Einführung in Leben und Werk Cezannes


Seminararbeit, 2002
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Jugend und Ausbildung

III. Cézanne und der Impressionismus (1872-1877)

IV. Cézannes experimentelle Phase (1877-1895)

V. Spätwerk und erste Anerkennung

VI. Cézanne und der Kubismus

VII. Cézanne und Léger

VIII. Cézanne als Vater der Moderne

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Cézanne war der einflussreichste Künstler des 19. Jahrhunderts, sein Schaffen inspirierte nachhaltig die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts. Seine Wirkung auf die moderne Kunst läßt sich kaum mehr überblicken. Viele der großen Künstler des 20. Jahrhunderts geben Cézanne als ihr Vorbild an, Picasso und Braque sehen ihn sogar als ihren Vater, also als den Vater der Kubisten an. Picasso gab an, er und Braque hätten jeden Quadratzentimeter der Malerei Cézannes sozusagen verschlungen, bis nichts mehr übriggeblieben sei.[1] Cézannes Einfluss blieb nicht auf die Malerei, der in Frankreich lebenden Künstler beschränkt, Klee zum Beispiel äußerte sich in Bezug auf ihn, indem er über ihn behauptete, er wäre “der Lehrmeister par excellence, viel mehr Lehrer als Van Gogh“.[2]

Auch wenn zwischen 1863 und 1895 nur sehr wenige Bilder von Cézanne öffentlich zu sehen waren, wurde er von seinen Künstlerkollegen sehr bewundert. So ernteten seine Bilder, die auf den Impressionistenausstellungen von 1874 und 1877 zu sehen waren zwar nur Gleichgültigkeit und Spott vom breiten Publikum und von der Presse, aber die Bewunderung durch einige zeitgenössische Künstler, wie zum Beispiel die von Pisarro, war ihm dennoch gewiss. Anlässlich der ersten Einzelausstellung Cézannes in der Galerie von Ambroise Vollard 1895 wurde der Künstler zum ersten Mal von der Presse gelobt. Nach dieser Ausstellung äußerte Pisarro, der schon zuvor einen sehr engen Kontakt zu Cézanne pflegte, seine Bewunderung über seine Bilder, indem er gleichzeitig erwähnte, dass seine Begeisterung nichts im Vergleich mit der Renoirs wäre und auch Degas und Monet als Bewunderer Cézannes aufzählte. Jeder der erwähnten Künstler besaß mehrere Bilder von Cézanne. Es ist also kein Wunder, dass sich seine Kunst auf das ganze 20. Jahrhundert ausgewirkt hat. Ab 1900 ist Cézanne in Paris nicht mehr unbekannt, aber den höchsten Bekanntheitsgrad erreicht er erst nach seinem Tod durch eine große Gedächtnisausstellung. Durch diese Ausstellung gelang dem Künstler auch der internationale Durchbruch. Immer öfter setzten danach künstlerische Reaktionen ein, die teilweise aus Deutschland, Rußland, Italien, England oder Amerika kamen.[3] Immer mehr Künstler ließen sich von Cézannes Werk inspirieren, indem sie es weiterentwickelten, oder auch nur verschiedene Bruchteile seiner Ideen wiederverwendeten.

Auch Fernand Léger wurde sehr stark von der Kunst Cézannes geprägt. Vor allem in seinem Frühwerk ist der Einfluss klar zu erkennen, aber selbst in seinen späteren Gemälden kann man die Nachwirkungen von Cézannes Einfluss noch nachvollziehen. In vielen seiner Zitaten erwähnte er seine große Bewunderung für Cézanne und gibt ihn als seinen Lehrmeister an.

In der folgenden Arbeit wird die Vorgehensweise Cézannes, die ihn als Vorläufer der Moderne etablierte, erläutert, indem sein Leben und sein Schaffen unter die Lupe genommen wird. Außerdem wird er mit einigen seiner Künstlerkollegen, vor allem mit Léger verglichen, um dadurch herauszufinden durch welche Elemente sich sein Modernismus von dem der zeitgenössischen Künstler abhebt und wie sich seine Kunst auf die seiner Nachfolger auswirkte und noch bis heute auswirkt.

II. Jugend und Ausbildung

Paul Cézanne wurde am 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence im Süden Frankreichs geboren. Sein Vater war ursprünglich Hutmacher, eröffnete aber 1859 ein Bankhaus, wodurch die Familie ein Außenseiterdasein führte, da der Bankier als “Aufsteiger“ nicht vom gehobenen Bürgertum akzeptiert wurde.

Es ist nicht bekannt, ob Cézanne schon in seiner Kindheit und in seiner Jugend malte. In seiner Schulzeit fiel Paul Cézanne vor allem durch seine sprachliche Begabung auf. Émile Zola, der später zu einem der bedeutendsten französischen Schriftsteller seiner Zeit wurde, ermunterte Cézanne oft, seine Dichtkunst weiter zu bearbeiten, da er fand, dass die Gedichte seines Freundes besser waren, als die eigenen. Als Zola 1858 nach Paris umzog, beschloss Cézanne ihm nach dem Abitur dorthin zu folgen.[4]

Nach seinem Schulabschluss war Cézanne zwar noch nicht entschlossen, Maler zu werden, aber er hatte schon mit der Malerei angefangen. Der Vater wünschte sich allerdings für seinen Sohn eine bürgerliche Karriere und unterstützte ihn nicht weiter in seinem künstlerischen Schaffen. So begann Cézanne nach seinem Abitur erst einmal mit einem Jurastudium in Aix. Er besuchte allerdings nebenbei abends die Kurse der städtischen Zeichenschule. Auf Drängen von Zola reiste Cézanne schlussendlich 1861 nach Paris, wo er regelmäßig die Académie Suisse besuchte. Noch im selben Jahr reiste er, von Selbstzweifeln geplagt, in seine Heimatstadt zurück, wo er in der Bank seines Vaters arbeitete. Als diese Arbeit ihn nicht erfüllen konnte, sah nun auch der Vater ein, dass sein Sohn nur in der Kunst Erfüllung finden konnte und erlaubte ihm sich ganz auf sein künstlerisches Schaffen zu konzentrieren. Er sollte sich allerdings an der École des Beaux Arts in Paris bewerben, um so eine geeignete Ausbildung zu erhalten. Er wurde jedoch abgelehnt und führte seine Arbeit an der Académie Suisse weiter. Dort trafen sich viele Künstler, die wegen ihrer neuerungsbewussten Kunstauffassung von der École des Beaux Arts abgelehnt wurden. Cézanne lernte dort unter anderem die späteren Impressionisten Auguste Renoir, Alfred Sisley und Édouard Manet kennen, mit denen er in seiner impressionistischen Phase auch ausstellte.

Cézanne war nicht besonders enttäuscht von der Ablehnung der Kunsthochschule, da man dort ohnehin das Schönheitsideal Jean Dominique Ingres´ als Maßstab ansah, während er von Eugène Delacroix, Ingres´ Gegner, begeistert war. Er kopierte sechs Werke von Delacroix und zeichnete außerdem zahlreiche Skizzen und Variationen seiner Bilder. Im Gegensatz zu Ingres, der von seinen Schülern eine genaue Umrisszeichnung erwartete, stand für Delacroix nicht zeichnerisches Können an erster Stelle, sondern die Farbe als bildgestaltendes Mittel. An der Académie Suisse wurden außerdem die Werke der Realisten um Gustave Courbet verehrt, welche die Wirklichkeit möglichst unverschönt wiederzugeben versuchten, die im Widerspruch zu den gebildeten, erbaulichen Bildthemen der École des Beaux Arts standen. Um dem Willen seines Vaters nachzukommen versuchte Cézanne allerdings auch in den folgenden Jahren immer wieder an der École des Beaux Arts angenommen zu werden, was ihm jedoch nie gelang. Cézanne wurde gewissermaßen schon durch die Ablehnung der École des Beaux Arts zu einem modernen Künstler. Er fand Kontakt zu Gleichgesinnten und konnte dadurch von Anfang an seinen neuerungsbewussten Stil entwickeln.[5]

Als sein Vater Louis-Auguste Cézanne 1859 den Sommersitz Jas de Bouffan kaufte, erlaubte er seinem Sohn Wandgemälde im Salon zu anzubringen. Er malte Allegorien der vier Jahreszeiten und ein Porträt seines Vaters.

Die Bilder Cézannes der zweiten Hälfte der sechziger Jahre handeln von Dekadenz, Agressivität und Erotik. Er orientierte sich hierbei an Motiven, die er aus dem Louvre oder aus Büchern kannte. Sie stellen vor allem literarische, mythologische oder biblische Szenen dar. Er interpretierte die vorgegebenen Themen allerdings auf eine ganz eigene, dramatische Art und Weise. im Vordergrund stehen Aggression, Brutalität , Sexualität, Verführung, Mord und Entführung. In den meisten Bildern, die in kräftigen, dunklen Farben gehalten sind, sind meist zwei oder drei Personen dargestellt, unter denen eine Frau als Opfer oder als Verführerin hervortritt.[6]

III. Cézanne und der Impressionismus (1872-1877)

Cézanne war sich mit den Impressionisten darüber einig, dass die erlernten Regeln der akademischen Kunst der getreuen Darstellung der Natur widersprachen. Er selbst wollte versuchen “Poussin nach der Natur zu malen“, also die Harmonie und Vollendung der klassischen Meister erreichen, die es fertigbrachten jede im Bild vorhandene Form gegen eine andere abzuwiegen, ohne jedoch ihre wahrheitsfremden akademischen Regeln anzuwenden. In diesem Punkt bewunderte er die Impressionisten, die Meister im Malen der Natur waren. Er übernahm von ihnen auch das Wissen, dass die Schatten meist nicht schwarz, sondern aus einer Vielzahl verschiedener Farbnuancen zusammengesetzt sind. Er schenkte ihren neuen Entdeckungen auf dem Gebiet der Farbgebung und der Modellierung große Beachtung, vermisste allerdings die für ihn so wichtige Komposition, wie sie die alten Meister darzustellen wußten. Er machte sich also zur Aufgabe “nach der Natur zu malen“ und gleichzeitig eine harmonische Komposition zu schaffen.[7]

1872 wurde Cézanne von Pisarro nach Pontoise eingeladen, wo er seinen Stil vollkommen veränderte. Er arbeitete gemeinsam mit Pisarro im Freien und wurde von ihm zu genauen Naturbeobachtungen angehalten. Er wählte hellere Farben und setzte kein Schwarz mehr ein. Von Pisarro übernahm er eine neue Technik des Farbauftrags mit kleinen Pinselstrichen und Farbtupfern. Er setzte kurze, farblich abgestufte Pinselstriche nebeneinander um die Lichtreflexe in der Landschaft einzufangen und so eine möglichst authentische Abbildung des Seherlebnisses zu schaffen. In den folgenden Jahren entwickelte er die von Pisarro erlernte Pinseltechnik zu einer Art Gewebe aus regelmäßigen, rechteckigen Strichen weiter, die seine Malerei noch bis in die 80er Jahre hinein bestimmte. Als Hauptwerk aus Cézannes impressionistischer Phase wird allgemein das Haus des Gehängten von 1873 (Abb.1) angesehen, das eines der wenigen Bilder war, die in der Ausstellung der Société anonyme des artistes, peintres, sculpteurs, graveurs von 1874 verkauft wurde. Hell beleuchtete Flächen wechseln sich in diesem Bild mit schattigen Zonen ab, die Luft wird durch helle Akzente lichterfüllt. Die großen, fast monochromen Flächen, welche die Bildkomposition aus dem Gleichgewicht bringen sind in Cézannes späterem Werk nicht mehr zu finden.[8]

Die Impressionisten waren bemüht in ihren Werken Momentaufnahmen darzustellen, die der zeitgleich entwickelten Fotografie ähnlich waren. Durch ihre Malweise wurden nicht mehr nur einzelne Dinge isoliert und kontinuierlich dargestellt. Sie forderten die Betrachter zu einer ganz neuen Sehgewohnheit auf. Diese Malweise übernahm auch Cézanne und behielt sie auch bei, nachdem er sich von der impressionistischen Malerei abgewendet hatte. Ihm waren die Bilder der Impressionisten nicht ausgeglichen genug, er vermisste die geordnete, vollendete Komposition in ihnen. Sein Wunsch war es, “den Impressionismus in etwas Gefestigteres und Beständigeres zu verwandeln, wie die Kunst der Museen“.[9]

[...]


[1] Gottfried Boehm. In : Cézanne und die Moderne. Hatje Cantz Verlag, Fondation Beyeler. S.103

[2] Boehm, S. 93

[3] Boehm, S.13 f.

[4] Nicola Nonhoff : Paul Cézanne. Leben und Werk. Hrsg. : Peter Delius. Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1999. S. 8 ff.

[5] Nonhoff, S.14 ff.

[6] Nonhoff, S. 24 f

[7] E.H. Gombrich : Die Geschichte der Kunst. 16. Ausgabe. 1996. S. 538

[8] Nonhoff, 38 f

[9] Gombrich, S. 539

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Einführung in Leben und Werk Cezannes
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V39369
ISBN (eBook)
9783638381543
ISBN (Buch)
9783638762519
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Leben, Werk, Cezannes
Arbeit zitieren
Christina di Bartolomeo (Autor), 2002, Einführung in Leben und Werk Cezannes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39369

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