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Ritterinnen in der italienischen Renaissanceliteratur. Ariostos Bradamante (Orlando furioso) und Tassos Clorinda (Gerusalemme liberata)

Title: Ritterinnen in der italienischen Renaissanceliteratur. Ariostos Bradamante (Orlando furioso) und Tassos Clorinda (Gerusalemme liberata)

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Claudia Gallé (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Ludovico Ariostos „Orlando furioso“ , der sich nach seiner ersten Drucklegung 1516 stetig wachsender Beliebtheit sowohl bei gelehrtem als auch ungebildetem Publikum erfreute, geriet gegen Ende des 16.Jahrhunderts in das Kreuzfeuer der italienischen Kritik. Einhergehend mit der vermeintlichen Wiederentdeckung der aristotelischen Poetik und dessen Regelkatalog für epische Literatur sank die Wertschätzung einiger Gelehrter für Ariostos Werk. Man warf ihm vor, daß er die aristotelischen Forderungen nach stilistischer und inhaltlicher Einheit, Wahrhaftigkeit der Handlung und sittlicher Höhe des behandelten Themas nicht befolge, der Inhalt seines Werkes wurde als unsittlich bis obszön empfunden und sein Stil als unharmonisch und zerfahren verurteilt. Aufgrund dieser Kritik entbrannte der erste Gelehrtenstreit der neueren Geschichte über die Qualität von Literatur. Unter den damaligen Ariosto-Kritikern befand sich auch der Dichter Torquato Tasso, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, ein italienisches Epos zu schreiben, das den OF durch strenge Befolgung der aristotelischen Regeln übertreffen sollte . Sein Werk „Gerusalemme liberata“ , entstanden um 1570-75 und in authorisierter Form 1581 erschienen, wurde im Kritikerstreit oft als Maßstab zur Einschätzung des ariostoschen Werks verwendet. Mich interessiert mehr als dieser Literaturstreit eine weibliche Figur, die in beiden Werken auftaucht: die Amazone oder Ritterin. Das Motiv der kämpfenden Frau hatte schon in der Antike seinen festen Platz und hat bis in die Gegenwart hinein nichts von seinem Reiz verloren. Ich möchte mich hier mit den zwei bedeutendsten Ritterinnen des cinquecento befassen, mit Ariostos Bradamante und Tassos Clorinda. Wie sind sie dargestellt und welche Behandlung und welches Ende finden sie? Inwiefern spiegeln sie den Zeitgeist ihrer Entstehungsepoche wieder? Um diese Fragen zu beantworten werde ich, nach kurzen Überlegungen zu der Figur der Amazone und Ritterin allgemein, Bradamante und Clorinda analysieren und miteinander vergleichen. Dazu verwende ich vor allem die Veröffentlichungen der Historikerin Christine Reinle und der Romanisten Ulrich Leo, Valeria Finucci und John McLucas.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

VORBEMERKUNG

1. ZU DER FIGUR DER AMAZONE/RITTERIN

2. ARIOSTOS BRADAMANTE

3. TASSOS CLORINDA

4.VERGLEICH BRADAMANTE-CLORINDA

SCHLUSSBEMERKUNG

LITERATUR

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Kriegerfiguren in der italienischen Renaissanceliteratur, konkret am Beispiel von Bradamante in Ariostos "Orlando furioso" und Clorinda in Tassos "Gerusalemme liberata". Dabei wird analysiert, wie diese Figuren den Zeitgeist ihrer Epoche widerspiegeln, welche Rollenbilder sie verkörpern und inwiefern sie sich in gesellschaftliche oder religiöse Strukturen einordnen oder diesen entgegenstellen.

  • Analyse der literarischen Figur der Amazone und Ritterin in der Renaissance
  • Untersuchung der Charakteristika und Handlungsweisen von Bradamante
  • Untersuchung der Charakteristika und Handlungsweisen von Clorinda
  • Vergleichende Analyse der beiden Figuren unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsepochen
  • Reflektion über Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen im 16. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

3. Tassos Clorinda

Tasso beschreibt die Ritterin Clorinda bei ihrem ersten Erscheinen folgendermaßen: Quivi a lui d´improviso una donzella tutta, fuor che la fronte, armata apparse era pagana, e là venuta anch´ella per l´istessa cagion di ristorarse.(GL, 1.47) In diesem knappen Satz wird gleich zu Beginn der Status der Figur mit drei Merkmalen festgelegt. Sie ist Jungfrau (donzella), Ritterin (armata) und Heidin (pagana). Auch die Situation, in der sie sich befindet, deutet ihre weitere Entwicklung an. Das erste Zusammentreffen mit Tancredi an einer Quelle verläuft für sie negativ. Sie sieht in ihm den Feind und macht sich kampfbereit, doch zu einer Auseinandersetzung kommt es nicht, da weitere fränkische Ritter eintreffen und sie zur Flucht gezwungen ist. Diese Niederlage greift auf die anderen Niederlagen vor, die sie als Jungfrau, Ritterin und Heidin erfahren wird.

Für Tancredi hat das Zusammentreffen mit Clorinda eine ganz andere Bedeutung. Da sie ihren Helm abgenommen hat und so ihr langes blondes Haar sichtbar ist, erkennt er sie als Frau und verliebt sich sofort in sie. Das Erscheinen der anderen Ritter ist seine Rettung, denn er ist von seinen Gefühlen so überwältigt, daß er ihre Vorbereitungen zum Angriff gar nicht zu bemerken scheint. So bleibt die flüchtende Clorinda doch in gewisser Weise siegreich, denn in der militärischen Metaphorik des Liebeskampfes hat sie Tancredi, ohne es zu bemerken, bezwungen (Egli mirolla, ed ammirò la bella sembianza , e d´essa si compiacque, e n´arse. Oh meraviglia! Amor, ch´a pena è nato, già grande vola, e già trionfa armato. GL, 1.47). So erfahren beide durch ihr Zusammentreffen eine Niederlage, die den Ausgang ihres späteren Zweikampfes vorwegnimmt, nämlich die militärische Niederlage für Clorinda und den Verlust der geliebten Frau für Tancredi.

Zusammenfassung der Kapitel

VORBEMERKUNG: Dieses Kapitel erläutert den literarischen Kontext des Gelehrtenstreits um Ariostos "Orlando furioso" und Tassos "Gerusalemme liberata" und führt in das Thema der kämpfenden Frau ein.

1. ZU DER FIGUR DER AMAZONE/RITTERIN: Hier werden die theoretischen Grundlagen und Grundcharakteristika definiert, die zur Einordnung der untersuchten Frauenfiguren dienen.

2. ARIOSTOS BRADAMANTE: Dieses Kapitel analysiert die Figur der Bradamante, ihre Rolle als Ritterin und Stammmutter der Familie Este sowie ihre vielschichtige Persönlichkeitsspaltung.

3. TASSOS CLORINDA: Hier wird Clorinda als tragische Figur untersucht, deren Handeln primär militärisch definiert ist und deren Entwicklung durch religiöse Konversion geprägt wird.

4.VERGLEICH BRADAMANTE-CLORINDA: Dieses Kapitel stellt die beiden Figuren gegenüber und beleuchtet, wie sie unterschiedliche historische und ideologische Kontexte ihrer Entstehungszeit widerspiegeln.

SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Figuren als Produkte ihrer jeweiligen Zeit verortet.

LITERATUR: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Renaissance, Ritterin, Amazone, Orlando furioso, Gerusalemme liberata, Bradamante, Clorinda, Geschlechterrollen, Literaturwissenschaft, Epik, Torquato Tasso, Ludovico Ariosto, Weiblichkeit, Kampf, Religion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung kämpfender Frauen, sogenannter Ritterinnen, in den beiden bedeutenden italienischen Epen der Renaissance, dem "Orlando furioso" und der "Gerusalemme liberata".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Untersuchung von Geschlechterrollen, der Einfluss des Zeitgeistes auf literarische Figuren sowie der Vergleich zwischen pragmatisch-diesseitigen und religiös-transzendenten Frauenbildern in der Literatur des 16. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Bradamante und Clorinda zu analysieren, ihre Darstellung, ihr Ende und ihre Funktion innerhalb der Werke zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie den Wandel des Zeitgeistes zwischen Ariost und Tasso repräsentieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sich auf die Primärtexte sowie eine Auswahl relevanter historischer und romanistischer Sekundärliteratur stützt, um die Figuren in ihren Kontext einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Amazonen- und Ritterinnenfigur, eine detaillierte Einzelanalyse von Bradamante und Clorinda sowie einen direkten Vergleich beider Figuren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Renaissance, Ritterin, Amazone, Geschlechterrollen, Epik, sowie die Namen der Werke und Dichter, die den Kern der Untersuchung bilden.

Warum ist Bradamante als "Stammmutter der Este" für die Analyse wichtig?

Diese soziale Rolle zwingt Ariost dazu, ihre Keuschheit und moralische Integrität stets zu wahren, was ihre Darstellung als "braves Töchterlein" und ihre Handlungsspielräume als Ritterin maßgeblich beeinflusst.

Inwiefern unterscheidet sich Clorindas Ende von dem Bradamantes?

Während Bradamante eine positive Entwicklung in ein harmonisches, diesseitiges Leben vollzieht, durchläuft Clorinda eine religiöse Metamorphose, die in ihrem Tod, ihrer Taufe und ihrer Erhöhung zur himmlischen Geliebten gipfelt.

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Details

Title
Ritterinnen in der italienischen Renaissanceliteratur. Ariostos Bradamante (Orlando furioso) und Tassos Clorinda (Gerusalemme liberata)
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für allg. und vergl. Literaturwissenschaft)
Course
Der Rolandstoff in der romanischen und deutschen Dichtung
Grade
1,7
Author
Claudia Gallé (Author)
Publication Year
2000
Pages
24
Catalog Number
V39352
ISBN (eBook)
9783638381420
ISBN (Book)
9783638870719
Language
German
Tags
Ritterinnen Renaissanceliteratur Ariostos Bradamante Tassos Clorinda Rolandstoff Dichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Gallé (Author), 2000, Ritterinnen in der italienischen Renaissanceliteratur. Ariostos Bradamante (Orlando furioso) und Tassos Clorinda (Gerusalemme liberata), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39352
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