Das vorliegende Buch beruht unter anderem auf Ergebnissen, die im Rahmen des Oberseminars " Die Beredsamkeit des Leibes. Kommunikation und Körperbilder im Mittelalter " im Fachbereich " Ältere deutsche Literatur " der Humboldt-Universität Berlin erarbeitet wurden.
Hierbei interessierten mich besonders die Fragestellungen über die Präsentationsformen des weiblichen Körpers und der Gender-Thematik.
Durch Diskussionen innerhalb des Seminars ergab sich im Besonderen die Frage, ob nicht eine Verbindung von den mittelalterlichen Repräsentationsformen des Körpers und der Geschlechter zu heutigen Ansätzen der Körper / Genderdebatten zu ziehen ist. Insbesondere die Ansätze von Caroline Walker Bynum ( Mittelalter-Bezug) und Judith Butler ( 20. Jh.) scheinen mir diese Möglichkeit -Vergleiche zwischen den Zeiten zu ziehen- besonders deutlich herauszuarbeiten.
Sicherlich wird jede geschichtliche Periode durch unterschiedliche, je zeitspezifische Umstände und Bedingungen bestimmt. Jedoch sind Ähnlichkeiten in der Körper-und Genderdiskussion , die immer wieder aufflammt ( vgl. hierzu auch: D. Kamper 2 / Kunstforum Bd.132 3) nicht von der Hand zu weisen.
Aufgrund meines kulturwissenschaftlichen Interesses, das ja der Gender -Thematik und der " Körper- Diskussion" immanent ist, werde ich zunächst die Beiträge von J. Butler , sowie weiterhin Film und medienspezifische Betrachtungen zur Gender-Problematik als Ausgangspunkt nehmen, um dann mögliche Parallelen zu mittelalterlichen Geschlechterkonstruktionen darzulegen.
Ich hoffe , mein Anliegen, Parallelen in der wiederholt auftauchenden „Körper und Geschlechterdiskussion“ herauszustellen, wird ersichtlich und es wird in der Frage münden :
„ Warum erhält die Körper-Debatte, gerade in Zeiten von Medienumbrüchen, immer wieder eine so zentrale Bedeutung?“
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Das Geschlecht / Gender wird kulturell bedingt konstruiert. ( Trotz vorhandener biologischer Unterschiede.)
2.1. : Geschlechterkonstruktionen im Mittelalter , anhand der Arbeiten von Caroline Walker Bynum.
2.2. : Ausführungen zu dieser Thematik von Judith Butler.
3.) Cross-Dressing-Phänomene :
3.1. : Cross-Dressing Erscheinungen im Mittelalter ( → C.W.Bynum)
3.1.1. : Roman de silence
3.2. : Grenz-verwischungen /-auflösungen /- verschmelzungen im Ansatz von J. Butler.
3.2.1. : Cross-Dressing-Beobachtungen in Filmen ( aus "feministischer Perspektive" )
4.) Die besondere Affinität des weiblichen Körpers zu somatischen Ausdrucksformen.
4.1. : Weiblicher Körper im Mittelalter.
4.2. : Warum tendiert auch noch in " heutiger Zeit" der weibliche Körper verstärkt zu Somatisierungen?
5.) Medienumbrüche . Überlegungen zu der Frage : Warum wird insbesondere bei Medien-umbrüchen / - wechseln stets auf den " Körper " zurückgegriffen ?
6.) Anhang:
6.1.1. : Weiterführende Aspekte zu Punkt 4.2.)
6.1.2. : Lacan, Jaques : " Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion " ( Auszüge )
6.2. : Literatur
6.3.: Bildmaterial
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kulturelle Konstruktion von Geschlecht und Körper im historischen Vergleich zwischen dem Mittelalter und dem 20. Jahrhundert, wobei insbesondere die Rolle von Medienumbrüchen und die somatische Ausdrucksfähigkeit des weiblichen Körpers analysiert werden.
- Kulturelle Konstruktion von Gender im Mittelalter und der Moderne
- Analyse von Cross-Dressing-Phänomenen
- Somatisierungsprozesse und weibliche Körperrepräsentation
- Rolle des Körpers in Medienwechseln
- Vergleichende Perspektiven von C.W. Bynum und Judith Butler
Auszug aus dem Buch
3.1.1.) Roman de Silence
Der mittelalterliche " Roman de Silence" von Heldris von Cornwall( 13.Jahrhundert), wurde zum ersten Mal 1972 von Lewis Thorpe veröffentlicht. Beeinflußt wurde er vom Tristan-Mythos und Alain de Lilles Traktat über Schrift und Gender : "De Planctu Naturae" . Angesprochen werden Themen wie der Konflikt zwischen Wahrheit und Schein, Männlichkeit und Weiblichkeit, höfischer Form und politischer Realität. Zusammengefaßt schildert er folgendes : " Der Roman beginnt damit, daß zwei Grafen Zwillingsschwestern heiraten. Bei dem Streit darum, wem das gesamte Erbe zusteht, verlieren beide Männer das Leben. König Evain von England schwört, daß in seinem Land eine Tochter nie wieder Land von ihrem Vater erben werde, damit in Zukunft solche sinnlosen Streitigkeiten vermieden werden. Einige Jahre später gibt König Evain die einzige Tochter des Grafen von Cornwall , Eufemie, einem Neffen Cador zur Frau. Cador übernimmt nach dem Tod des Grafen das Erbe seiner Frau, wohlwissend, daß der Besitz der Familie nur erhalten bleibt, wenn ein Sohn geboren wird. Das erste und einzige Kind ist eine Tochter , die nun in einem komplizierten Versteckspiel weit ab vom englischen Hof als Junge zum Mann erzogen wird. Das Kind wird auf den Namen Silentius getauft. Im Falle der Entdeckung wäre mit der Ersetzung des -us mit a die wahre Identität wiederhergestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehung der Arbeit aus einem Oberseminar und führt in die Fragestellungen zur Geschlechterthematik und Körperkonstruktion ein.
2.) Das Geschlecht / Gender wird kulturell bedingt konstruiert. ( Trotz vorhandener biologischer Unterschiede.): Dieses Kapitel diskutiert die These, dass Geschlecht ein soziokulturelles Konstrukt ist, gestützt auf die Ansätze von Caroline Walker Bynum und Judith Butler.
3.) Cross-Dressing-Phänomene : Hier wird untersucht, inwiefern Rollenwechsel und Cross-Dressing als Mittel der Identitätsprüfung und Subversion bestehender Geschlechterbilder dienen.
4.) Die besondere Affinität des weiblichen Körpers zu somatischen Ausdrucksformen.: Das Kapitel analysiert, warum weibliche Körper historisch und kulturell verstärkt zu somatischen Reaktionen wie Anorexie oder mystischen Erfahrungen neigen.
5.) Medienumbrüche . Überlegungen zu der Frage : Warum wird insbesondere bei Medien-umbrüchen / - wechseln stets auf den " Körper " zurückgegriffen ?: Hier wird der Frage nachgegangen, warum in Zeiten technologischen Wandels der Körper als Paradigma und Bezugspunkt für Stabilität dient.
6.) Anhang: Der Anhang enthält ergänzende theoretische Aspekte, Literaturverzeichnisse und Bildmaterial zur Veranschaulichung der Thesen.
Schlüsselwörter
Gender, Geschlechterkonstruktion, Körperdebatte, Cross-Dressing, Mittelalter, Judith Butler, Caroline Walker Bynum, Somatisierung, Medienumbruch, Performativität, Identität, Körper-Geist-Konzept, Subjekt, Liminalität, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Konstruktion von Geschlechtern und untersucht, inwieweit Körperbilder sowohl im Mittelalter als auch im 20. Jahrhundert medial und gesellschaftlich geformt werden.
Welche wissenschaftlichen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion von Gender-Identitäten, dem Phänomen des Cross-Dressing, der Verbindung von Körperlichkeit und Religion sowie der Bedeutung des Körpers bei Medienumbrüchen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Parallelen in der wiederkehrenden Körper- und Geschlechterdiskussion herauszuarbeiten und zu hinterfragen, warum der Körper als "natürliche" Konstante in Zeiten des Wandels immer wieder neu definiert wird.
Welche theoretischen Methoden werden angewandt?
Es wird ein kulturwissenschaftlicher Ansatz gewählt, der insbesondere die Theorien von Judith Butler (Performativität) und Caroline Walker Bynum (Mittelalterliche Körperbilder) sowie medientheoretische Konzepte integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Geschlechterkonstruktionen, Analysen von Cross-Dressing-Phänomenen (insb. im Roman de Silence), die Somatisierungstendenzen weiblicher Körper sowie die Rolle des Körpers in medialen Übergangsphasen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gender, Performativität, Körperkonstruktion, Somatisierung, Liminalität, Medienumbruch und die Dekonstruktion "natürlicher" Geschlechtsidentitäten.
Welche Rolle spielt der "Roman de Silence" für die Argumentation?
Der Roman dient als zentrales Beispiel aus dem 13. Jahrhundert, um zu zeigen, dass bereits im Mittelalter mit der Konstruktion von Geschlechterrollen gespielt wurde, wobei jedoch meist eine "natürliche Ordnung" wiederhergestellt wurde.
Warum wird die Somatisierung speziell beim weiblichen Körper diskutiert?
Die Arbeit analysiert, warum Frauen historisch eher dazu tendierten, Krisen körperlich (etwa durch Anorexie oder mystische Praktiken) auszudrücken, und stellt dies in einen soziokulturellen Kontext anstatt in einen rein biologischen.
Welche Rolle spielen moderne Filme wie "The Crying Game"?
Diese Filme werden als moderne Beispiele für Cross-Dressing genutzt, um aufzuzeigen, wie sie mit Identität spielen und ob sie die binäre Geschlechterordnung tatsächlich durchbrechen oder nur parodieren.
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- Britta Kerger (Author), 1997, Die Beredsamkeit des Leibes - Kommunikation und Körperbilder im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39321