Darstellung und Kritik der Waldorfschule


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Gründer der Waldorfschule: Rudolf Steiner

3. Die geistigen Grundlagen der Waldorfpädagogik
3.1. Was ist Anthroposophie?
3.2. Goetheanismus
3.3. Die Entwicklungslehre Steiners

4. Die Struktur, Ordnung und die Besonderheiten der Waldorfschule
4.1. Die praktische Umsetzung der Waldorfpädagogik
4.1.1. Das Klassenlehrerprinzip
4.1.2. Die Temperamentserziehung
4.1.3.. Das Zeugnis an einer Waldorfschule
4.1.4. Das genetische, organische und rhythmische Lehrgefüge
4.1.5. Praktika und Projekte
4.2. Die Organisation und Verwaltung der Schule

5. Kritik an der Waldorfschule

6. Schlusswort: Ist die Waldorfschule eine gute reformpädagogische Alternative?

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Damit ist eine der Forderungen gekennzeichnet, die heute bei Begründung einer solchen Anstalt in Betracht kommen, wie die Waldorfschule eine sein soll. In ihrem pädagogischen und methodischen Geiste muss Idealismus wirken; aber ein Idealismus, der die Macht hat, in dem aufwachsenden Menschen die Kräfte und Fähigkeiten zu erwecken, die er im weiteren Lebensverlauf braucht, um für die gegenwärtige Menschengemeinschaft Arbeitstüchtigkeit und für sich einen unterstützenden Lebenshalt zu haben“ (Steiner 2002, S.53)

Diese Worte formulierte Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfschule, 1919, in dem Jahr, in dem die erste Waldorfschule in Stuttgart gegründet wurde. Im Jahr 2002 gab es in der BRD bereits 172 Waldorfschulen (vgl. Ullrich 2002, S.142), damit ist sie hier in der Gruppe der allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft nach den katholischen und evangelischen Schulen am dritthäufigsten vertreten (vgl. Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen 1999,S.153).

Die Waldorfpädagogik scheint einen großen Anklang zu finden, wenn man diese Zahlen betrachtet. Andererseits wird sie auch stark diskutiert, kritisiert bzw. abgelehnt.

Obwohl sie relativ weit verbreitet ist, haben meiner Ansicht nach viele Menschen, die nicht direkt mit ihr in Berührung gekommen sind, ein unzureichendes bzw. gar kein Bild von der dort angewandten Pädagogik und den Besonderheiten des Schulalltags.

Es geht mir in dieser Arbeit hauptsächlich um eine Darstellung der Entstehungsgeschichte, der Prinzipien und Besonderheiten der Waldorfschule. Zu diesem Zweck möchte ich zunächst

auf die geistigen Grundlagen und den Gründer dieser Schule eingehen, d.h. ich werde die Geisteshaltungen und den Lebenslauf Rudolf Steiners erläutern. Anschließend werde ich mich mit der Waldorfschule selbst befassen und auf einzelne Prinzipien eingehen.

Im Anschluss daran möchte ich mich in der gebotenen Kürze mit der Kritik an der Waldorfschule auseinandersetzen. Diese Kritikpunkte zu diskutieren, würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Aus diesem Grund werde ich mich mit diesem Thema nur kurz beschäftigen und es dem Leser/der Leserin überlassen, seine/ihre eigene Meinung zu dieser Kritik bzw. zur Waldorfpädagogik im Allgemeinen zu bilden.

2. Der Gründer der Waldorfschule: Rudolf Steiner

Rudolf Josef Lorenz Steiner wird 1861 in Kraljevic (Kroatien) als Sohn eines Bahnbediensteten in bescheidenen Verhältnissen geboren. Er besucht die Realschule in Wien, außerdem, nach erfolgreichem Bestehen der Matura, die Technische Hochschule mit den Fächern Mathematik, Naturgeschichte, Chemie und dem Ziel, Realschullehrer zu werden (vgl. Ullrich 2003, S.62). Nebenbei hört er Vorlesungen in Philosophie, u.a. bei Robert Zimmermann, einem Vertreter der Philosophie von Johann Friedrich Herbart. Bei ihm hört Steiner auch erstmals den Begriff der Anthroposophie, welcher „Weisheit vom Menschen“ bedeutet und eine Verbindung zwischen Anthropologie und Theosophie darstellt (vgl. Brügge 1988, S.9/10).

Er schließt sein Studium an der Technischen Hochschule allerdings nicht ab und arbeitet von 1884 bis 1890 als Hauslehrer und Erzieher. Einer seiner wichtigsten Lehrer ist der Germanist Julius Schröer, auf dessen Empfehlung er von 1890 bis 1897 als freier Mitarbeiter am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar arbeitet. Er beschäftigt sich viel mit Goethe und aus dieser Beschäftigung heraus entsteht auch die Schrift, mit der er 1891 zum Doktor der Philosophie promoviert. Im Jahr 1984 erscheint Steiners philosophisches Hauptwerk „Die Philosophie der Freiheit“ (vgl. Ullrich 2003, S.62).

Ein ebenfalls wichtiger Lehrer Steiners ist der Kräutersammler und Naturheiler Felix Koguzki: „Man erfährt nichts Näheres über die Geheimnisse, eben nur, dass er hier auf einen naturweisen und unverbildeten Mann getroffen ist, der ihn ernst nimmt und in seiner eigenen Geistesseherschaft bestärkt“ (Prange 1983, S.44). Felix Koguzki ist allerdings nur „der Vorbote einer anderen Gestalt, durch die Steiner gewissermaßen einen Grundkurs der Geheimwissenschaft vermittelt erhält“ (Prange 1983, S.44). Diese Gestalt wird von Steiner allerdings an keiner Stelle namentlich erwähnt (vgl. Prange 1983; S.44).

1897 zieht Steiner mit seiner ersten Ehefrau und deren Kindern von Weimar nach Berlin, wo er zunächst einige Zeit arbeitslos ist, dann aber eine Stelle als Generalsekretär der theosophischen Gesellschaft annimmt und außerdem „als Mitherausgeber und Redakteur des Magazins für Literatur, als Lehrbeauftragter für Geschichte an der marxistisch ausgerichteten Arbeiterbildungsschule (bis 1905) und als Lehrkraft an einer Fortbildungsschule für Mädchen sowie als Vortagsredner“ (Ullrich 2003, S.62) arbeitet. Im Herbst 1900 nimmt Steiner an Vorträgen der Theosophischen Bibliothek teil, er lernt hier seine spätere Ehefrau Maria von Sivers kennen und findet zudem seine Wirkungsstätte, indem er als Generalsekretär Vorträge hält und Reisen unternimmt (vgl. Ullrich 2003, S.63).

1912 trennt sich Steiner aufgrund eines Streits über Christus von der theosophischen Gesellschaft und gründet mit einer Anhängerschaft, die sich ebenfalls von der theosophischen Gesellschaft getrennt hat, die Anthroposophische Gesellschaft (vgl. Brügge 1988, S.14 und Ullrich 2003, S.63). In Dornach bei Basel entsteht ein Zentrum der anthroposophischen Gesellschaft, das Goetheanum. Hier gründet er auch mit der Ärztin Ita Wegmann eine neue ganzheitliche Art der Medizin und entwickelt mit Sozialarbeitern neue Regeln für den Umgang mit Behinderten (vgl. Brügge 1988, S.15).

Am 7. September 1919 eröffnet Steiner in Stuttgart für 191 Arbeiterkinder der Waldorf- Astoria Zigarrenfabrik und 65 Kinder aus bürgerlich- anthroposophischen Elternhäusern die erste Freie Waldorfschule (vgl. Ullrich 2003, S.63). Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner an einer damals geheimgehaltenen Krankheit, von der seine Ehefrau später aber sagt, es sei Magenkrebs gewesen (vgl. Brügge 1988, S.16).

3.Die geistigen Grundlagen der Waldorfpädagogik

3.1. Was ist Anthroposophie?

„Denn der Mensch ist ein Gedankenwesen. Und er kann seinen Erkenntnispfad nur

finden, wenn er vom Denken ausgeht. Wird seinem Verstand ein Bild der höheren Welten gegeben, so ist dies für ihn nicht unfruchtbar, auch wenn es vorläufig gleichsam nur eine Erzählung von höheren Tatsachen ist, in die er durch eigene Anschauungen noch keinen Einblick hat. Denn die Gedanken, die ihm gegeben werden, stellen selbst eine Kraft dar, welche in seiner Gedankenwelt weiter wirkt“ (Steiner 1985, S.29).

Anthroposophie stellt eine Verbindung zwischen der Theosophie (mystische Lehre von der Wiedervereinigung des Menschen mit Gott) und der Anthropologie (Forschung über den Menschen) dar und bedeutet „Weisheit vom Menschen“ (vgl. Brügge 1988, S.10).

Ich möchte nun 2 Grundgesetze der Anthroposophie erläutern, und zwar das der Reinkarnation und das von der Entsprechung von Makrokosmos und Mikrokosmos.

Das Gesetz der Reinkarnation bezieht sich auf die Welt und auf den Menschen. Es besagt, dass das Weltall und der Mensch aus dem all- einen geistigen Urgrund hervor gehen, „sie reinkarnieren sich in sieben planetarischen Weltaltern bzw. in zahllosen Lebensläufen und erheben sich wieder zurück zur rein geistigen Existenz.[...] In der nächsten Reinkarnation erfährt die Seele dann- [...] – durch das Karma, d.h. die Schicksalsverkettung, Lohn und Strafe für die Gedanken und Taten des vorrangegangenen Lebenslaufs“ (Ullrich 2003, S.65).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Darstellung und Kritik der Waldorfschule
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Schulpädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V39258
ISBN (eBook)
9783638380799
ISBN (Buch)
9783638755900
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt die grundlegende Struktur und Ordnung der Waldorfschule, ihre anthroposophischen Grundlagen, außerdem setzt sie sich mit der Kritik an der Waldorfschule auseinander.
Schlagworte
Darstellung, Kritik, Waldorfschule, Einführung, Schulpädagogik
Arbeit zitieren
Sarah Kleefuß (Autor), 2004, Darstellung und Kritik der Waldorfschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39258

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