Kommunikation nach Schulz von Thun und Virginia Satir. Die systemische Betrachtungsweise


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Systemtheorie
1.1. Definition System
1.2. Entstehungsgeschichte
1.3. Die Systemische Sichtweise

2. Kommunikation
2.1. Definition Kommunikation
2.2. Paul Watzlawick
2.3. Schulz von Thun
2.3.1. Die vier Seiten einer Nachricht
2.3.2. Die vier Ohren bei einer Nachricht
2.4. Virginia Satir
2.4.1. Selbstwert
2.4.2. Kommunikation nach Virginia Satir
2.4.3. Kommunikationsmuster nach Virginia Satir
2.4.3.1. Beschwichtigen
2.4.3.2. Anklagen
2.4.3.3. Rationalisieren
2.4.3.4. Ablenken
2.4.3.5. Kongruenz

3. Schlusswort

Literatur

1. Systemtheorie

1.1. Definition System

Unter dem Begriff System versteht man ein Gefüge oder ein einheitlich geordnetes Ganzes. Es besteht aus einer Menge von Elementen, zwischen denen bestimmte Beziehungen herrschen oder die nach bestimmten Regeln verwendet werden. "System" wird somit definiert als Gefüge von interagierenden und interdependenten Elementen. Das "System" wird durch eine Grenze von seiner Umwelt unterschieden.

In Systemen bilden sich Regeln aus, die explizit oder implizit sein können. Explizite Regeln sind im System bekannt und können daher ausgesprochen und auch diskutiert werden. Implizite Regeln dagegen wirken, ohne den Mitgliedern bewußt zu sein; sie geben sich oft erst durch ihre Überschreitung zu erkennen.

Systeme teilen sich in Subsysteme auf und sind selbst Mitglieder in größeren Systemen. Zwischen verschiedenen Systemen herrscht Interaktion, und ihre Abgrenzungen zu anderen Systemen sind oft nicht deutlich zu erkennen. Jeder Mensch ist, in verschiedenen Kontexten, Mitglied verschiedener Systeme. Zwischen all diesem bildet sich ein ähnlich verflochtenes Netzwerk wie bei der zirkulären Kausalität

1.2. Entstehungsgeschichte

Die Wurzeln des systemischen Ansatzes liegen in der frühen Geschichte der Psychotherapie. Während die Psychotherapie in den ersten Jahrzehnte vornehmlich von der Einzel- und Gruppentherapie dominierte wurde, rückte durch die Focusierung auf die Kindheit auch die Familie immer weiter in den Blickpunkt des Interesses.

Das wissenschaftliche Interesse an der so genannten Familientherapie stieg schnell an und es bildeten sich weitgehend unabhängig voneinander forschende Gruppierungen, die bekannt sind zum einem als die „Palo Alto“ Gruppe in den USA, zu deren bedeutendsten Mitgliedern Virginia Satir und Paul Watzlawick gehören, zum anderen das „Mailänder Team“ und die „Heidelberger“.

1.3. Die Systemische Sichtweise

Die Systemische Sichtweise – dem Grundsatz des Systems folgend – orientiert sich demnach also nicht nach dem Individuum allein, sondern versucht das System, in welches das Individuum nun eingebunden ist, zu erfassen . „Zentral ist, daß es um die Betrachtung der Beziehungen zwischen und nicht der Natur von Phänomenen geht.“[1] Die Annahme ist, dass alle einzelnen Elemente eines Lebensbereichs, dem ein Mensch angehört, zueinander in einer wechselseitigen Beziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen.

Die Aufmerksamkeit ist beim Klienten also auch auf das Herkunftssystem gerichtet, dazu gehört nun nicht nur dessen Familie, auch sein Arbeitsplatz (Schule, Klasse) und der Freundeskreis, sein Lebenskontext und die darin vorhandenen Bedingungen und Wechselwirkungen. Das Individuum wird nicht separat betrachtet, sondern als Teil eines Systems, das wiederum Teil einer Vielzahl weiterer Systeme ist. Veränderungen in den familiären und sozialen Beziehungen haben dementsprechend auch Konsequenzen auf das Erleben und Verhalten des Individuums. Analog ziehen Veränderungen im Verhalten und Handeln des Individuums auch Veränderungen des Systems nach sich. Erleben und Verhalten können also nicht isoliert als individueller Akt betrachtet werden, sondern können somit nur im Kontext der Verflochtenheit des Individuums mit seiner umgebenden Umwelt verstanden werden.

Ein weiterer zentraler Aspekt der Systemischen Sichtweise ist der Konstruktivismus. Die zentrale Aussage des Konstruktivismus besagt, dass jedes Individuum seine Welt selbst konstruiert, so dass jede Form von Objektivismus nicht möglich ist. So nimmt jedes Lebewesen seine Umwelt entsprechend seiner eigenen Struktur wahr, indem es diejenigen Informationen der Umwelt entnimmt, die zu seiner Struktur passen und die Aufrechterhaltung seiner Selbstorganisation gewährleistet.[2] Das Individuum nimmt also nicht nur ein Abbild wahr, es organisiert und konstruiert gleichermaßen seine Umwelt seiner inneren Struktur folgend.

Dies stellt sowohl Bedingung wie Voraussetzung dafür, dass viele Personen dieselbe Situation grundsätzlich verschieden interpretieren. Dabei spielen Vorfahrungen eine Rolle, die wiederum Einfluss auf unser Allgemeinwissen und unsere Lebensscripte haben, des weiteren ist die Interpretation von Situationen abhängig von aktuellen Bedürfnissen, sowie relativ stabiler Normen und Werte.

2. Kommunikation

2.1. Definition Kommunikation

Unter Kommunikation [lat: communicare = sich mitteilen ] wird in der Technik, der Psychologie und der Biologie die Übertragung von Information von einem Sender zu einem Empfänger, und ggf. zurück, verstanden. Kommunikation ist ein wechselseitiger Austausch von Gedanken, Meinungen, Wissen, Erfahrungen und Gefühlen, sowie die Übertragung von Nachrichten und Informationen. Sie ist in unserem Leben von zentraler Bedeutung, denn sie ist eine notwendige Voraussetzung für jede Aktivität.

2.2. Paul Watzlawick

So kommt auch Watzlawick (1969) zu dem Schluss, dass jede Form des Handelns und Verhaltens von Menschen unter- und miteinander als Kommunikation zu betrachten ist. Jedes Verhalten anderen gegenüber hat demnach Mitteilungscharakter, da jedwedes Verhalten Einfluss auf Denken und Verhalten des anderen hat. Entsprechend ist auch (An-)Schweigen eine Form von Kommunikation, da dieses Verhalten bestimmten Mitteilungscharakter beinhaltet. Obwohl kein einziges Wort ausgetauscht wird, gibt es einen Sender, der Informationen gibt und einen Empfänger, der diese empfängt und interpretiert und daran seine Reaktion orientiert. Da man keine Möglichkeit hat, sich im zwischenmenschlichen Kontext nicht in irgendeiner Form zu verhalten und da jedes Verhalten auch Mitteilungscharakter hat, formuliert Watzlawick (1969) sein erstes Axiom wie folgt:

„Man kann nicht nicht kommunizieren“

So ist notwendige Voraussetzung für jede gelungene Kommunikation Aufmerksamkeit, indem aktiv und offen auf den Gesprächspartner eingegangen wird, indem man bereit ist, sich auf den anderen einzulassen und diesem auch Interesse an diesem zeigt.

2.3. Schulz von Thun

Dass es sich bei Kommunikation um einen extrem komplizierten und auch verworrenen Akt handelt, dem es oft an Transparenz mangelt und welches auch sehr schnell Missverständnisse nach sich zieht, zeigt das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun (1997).

Grundlegend sei dargestellt, dass es bei der Kommunikation immer Sender und Empfänger gibt. Dies können zwei oder mehrere verschiedene Personen oder auch nur eine Person sein. In dem Fall, sei ein Beispiel angeführt:

Wenn man sich schlecht fühlt, beispielsweise ein viralen Infekt oder schlicht eine Erkältung hat, sendet der Körper Nachrichten über seinen Zustand an das Gehirn, mit dem Appell, den Körper zu schonen – und führt damit Kommunikation mit sich selbst.

Wenn nun bei einer Kommunikation mindestens zwei Personen beteiligt sind, läuft Kommunikation wie folgt:

Zu Beginn einer Kommunikation wird von einem Sender eine Nachricht einem Empfänger zugesandt. Diese Nachricht ist auf eine gewisse Weise codiert, anhand von Sprache, Betonung, Körperhaltung und Gesichtsausdruck. Der Empfänger sucht anschließend eine Auslegung für Schweigen oder uninteressierte Körperhaltung.

Die entsendeten Informationen können verschiedene Botschaften enthalten, die empfangenen Daten können wiederum verschieden interpretiert und bewertet werden.

2.3.1. Die vier Seiten einer Nachricht

Im Folgenden werden die vier Seiten einer Nachricht anhand eines alltäglichen häuslichen Beispiels angeführt. Dies lässt sich grafisch wie folgt skizzieren[3]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Sachinhalt:
- Jede Nachricht enthält eine Sachnachricht, in der es um reine Informationen ohne wertenden Beiklang geht. Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus meinem Alltag:

Meine Freundin: „Es ist noch nicht gespült worden.“

[...]


[1] Satir, (1994), S. 22

[2] Legewie, Ehlers (1994), S.23

[3] Schulz von Thun (1997), S. 14

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kommunikation nach Schulz von Thun und Virginia Satir. Die systemische Betrachtungsweise
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Allgemein Pädagogik)
Veranstaltung
Systemische Beratungskompetenzen
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V39282
ISBN (eBook)
9783638380942
ISBN (Buch)
9783656073857
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit gibt Einblick in systemische Beratung, die von Lehrern und Erziehern in Elterngesprächen angewandt werden kann. Es werden Grundlagen zur Systemtheorie, sowie zu den Kommunikationsmodellen von Schulz von Thun und Virginia Satir gegeben.
Schlagworte
Kommunikation, Schulz, Thun, Virginia, Satir, Sichtweise, Systemische, Beratungskompetenzen
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagoge Kai Strepp (Autor), 2004, Kommunikation nach Schulz von Thun und Virginia Satir. Die systemische Betrachtungsweise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39282

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