In der vorliegenden Arbeit werden Möglichkeiten aufgezeigt, die zur Realisierung einer intermodalen Verkehrsverlagerung der zu erwartenden Verkehrszuwächse in Europa und speziell in Deutschland beitragen können. Hierbei richtet sich der Fokus auf die Kooperation zwischen den Verkehrsträgern Luft und Schiene im Bereich des Personenverkehrssektors. Einführend erfolgt in Kapitel 2 ein Überblick über die heutige Verkehrssituation in Europa und Deutschland sowie eine gesonderte Darstellung der Entwicklung im Schienen- und Luftverkehrssektor. Nach Darlegung der Kerndefinitionen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) und für Kurzstreckenflüge wird in Kapitel 3 der Arbeit das europäische Flughafensystem und Schienen-Hochgeschwindigkeitsnetz analysiert um nachfolgend bestehende Verlagerungen von Kurzstreckenflügen zu Gunsten der Schiene zu erläutern. Als Grundlage dient hier ein Überblick über das europäische Flughafensystem, bei welchem auf die fünf größten europäischen Flughäfen (Hubs) London Heathrow, Frankfurt a. M., Paris Roissy-Charles de Gaulle, Amsterdam Schiphol und Madrid Barajas eingegangen wird. Die Flughafenstandorte werden bezüglich ihres Verkehrsaufkommens und ihrer Intermodalität untersucht. Im zweiten Teil dieses Kapitels werden ausgewählte HGV-Strecken nach ihrer Einbindung in das europäische Netz und ihrem Verkehrsaufkommen dargestellt. Im Umfang dieser Arbeit wird ausschließlich auf den HGV mit Rad-Schienen-Technik eingegangen. Die Technologie der Magnetschwebebahnen geht über den Rahmen dieser Arbeit hinaus, da sie einerseits in Europa noch keine Anwendung gefunden hat und andererseits in der heutigen Situation nur auf ausgewählten Strecken realisiert werden könnte, somit also kein ganzheitliches Netz erstellen könnte. Eine solche für den HGV innovative Technik würde in naher Zukunft nur zu Insellösungen führen. Bezüglich der bestehenden HGV-Strecken auf Rad-Schiene-Basis und vorhandener Verlagerungen erfolgt eine Darstellung der PBKAL (Paris/Brüssel/Köln /Amsterdam/London) mit den Teilstrecken Paris–London, Paris–Brüssel–Köln und Brüssel–Amsterdam sowie der Strecken Paris–Marseille des TGV Sud-Est/TGV Méditerranée (TGV = train à grand vitesse) und Madrid–Sevilla (AVE = Alta Velocidad Española) mit deren Charakteristika, die eine Verlagerung ermöglicht haben. Es folgt nach den europäischen Praxisbeispielen des dritten Kapitels der Übergang zur Situation in Deutschland. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN: VERKEHRSENTWICKLUNG
2.1 Definitionen
2.1.1 Definition: Kurzstreckenflüge
2.1.2 Definition: Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV)
2.2 Allgemeine Verkehrsentwicklung in Europa und Deutschland
2.3 Die Verkehrsentwicklung im Schienenverkehrssektor
2.4 Die Verkehrsentwicklung im Luftverkehrssektor
3 DAS EUROPÄISCHE FLUGHAFENSYSTEM UND HGV-NETZ
3.1 Das europäische Flughafensystem
3.1.1 Grundlagen zum europäischen Flughafensystem
3.1.2 Die fünf größten europäischen Flughäfen
3.1.2.1 London Heathrow (LHR)
3.1.2.2 Frankfurt a. M. (FRA)
3.1.2.3 Paris Roissy-Charles de Gaulle (CDG)
3.1.2.4 Amsterdam Schiphol (AMS)
3.1.2.5 Madrid Barajas (MAD)
3.2 Das europäische HGV-Netz
3.2.1 Grundlagen zum europäischen HGV-Netz
3.2.2 Ausgewählte HGV-Strecken
3.2.2.1 PBKAL: Paris / Brüssel / Köln / Amsterdam / London
3.2.2.1.1 Segment Paris – London
3.2.2.1.2 Segment Paris – Brüssel – Köln
3.2.2.1.3 Segment Brüssel – Amsterdam / HSL-Zuid
3.2.2.2 TGV Sud-Est / TGV Méditerranée: Paris – Marseille
3.2.2.3 AVE : Madrid – Sevilla
4 DAS DEUTSCHE FLUGHAFENSYSTEM UND HGV-NETZ
4.1 Das deutsche Flughafensystem
4.1.1 Grundlagen zum deutschen Flughafensystem
4.1.2 Innerdeutsches Verkehrsaufkommen im Luftverkehr
4.1.3 Die fünf bedeutendsten deutschen Flughäfen neben Frankfurt
4.1.3.1 München (MUC)
4.1.3.2 Düsseldorf (DUS)
4.1.3.3 Berlin (THF, TXL, SXF, BBI)
4.1.3.4 Hamburg (HAM)
4.1.3.5 Köln / Bonn (CGN)
4.2 Das deutsche HGV-Netz
4.2.1 Grundlagen zum deutschen HGV-Netz
4.2.2 Ausgewählte (HGV-)Strecken
4.2.2.1 ICE: Hannover – Würzburg
4.2.2.2 ICE: Mannheim – Stuttgart
4.2.2.3 ICE: Hamburg – Berlin
4.2.2.4 ICE: Hannover – Berlin
4.2.2.5 ICE: Frankfurt – Köln
4.2.2.6 Metropolitan: Köln – Hamburg
4.2.3 Zukünftige HGV-Projekte in Deutschland
4.2.3.1 Stuttgart – Ulm
4.2.3.2 Berlin – Leipzig / Halle – Erfurt – Nürnberg
4.2.3.3 Nürnberg – Ingolstadt – München
5 DAS VERLAGERUNGSPOTENTIAL VON KURZSTRECKENFLÜGEN AUF DEN SCHIENENGEBUNDENEN HGV
5.1 Verlagerungsrelevante Faktoren Luft / Schiene
5.1.1 Faktor Zeit
5.1.2 Faktor Kosten
5.1.3 Faktor Qualität
5.1.4 Faktor Relationen
5.1.5 Faktor Kooperation und Konkurrenz
5.1.5.1 Konkurrenz durch Low-Cost-Carrier
5.1.6 Weitere Faktoren
5.2 Kooperation Luft / Schiene
5.2.1 Vorteile einer Kooperation
5.2.2 Nachteile einer Kooperation
5.2.3 Bestehende Kooperations- / Seamless-travel-Angebote
5.2.3.1 AIRail
5.2.3.2 Rail&Fly
5.2.3.3 Codesharing
5.2.3.4 Kuriergepäck Flughafenservice
5.3 Thesen zum Verlagerungspotential in Deutschland
5.4 Verkehrsverlagerung im Rahmen der EU-Osterweiterung
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Potential zur intermodalen Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf den schienengebundenen Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) in Europa und insbesondere in Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage ist, unter welchen Voraussetzungen eine Kooperation zwischen Luft- und Schienenverkehr zu einer effizienten Verkehrsverlagerung beitragen kann, um Kapazitätsengpässe an Flughäfen zu bewältigen und eine nachhaltige Verkehrsentwicklung zu fördern.
- Analyse des europäischen und deutschen Flughafensystems
- Untersuchung des HGV-Netzes und dessen Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen
- Identifikation verlagerungsrelevanter Faktoren (Zeit, Kosten, Qualität)
- Bewertung bestehender Kooperationsmodelle zwischen Bahn und Fluggesellschaften
- Einschätzung des Verlagerungspotentials auf wichtigen innerdeutschen Relationen
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Faktor Zeit
Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung spielt nicht unbedingt die Entfernung in Kilometern von Tür zu Tür eine entscheidende Rolle. Vielmehr sind Faktoren wie Gesamtreisezeit, Qualität und Reisekosten bedeutender (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2000). Ab Entfernungen von mehr als 50 km steigt die Bedeutung der Bahn gegenüber dem Straßenverkehr, bekommt ab 200 km aber durch das Flugzeug Bedeutungskonkurrenz. Unterhalb von 50 km nimmt der straßengebundene Individual-, als auch Öffentliche Personennahverkehr eine nahezu konkurrenzlose Position ein. „Zur Abgrenzung von Bahn und Flug kann man grundsätzlich festhalten, dass der Zug die vernünftigste Alternative ist für Reisen von bis zu 2 Stunden Dauer, während das Flugzeug für Reisen ab 4 Stunden Dauer eine sehr gute Alternative darstellt. Im Bereich zwischen zwei und vier Stunden entscheidet meist die persönliche Präferenz des Kunden: Zeitsensitive Kunden tendieren zum Flugzeug, preissensitive Kunden zum Zug.“ (Bretthauer, 1995, S. 30).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der intermodalen Verkehrsverlagerung und Skizzierung des Aufbaus der Arbeit mit Fokus auf die Kooperation zwischen Luft und Schiene.
2 GRUNDLAGEN: VERKEHRSENTWICKLUNG: Analyse der aktuellen Verkehrssituation in Europa und Deutschland sowie Definition der zentralen Begriffe wie HGV und Kurzstreckenflüge.
3 DAS EUROPÄISCHE FLUGHAFENSYSTEM UND HGV-NETZ: Detaillierte Darstellung der fünf größten europäischen Drehkreuze und Analyse des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes sowie einzelner HGV-Streckenbeispiele.
4 DAS DEUTSCHE FLUGHAFENSYSTEM UND HGV-NETZ: Situationsbeschreibung der deutschen Flughafenstandorte sowie nähere Analyse des bestehenden und geplanten deutschen HGV-Netzes.
5 DAS VERLAGERUNGSPOTENTIAL VON KURZSTRECKENFLÜGEN AUF DEN SCHIENENGEBUNDENEN HGV: Untersuchung verlagerungsrelevanter Faktoren und bestehender Kooperationsangebote, ergänzt um Thesen zum Potential in Deutschland und Einflüssen durch die EU-Osterweiterung.
6 FAZIT: Zusammenführung der wichtigsten Ergebnisse und abschließende Empfehlungen für notwendige Voraussetzungen einer erfolgreichen Verkehrsverlagerung.
Schlüsselwörter
Hochgeschwindigkeitsverkehr, Kurzstreckenflüge, Verkehrsverlagerung, Schienenverkehr, Luftverkehr, Flughafen, Intermodalität, Kooperation, HGV, Deutschland, Europa, Reisezeit, Kosteneffizienz, Low-Cost-Carrier, Verkehrsnachfrage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Kurzstreckenflüge auf den schienengebundenen Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) verlagert werden können, um das Verkehrssystem effizienter und nachhaltiger zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen das europäische und deutsche Flughafensystem, das HGV-Netz, Faktoren für die Wahl des Verkehrsmittels und Kooperationsmodelle zwischen Fluggesellschaften und der Bahn.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine intelligente Vernetzung von Luft und Schiene zur Bewältigung steigender Verkehrsströme beitragen kann und welche Potentiale für eine Verlagerung existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse aktueller Statistiken, einer Literaturrecherche und der Auswertung von Experteninterviews mit Vertretern der Branche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die bestehende Infrastruktur (Flughäfen und HGV-Strecken), beleuchtet verlagerungsrelevante Faktoren wie Zeit, Kosten und Qualität und untersucht spezifische Kooperationsangebote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Hochgeschwindigkeitsverkehr, Intermodalität, Verkehrsverlagerung, Kurzstreckenflüge und Flughafen-Drehkreuze.
Welche Rolle spielen Low-Cost-Carrier für das Verlagerungspotential?
Low-Cost-Carrier werden als starke Konkurrenten der Bahn identifiziert, da sie durch niedrige Ticketpreise die Attraktivität des Flugverkehrs auf Kurzstrecken erhöhen und eine Verlagerung behindern können.
Wie bewertet der Autor das Verlagerungspotential des Frankfurter Flughafens?
Der Autor schätzt das Potential zur Verlagerung auf der Basis von Expertenmeinungen auf ca. 4 bis 5 % ein.
Warum ist das "Seamless-travel"-Konzept für die Arbeit relevant?
Es ist entscheidend, da eine nahtlose Verknüpfung der Verkehrsträger – durch einfache Buchungssysteme und Gepäcktransfer – eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz bei den Kunden darstellt.
Welchen Einfluss hat die EU-Osterweiterung auf die Verlagerungsziele?
Nach derzeitiger Einschätzung ergeben sich durch die EU-Osterweiterung kaum neue Verlagerungspotentiale, da der Busverkehr in diesen Ländern preislich oft attraktiver bleibt.
- Quote paper
- Cornelius Bahrdt (Author), 2005, Das Verlagerungspotential von Kurzstreckenflügen auf den schienengebundenen Hochgeschwindigkeitsverkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39419