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Neuere Befunde entwicklungsorientierter Forschungen zur Entwicklung der Delinquenz junger Menschen

Title: Neuere Befunde entwicklungsorientierter Forschungen zur Entwicklung der Delinquenz junger Menschen

Seminar Paper , 2004 , 32 Pages , Grade: 15 Punkte (gut)

Autor:in: Michael Cramer (Author)

Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
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Jugenddelinquenz ist, bei einer ansonsten gesunden Entwicklung des Jugendlichen, ein diskontinuierliches Phänomen, das einen Anpassungsversuch an die Erwachsenenwelt darstellt. Davon muß die persistente Delinquenz unterschieden werden, die in der Regel früher beginnt und mit Störungen des Jugendlichen einhergeht. Es werden zunächst die entwicklungstheoretischen Befunde zur Entwicklung von Aggression referiert, da diese mit jenen für Delinquenz überwiegend identisch sind. Anschließend wird die Entwicklung von Jugenddelinquenz am Modell von Moffit erklärt, der von einem Autonomiestreben Jugendlicher ausgeht, das auf die Diskrepanz zwischen biologischer und psycho-sozialer Reife bei Jugendlichen zurüchgeführt wird. Die Risikofaktoren für Delinquenz werden vorgestellt, wobei auf das Defizit der Verarbeitung sozialer Informationen bei (persistent) delinquenten Jugendlichen besonders eingegangen wird. Auch andere Teilaspekte der Risikofaktoren
werden erörtert. Schließlich werden auch Schutzfaktoren gegen delinquentes Verhalten besprochen. Abschließend wird eine vom Autor im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführte Befragung hessischer Richterinnen und Richter zur geschätzten Häufigkeit von Risikofaktoren für Jugenddelinquenz vorgestellt und die Ergebnisse diskutiert. Dabei zeigen sich Übereinstimmungen zwischen den theoretischen Erörterungen und den Angaben der Befragten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einfuhrung

2 Entwicklung und aggressives Verhalten

3 Entwicklung und Delinquenz

3.1 Jugenddelinquente und persistent Delinquente

3.2 Erklärungsmodell von Moffitt

3.3 Risikofaktoren der Jugenddelinquenz

3.4 Informationsverarbeitungsdefizit

3.5 Ergänzende Aspekte zu den Risikofaktoren

3.5.1 Schulisches Klima und Aggression

3.5.2 Soziale Kompetenz, Substanzgebrauch und Delinquenz

3.5.3 Zu den Motiven jugendlichen Gewaltverhaltens

3.6 Schutzfaktoren gegen Jugenddelinquenz

4 Befragung von Richterinnen und Richtern

4.1 Methode

4.2 Rücklauf

4.3 Ergebnisse

4.4 Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexen entwicklungspsychologischen Hintergründe der Jugenddelinquenz, wobei ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen verschiedenen Risikofaktoren und dem delinquenten Verhalten liegt. Ein zentrales Ziel ist es, durch eine empirische Befragung hessischer Richterinnen und Richter zu eruieren, inwieweit diese wissenschaftlich fundierten Risikofaktoren in der täglichen Gerichtspraxis wahrgenommen und in Gerichtsverhandlungen thematisiert werden.

  • Entwicklungstheoretische Grundlagen von Aggression und Delinquenz
  • Die Rolle von Risikofaktoren und kognitiven Defiziten in der Informationsverarbeitung
  • Schutzfaktoren gegen die Entwicklung delinquenten Verhaltens
  • Empirische Untersuchung zur Wahrnehmung von Risikofaktoren durch Justizakteure
  • Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Theorie und gerichtlicher Praxis

Auszug aus dem Buch

3.4 Informationsverarbeitungsdefizit

Wie in Abschnitt 2 angekündigt, soll an dieser Stelle auf das Defizit mancher delinquenter Jugendlichen eingegangen werden, soziale Information richtig zu deuten und folglich adäquat zu reagieren. Zwar ist auch dies nur ein einzelner Risikofaktor und damit ist er im Gesamtgefüge aller Faktoren nur von relativer Bedeutung. Dennoch soll er hier etwas ausführlicher dargelegt werden, denn er repräsentiert eine kognitive Struktur, die durch psychologische Interventionen, wie kognitiv-behaviorale Behandlungsmaßnahmen, beeinflußbar scheint (Lösel & Bliesener, 2003).

Wenn wir beobachten, daß ein Mensch etwas tut, dann fragen wir uns sogleich, warum er das tut. Das gilt umso mehr, je mehr wir das Verhalten auf uns gerichtet interpretieren. Ein Satz wie „das Kleid steht dir aber wieder hervorragend“, kann unterschiedlich interpretiert werden. Meint er das ernst? Oder ist es ironisch gemeint? Will er mich vor den Anderen lächerlich machen?

Es zeigt sich, daß aggressiv auffällige Jugendliche in sozial mehrdeutigen Situationen eher dazu neigen, die Situation als negativ, also als Angriff aufzufassen. Während man mit einem normalen Reaktionsrepertoire auch dann noch zu dem Schluß kommen kann, daß eine mehrdeutige Situation doch positiv oder zumindest neutral gemeint war, ist dies bei aggressiv Auffälligen selten der Fall. Sie neigen dazu, Mehrdeutiges als Angriff gegen sich zu werten. Abbildung 5 verdeutlicht den Mechanismus.

Die Reaktion auf einen solchen „Angriff“ ist aggressiv und dazu geeignet, eine weitere Eskalation des Konflikts herbeizuführen. Die Dicke der Verbindungspfeile in der Graphik soll andeuten, daß die Bahnung der Reaktion in Richtung Fehlinterpretation und aggressives Verhalten verstärkt ist. Jugendliche in der Studie von Lösel und Bliesener (2003), die eine derartige Form der sozialen Informationsverarbeitung zeigten, bemühten sich „weniger um eine Klärung der Situation und der Perspektive des anderen, setzen sich egozentrischere Ziele, neigten in ihrem Handlungsrepertoire sehr viel mehr zu Impulsivreaktionen und beurteilten die Konsequenzen aggressiven Verhaltens positiver als die übrigen Jugendlichen“ (S. 148).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einfuhrung: Der Einstieg beleuchtet die altersspezifische Verteilung der Tatverdächtigenzahlen und stellt Konzepte wie den "Schonraum" und den "maturing out effect" zur Erklärung der Delinquenzentwicklung vor.

2 Entwicklung und aggressives Verhalten: Es wird dargelegt, dass Aggression als stabiles Sozialverhalten in engem Zusammenhang mit Delinquenz steht und durch ein multikausales System aus elterlichen, kindbezogenen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst wird.

3 Entwicklung und Delinquenz: Dieses Kapitel differenziert zwischen persistenten und jugendlichen Delinquenten und erläutert Moffitts Erklärungsmodell, Risikofaktoren, kognitive Verarbeitungsdefizite sowie Schutzfaktoren.

4 Befragung von Richterinnen und Richtern: Der Autor präsentiert eine empirische Feldstudie unter hessischen Juristen, um zu ermitteln, welche Bedeutung Risikofaktoren in der praktischen Gerichtsalltag-Thematisierung beigemessen wird.

Schlüsselwörter

Jugenddelinquenz, Aggression, Risikofaktoren, Delinquenzentwicklung, Moffitt, Sozialverhalten, Informationsverarbeitung, Erziehungsverhalten, Schutzfaktoren, Gerichtsalltag, Jugendstrafrecht, Impulsivität, kognitive Struktur, pädagogische Intervention, Delinquenzforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen, Hintergründen und der Entwicklung von Jugenddelinquenz sowie der Frage, wie diese Faktoren im juristischen Kontext wahrgenommen werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit deckt die entwicklungspsychologischen Grundlagen von Aggression, Theorien zur Entstehung von Delinquenz, spezifische Risikofaktoren und protektive Einflüsse ab.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die komplexe Entstehung von Jugenddelinquenz zu schaffen und zu prüfen, inwieweit wissenschaftliche Erkenntnisse über Risikofaktoren in die richterliche Praxis einfließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer eigenen, quantitativen Feldstudie in Form einer schriftlichen Befragung hessischer Richterinnen und Richter.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Erklärungsmodelle (wie das von Moffitt), Risikofaktoren (einschließlich kognitiver Defizite) und Schutzfaktoren besprochen, gefolgt von einer Befragung zur praktischen Anwendung dieser Konzepte im Gerichtswesen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Jugenddelinquenz, Risikofaktoren, Aggressionsentwicklung, soziale Informationsverarbeitung und richterliche Alltagspraxis.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen persistenten und jugendlichen Delinquenten eine Rolle?

Die Unterscheidung ist zentral, da die Ursachen und die Prognose für beide Gruppen – die eine mit lebenslanger Delinquenzkarriere, die andere mit jugendspezifischem Anpassungsverhalten – grundlegend unterschiedlich sind.

Welches Ergebnis lieferte die Befragung der Richter bezüglich pränataler Risikofaktoren?

Die befragten Richter schätzten pränatale Risikofaktoren als kaum relevant für ihre tägliche Arbeit ein, was laut den Teilnehmern daran liegt, dass diese in Gerichtsverhandlungen selten thematisiert werden.

Wie bewertet der Autor die Übereinstimmung von Literatur und Praxis bei den wichtigsten Faktoren?

Der Autor stellt erfreut fest, dass Faktoren wie Erziehungskompetenz, schulische Probleme und Kontakte zu delinquenten Gruppen sowohl in der Literatur als auch bei den befragten Richtern als hochrelevant eingestuft werden.

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Details

Title
Neuere Befunde entwicklungsorientierter Forschungen zur Entwicklung der Delinquenz junger Menschen
College
Justus-Liebig-University Giessen
Course
Aktuelle Aspekte der Kinder- und Jugenddelinquenz
Grade
15 Punkte (gut)
Author
Michael Cramer (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V39413
ISBN (eBook)
9783638381840
Language
German
Tags
Neuere Befunde Forschungen Entwicklung Delinquenz Menschen Aktuelle Aspekte Kinder- Jugenddelinquenz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Cramer (Author), 2004, Neuere Befunde entwicklungsorientierter Forschungen zur Entwicklung der Delinquenz junger Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39413
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