In dieser Hausarbeit möchte ich die Hauptargumentationsstränge der frühchristlichen Apologeten verfolgen, die im Hinblick auf die Verteidigung des Christentums eine vielfältige Religionskritik entwickelten. Besonderes Augenmerk lege ich dabei auf den Apologeten Tertullian, der sich (im Gegensatz zu anderen, die sich hauptsächlich eher auf die positive Darlegung des Christentums beschränken) sehr auf die aktive Kritik an der griechisch-römischen Religion und Gesellschaft verlegt hat.
Inhaltsverzeichnis
I. Was ist Apologetik?
1. Was ist eine Apologie?
2. Wer waren die Apologeten?
3. In welchem historischen Kontext bewegten sich die Apologeten?
II. Kritik der Apologeten an der griechisch-römischen Kultur
1. Götter aus irdischem Material
2. Huldigung der Götter
a. Götterwelt
3. Kannibalismus, Inzest und Kindesmord
4. Die logische Widerlegung des Polytheismus
5. Der Altersbeweis
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hauptargumentationsstränge frühchristlicher Apologeten, insbesondere von Tertullian, und deren spezifische religionskritische Auseinandersetzung mit der griechisch-römischen Religion und Gesellschaft.
- Definition und historischer Kontext der frühchristlichen Apologetik
- Kritik am materialistischen Götterglauben und an Götterbildern
- Analyse der Vorwürfe gegen christliche Rituale und deren Umkehrung
- Logische Dekonstruktion des Polytheismus
- Die Argumentation über das höhere Alter jüdisch-christlicher Schriften als Glaubwürdigkeitsbeweis
Auszug aus dem Buch
1. Was ist eine Apologie?
Der Begriff der Apologie ist zum ersten Mal in den Schriften des Rhetoriklehrers Antiphon von Rhamnus (480 – 411 v.Chr.) belegt, welcher Gerichtsreden für Angeklagte verfasste.1 Die apologetischen Schriften der frühchristlichen Apologeten sollten die Gläubigen jedoch nicht im gerichtlichen Sinne verteidigen (lange Plädoyers waren in den Prozessen im Rahmen der Christenverfolgung verboten). Die christlichen Apologien sollten vermutlich als Ausgleich dafür dienen und wurden – betitelt meist als Brie f, Eingabe etc. – an den Kaiser gesandt und im Kreis der Gemeinde verbreitet. Nach dem Vorbild der Apologie des Sokrates enthielten diese Schriften nicht nur eine Entkräftung der Vorwürfe, sondern nutzten die Gelegenheit, den christlichen Glauben gleichzeitig als plausibel und erstrebenswert darzulegen.
„Ich will dabei nicht nur die Vorwürfe widerlegen, die gegen uns erhoben werden, sondern sie zugleich auf eben diejenigen, die sie erheben, zurückschleudern, damit auch hieraus die Menschen erkennen, dass sich bei den Christen nicht findet, was sich bei ihnen, ohne dass sie es kennen, findet, und damit sie sich zugleich schämen, dass sie, ich sagen nicht: als die Gemeinsten die Edelsten, aber doch schon, wenn sie es so wollen, ihresgleichen anklagen.“2
Zusammenfassung der Kapitel
I. Was ist Apologetik?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Apologie im Kontext des frühen Christentums, identifiziert die Gruppe der Apologeten und beleuchtet deren historisches Umfeld.
II. Kritik der Apologeten an der griechisch-römischen Kultur: Hier werden die zentralen Argumentationslinien gegen den zeitgenössischen Götterglauben, die gesellschaftliche Wahrnehmung christlicher Rituale und philosophische sowie logische Angriffe auf den Polytheismus dargelegt.
III. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Rolle der Apologeten als Wegbereiter des Christentums und reflektiert deren Brückenfunktion zwischen der alten und neuen Religion.
Schlüsselwörter
Apologetik, Frühchristentum, Tertullian, Religionskritik, Griechisch-römische Religion, Polytheismus, Götterbilder, Idolatrie, Christentum, Apologie, Glaubwürdigkeit, Kirchenväter, Antike, Heidentum, Altersbeweis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die religionskritischen Argumente der frühchristlichen Apologeten, die dazu dienten, das Christentum gegenüber der griechisch-römischen Gesellschaft zu verteidigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Kritik an Götterbildern, die Widerlegung des Polytheismus, die Abwehr von Vorwürfen wie Kannibalismus und der Einsatz des sogenannten Altersbeweises.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Hauptargumentationsstränge der Apologeten, insbesondere unter besonderer Berücksichtigung von Tertullian, herauszuarbeiten und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die auf der Auswertung primärer apologetischer Quellentexte und einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Kritik an der heidnischen Kultur, inklusive der Götterwelt, der Verteidigung gegen soziale Vorwürfe und der logischen sowie historischen Argumentation der Apologeten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Apologetik, Frühchristentum, Tertullian, Religionskritik und Polytheismus beschreiben.
Warum spielt das Argument des "Altersbeweises" eine so große Rolle für die Apologeten?
Der Altersbeweis diente dazu, dem Christentum eine höhere Glaubwürdigkeit und Autorität zu verleihen, indem die Schriften der heidnischen Philosophen als jünger und damit weniger fundiert dargestellt wurden als die jüdisch-christliche Überlieferung.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise von Tertullian im Vergleich zu anderen Apologeten?
Im Gegensatz zu anderen Apologeten, die sich oft auf eine positive Darlegung des Christentums konzentrierten, zeichnete sich Tertullian durch eine sehr aktive, mitunter polemische Religionskritik an der griechisch-römischen Gesellschaft aus.
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- Lena Marie Hahn (Author), 2003, Die Religionskritik der frühchristlichen Apologeten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39300