbekannten Bausteinen. Der Eindruck besteht sogar, daß seit dem Erscheinen der letzten der fünf meines Erachtens erneuernden und damit aus der Forschung emporragenden Arbeiten kaum neue Tendenzen oder Motive im Werk Heinrich Manns entdeckt worden sind. Die Heinrich-Mann-Forschung der achtziger und neunziger Jahre erscheint als fortdauernde Bestätigung bekannter Themen, Motive und Bezüge, die schon Klaus Schröter (1965), Hanno König (1972), Renate Werner (1972), Elke Emrich (1981) oder Henk Harbers (1984) gefunden haben.

In dem Zusammenhang bleibt die Bedeutung von Manns Aussage über die `Brüder' Zola und Tolstoi unbesprochen. Hat Mann sich denn wirklich nur mit dem Leben befaßt? War diese Aussage über den mit dem Leben, der Liebe und dem Geist zusammenhängenden Tod nichts weiter als ein sonderbarer Gedanke, dem Mann nie wieder irgendwelche Aufmerksamheit gewidmet hat? Um es gleich vorwegzunehmen: dies ist gerade nicht der Fall. Schon Aussagen wie "Freiheit ist die Liebe zum Leben, den Tod mit einbegriffen" (VG 25) aus dem Jahre 1910 oder "Tod und Leben gelten gleichviel, sie sind dasselbe Ganze" (EE 543), die Mann zweiunddreißig Jahre später aufschrieb, deuten darauf hin, daß die Bedeutung des Lebens Heinrich Mann genauso stark interessierte wie die des Todes, daß er sogar ohne den Tod das Leben nicht, ohne das Leben den Tod nicht denken konnte.

In dieser Arbeit soll nun die These vertreten werden, daß sich die Todesthematik in den literarischen wie essayistischen Werken Manns lebenslang verfolgen läßt. Man trifft mit dem Problem des Todes sogar auf einen Kerngedanken Heinrich Manns, der den erkennbaren Hintergrund bildet, vor welchem der Dichter seine Helden auftreten läßt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß diese Helden leidenschaftliche Verfechter eines reinen Geistesideals sind, die erkennen müssen, daß die Beschränkungen des Lebens die Reinheit des Ideals beeinträchtigen; der Tod kann zwar als Ende des Lebens diese Beschränkungen aufheben und die Reinheit des Ideals bewahren, dennoch ist der Tod zugleich auch die Aufhebung einer Einheit von Geistesideal und Lebenswirklichkeit. Hierin liegt Manns ironische Ambivalenz in bezug auf das Todesmotiv verborgen, und vor diesem Hintergrund läßt er seine Helden die Entscheidung treffen: für das Leben oder für den Tod.

Es wird sich zeigen, daß Manns geistige Entwicklung als Schriftsteller sich nicht in einer Änderung dieser Grundthemen ausdrückt, sondern daß sie in der literarischen Verarbeitung dieser Kerngedanken liegt, in den unterschiedlichen Entscheidungen, die er seine Helden treffen läßt.

Die in dieser Untersuchung behandelten Werke sind eine gezwungenermaßen sehr beschränkte Auswahl aus hauptsächlich den Novellen Manns; zudem stehen zwei Essays zentral. Es wurde versucht, in der Beschränkung ein Meister der Auswahl zu sein: die insgesamt sechs Werke bilden eine gute, chronologische Übersicht über das Gesamtwerk Manns, die am Ende sicherlich zu Schlüssen auf die Todesthematik im Gesamtwerk berechtigt. Chronologisch werden die folgenden Werke in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt: Das Wunderbare (Novelle, 1894), Pippo Spano (Novelle, 1905), Geist und Tat (Essay, 1910), Auferstehung (Novelle, 1913), Liliane und Paul (Novelle, 1926) und die Entwürfe für die Encyclopädie des Zeitalters (zu Manns Lebzeiten unveröffentlichte Artikel, 1942/1943).

Die Schaffensphasen vor und nach Heinrich Manns `Wende' von ästhetizistischem zu sozialpolitisch engagiertem Künstler werden mit einer allgemeinen Übersicht über literarische wie philosophische Einflüsse, die Manns Entwicklung mitgeprägt haben, eingeleitet. Es wird sich übrigens zeigen, daß diese `Wende' die Grundgedanken des Todes keineswegs verändert hat; nur die Entscheidung der Mannschen Helden vor dem Hintergrund des Todes ist Ausdruck einer solchen `Wende'.

Zum Schluß ist noch darauf hinzuweisen, daß wegen der sehr beständigen Thematik Heinrich Manns eine weniger beschränkte Auswahl, als in dieser Arbeit möglich ist, keine neuen oder grundsätzlich anderen Ergebnisse als die hier gefundenen zeigen wird. Die These dieser Arbeit wäre damit nur ausführlicher und eingehender belegt.

Das Frühwerk; Anfänge eines Schriftstellers

Im Zeitalter (1946) dem Rückblick auf sein Leben und das Zeitalter, in dem sich dieses Leben größtenteils abspielte, läßt Heinrich Mann die eigene Laufbahn als Schriftsteller um etwa 1900 mit dem Roman Im Schlaraffenland anfangen. Einige Jahre später betont er erneut diesen Anfang seines Schriftstellerlebens in einem Brief an seinen Biographen Karl Lemke mit den "geflügelte[n] Worte[n]"[6]: "In Rom [...] überfiel mich das Talent." (KL 44)

Es gilt Mann offenbar viel, ein Bild seiner literarischen Tätigkeit entstehen zu lassen, das die Zeit vor diesem ersten großen Erfolg nicht berücksichtigt. So teilt er, nicht ohne einen gewissen Stolz übrigens, seinem Exilgefährten Alfred Kantorowicz 1943 mit: "Mit 20 konnte ich gar nichts, gegen 30 lernte ich an meinem Schlaraffenland [...] die Technik des Romans." (Z 711f; Hervorhebung im Original)

Wenn auch Mann selbst auf diese Weise das Werk des Zwanzigjährigen zu verdrängen versucht - er erwähnt im Zeitalter mit keinem Wort die literarischen und publizistischen Anfänge vor der Jahrhundertwende -, so muß eine Übersichtsdarstellung seines Jugendwerkes immerhin etwa 200 Gedichte, ein knappes Dutzend Aufsätze, den Roman In einer Familie (1894), mehrere Novellen und nicht zuletzt die Beiträge für die Zeitschrift Das Zwanzigste Jahrhundert enthalten.[7]

Es drängt sich die Frage auf, wieso Heinrich Mann sich in dieser Weise zum Frühwerk verhalten hat. Vielfach ist schon darauf hingewiesen worden, daß eine Antwort auf diese Frage in Manns Wende von Ästhetizismus, Dilettantismus und Konservatismus im Frühwerk zu sozialpolitischem Engagement im Werk ab etwa 1904 zu suchen ist. Eben weil Mann selbst später nur das Werk nach dieser Wende zu würdigen wußte, hat das Interesse der Heinrich-Mann-Forschung immer auch den Entwicklungen des jungen Schriftstellers im Lübeck des Fin de Siècle und den möglichen Einflüssen ab 1895 in Rom gegolten, als Mann zeitweilig auch in einem fruchtbaren Gedankenaustausch mit dem Bruder Thomas stand. In der Sekundärliteratur hat man sich dabei immer wieder auf private wie auf publizistische und literarische Äußerungen Manns gestützt.[8] Diesen Zeugnissen einer `wegstilisierten' Jugend lassen sich wichtige Hinweise auf die literarischen, philosophischen wie politischen Einflüsse entnehmen, welche Manns Weltbild in dieser Schaffensphase zu einem erheblichen Teil mitbestimmt haben. Mit Werner ist in diesem Zusammenhang übrigens darauf hinzuweisen, daß dieses Weltbild keineswegs ein nur für Heinrich Mann typisches ist; vielmehr sei es von "überaus zeittypischer Bedeutung", denn aus Manns Jugendwerk spreche "jenes umrissene allgemeine kulturpessimistische Bewußtsein [...], das für die literarische Intelligenz der Generation um 1870 Geborenen fundierend ist."[9]

Wie sieht nun dieses "zeittypische" Weltbild aus?

Die Einflußlinien vor der Jahrhundertwende. Etwa zwei Monate vor Manns Geburt war das neugegründete Deutsche Reich mit der Kaiserproklamation zur Wirklichkeit geworden. Zu den direkten Erfahrungen des ältesten Sohnes des `Steuersenators'[10] und Großkaufmanns von Lübeck gehörten der Wilhelminismus und die von Mann mit großer Skepsis beobachtete Geldherrschaft. Anstatt sich den Forderungen einer solchen kapitalistischen Gesellschaft mit einer gediegenen Ausbildung zu fügen, erblickte Heinrich Mann eher eine glückliche und erfolgreiche Zukunft in der Kunst, was zu einem Konflikt mit dem Vater führte. Dieser versuchte den künstlerischen Neigungen seines Sohnes entgegenzuwirken und besorgte ihm in Dresden eine Stelle als Buchhändlerlehrling, damit er wenigstens die Sicherheit hatte, daß sein Sprößling eine kaufmännische Ausbildung bekommen würde. Zwei Jahre später, im Jahre 1891, starb der Vater; Heinrich Mann war zu der Zeit schon aus der "Dresdner krisenhaften Stagnation"[11] herausgebrochen und arbeitete als Volontär beim Berliner Samuel Fischer Verlag[12]. Diese Stelle nützte er aus, um an der Universität philosophische und literarische Vorlesungen zu hören, u.a. bei dem Literaturhistoriker Ludwig Geiger, dem damals sehr bekannten Germanisten Erich Schmidt und dem Philosophen und Psychologen Moritz Lazarus.[13] Damit gab Mann seiner Überzeugung, daß ihm eigene Studien weiter bringen würden[14], konkreten Ausdruck und nützte die Möglichkeit einer schnellen geistigen Entfaltung. Mit dem Tod des Vaters kam die "praktische Erziehung", die der Senator noch im Testamententwurf von 1891 gefordert hatte[15], zu einem sofortigen Ende. Mann gab die Zukunft als Buchhändler (die er übrigens nie ernsthaft erwogen hatte) auf; was blieb, war die Kunst und die eigene geistige Entwicklung.

Die Anfänge dieser Entwicklung sind nicht Ausdruck eigener Überzeugungen, sondern eher ein Herantasten an literarische sowie philosophische und politische Vorbilder verschiedener Richtungen. Haupt spricht in dem Zusammenhang von einer gewissen "Unsicherheit und Vorbildsuche"[16]. Es ist deutlich, daß Heinrich Mann die eigene weltanschauliche Position in Anlehnung an oder in Opposition gegen Vertreter herkömmlicher, herrschender oder fortschrittlicher Strömungen zu entwickeln versuchte, so wie es auch viele andere Repräsentanten dieser jungen Künstlergeneration taten.

Am Anfang dieser Suche geistiger Vorbilder steht der Lieblingsdichter (EW 45) Heinrich Heine. "Es ist immer dasselbe: Ich kann vornehmen, was ich will - ich komme immer auf den zurück, der mich gebildet und erst zum Menschen gemacht, der mein einziger Lehrer ist, für den ich volle Achtung und Liebe habe..." (EW 89), schreibt er im Jahre 1890 seinem Jugendfreund Ewers. In dieser Zeit versucht er denn auch Gedichte zu schreiben, die, was Form und Inhalt betrifft, nach dem Vorbild der eleganten und ironischen Lyrik Heines[17] gestaltet worden sind. Auch andere Vorbilder wie Geibel[18] und Scheffel[19] lassen sich den Briefen an Ewers entnehmen; die lyrischen Versuche sind, so stellt Haupt fest, "fixiert auf ein modisches Eleganz-Ideal"[20] und somit Ausdruck eines zeittypischen Interesses.

Trotz der vielen Versuche - immerhin hat Mann mehr als 200 Gedichte geschrieben - hat sich ein großes lyrisches Talent bei ihm jedoch nie offenbart, mehr Erfolg hatte er als Publizist und als Autor von Novellen.

Als Publizist schrieb er zunächst für die Zeitschrift Gegenwart einige Aufsätze zu literarischen Themen. Durchaus positiv ließ er sich in einem dieser Aufsätze aus über die neue geistig-künstlerische Strömung der Neuen Romantik (EW 297). Damit stellte er einen direkten Bezug her zu dem Antinaturalisten Hermann Bahr, der diesen Begriff schon in Die Überwindung des Naturalismus geprägt hatte[21]. Diese Strömung war die (wenn auch vorläufige) Lösung von Manns Problem: wohl zu wissen, wogegen er sich schreibend zu wenden hatte, aber nicht wofür sein erwachender Intellekt eintreten sollte.[22] Ablehnend stand er dem Kapitalismus gegenüber, so auch dem "herrschenden positivistischen und deterministischen Rationalismus"[23] "dieser schönen Zeit" (EW 204). In seiner "erste[n] größere[n] Arbeit" (EW 182), der Novelle Haltlos (1890), thematisiert er in Opposition zu dieser rationalisierten Gesellschaft der Geldherrschaft schon einen pessimistischen, subjektiven, irrationellen, eben "haltlosen" Platz des "fin-de-siècle-Menschen" (EW 203). Ähnliche, oppositionelle Gedankengänge sah er nun in Bahrs[24] Neuer Romantik verwirklicht, die ihn zugleich von einer anfänglichen Begeisterung für den Naturalismus abbrachte. Der "Lehrmeister"[25] Bahr lehrt ihn die Lage des neuromantischen Außenseiters der Gesellschaft, welcher sich in Verachtung der Gegenwart dem Bereich des Subjektiven, des Mystischen, des Unkenntlichen zuwendet. Heinrich Mann betont in seinem Aufsatz Neue Romantik, wie Haupt zeigt, nicht nur die Würdigung solcher selbstbewußten und isolierten Anhänger eines "neuen Idealismus", sondern auch die Gefahr, an der "forcierten Überlegenheit" zu scheitern.[26] Das Ideal und die Wirklichkeit lassen sich offenbar schwer kombinieren.

Neben Heine und Bahr als einigen wichtigen Vorbildern in Heinrich Manns Suche ist noch ein dritter geistiger Vater[27] zu nennen, den der junge Schriftsteller in Zeugnissen dieser Periode immer wieder beim Namen nennt: der französische Kulturkritiker Paul Bourget. Mann führt ihn in einem Brief an Ewers in direkter Verbindung zu Bahr auf, wenn er von der "Psychologie à la Bourget" zu sprechen kommt: "Deutsches Beispiel [dieser Psychologie, R.H.]: Hermann Bahr." (EW 234) Mann sieht die Verbindung beider in ihrer wissenschaftlichen Methode:

Die Seele eines Menschen wird mit Umständlichkeit und Sorgfalt zerlegt in einzelne Fasern; jede Nervenschwingung festgehalten. Das leitende Motiv des Dichters ist einzig das Interesse für das, was dabei wohl zutage kommt. Es kümmert ihn einzig das Objekt seiner Sektion; welche Wirkung die Ergebnisse seiner Untersuchung auf die Leser machen, ist ihm gleichgültig. (EW 235)

Mit diesen Äußerungen und dem Aufsatz über Neue Romantik betont Mann Hauptgedanken Bahrs und Bourgets, die in die Literaturgeschichte eingegangen sind unter den Begriffen des Ästhetizismus, des Dilettantismus und der décadence.[28] Mann lernt an diesen Vorbildern die "Psychologie der décadence, der Introspektion und Seelenzergliederung"[29] ; er hängt einer der Gesellschaft abgewandten "Lehre von der Selbstgenügsamkeit der Kunst"[30] an mit einer entsprechenden Urteilsbildung über die Außenwelt. Dieser Schönheitskult geht mit weltschmerzlicher Zerrissenheit, Pessimismus, Tagträumen und aus einem Gefühl der Willensschwäche heraus bejahten Verfallserscheinungen einher.[31] Heinrich Mann selbst zeigt deutlich die Nähe zu diesem Gedankengut, wenn er Ewers die Novelle Haltlos zu erklären versucht.[32] Daß Bourget in dem Zusammenhang ein bedeutsamer, wenn nicht der bedeutsamste Einfluß war, wie auch Banuls annimmt[33], bezeugt die mehrmalige positive Erwähnung seines Namens und Werkes. So schreibt Mann etwa, wie er nach dem Lesen eines "Décadent-Artikel[s]" erschrocken sei über die Ähnlichkeit seiner Geistes- und Gemütsverfassung mit einer Hauptfigur aus Bourgets Werk (EW 205), und an anderer Stelle meldet er Ewers 1893, wie er vorhat, einen "großen Bourget-Essay" zu schreiben. (EW 333). Der eindeutigste Beleg für die Hochschätzung, die Mann Bourget entgegenbringt, findet sich jedoch in der Widmung des Romans In einer Familie (1894); sie gilt Bourget, dem großen Vorbild.[34]

Nicht berücksichtigt wurden bislang Manns politische Anschauungen vor der Jahrhundertwende. Sie mögen wohl der Hauptgrund gewesen sein für Manns Verdrängung seiner nicht zum zwanzigsten Jahrhundert gehörenden Vergangenheit, denn nicht unkonventionell und progressiv wie sein künstlerischer Geschmack, sondern konventionell und konservativ waren diese politischen Überzeugungen.[35] Ihren Niederschlag fanden sie vor allem in den Aufsätzen, die Mann für die Zeitschrift Das Zwanzigste Jahrhundert schrieb. Wenn die sechsundvierzig Beiträge, die Kraske zählt, auch als "Kernstück der Mannschen Produktion vor der Jahrhundertwende"[36] anzusehen sind, so entstanden sie in einer relativ kurzen Periode (April 1895 - Dezember 1896) großer Leistungskraft, in der Mann jedoch nur Aufsätze schrieb. Für die ständige geistige Entwicklung des Autors ist diese "Jugendepisode" reaktionärer und chauvinistischer Auffassungen[37] von geringer Bedeutung.[38] Schon bald distanziert sich Heinrich Mann von diesem Gedankengut[39] und fängt an, sich in eine neue geistige Richtung zu entwickeln, die 1900 ihren ersten Niederschlag im Schlaraffenland finden würde.

Seit 1893 war Heinrich Mann mit Italien sehr vertraut. Bis 1896 führte er ein neuromantisches Leben im ständigen Reisefieber eines kranken Dilettanten, dann aber beruhigte er sich und fand einen ständigen Wohnsitz in Rom, wo er mit seinem Bruder Thomas künstlerisch und gedanklich eng zusammenarbeitete. Nachdem er auf literarischem Gebiet ein ganzes Jahr fast nichts produziert hatte[40], entstand ab 1896 in rascher Folge eine größere Anzahl Novellen. Typisch für diese neuen Werke ist die "realistischere und sozialproblematische, nicht mehr `neuromantische' Gestaltung"[41]. Sie war die Folge der Lebensweise Manns in Italien:

Ich habe damals das Land wahrhaftig nicht als distinguirter Fremder bereist. Äußerst wenig Geld und keine Garderobe, damit ist man genöthigt zu leben wie ein Einheimischer aus der großen Menge, in Schichten, die nicht einmal der Einheimische von Rang kennt. Ich lebte mit dem Volk.[42]

Manns gezwungene, dann gewollte Nähe zum italienischen Volk eröffnete ihm eine Perspektive, die es in Deutschland für ihn nie gegeben hatte: "die Perspektive `von unten'"[43]. Dies bedeutete wiederum einen weiteren Schritt auf dem Wege geistiger Entfaltung, den Mann nicht vergessen hat. So erinnert er sich 1926: "Mit fünfundzwanzig Jahren sagte ich mir: `Es ist notwendig, soziale Zeitromane zu schreiben. Diese deutsche Gesellschaft kennt sich selbst nicht." (SJ 243)

Von seinen früheren Überzeugungen hat er sich dabei keineswegs entfernt[44] ; vielmehr versucht er zwischen der deterministisch denkenden Bürgerwelt und der ästhetizistischen Künstlerwelt zu vermitteln, wobei das Ideal der Kunst als Rettungsmöglichkeit erscheint; dennoch enden viele der zu dieser Zeit geschriebenen Geschichten im Scheitern am und im Leben der lebensschwachen Hauptpersonen. Für diese Italien-Zeit (1895-1898) ist mit Jasper "eine intensive Beschäftigung mit Nietzsches Philosophie" zu vermerken.[45] Damit kommen wir zu einem anderen äußerst wichtigen Einfluß auf das Denken Heinrich Manns, der nicht nur dem jugendlichen Dichter "höchst willkommen" (N 9) war, sondern die ganze Schriftstellerlaufbahn Manns begleitet hat. Erste Erwähnungen einer Beschäftigung mit Nietzsches Philosophie begegnen in den Briefen an Ludwig Ewers. So schreibt er seinem Freund am 22. Januar 1891: "Auf Schopenhauer ist jetzt Nietzsche gefolgt..." (EW 202), zu dem er sich zwei Tage später unmißverständlich bekennt: "Das Beste und Nützlichste, was ich als Schuljunge gelesen, waren die verbotenen Bücher [...]. Ganz so steht mir nun Nietzsche auf, der große `Moderne', zu dem meine Wünsche emporranken." (EW 209). Dennoch steht er Nietzsche nicht immer so unkritisch gegenüber. Im Brief vom 12. April 1892 schreibt er bedeutungsvoll:

Zudem merke ich, wie sich meine Anschauungen allmählich zu einem System auswachsen, das glaube ich, der Zeit entspricht und doch einer gewissen Originalität nicht entbehrt. Beim theoretischen Anarchismus à la Nietzsche muß es wohl bleiben; dahinter läßt sich für lange nichts denken. Das muß aber Philosophenphilosophie sein; es darf kein Hauch davon in die Menge dringen. Es muß alle Popularisierung vermieden werden. Der Glaube an den `Freien Willen', auf dem die ganze offiziell bestehende Weltanschauung beruht, darf nicht erschüttert werden, denn die Welt, wie sie auf diese Anschauung gegründet besteht, ist die denkbar beste. (EW 288; Hervorhebung im Original)

Was Heinrich Mann meint, wird noch bestärkt durch seinen Kommentar zu einem Drama Ludwig Ewers. Zu der Hauptperson "Ernst" schreibt Mann: "Weißt Du, was er nicht ist, obwohl er's, seinem Bildungsgange entsprechend, sein müßte? Fin de siècle! Nimm etwas von der lärmenden Begeisterung und fülle die Lücke mit ein wenig Ironie. Laß ihn Nietzsche lieber nicht gelesen haben [...]." (EW 259; Hervorhebung im Original) Die Zeit, der Manns System entspricht, ist das Fin de siècle; in sie gehört zwar die für Nietzsche, wie für einen skeptischen Dilettantismus charakteristische "radikale Infragestellung der Möglichkeit einer objektiven Erkenntnis"[46], jedoch nicht die praktische Umsetzung von Nietzsches Philosophie eines Jasagens zum starken Leben hinein. Denn es handelt sich bei Mann nicht um nur Gewaltmenschen im Sinne Nietzsches, sondern um philosophische Machtmenschen. (EW 258) Er versucht Ewers deutlich zu machen, daß "Ernst" kein "philosophischer Gewaltmensch" (EW 258) sein kann, eben weil er Darwin und Nietzsche gelesen hat. Während die beiden letzten den Menschen unter die Tiere scharen, ersterer mit seiner "Vererbungstheorie" (EW 258), letzterer in Aussagen wie "Der Mensch [...] stellt keinen Fortschritt im Vergleich zu irgend einem anderen Thier dar"[47], ist Heinrich Manns Ausgangspunkt zeitlebens das gewesen, was die Menschen vom Tiere unterscheidet: das Denken, das Philosophieren, der Geist, die Vernunft, das Ideal. So heißt es etwa in dem Essay Voltaire - Goethe (1910), wenn Mann das Geistesideal der Freiheit beschreibt: "Freiheit ist Bewegung, Loslösung von der Scholle und Erhebung über das Tier." (VG 25) Diese Auffassung deckt sich mit der Ansicht, die aus einem anderen Essay Manns (auch aus dem Jahre 1910) hervorgeht, in dem Mann anzudeuten versucht, was ein Leben im Dienste des Ideals der Freiheit seiner Meinung nach bedeutet. Sein Ausgangspunkt bildet dabei das französische Volk: "Sie [i.e. die Franzosen, R.H.] [...] sind, arme menschliche Tiere, wie alle andern, weil sie den Mut hatten, sich zu begeistern, [...] der Vergeistigung heute näher als andere." (GT 14) Im Gegensatz zu diesem geistigen Volk stellt er für Deutschland eine "Beschönigung des Ungeistigen" (GT 17) fest, die sich ihm nahtlos mit Nietzsches Denken verbinden läßt. (GT 17) Denn, so sah es auch Thomas Mann, Nietzsche habe "das starke und schöne, das amoralisch triumphierende Leben ekstatisch verherrlicht und es gegen jede Verkümmerung durch den Geist verteidigt."[48] Gerade diese "Verkümmerung" - die Mann eher als sittliche, moralische Erziehung sah - war Heinrich Manns Steckenpferd.

Wenn es nun die Einstellung zum Geistigen ist, die Manns Denken von Nietzsches Philosophie unterscheidet, drängt sich die Frage auf, inwiefern und auf welche Weise diese Philosophie dennoch als Einfluß auf den deutschen Schriftsteller gelten kann. Nicht nur in den Briefen an Ewers oder in der Essayistik um 1900 setzt Heinrich Mann sich mit Nietzsche auseinander. Auch der ausführliche Briefwechsel mit dem Bruder Thomas ist zu einem erheblichen Teil der Philosophie Nietzsches gewidmet.[49] Übrigens haben beide Brüder die eigenen Ansichten in bezug auf die `Hammerphilosophie' dieses philosopischen Wortkünstlers in mehreren essayistischen Arbeiten niedergelegt. Für Heinrich Mann sind vor allem der frühe Artikel Zum Verständnisse Nietzsches (1896, in Das Zwanzigste Jahrhundert) und der längere Aufsatz aus dem Jahre 1939 mit dem Titel Nietzsches unsterbliche Gedanken zu vermerken. Offensichtlich hat Nietzsche genügend Stoff zu einer lebenslangen Auseinandersetzung mit ihm geboten.

In der Sekundärliteratur hat man sich selbstverständlich schon oft zu der Bedeutung Nietzsches für Heinrich Mann geäußert. Es soll hier nicht versucht werden, die Forschungsergebnisse dieser Untersuchungen systematisch aufzuzählen. Vielmehr gilt es, im großen ganzen den Einfluß Nietzsches deutlich zu machen, ohne dabei irgendwelchen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können oder gar zu wollen. Dabei soll zudem nicht der Eindruck entstehen, als wäre Nietzsche der einzige Einfluß dieser Periode. Als Ausdruck des Zeitgeistes erscheint er jedoch durchaus als gute Wahl.[50] Für eine zusammenfassende und einleuchtende Übersicht über den Stand der Forschung sei auf Henk Harbers' Dissertation verwiesen.[51]

Die Bedeutung Nietzsches für Manns geistige Entwicklung (oder zumindest die Ähnlichkeit der Gedanken) tritt vor allem in den folgenden Themenbereichen deutlich zutage: in Nietzsches Künstlerpsychologie, in seiner Auffassung einer ewigen Wiederkehr des Gleichen und in der Betonung einer Leidenschaft der Erkenntnis.

Die Künstlerpsychologie.

Im Vorwort an Richard Wagner zu der 1871 erschienenen Schrift Die Geburt der Tragödie schreibt Nietzsche zur "Belehrung", "dass ich von der Kunst als der höchsten Aufgabe und der eigentlich metaphysischen Thätigkeit dieses Lebens im Sinne des Mannes überzeugt bin, dem ich hier, als meinem erhabenen Vorkämpfer auf dieser Bahn, diese Schrift gewidmet haben will."[52] Nietzsche nimmt in dieser Schrift eine "Verherrlichung und Metaphysizierung der Kunst"[53] vor; der Künstler könne sich bei Nietzsche in Anerkennung des Scheincharakters der Kunst über das ewige Leiden des Daseins überheben, wie Renate Werner gezeigt hat. Später (nach 1878) schlägt diese Auffassung Nietzsches in eine radikale Kulturkritik um. In seiner Argumentation bedient er sich dann öfters der Begriffe der "décadence". Die Verbindung zwischen

Richard Wagner und diesem Oberbegriff wird von Nietzsche schon am Anfang der Schrift Der Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem (1888) hergestellt; da heißt es: "Richard Wagner war [...] ein typischer décadent, bei dem jeder `freie Wille' fehlt, jeder Zug Notwendigkeit hat."[54] Später umschreibt er den Begriff näher. In einer nachgelassenen Schrift Ende der sechziger Jahre ist zu lesen: "Die décadence [...] gehört zu allen Epochen der Menschheit: überall giebt es Auswurf- und Verfall-Stoffe, es ist ein Lebensprozeß selbst, das Ausscheiden der Niedergangs- und Abfalls-Gebilde."[55]

Die Nähe dieser Gedanken zu den oben beschriebenen des Neuromantikers Heinrich Mann liegt auf der Hand. Nietzsches décadence-Kritik und Manns Bejahung der Verfallserscheinungen im Frühwerk deuten auf den Einfluß Bourgets hin. Tatsächlich hat auch Nietzsche sich ausführlich mit den Schriften Bourgets auseinandergesetzt.[56] Schon bei diesem Autor lernte Heinrich Mann das Wesen des dilettantischen Künstlers als das eines Komödianten kennen. Auch Nietzsches Kritik zielt auf diesen Zug des dekadenten Künstlers, einer Figur, die nur eine äußere Rolle spielt, welche nicht der Wahrheit entspricht. In seiner Schrift Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne (1873) wird dies deutlich. Nietzsche hebt da die Herrschaft der Kunst über das Leben hervor[57] (Heinrich Mann würde sagen: die "Superiorität" (EW 385) der Kunst), steht jedoch dem Wahrheitsanspruch der Kunst grundlegend skeptisch gegenüber. Nietzsche: "[...] die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind"[58] ; unter der "Wahrheit" versteht er ein "bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen kurz eine Summe von menschlichen Relationen"[59]. Der Mensch hat vergessen, daß er in der Wahrheitsetzung ein "künstlerisch schaffendes Subjekt"[60] (Hervorhebung im Original) ist; die Kunst erscheint damit als Schein, als Ausdruck einer nicht-wahren, erfundenen, "erlogene[n]"[61] Welt. Die Arbeit des von Mann so hochgeschätzten Geistes, die Kunst[62], beinhaltet immer wieder Schein, Täuschung. Nietzsche lehrt Mann auch die Skepsis in bezug auf das Geistesideal.

Nietzsches Kritik geht jedoch noch weiter. In einer nachgelassenen Schrift aus dem Frühjahr 1888 sagt er zu der "Philosophie als décadence"[63] (Hervorhebung im Original): "Die scheinbare Welt und die erlogene Welt: ist der Gegensatz: letztere hieß bisher die `wahre Welt', die `Wahrheit', `Gott'. Diese haben wir abzuschaffen."[64] (Hervorhebung im Original) Damit sind wir beim Nietzscheschen Begriff des Todes Gottes, der als endgültige Abschaffung all dieser unwahren Konstruktionen des Geistes anzusehen ist. In Heinrich Manns Worten: "[...] Nietzche fand sich gedrängt, zu `überwinden' alles, was er zu seinen Zeiten antraf. Insgesamt nannte er es `die décadence'." (N 34) Der Gott ist "die Spitze und der Inbegriff der bisher gültigen Werte", damit "der Gott all dessen, was Nietzsche angreift"[65]. Nietzsche findet auf diese Weise die Geistesideale des Menschen als schaffenden Künstlers verwerflich, weil sie den Niedergang des starken, wahren Lebens bedeuten. Nietzsche hat gerade das Jasagen zum starken, bösen Leben, in dem auch "das Kleine und Niedrige am Menschen endgültig bejaht wird"[66], vor Augen. Da ist für den Geist mit seinen Verfallserscheinungen kein Platz.

Es wurde schon hervorgehoben, daß Heinrich Mann sich gerade in der Bewertung des Geistes von Nietzsche unterscheidet. Das wird nochmals deutlich in Manns Memoiren, und zwar in dem Kapitel: Eine unabweisbare Frage: Gott. Wie bei Nietzsche erscheint hier "Gott" als ein "Gleichnis unserer Vernunft", des Geistes, des "moralische[n] Wissen[s]", des "Gewissen[s]". Obwohl der Skeptiker Heinrich Mann einsieht, daß er in Sachen "Gott" keine Sicherheit beanspruchen kann ("Ich gestehe meine Unwissenheit."), verbindet sich für ihn mit dem Geist dennoch die `Vollendung der Seele', und zwar in "Richtung [...] auf Ziele über der Materie, gedachte Ziele, sittliche Ziele." (SJ 438)

Die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Friedrich Nietzsche hat sich schon selbst zum Philosophen dieser ewigen Wiederkehr ernannt. Der letzte `Satz' seiner Schrift Götzen-Dämmerung ist: "[...] ich, der letzte Jünger des Philosophen Dionysos, - ich, der Lehrer der ewigen Wiederkunft..."[67] Die erste Erwähnung dieses Gedankens findet sich in der Fröhlichen Wissenschaft in dem Abschnitt mit dem Titel Das grösste Schwergewicht: "Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen [...]"[68] Gemeint ist die "Lehre [...] vom unbedingten und unendlich wiederholten Kreislauf aller Dinge"[69], wie Nietzsche in Ecce Homo formuliert.

Bei Heinrich Mann finden wir ähnliche Gedankengänge einer Selbstwiederholung der Geschichte. Während Renate Werner im Werk Manns ein "lineares Denkmodell der geschichtlichen Entwicklung als Geschichte der Entfaltung der Vernunft"[70] glaubt feststellen zu können, gibt Heinrich Manns Werk jedoch deutliche Hinweise auf eine Geschichtsauffassung im Sinne Nietzsches. Als Beispiel ist die Novelle Auferstehung (1911) zu erwähnen, auf die später noch ausführlich eingegangen wird. Die weibliche Hauptperson äußert in dieser Novelle Gedanken, die für Werner noch Ausdruck des linearen Prozesses sind[71], dennoch eher als sich wiederholende Geschichte zu interpretieren sind. So sagt diese Hauptfigur etwa: "Die Unzulänglichkeit der Natur wird Geschlecht um Geschlecht [...] zur Erde beugen." (A 120) Auch in Harbers' Interpretation der Novelle Auferstehung treten Heinrich Manns "zyklische Vorstellungen vom ewigen Auf-und-Ab der Geschichte"[72] deutlich zutage.[73] Nun ist Manns Geschichtsbild nicht so radikal wie Nietzsches Auffassungen eines wiederholten Lebens: "[...] und es wird nichts Neues daran sein, sondern [...] alles unsäglich Kleine und Grosse deines Lebens muss dir wiederkommen, und Alles in der selben Reihe und Folge"[74], heißt es in der Fröhlichen Wissenschaft. Manns Ausgangspunkt bildet nämlich wiederum der Geist: er nimmt an, daß ein Leben im Dienste eines reinen Geistesideals nie die endgültige Vollendung dieses Ideals bewirken kann, wie die Besprechung der einzelnen Werke noch zeigen wird. Die Verwirklichung der Einheit von Geist und Leben ist nur momentan und gebrochen möglich. Aber eben diesen vorläufigen Realisierungen der Ideale des Geistes, in denen diese Ideale die ursprüngliche und angestrebte Reinheit verlieren, gilt es bei Heinrich Mann nachzustreben. Wenn die Menschheit "Geschlecht um Geschlecht" für das Ideal kämpft, wird jedes neue Geschlecht sich durch die Erfahrungen voriger Generationen gestärkt wissen.[75] In dem Essay Geist und Tat tritt diese ewige Wiederkehr des Gleichen in der Geschichte, verbunden mit den über "Generationen" (GT 13) hinweg gemachten Erfahrungen im Kampf für demokratische Geistesideale, deutlich in den Vordergrund: man solle "diesem vorweggenommenen und entflogenen Augenblick [einer, wenn auch gebrochenen Einheit von Geist und Leben] nachdrängen, ihn wieder einholen. Die Geschichte hat keinen anderen Sinn mehr, als jener großen Stunde Dauer zu geben" (GT 12); das Leben wird immer wieder den Idealen der Freiheit und Gerechtigkeit entgegengehen, die nächste Generation sich "in neuen Ketten" (GT 14) sehen. Der immer erneut aufgenommene Kampf bedeutet dennoch wiederum einen "Gewinn [...] an Menschenwürde und sittlicher Kraft" (GT 14).

Die Leidenschaft der Erkenntnis.

In dem späten Nietzsche-Essay behauptet Heinrich Mann seine Auffassung des Geistes gegenüber dem unbedingten Jasager Nietzsche. Mann hebt dennoch auch hervor, welchen Wert Nietzsche trotz dieses wichtigen Unterschiedes für ihn behält: "Gleichwohl hat Nietzsche für möglich gehalten, dass über diese Welt dereinst die Erkenntnis herrscht. Seine Auszeichnung und sein Vorrang ist dies - nur dies." (N 14) Es geht dabei um die Erkenntnis, die man als "leidenschaftlichen Zustand" (N 14) zu begreifen hat, wie Mann an anderer Stelle, einen Aphorismus Nietzsches direkt zitierend, nochmals deutlich macht: "Lernten doch seine Leser von ihm die Leidenschaft der Erkenntnis, nichts anderes!" (N 36)

Der zitierte Aphorismus (Nummer 429 aus Morgenröthe) enthält aufschlußreiche Sätze zu der Bedeutung dieser "neue[n] Leidenschaft"[76]. Nietzsche vergleicht diesen "Trieb zur Erkenntnis" mit der unglücklichen Liebe, von der die Liebenden dennoch nicht mehr lassen können. "Die Erkenntnis hat sich in uns zur Leidenschaft verwandelt, die vor keinem Opfer erschrickt und im Grunde Nichts fürchtet, als ihr eigenes Erlöschen". Er schließt sogar nicht aus, "dass die Menschheit an dieser Leidenschaft der Erkenntnis zu Grunde geht!" Und er betont: "[...] wir wollen Alle lieber den Untergang der Menschheit, als den Rückgang der Erkenntnis!" Denn das Aufgeben dieser Leidenschaft würde ein Aufgehen in einem "Zustand der Gleichgültigkeit" bedeuten. In dem Essay Geist und Tat beschreibt Heinrich Mann einen solchen Zustand; in ihm herrsche "keine Grausamkeit, aber auch keine Liebe." (GT 15)

Auf die Rolle der zum Handeln verführenden Liebe im Werk Heinrich Manns hat schon Henk Harbers, der die Liebe sogar zum Hauptthema seiner Untersuchung macht, hingewiesen.[77] Seiner Dissertation läßt sich entnehmen, daß bei Heinrich Mann nur in der Liebe eine Einheit von Geist und Leben möglich sei. Manns grundsätzliche Ironie zeige sich zugleich in der Darstellung dieser Einheit: "jede Verwirklichung des Geistes ist zugleich Verkehrung des Geistes in sein Gegenteil, in den Trieb, der die Liebe auch ist."[78] Für Harbers stellt die Rolle der Liebe die Verbindung zwischen Manns Frühwerk und dem späteren Werk dar. Das ist richtig, wenn man von der, wenn auch gebrochenen und momentanen, Verwirklichung der Einheit von Geist und Leben ausgeht. Stellt man jedoch die Erhaltung der Reinheit des Geistesideals zentral, so erweist sich auch die Todesthematik als mögliche Verbindung zwischen den verschiedenen Schaffensphasen Manns. Denn, so wird noch zu zeigen sein, die ewige Erfüllung absoluter Ideale ist nur im Tode möglich, der zugleich die Aufhebung einer möglichen Einheit von Geist und Leben bedeutet. Wichtig ist also die Unterscheidung zwischen dem gebrochenen Ideal in der Liebe und dem reinen Ideal im Tode. Vor diesem Hintergrund haben Manns Helden sich zu entscheiden. Auf diese Weise bekommt für den Leser Nietzsches Frage, ob die Liebe und der Tod nicht Geschwister seien[79], in bezug auf Manns Werk eine extra Dimension.

Zum Schluß sei nochmals kurz auf den Nietzsche-Essay aus dem Jahre 1939 hingewiesen. Wurde schon deutlich, daß es die Bewertung des Geist-Prinzips ist, die Nietzsche von Mann unterscheidet, so mag ein Zitat aus diesem Essay dies in aller Deutlichkeit zeigen: "Unerklärt, wenn nicht beiseite gelassen bleibt fortwährend, durch welches Wunder ein Sieg der Schwäche zwei Jahrtausende nicht nur vorhalten, sondern Taten zeitigen konnte, Taten des Geistes, unvergleichlich stärkere als die geschichtlichen Strecken vorher." (N 24) Damit ist gesagt, was Mann zeitlebens beschäftigt hat: die Verbindung von Lebensschwäche und Geistesstärke. Oder, wie Mann unmißverständlich im Zeitalter schreibt: "Im Schwachen ist der Geist stark." (Z 181)

Die literarische Verarbeitung

Vor dem Hintergrund der oben geschilderten geistigen Entwicklung entstanden die Gestalten im Werk Manns. Für das Frühwerk sind die von unter anderen Renate Werner und Hanno König unterschiedenen Tendenzen und Haupttypen[80] das Ergebnis einer unterschiedlichen literarischen Verarbeitung eines konstanten Grundthemas: es geht Heinrich Mann im Frühwerk, aber später auch, um die ersehnte Einheit von Geist und Leben. Die schwachen Hauptpersonen seiner Werke haben sich zu entscheiden: bleibt die Reinheit des Ideals im Tode behalten, aber das Leben nicht, oder wird das Ideal im Leben gebrochen und momentan verwirklicht, im Schein der Kunst, des Traumes oder der Erinnerung?[81] In der Besprechung der Novellen Das Wunderbare und Pippo Spano wird im folgenden darauf näher einzugehen sein.

Das Wunderbare; die Kunst, der Tod und das Bürgerleben

In einem erst 1971 bekannt gewordenen Brief Heinrich Manns an Paul Hatvani[82] vom 3. April 1922 beschreibt der dann berühmte Schriftsteller den eigenen Werdegang. Mann notiert da, wiederum die Vorbildsuche seiner Anfangszeit beschönigend: "Meine innere Kenntnis der Menschen und Dinge stammt aus den Jugendtagen, als ich noch nicht schrieb."[83]

In diese Jugendtage des `Nicht-Schreibens' paßt nun gerade die Novelle Das Wunderbare (geschrieben 1894) hinein, von der Mann sich nicht immer hat distanzieren wollen. So ist sie die einzige Novelle aus den neunziger Jahren, die er für die späteren Gesamtausgaben seiner Werke als wertvoll genug betrachtete.[84] Überdies betont Mann noch am Ende seines Lebens, damit einen seiner Rezensenten lobend, dieser habe Manns letzten Roman Der Atem richtig verstanden: "Sie haben [...] recht, wenn Sie das Märchenhafte empfinden. [...] Der menschliche Rest, wenn alles dahingeht, ist das Wunderbare."[85] (Hervorhebungen von mir, R.H.)

Eben dieses `Märchenhafte', `Wunderbare', das Mann zwar als `menschlichen Rest' bezeichnet, das dennoch nicht dem Bereich des Wirklichen angehört, sondern eher als Traum[86], als in der Wirklichkeit gebliebene Erinnerung an `Dahingegangenes', an Vergangenes anzusehen ist, thematisiert Heinrich Mann auch in seiner frühen Novelle Das Wunderbare. Zwischen ihr und dem letzten Roman liegt ein Schriftstellerleben, das ständig kreiste um genau dieses Problem einer Wirklichkeit, die unwirklich ist (denn was bleibt `dem menschlichen Rest' vom wirklichen Leben, wenn `alles dahingeht'), zugleich aber auch `das Wunderbare' darstellt; ein nicht leicht lösbares Problem, denn das wirkliche Leben läßt sich nun mal schwer mit Unwirklichem vereinen.

Was nun die Novelle in bezug auf diese Frage nach der Vereinigung von Leben und dem Wunderbaren betrifft, sei zunächst auf einige Gedichte Manns hingewiesen, in denen er dieses Dilemma ausführlich behandelt. Selbst hat er sie zur kritischen Überprüfung seinem Freund Ewers geschickt, und als sie diesem gefielen, auf die Verwandtschaft mit der Novelle hingewiesen (EW 373ff, 382). Die Titel der Gedichte mit dem Obertitel Mysterium sind: Traum von Schönheit, Reue und Schönheit, Furcht vor Schönheit, Sterben in Schönheit und Leben in Schönheit. In diesen Gedichten erscheint die Schönheit, wir könnten sagen: die Kunst, als "Traum des Dichters"[87] ; sie entspringt auf dem Dichter unverständlichem Wege "Stirn" und "duftigsten Gefühlen" des Künstlers. Dennoch ist die angesprochene Schönheit immer nur Schein: "Nie wirst du bis in meinen Alltag schreiten:/ Du bist nur schön, weil du nicht wirklich bist." Die wahre Schönheit ist dem Künstler unerreichbar; darin liegt sein Haß begründet und zugleich seine Liebe, denn er weiß: die Schönheit ist das Ideal, das er sucht. Aber ein gefährliches Ideal, denn es ist zugleich "das Heilige, das verdirbt" und "das Leben, dran man stirbt." Das reine Ideal bedeutet den Tod und ist zugleich das Leben. "Da drückst auf meine Lippen du den Kuß,/ Für den ich lebte und für den ich sterben muß." Die Quintessenz der fünf Gedichte wird deutlich: "Wer der Schönheit lebt, muß an ihr sterben, das `Leben in Schönheit' (so der Titel des fünften Gedichtes) ist nur im Tode möglich [...]."[88]

Diese Ansicht ist auch für die Novelle von überragender Bedeutung, wie hier zu zeigen sein wird. Mit ihr wird jedoch noch der Gedanke an eine weitere Lebensmöglichkeit verbunden, die nicht gleich den Tod, das `Leben' in reiner `Schönheit' also, zu bedeuten braucht. Der zentrale Satz, der direkt auf diesen Gedanken hinweist, ist: "Man muß das Wunderbare nicht zum Alltäglichen machen." (W 11) Nur, wer die Welt der Schönheit, der Kunst, des Geistes von der des Alltags, des Handelns, der (bürgerlichen) Arbeit trennt, bleibt am Leben; das Wunderbare, "das Ferne, Sinnlose, ganz Unmögliche, bloß Geträumte" ist dem Menschen in der Wirklichkeit nur noch ein "Traum", eine Erinnerung, "auch wenn man es selbst erlebt hat". (W 11) Auf diese Weise entwirft Heinrich Mann ein Bild vom Leben als einem Gegenpol des rätselhaften Fatalismus des Schönen. Dieses Bild paßt zu dem ästhetizistischen kulturpessimistischen Konservatismus dieser Zeit[89], dem auch Mann anhing.

"Man muß das Wunderbare nicht zum Alltäglichen machen." Dies sagt die Hauptfigur der Geschichte, Siegmund Rohde, die von einem ehemaligen Schulfreund nach vielen Jahren "in dem alten Kreise" (W 7) ihrer gemeinsamen Jugend besucht wird. Während der Schulfreund, der Erzähler dieses Treffens, sich dem "Dienst des Ideals" (W 7) der Kunst auch nach seiner Jugend verschrieben hat, hat der leidenschaftlichere, weniger skeptische Künstler der beiden Gymnasialschüler nicht die Akademie, sondern die Universität besucht. Sein Jurastudium sei "`vorläufig', wie er sagte, da er seinen Vater doch ganz sicher noch für seine eigentlichen Pläne zu gewinnen hoffte." (W 7)[90] Schließlich hat ihm sein Studium dennoch die Stelle eines Rechtsanwaltes und Stadtrates seiner Heimatstadt eingebracht. Dies wundert den Ich-Erzähler, der ohne Zögern gesteht, daß er nicht ohne "Voreingenommenheit" gegen den "sinnenden Knaben von damals" war, der sich "von innen und außen verändert haben müsse, um den Platz im Leben auszufüllen, den er als kleinstädtischer Rechtsanwalt und Stadtverordneter" (W 8) innehatte. Und die Ich-Figur spricht seine Erwartung aus: "Natürlich würde er breit und stark von Körper, und von Geist verhältnismäßig magerer geworden sein." (W 8) "Angenehm enttäuscht" ist er dann, wenn er Rohdes Haus betritt; er bemerkt, daß Rohde die frühere Leidenschaft keineswegs vergessen hat, die Kunst sogar in die bürgerliche Welt hat integrieren können, wie die Einrichtung der Wohnung zeigt. Auch die Gattin ist nicht "eine der alltäglichen Provinzdamen" (W 8), die sich der Erzähler vorgestellt hat, sondern eine durchaus selbstbewußte Person, die die festgestellte Verbindung von künstlerischem Geschmack und bürgerlichen Lebensverhältnissen sogar verkörpert. (W 9)

Rohde selbst ist im Gegensatz zu früher ein selbstbewußter, hochgewachsener und breiter Mann[91], der die Genüsse seines Bürgerlebens zu genießen scheint (W 9), dennoch das Interesse für die Kunst nicht verloren hat. Sie ist aber zur Nebensache geworden, zu einer Liebhaberei, der er neben seinen bürgerlichen Verpflichtungen, der "Hauptsache" (W 9) und seinem "Lieblingsthema" (W 10), zwar mit "Wärme" (W 9), aber ohne jede Begeisterung nachgeht.

Der Ich-Erzähler macht diese Beobachtungen und konfrontiert den ehemaligen Schulfreund mit der gemeinsamen Jugend, die in aller Leidenschaft und Ausschließlichkeit nur der Kunst galt, die sie liebten[92]: "[...] In deiner vorteilhaften bürgerlichen Stellung bist du doch ein wenig der Künstler von damals geblieben - nur daß du nicht mehr, wie wir damals taten, die Ideale im Munde führst." (W 11) Und darauf spricht Rohde den oben hervorgehobenen Satz, daß das Wunderbare nicht zum Alltäglichen zu machen sei. (W 11)

Dies ist die Ausgangssituation, die Rohde dazu veranlaßt, dem Ich-Erzähler über das Wunderbare, das Ideal der Schönheit, der Kunst, zu berichten, an das er sich "nur wie an einen Traum erinnert." (W 11) Denn, so betont er nachdrücklich: "Ich phantasiere nicht und es ist keine Ideallandschaft, die ich beschreibe. Es ist ein Erlebnis." Und erst da fängt Heinrich Manns "ganz phantastische Novelle" (EW 371) richtig an.

Mann wählt wie in vielen anderen Novellen seines Frühwerks auch hier die Form der Rahmenerzählung; sie bewirkt eine Distanz des in der `wirklichen' (aber natürlich auch erfundenen) Wirklichkeit sich befindenden Erzählers zu dem Objekt der Erzählung, dem über Rohde erfahrenen "mystische[n] Erfahrung des Wunderbaren"[93]. Der Rahmen wird in der endgültigen Fassung der Novelle am Ende jedoch nicht geschlossen; das letzte Wort hat Rohde, mit dem er sich seinem Gesprächspartner gegenüber nochmals auf das Erlebnis des Wunderbaren bezieht. Die erfundene `wirkliche' Wirklichkeit des Rahmenerzählers schließt das Geschehen nicht ab; dies verstärkt die von Mann gewollte Wirkung dieser Novelle, "die ganz in der Luft stehen soll, vollkommen unwirklich." (EW 372)

Am Anfang von Rohdes Geschichte steht die erste Voraussetzung für das Erleben des Wunderbaren; denn, soviel ist sicher, dieses "Ferne, Sinnlose, ganz Unmögliche, bloß Geträumte" (W 11) steht nicht jedem ohne weiteres offen. Es gehört nicht zum Bereich "der bürgerlichen Gewöhnlichkeit" (W 11); unerläßlich ist es für ein Erleben der `geheimnisvollen' Schönheit[94], daß man "den gebahnten Weg" (W 13) des Gewöhnlichen verläßt und sich einem "planlosen Gefühl des Suchens" (W 13) hingibt, an dessen Ende das Außergewöhnliche, das Wunderbare steht. Rohde: "Die Erfüllung meines jugendlichen Herzenswunsches war mir [...] versagt worden." (W 12) Auf diese "erste große Enttäuschung" (W 12) seines Lebens, sich nicht wie selbstverständlich dem "lebenslänglichen `Dienst des Ideals'" (W 7) widmen zu können, reagiert der junge Rohde zunächst rebellisch. Er versucht sich für das ihm angetane Unrecht durch "ungeregelte und wilde Genüsse" (W 12) zu entschädigen; diese Exzesse, Ausdruck einer "Krise geistiger und psychischer `Haltlosigkeit'"[95], halten ihn jedoch solange schadlos, bis ein Blutsturz ihn warnt.[96] Um seiner Gesundheit willen schickt man ihn nach Italien, wo ihm die eigene leidvolle Lage klar vor Augen steht; es ist die Lage des `décadent'.[97]

Mein Empfinden war sehr stumpf, meine Gedanken niedergeschlagen. Ich kam mir blasiert vor. Die tiefe Ernüchterung war bei mir eingetreten, die die ersten, banalen aber heftigen Erlebnisse im Jüngling zurücklassen. Man glaubt der ganzen Flachheit und der Lüge des Lebens auf den Grund zu sehen und hofft nicht, irgendeinen verlorenen Glauben zurückzuerhalten. (W 12)

[...]


[1] Harbers 1984, S. 110

[2] Für diese Beurteilung Tolstois wäre etwa zu denken an die Novelle Der Tod des Iwan Iljitsch, in der große Ähnlichkeit mit den kranken, schwachen Gestalten aus vor allem Manns Frühwerk zu erkennen ist. Vgl. Leo Tolstoi: Der Tod des Iwan Iljitsch [Smert' Ivana Iljitsja]. (Übers. aus dem Russischen von Rudolf Kaffner).- Leipzig: Insel o.J.

[3] Eine ausführliche Interpretation dieses Essays bieten etwa: Rohner, Ludwig: Der deutsche Essay. Materialien zur Geschichte und Ästhetik einer literarischen Gattung. Neuwied und Berlin: Luchterhand 1966, S. 240-258; Harbers 1984, S. 110-118

[4] Harbers 1984, S. 422

[5] Zu nennen wären: Henriette Bartl: Heinrich Manns Spätwerk: Studien zur Erzähltechnik in den Romanen `Empfang bei der Welt' und `Der Atem'. Hamburg, Dissertion 1970 Winfried Giesen: Heinrich Manns Roman `Empfang bei der Welt': Interpretationen eines Spätwerks. Frankfurt am Main, Bern: Lang 1976 Marcel Laroche: Geld und Geltung: zu Heinrich Manns `Empfang bei der Welt'. Bonn: Bouvier 1978

[6] Jasper 1992, S. 84

[7] Vgl. Kraske 1986, S. 7

[8] Hauptquellen sind der langjährige Briefwechsel (1889-1913) mit dem Jugendfreund Ludwig Ewers, die Aufsätze zu meist literarischen Themen in den Zeitschriften Gegenwart, Gesellschaft, und Kunstwart, die Mitarbeit (für kurze Zeit auch als Herausgeber) bei Das Zwanzigste Jahrhundert und die Briefe, die Mann seinem Biographen Karl Lemke (rückblickend) schrieb.

[9] Werner 1972, S. 28

[10] Vgl. Loose 1979, S. 18

[11] Haupt 1980, S. 15

[12] Der Samuel Fischer Verlag war der Verlag, mit dem Heinrich Manns Bruder Thomas 1898 eine lebenslängliche Verbindung einging. Heinrich Mann wechselte hingegen oft den Verleger. Erst mit der Studienausgabe in Einzelbänden ist das Werk dieses ehemaligen Mitarbeiters bei Fischer erhältlich.

[13] Vgl. Loose 1979, S. 269

[14] Vgl. Heinrich Manns Lebenslauf (1926), den er als neues Mitglied für die "Personalnachrichten" des Archivs der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin zu schreiben hatte. In: Anger 1977, S. 493f

[15] Vgl. Heftrich 1994, S. 88f

[16] Haupt 1980, S. 16

[17] Vgl. dazu auch, was Heinrich Mann im Jahre 1939 in einem Nietzsche-Aufsatz über Heine sagt: "Heinrich Heine, [...] dessen Genugtuung der Rythmus und die Plastik waren; der auf Einwände gegen die Richtigkeit geantwortet hat: Aber es ist so gut gesagt." (N 16)

[18] Emanuel Geibel (1815-1884); Lyriker und Übersetzer, Professor für Ästhetik. Ein Satz von diesem Repräsentanten einer epigonalen Formkunst: "Was schön ist, ist schon dagewesen,/ Und nachgeahmt ist, was uns glückt." (Aus: Bildhauer des Hadrian)

[19] Josef Victor von Scheffel (1826-1886); Lyriker und Erzähler; Verwendung romantisierender Motive.

[20] Haupt 1980, S. 16

[21] Es heißt in diesem Essay Bahrs: "Ich glaube also, daß der Naturalismus überwunden werden wird durch eine nervöse Romantik; noch lieber möchte ich sagen: durch eine Mystik der Nerven." (Bahr 1968, S. 87) Vgl. in diesem Zusammenhang auch die "mystische Totalerfahrung", die in der Novelle Das Wunderbare gemacht wird. Vgl. auch S. 25 dieser Arbeit.

[22] Vgl. Kraske 1986, S. 11

[23] Haupt 1980, S. 17

[24] In den Briefen an Ewers spricht Heinrich Mann seine tiefe Bewunderung aus für die geistige Höhe dieses Antinaturalisten, dem er sich "einigermaßen geistesverwandt" fühle. So heißt es etwa im Brief vom 19 November 1890: "Dieser Bahr hat vielleicht eine große Zukunft, um so mehr, das er so ganz in der Moderne lebt und empfindet, ihre kleinsten Zuckungen und Veränderungen wahrnimmt und in sich verarbeitet; dieser `Mann von übermorgen', wie man ihn genannt hat." (EW 183) Als bedeutendes Vorbild wurde Bahr später, wie etwa Bourget, nicht `stilisiert'. Im Jahre 1922 widmet Mann dem "Sechzigjährigen" einen kurzen Bericht zu dessen Gedenktag. In diesen in dem Essayband Sieben Jahre. Chronik der Gedanken und Vorgänge aufgenommenen drei Absätzen heißt es: "Dem Sechzigjährigen danke ich von Herzen für seine Lehren von einst und für geplauderte Erinnerungen, die mich an eigene mahnen." (SJ 48)

[25] Banuls 1970, S. 28

[26] Vgl. Haupt 1980, S. 17

[27] Vgl. Schoeller 1991, S. 14

[28] Es sind natürlich nicht nur Heine, Bouget und Bahr, die Heinrich Manns geistige Entwicklung beeinflußt haben. Zu nennen wären auch noch, wobei bemerkt sei, daß ihr Einfluß weniger nachhaltig war: Michael Geord Conrad, Schriftsteller, Begründer der Zeitschrift Die Gesellschaft, Conrad Alberti, naturalistischer Schriftsteller, Mitarbeiter der Gesellschaft, Emile Dubois-Reymond, Berliner Physiologe und Philosoph, der französische Kritiker Hyppolyte Taine oder der italienische Dichter und Politiker Gabriele D'Annunzio.

[29] Schoeller 1991, S. 14

[30] Wilpert 1989, S. 9

[31] Vgl. ebenda

[32] Heinrich Mann fühlte sich seinem Gesprächspartner Ewers in der Diskussion um die Novelle Haltlos durchaus überlegen - dies erinnert an Briefe Thomas Manns, in denen auch das Gefühl entsteht, es nicht mit gleichwertigen Briefschreibern zu tun zu haben. Auch Heinrich Manns nur an Ewers gerichtete Bemerkungen zu eigenen oder Ewers' literarischen Versuchen wirken zunehmend eher unfreundlich belehrend als freundschaftlich erläuternd. Wenn Mann Ewers die Novelle Haltlos zu erklären versucht, schreibt er u.a. folgendes:

"Ich glaube, das eigentliche Problem, die Gegenüberstellung des Pessimismus [...], der durch Selbstschau und Nachdenken erworben, und desjenigen, den das Leben selbst gezüchtet, immer noch nicht deutlich genug herausgekriegt zu haben. Daß ich für den Vertreter des ersteren mich selbst in weitgehender Weise benutzt habe, brauch ich Dir wohl nicht zu sagen, Aber ganz bin ich's zum Glück doch nicht! 'n paar lumpige Ideale hab ich mir in die verzweifeltste resp. resignierteste Décadence hinübergerettet." (EW 182)

"Meine Folge war so: der Ärger des fin-de-siècle-Menschen, meines Helden, über seine augenblickliche Weichseligkeit, über seine sentimentale `Liebe', die ihm doch, im tiefsten, sein Glück ist, muß sich austoben. Er setzt seinen unfreiwilligen idealen Regungen bewußt die Gemeinheit entgegen. Aber auch zu seiner geheimsten Sehnsucht stimmt dies [...]" (EW 203)

"Und im übrigen berührst Du kaum die Psychologie, mit der meine Arbeit steht und fällt. Ich stehe also, scheint's, wieder mal unverstanden da in meiner Größe." (EW 203)

[33] Vgl. Banuls 1970, S. 32

[34] Im Jahre 1924 wurde der Roman neu verlegt. Bemerkenswert ist, daß die Widmung an Bourget verschwand. Überdies distanzierte Mann sich im Vorwort zu dieser Auflage eindeutig von dem jungen Schriftsteller Heinrich Mann des Jahres 1894. Wiederum sehen wir, wie Mann versuchte, die eigene schriftstellerische Tätigkeit vor der Jahrhundertwende und die darin erkennbaren Einflüsse umzugestalten.

[35] Vgl. Kraske 1986, S. 11

[36] Ebenda, S. 7

[37] Vgl. Schoeller 1991, S. 14

[38] Harbers (1984) weist auf die Aufsätze für Das Zwanzigste Jahrhundert hin; er zeigt, daß diese Aufsätze "mit einiger Vorsicht gelesen werden müssen." (Harbers 1984, S. 67) Vgl. auch EW 288.

[39] Bourget hat auch bei der Entwicklung der konservativen Neigungen Manns Pate gestanden.

[40] Vgl. Banuls 1970, S. 238. Dieses auf literarischem Gebiet unproduktive Jahr Heinrich Manns deckt sich mit der Periode, in der er sich publizistisch für Das Zwanzigste Jahrhundert einsetzte.

[41] Haupt 1980, S. 28

[42] In dem Brief an Paul Hatvani vom 3. April 1922. In: Roberts 1971, S. 252

[43] Haupt 1980, S. 28

[44] Schon im Brief vom 21. November 1893 sieht Heinrich Mann ein, daß Bourget zwar von großer Bedeutung für seine geistige Entwicklung (gewesen) ist, daß ihm die Lektüre von nur Bourget und den andern Psychologen jedoch nicht mehr genügt. Er hielt es für nötig, nicht bei diesem Gedankengut stehenzubleiben. In letzter Zeit, so schreibt er, habe er sich doch bemüht, "ihren zu einseitigen Einfluß durch Lektüren wie Maupassant und Daudet zu korrigieren." (EW 350) Auch Gerhard Schäffner stellt diesen Zug Heinrich Manns fest, macht jedoch zugleich deutlich, daß Mann sich schon bald wieder von Daudet und Maupassant distanzierte. Sein neues Idol wurde dann Barbey d'Aurevilly, bei dem er jene Motive fand, die auch ihm am Herzen lagen, "nämlich die Kunst um ihrer selbst willen, den `Donquijotismus' und die Kritik der Geldwirtschaft." (Vgl. Schäffner 1995, S. 125f)

[45] Vgl. Jasper 1994, S. 54

[46] Harbers 1984, S. 68

[47] Nietzsche 1988, Bd. 13, S. 316

[48] Mann 1974, S. 692f

[49] Vgl. den von Hans Wysling herausgegeben Band: Thomas Mann. Heinrich Mann. Briefwechsel 1900-1949. Der Band enthält ein Register zu Personen und Werk.

[50] Nietzsche hat übrigens selbst (als wäre der Fall schon eingetreten) um die Bedeutung seiner Philosophie für die geistige Nachfahren gewußt. So schreibt er im Jahre 1888 unter dem Titel: Warum ich ein Schicksal bin: "Ich kenne mein Loos. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen, - an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Collision, an eine Entscheidung heraufbeschworen gegen Alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit." (Nietzsche 1988, Bd. 6, S. 365; Hervorhebung im Original) Tatsächlich kann man einem Dichter wie Gottfried Benn nur beistimmen, der, rückblickend, fünfzig Jahre nach dem Tode Nietzsches den folgenden, oft zitierten Satz schrieb: "Eigentlich hat alles, was meine Generation diskutierte, innerlich sich auseinanderdachte, man kann sagen: erlitt, man kann auch sagen: breittrat - alles das hatte sich bereits bei Nietzsche ausgesprochen und erschöpft, definitive Formulierung gefunden, alles weitere war Exegese." (Gottfried Benn: Nietzsche - nach 50 Jahren. In: Sämtliche Werke. Hrsg. von Gerhard Schuster. Stuttgart: Klett-Cotta 1991, S. 198-208, hier S. 198)

[51] Vgl. Harbers 1984, S. 58-65. Seit den achtziger Jahren sind kaum neue Einsichten in den Vordergrund getreten.

[52] Nietzsche 1988, Bd. 1, S. 24

[53] Werner 1972, S. 69

[54] Nietzsche 1988, Bd. 6, S. 27

[55] Nietzsche 1988, Bd. 13, S. 87

[56] Der Begriff décadence hat er dabei nicht von Bourget übernommen, wie manchmal angenommen wird. Kaufmann (1988) zeigt, daß Nietzsche schon, bevor er die Schriften Bourgets kannte, den Begriff benutzt hat. So schreibt Nietzsche bereits 1876-1877 über Cervantes, er gehöre "in die Decadence der spanischen Cultur, er ist ein nationales Unglück." (Nietzsche 1988, Bd. 8, S. 454) Mit Recht folgert Kaufmann: "Bourgets Kapitel Théorie de la décadence führt keine Wendung zu etwas völlig Neuem in Nietzsches Denken herbei, sondern verstärkt nur ein zuvor schon präsentes Motiv. Man wird verallgemeinernd sagen dürfen, daß es sich mit Nietzsches `Anleihen' in der Regel so verhält." (Kaufmann 1988, S. 85, Anm. 1)

[57] Vgl. Harbers 1984, S. 71

[58] Nietzsche 1988, Bd. 1, S. 880f

[59] Ebenda

[60] Ebenda, S. 883

[61] Nietzsche 1988, Bd. 13, S. 319

[62] An Ewers schreibt Mann im Jahre 1901: "Für mich gibt es nur eine ernste Sache: die Kunst; der Rest ist verächtlich. Wer nicht der Kunst gehört und ihr dient, ist ein Bürger, d.h. ein corpus vile und nur dazu da, um literarisch bloßgestellt zu werden. Mit dieser Art von Superiorität behandle Deine Leute!" (EW 285)

[63] Nietzsche 1988, Bd. 13, S. 317

[64] Ebenda, S. 319

[65] Scherer 1988, S. 184

[66] Ebenda, S. 188

[67] Nietzsche 1988, Bd. 6, S. 160

[68] Nietzsche 1988, Bd. 3, S. 570

[69] Nietzsche 1988, Bd. 6, S. 313

[70] Werner 1972, S. 188

[71] Vgl. ebenda, S. 238

[72] Harbers 1984, S. 120

[73] Vgl. ebenda, S. 301f

[74] Nietzsche 1988, Bd. 3, S. 570

[75] Vgl. Harbers 1984, S. 120f

[76] Nietzsche 1988, Bd. 3, S. 264

[77] Vgl. Henk Harbers: Ironie. Ambivalenz. Liebe. Zur Bedeutung von Geist und Leben im Werk Heinrich Manns. (1984)

[78] Vgl. Harbers 1984, S. 79

[79] Vgl. Nietzsche 1988, Bd. 3, S. 265

[80] Vgl. Werner 1972, S. 28-41; vgl. König 1972, S. 10

[81] Vgl. Harbers 1984, S. 231-248

[82] Dieser Brief wurde zum ersten Mal von David Roberts in dessen Studie Artistic Consciousness and Political Conscience. The Novels of Heinrich Mann 1900-1938. Bern: Lang 1971 veröffentlicht. Als Begleitwort zu diesem "unpublished letter of Heinrich Mann" schreibt Roberts: "This letter of Heinrich Mann was made available to me by Mr. Paul Hatvani of Melbourne, to whom I am most grateful for his permission to reproduce it here." Es ist anzunehmen, daß die im gleichen Jahr erschienene Ausgabe von Text und Kritik zu Heinrich Mann, in der dieser Brief auch abgedruckt ist, nicht die Erstveröffentlichung dieses Dokumentes enthält. Um so merkwürdiger, daß anerkannte Heinrich-Mann-Forscher wie Jürgen Haupt und Willi Jasper in ihren Studien (Haupt: Heinrich Mann. Stuttgart: Metzler 1980, S. 5; Jasper: Der Bruder Heinrich Mann. Eine Biographie. Frankfurt am Main: Fischer 1994, S. 356f) die Erwähnung bei Roberts übersehen; das Werk wird ihnen doch wohl zugänglich gewesen sein. Während Haupt sich jedoch auf Text und Kritik stützt und dieses Werk in seiner Literaturliste aufnimmt, nennt auch Jasper die von Heinz Ludwig Arnold herausgegebene Zeitschrift, überdies Haupts Studie. Roberts wird bei Jasper gar nicht beachtet.

[83] Zit. nach Roberts 1971, S. 252

[84] Vgl. u.a. Oellers 1981, S. 29 und Loose 1979, S. 215

[85] Zit. nach Banuls 1973, S. 212

[86] Dieser Begriff des Traumes erinnert an den Essay Geist und Tat aus dem Jahre 1910, in dem vom "Vernunfttraum" (GT 12, 14) des Dichters Rousseau gesprochen wird. Auf den Essay und die Bedeutung des Traumes wird an anderer Stelle noch eingegangen.

[87] Vgl. Anmerkung 86

[88] Harbers 1984, S. 240

[89] Vgl. Werner 1972, S. 54

[90] Autobiographische Bezüge sind hier leicht zu erkennen. Auch zwischen Heinrich Mann und seinem Vater kam es zu einem Konflikt: während Mann sich der Kunst widmen wollte, bestand der Vater darauf, daß der Sohn eine kaufmännische Ausbildung bekommen würde.

[91] Der Ich-Erzähler erinnert sich an "den sinnenden Knaben von damals, mit den halblangen Haaren, den weichen, etwas mädchenhaften Bewegungen [...]" (W 8)

[92] Wiederum werden wir an Rousseau erinnert, der sich in dem Essay Geist und Tat nur am Leben erhalten kann durch die Leidenschaft und die Liebe zu seinem Ideal, das er in seinen Romanen gestaltet. Vgl. auch Anmerkung 86.

[93] Oellers 1981, S. 30

[94] Vgl. auch die Gedichte, die Mann mit der Novelle Das Wunderbare verbunden hat. (EW 373ff)

[95] Werner 1972, S. 41

[96] Vgl. Oellers 1981, S. 31

[97] Vgl. Werner 1972, S. 41

Ende der Leseprobe aus 111 Seiten

Details

Titel
Das Ideal des Geistes und seine Erfüllung - Zur Todesthematik im Werke Heinrich Manns
Hochschule
Rijksuniversiteit Groningen  (Fachgruppe Germanistik)
Note
9 (cum laude)
Autor
Jahr
1997
Seiten
111
Katalognummer
V39257
ISBN (eBook)
9783638380782
ISBN (Buch)
9783638778879
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nach dem niederländischen Notensystem ist die beste Note 10, die schlechteste 1.
Schlagworte
Ideal, Geistes, Erfüllung, Todesthematik, Werke, Heinrich, Manns
Arbeit zitieren
Robert Haak (Autor), 1997, Das Ideal des Geistes und seine Erfüllung - Zur Todesthematik im Werke Heinrich Manns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39257

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Ideal des Geistes und seine Erfüllung - Zur Todesthematik im Werke Heinrich Manns


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden