Tagespraktikum im Deutschunterricht: Informationen aus einem Sachtext entnehmen (4. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2003
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse

2. Bedingungsanalyse

3. Didaktische Analyse
3.1 Bezug zum Bildungsplan
3.2 Exemplarische Bedeutung des Themas
3.3 Gegenwartsbedeutung des Themas
3.4 Zukunftsbedeutung des Themas
3.5 Bemerkung zur langfristigen Beschäftigung
3.6 Wesentliche Aspekte des Themas als Unterrichtsgegenstand
3.7 Der Zugang zur Sache wird erleichtert durch die Tatsache, dass...
3.8 Der Zugang zum Text wird erschwert durch die Tatsache, dass...

4. Lernziele
4.1 Gesamtziel
4.2 Teilziele
4.3 Langfristige Lernziele

5. Methodische Analyse

6. Verlaufsplan
Zeit
Lehrerhandeln
Schülerhandeln
Sozialform
Medien

7. Literaturangaben

Wie wurde der Ritter erzogen?

1. Sachanalyse

Texte verschiedenster Art kommen in allen Fächern der Schule zum Einsatz. Der Text ist das grundlegende Medium zur Vermittlung kultureller Tradition und spielt daher in Bildungsprozessen eine entscheidende Rolle.[1] Vor allem im Deutschunterricht spielt das Lesen von Texten eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang stellt sich zunächst einmal die Frage, welche Prozesse beim Umgang mit einem Text ablaufen beziehungsweise was Lesen überhaupt ist.

In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass der Leseprozess „ein Zusammenspiel von datengeleiteter, also die optischen Eindrücke interpretierender, und konzeptgeleiteter, also das Vor- und Kontextwissen nutzender Informationsverarbeitung ist.“[2] Der Leser baut bestimmte Hypothesen und Sinnerwartungen auf, die beim Lesen entweder bestätigt oder widerlegt werden. Wissen, über das der Leser schon verfügt, wird dabei wiedererkannt. Lesen kann somit auch als „Zuweisung von Sinn an einen Text“[3] bezeichnet werden.

Dies macht deutlich, dass der Umgang mit einem Text stets vor dem Hintergrund des individuellen Wissens erfolgt. Dies hat zur Folge, dass Texte individuell unterschiedlich wahrgenommen werden, „derselbe Text bedeutet für unterschiedliche Leser etwas Unterschiedliches.“[4] Dies ist sowohl bei literarischen Texten als auch bei Sachtexten der Fall.

Allerdings gilt dies nicht uneingeschränkt. Einem Text kann nicht ein beliebiger Sinn zugewiesen werden, die gebildeten Hypothesen müssen stets mit dem Text in Einklang gebracht und an ihm überprüft werden. Das individuelle Wissen, das nicht mit dem vorliegenden Text harmoniert, muss verändert beziehungsweise erweitert werden. Lesen ist daher ein aktiver Prozess und könnte auch als „Dialog mit dem Text“[5] bezeichnet werden.

Dieser „Dialog mit dem Text“ kann durch wissenschaftliche Kommunikationsmodelle näher erläutert werden. Schulz von Thun hat auf der Grundlage von Watzlawick und Bühler ein Kommunikationsmodell entwickelt, dass auch auf Texte angewendet werden kann. Demnach enthält jede Kommunikation vier Dimensionen, die der Sender, also in diesem Fall der Autor, auf unterschiedliche Weise realisieren kann:

1. Selbstoffenbarung: In einem Text gibt sich der Autor in gewisser Weise selbst zu erkennen, beispielsweise, indem seine persönliche Meinung zum Ausdruck kommt.
2. Appell: Jeder Text richtet sich an Leser und soll in irgend einer Weise auf diese einwirken, beispielsweise soll er sie beeinflussen oder informieren.
3. Beziehung: Durch den Text definiert der Autor eine Beziehung zum Leser.
4. Sachinhalt: Jeder Text bezieht sich auch auf einen Sachinhalt.[6]

Bei dem entstehenden Dialog zwischen Leser und Text hat der Leser die Aufgabe, den Text zu entschlüsseln. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Sinn des Textes „unter der Oberfläche der Wörter, Sätze und Strukturen“[7] versteckt ist. Dabei ist es natürlich möglich, dass der Text falsch verstanden wird. Dann dekodiert der Leser die Botschaft anders, als sie vom Autor gesendet worden ist.

Je mehr Übung ein Leser hat, desto schneller kann er einen Text entschlüsseln. Dies wird zum einen dadurch bedingt, dass er größere Einheiten verarbeiten kann, zum anderen dadurch dass er aufgrund seiner Erfahrung die unterschiedlichen Textsorten besser kennt und daher „mit gezielteren Sinnerwartungen an einen Text herangehen“[8] kann.

Beim Lesen von Texten müssen bestimmte Leistungen erbracht werden, die bereits beim Anfänger angelegt sind und sich immer weiter entfalten. Dazu gehören:[9]

- Abstraktion: Von der Situationsgebundenheit, die in gesprochener Sprache gegeben ist, soll abgesehen werden.
- Identifikation: Ebenso soll von nicht funktionalen, unwichtigen Details abgesehen werden.
- Diskrimination: Auf feine Nuancen muss geachtet werden, wenn sie eine Funktion haben.
- Selektion: Aus einem Text müssen die für das Verständnis wichtigen Informationen herausgefiltert werden
- Inferenz: Im Text fehlende Informationen müssen ergänzt werden.
- Antizipation: Sinnvorwegnahme.
- Synthese: Es muss erkannt werden, welche Elemente zusammen gehören.
- Analyse: „Komplexe Muster“ müssen „auf ihre Elemente zurückgeführt“[10] und dadurch verständlich gemacht werden.
- Interpretation: Sinngebung.[11]
Wie schon erwähnt, haben Texte in der Schule und vor allem im Deutschunterricht einen hohen Stellenwert. Dabei geht es neben literarischen Texten auch um Sachtexte. Sachtexte haben unterschiedliche Funktionen, sie können
- „Sachverhalte darstellen
- Probleme erörtern
- Meinungen kundgeben
- Menschen beeinflussen“[12]

Beim Umgang mit Texten im Unterricht müssen einige Dinge beachtet werden. Nach der Textaufnahme ist es zunächst einmal wichtig, unbekannte und unverständliche Dinge zu erläutern. Hierzu gehören neben Fremdwörtern auch „Wörter mit unbekannten Konnotationen“ sowie „schwierige syntaktische Konstruktionen“[13]

Als grundlegendes didaktisches Prinzip ist auch das der Anschaulichkeit zu nennen. Abstrakte Sachverhalte sollten durch „Beispiele, Illustrationen und Veranschaulichungen“[14] verständlich gemacht und in den Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler gerückt werden.

Des weiteren spielt die Methodenvielfalt eine wichtige Rolle. Der Umgang mit Texten soll auf vielfältige Weise geübt werden.

Wichtig ist es auch, das Prinzip der selektiven Textbearbeitung zu berücksichtigen. Bei der Auseinandersetzung mit einem Text sollte es nicht immer um Vollständigkeit gehen. Im Gegensatz dazu sollte der Text unter gezielten Fragestellungen untersucht und bearbeitet werden.

Außerdem sollten die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten werden, markante Textstellen wie Überschriften, Untertitel oder Illustrationen zur Erschließung des Textes zu nutzen.

Besondere Schwierigkeiten bereiten den Schülerinnen und Schülern häufig das Unterstreichen oder Markieren wichtiger Textstellen. Dies sollte dazu beitragen, den Text übersichtlicher zu gestalten und daher die Informationsentnahme zu erleichtern. Problematisch ist hierbei, dass häufig zu viel unterstrichen wird, so dass der Text eher unübersichtlich wird oder dass die Schülerinnen und Schüler nur „punktuell und selektiv“[15] lesen. Um dem entgegenzuwirken, sollte vor dem Markieren der gesamte Text mindestens einmal gelesen worden sein.[16]

2. Bedingungsanalyse

Unterricht sollte immer auf die zu unterrichtende Klasse zugeschnitten sein, da jede Klasse andere Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen hat sowie auf Sozialformen, Medien und Methoden unterschiedlich reagiert, je nachdem, über welche Sozial-, Handlungs- und Methodenkompetenz die jeweilige Klasse verfügt. Daher müssen bei der Planung von Unterricht die Lernvoraussetzungen der Klasse Berücksichtigung finden.

Die Klasse 4c der Kuppelnauschule Ravensburg besteht aus 17 Schülerinnen und Schülern, wovon nur vier deutscher Abstammung sind. Der Ausländeranteil in dieser Klasse ist daher sehr hoch. Die Kuppelnauschule im Gesamten hat ebenfalls einen sehr hohen Ausländeranteil und kann als soziale Brennpunktschule bezeichnet werden.

Die Klasse 4c wird als problematisch bezeichnet. Viele der Schülerinnen und Schüler kommen aus gestörten familiären Verhältnissen. Außerdem ist die Klasse sehr leistungsschwach. Nur drei der Schülerinnen und Schüler werden nach der vierten Klasse auf das Gymnasium überwechseln, zwei auf die Realschule. Wenigen guten Schülerinnen und Schüler stehen also sehr viele leistungsschwache gegenüber. Dies betrifft vor allem den Deutschunterricht; daher ist hier eine besondere Förderung von Nöten.

Meinen ersten Eindrücken nach ist die Klasse sehr lebhaft. Dies hat den positiven Effekt, dass ein Großteil der Klasse mündlich gut mitarbeitet. Dennoch gibt es auch einige ruhigere Kinder. Die unterrichtende Lehrkraft sollte besonders darauf achten, dass auch diese eine Chance zur Beteiligung am Unterrichtsverlauf bekommen.

Außerdem sind einige der Schülerinnen und Schüler verhaltensauffällig und könnten im Unterrichtsverlauf störend wirken.

In Bezug auf das Klassenzimmer fällt auf, dass es durch Bilder, Fensterbilder und Plakate ansprechend gestaltet ist. Die Schülerinnen und Schüler sitzen in U-Form, wobei einige Tische innerhalb des „Us“ stehen. Trotz der U-Form kann jeder der Schülerinnen und Schüler problemlos zur Tafel schauen. Einige der Schülerinnen und Schüler sitzen alleine an einem Tisch. Wenn man Partnerarbeit in den Unterrichtsverlauf einplanen möchte, müssten diese sich also umsetzen. Allerdings ist hierbei darauf zu achten, dass bei bestimmten Schülern eine Zusammenarbeit problematisch ist.

[...]


[1] Vgl. Internet: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/lakonkret.

[2] Steinig, Wolfgang, Huneke, Hans-Werner, 2002: Sprachdidaktik Deutsch. Eine Einführung. Berlin: , 168.

[3] Ebd, 169.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Internet: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/lakonkret.

[7] Ebd.

[8] Steinig, Wolfgang, Huneke, Hans-Werner, 2002, 170.

[9] Vgl. Steinig, Wolfgang, Huneke, Hans-Werner, 2002.

[10] Ebd.

[12] Aus: Internet: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/lakonkret.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Vgl.ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Tagespraktikum im Deutschunterricht: Informationen aus einem Sachtext entnehmen (4. Klasse)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V39397
ISBN (eBook)
9783638381741
ISBN (Buch)
9783638952583
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tagespraktikum, Deutschunterricht, Informationen, Sachtext, Klasse)
Arbeit zitieren
Julia Bitzer (Autor), 2003, Tagespraktikum im Deutschunterricht: Informationen aus einem Sachtext entnehmen (4. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39397

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