Lampenfieber. Ursachen und Bewältigungsstrategien für Bewertungs-Angst


Seminararbeit, 2005

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Lampenfieber als Angst vor Bewertung
2. Bewertungsangst und ihr Auftreten
3. Worin (Bewertungs-)Angst erkennbar wird
3.1 Formen der Angst
3.2 Komponenten
3.2.1 Physiologie
3.2.2 Emotion
3.2.3 Kognition
3.2.4 Verhalten
3.3 Symptome
4. Wie (Bewertungs-)Angst entsteht
4.1 Bedeutungen von Bewertungssituationen
4.2 Erfahrungen und Erwartungen
5. Mit dem Lampenfieber umgehen
5.1 Aufgeregtheit kontrollieren
5.2 Vorstellungen überdenken
5.3 Positive Aspekte der Angst erkennen
5.4 Verhalten anpassen und ändern
6. Mögliche Strategien zur Bewältigung von…
6.1 …Prüfungssituationen
6.2 …Vorträgen
6.3 …Vorstellungsgesprächen
6.4 Was man vermeiden sollte

Schlussbemerkungen

I. Einleitung

Sicheres Auftreten und überzeugendes Reden hat in unserer Gesellschaft „die Bedeutung einer Schlüsselqualifikation“ (Sonntag 2003, 12). Doch gerade weil einem öffentlichen Auftreten eine derartige hohe Bedeutung zugesprochen wird, verspüren viele Menschen eine regelrechte Angst vor solchen Auftritten. Das so genannte „Lampenfieber ist eine besondere Form der Angst“ (Holzheu 2000, 34).

Das Phänomen des Lampenfiebers betrifft nicht nur Personen im Rampenlicht, wie Pressesprecher, Schauspieler oder Musiker. Auch im privaten Umfeld, etwa bei einem Geburtstag oder einer Hochzeit, schrecken viele Menschen davor zurück, eine Rede zu halten; ihr Lampenfieber ist einfach zu groß und übermannt sie oft. So tritt Lampenfieber und die damit verbundene Angst etwa bei Bewerbungsgesprächen, bei Ansprachen auf beruflichen und privaten Festen, auf Parties, bei Musikaufführungen oder Examensprüfungen auf. Die Liste der möglichen Angstsituationen ist lang und lässt sich von Jedem auf Grund eigenen Erlebens fortsetzen.

Diese Form der Angst kann sich vor und während der Vortrags- oder Prüfungssituation in verschiedenen Symptomen manifestieren: Dabei sind das Schwitzen, Herzklopfen und der rote Kopf oder Blässe sicherlich die geläufigsten. Doch die Angst vor einem (öffentlichen) Auftreten kann auch unter Umständen die Konzentrationsfähigkeit stören und minimieren, Atembeschwerden auslösen, Schlafstörungen verursachen oder auch Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

Im Extremfall kann eine derartige Störung zu einer Sozialphobie werden, in der die Betroffenen keinen Weg mehr sehen, z.B. mit dem anderen Geschlecht in Berührung zu kommen, und jeglichen Kontakt mit anderen Menschen vermeiden. Um diese Ausprägung soll es aber hier nicht gehen.

Woran kann man Lampenfieber erkennen? Wodurch entsteht diese Angst? Wie kann ihr entgegengewirkt bzw. mit ihr umgegangen werden? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Hausarbeit beantwortet werden. Schließlich werden noch einige praktische Strategien zur Bewältigung und zum sicheren Auftreten skizziert und unterschieden.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Facetten des Lampenfiebers zu ergründen, es in seinen verschiedenen Kontexten zu verstehen, seinen Sinn zu erkennen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man es für sich nutzen kann.

II. Hauptteil

1. Lampenfieber als Angst vor Bewertung

Das Wort „Angst“ lässt sich aus dem lateinischen Begriff „angustiae“ ableiten, was übersetzt so viel bedeutet wie Enge, Not oder Schwierigkeit.

In einer derartigen Schwierigkeit kann sich jemand befinden, der Lampenfieber vor einer Musikaufführung empfindet, Angst vor einem Vortrag oder einer Prüfung hat. Alle beschriebenen Situationen haben ein gemeinsames Merkmal: Es geht immer um (anschließende) Bewertung (Bewertung des Prozesses, Bewertung des Selbsterlebens während des Prozesses, Bewertung des Ergebnisses, Bewertung des Selbsterlebens nach Prozess und Ergebnis). Wurde das Musikstück fehlerfrei gespielt, wurden im Vortrag alle wichtigen Aspekte berücksichtigt, sind die Anforderungen des Prüfers erfüllt worden, hat man also bestanden? Diese Fragen können Musiker, Referierende und Prüflinge gleichermaßen begleiten.

Lampenfieber lässt sich also als eine Angst vor Be- bzw. Abwertung und als Erwartung der Aufwertung beschreiben. Der Betroffene fürchtet sich bereits im Vorfeld eines Bewerbungsgesprächs oder einer Prüfungen davor, schlecht abzuschneiden und so evtl. nicht die gewünschte Position zu bekommen oder die Prüfung nicht zu bestehen (vgl. Sonntag 2003, 14) und/oder ist in aufgeregter Erwartung „zu glänzen“.

Die beschriebene Bewertungsangst kann aber auch in täglichen zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten. So wird der erste Kontakt mit einer Person des anderen Geschlechts ebenfalls zu einer Bewertungssituation (s. Metzig/Schuster 1998, 8). So kommen im Vorfeld eines derartigen Treffens selbstzweifelnde Fragen nach Aussehen, Attraktivität oder sozialer Geschicklichkeit bzw. verbaler Kompetenz auf. Damit verbunden ist dann auch immer die Frage, ob ein Fehlen oder ein Mangel dieser Attribute vielleicht bedeutet, dass der Andere den Kontakt nach dem ersten Treffen abbricht. Ist aber dann erstmal ein gewisses Maß an Vertrauen entstanden, verflüchtigen sich auch diese Ängste (vgl. Metzig/Schuster 1998, 9).

Wie bereits deutlich wurde, entsteht Bewertungsangst immer dann, wenn man sich der (evtl. negativen) Bewertung ausgesetzt fühlt, das heißt wenn ein Anderer oder sogar eine ganze Gruppe über die eigene Leistung urteilt und damit das eigene Befinden beeinflusst bzw. auf das Selbstwertgefühl einwirkt. Es lässt sich also erkennen, dass negative Bewertungen nicht nur auf Grund damit verbundener Nachteile (s.o.) unangenehm sind, sondern auch das Selbstbewusstsein erschüttern und somit einen direkten Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden und Selbstvertrauen haben können:

„Es sind die Nachbarn, die Freunde, die Kollegen und Vorgesetzten, die entscheiden, wie selbstsicher er sich [der Vortragende] fühlen darf“, denn „wird ihm Wertschätzung entzogen, fühlt er sich klein, unsicher und schwach“ (Sonntag 2003, 17).

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Lampenfieber als direkte Bewertungsangst zu verstehen ist. Die mit einer Prüfungs-, Auftritts-, oder Vortragssituationen eng verknüpften Emotionen, Hoffnungen und Erwartungen, können sehr leicht verletzt, im Keim erstickt oder enttäuscht werden. Im (persönlichen) Vordergrund stehen bei einer Bewertungssituation also immer Emotionen. An diesen Emotionen lässt sich anschließend der Erfolg der Rede, Prüfung oder Präsentation messen: „Emotionen sind eine Art Hintergrundmusik des Bewusstseins, die unsere Stimmung prägt und nahezu alle Aspekte unseres Lebens beeinflusst“ (Allman 1996, 121).

2. Bewertungsangst und ihr Auftreten

Wie bereits vorne erwähnt, kann man Angst mit Enge oder Not gleichsetzen: So kennt man beispielsweise das Phänomen, dass einem vor Angst „der Atem stockt“ oder „die Kehle wie zugeschnürt ist“ – wie es im Volksmund heißt. So negativ dieses Phänomen auf den ersten Blick sicherlich erscheinen mag, so ist diese Reaktion unseres Körpers doch biologisch durchaus sinnvoll: Wie andere Ängste auch, insbesondere die Todesangst, löst das Lampenfieber eine Ausschüttung des Hormons Adrenalin aus. Dieses Hormon regt das Herz an, steigert den Blutdruck, setzt Zucker frei, der in der Leber in Form von Glykogen gespeichert ist, und entspannt manche Teile der unwillkürlichen Muskulatur, während es bei anderen eine Anspannung bewirkt. Adrenalin steigert somit die Vitalfunktionen und hilft dabei, höhere Leistungen zu vollbringen. Eine weitere Ausführung der damit verbundenen Symptome des Lampenfiebers findet sich in Kapitel 3.4.

Wann tritt diese facettenreiche Angst auf, die so viele Namen und Erscheinungsformen hat? So ist sie unter anderem als Publikumsangst, Bühnenangst, Angst vor dem Mikrofon, Rede- und Sprechangst, Aufgeregtheit oder Präsentationsangst bekannt. Wie bereits erwähnt ist es möglich, dass sie in nahezu allen sozialen Situationen auftreten kann, in denen es um Beurteilung der eigenen Leistung und Persönlichkeit durch andere Menschen bzw. um Gewinn und Verlust geht. Die möglichen Situationen sind zahllos und können von jedem anders empfunden werden. So kann es etwa schon ein schier unüberwindbares Problem darstellen, einen Raum zu betreten, in dem viele Menschen versammelt sind – ohne dass man dort eine Rede halten muss. Das könnte etwa der Fall bei Parties, Hochzeiten oder geselligen Feiern sein. Ein Anderer könnte Not dabei empfinden, sich bei seiner Arbeit beobachten zu lassen - aus Angst, ein möglicher Fehler würde sofort bemerkt. Außerdem kann es als schwierig empfunden werden, an Workshops, Gruppengesprächen oder Besprechungen im Arbeitsleben teilzunehmen, sie zu moderieren oder gar komplett zu leiten. Als ganz besonders schwierig kann es dabei empfunden werden, vor einem Publikum oder einer Autoritätsperson eine vorbereitete oder gar freie Rede zu halten.

Zur Häufigkeit der Bewertungsangst führen Metzig und Schuster (1998, 12) aus:

„Pollard u. Henderson (1988) interviewten am Telefon je 250 zufällig ausgesuchte Frauen und Männer. Von dieser Stichprobe hatten etwa 22% soziale Angst in dem Sinne, daß sie Kritik in Gruppen fürchteten und entsprechende Begegnungen zu vermeiden suchten. In einer älteren Studie von Zimbardo bezeichneten sich 42% der Amerikaner als schüchtern.

Prüfungsangst ist ebenfalls außerordentlich häufig. Einige Zeit vor der Prüfung geben zwar nur etwa 10% der Kandidaten an, Prüfungsangst zu haben. Fragt man dagegen unmittelbar davor, so sind es mehr als 50% der Kandidaten, die unter recht extremer Prüfungsangst leiden.“

Bewertungsangst und das damit verbundene Lampenfieber stellen also eine sehr verbreitete Angstform dar. Sonntag (2003, 14) geht sogar soweit und stellt fest: „Sprech- und Redeangst ist höchstwahrscheinlich die am meisten verbreitete Angst.“ Diese Aussage ist allerdings nur insoweit vertretbar, wie man festlegt, dass die in jedem Menschen wohnende Todesangst als selbstverständlich und normal angesehen wird, also keiner gesonderten Erwähnung als die am meisten verbreitete Angst bedarf.

Im nun folgenden 3. Kapitel soll geklärt werden, wie Bewertungsangst erkennbar wird.

3. Worin Bewertungsangst erkennbar wird

Formen, Komponenten und Symptome der Bewertungsangst sind die drei Themen dieses Kapitels. Hier soll verdeutlicht werden, welche Angstformen als mögliche Ursache für Lampenfieber anzuführen sind, aus welchen Komponenten sich diese Ängste zusammensetzen können und an welchen konkreten Symptomen diese dann sichtbar werden.

3.1 Formen der Angst

Angst wird in den meisten Fällen als belastend, einschränkend oder sogar bedrohlich empfunden. Diese Erfahrung machen Menschen, die unter Rede- und Sprechangst leiden, wenn es darum geht, einen öffentlichen Vortrag o.ä. zu halten, sich also zu präsentieren. Dabei sind verschiedene Angstformen und Syndrome voneinander zu unterscheiden:

Lebensängste (Verlust steht im Vordergrund)

Unter dem Begriff der Lebensängste versteht man die Angst vor Krankheit und Tod, aber auch ständige Isolierung und die damit verbundene Einsamkeit sind hier Gegenstand. Als Lebensangst kann auch der Verlust der Arbeitsplatzes oder einer andauernden Arbeitslosigkeit verstanden werden.

Leistungsängste (Versagen steht im Vordergrund)

Zu diesem Terminus zählt etwa die Angst davor, Verantwortung zu übernehmen, da das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl als zu schwach empfunden werden. Damit eng verbunden ist die Angst, bei der Erfüllung von Aufgaben und Anforderungen zu versagen. Beide Ängste sind für die Sprechangst insofern von Bedeutung, als das die Betroffenen sich den Situationen, in denen argumentiert, appelliert und überzeugt werden soll, nicht gewachsen fühlen und so eine große Angst gegenüber derartigen Momenten und Anlässen entwickeln. So tun sich betroffene Menschen schwer, ihre Fähigkeiten und Ziele souverän und aus eigener Initiative darzustellen.

Soziale Ängste

Diese Form äußert sich in der Angst, auf (fremde) Personen zuzugehen, einen ersten Kontakt zu diesem aufzubauen bzw. sich in eine Gruppe einzugliedern. Damit verbunden ist die Angst, von Anderen nicht anerkannt und im schlimmsten Fall abgelehnt zu werden. Die Angst vor ausbleibender Anerkennung kann die Folge haben, dass die Betroffenen ihre persönlichen Bedürfnisse verdrängen und die Öffentlichkeit meiden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Lampenfieber. Ursachen und Bewältigungsstrategien für Bewertungs-Angst
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Zentrum für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar "Rhetorik"
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V39293
ISBN (eBook)
9783638381017
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lampenfieber, Proseminar, Rhetorik
Arbeit zitieren
Michael Eble (Autor), 2005, Lampenfieber. Ursachen und Bewältigungsstrategien für Bewertungs-Angst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39293

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