Die Entwicklung der Magnetschnellbahn (MSB) Transrapid begann in den 70er Jahren mit dem Ziel, die damals bestehende Geschwindigkeitslücke zwischen der Eisenbahn und dem Flugzeug zu schließen. Es herrschte die Auffassung, dass mit der Rad-Schiene(R/S)-Technik der Geschwindigkeitsbereich über 250 km/h nicht abgedeckt werden kann.1 Heute erreichen moderne Hochgeschwindigkeitszüge durch die permanente Weiterentwicklung und Verbesserung der R/S-Technik während Testfahrten auf speziell ausgebauten Hochgeschwindigkeitsstrecken bereits Geschwindigkeiten über 500 km/h, im Regelbetrieb 300 km/h. 1977 entschied sich der BMFT für die Förderung der Magnetbahntechnologie. Seitdem sind über 1,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln bereitgestellt worden.2 1979 wurde der Transrapid 05 auf der Internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg vorgestellt und eingesetzt,3 seit 1984 fährt der Transrapid 08 auf der 31,5 km langen Transrapid Versuchsanlage im Emsland (TVE). Die erste und bis heute einzige kommerzielle Transrapidstrecke befindet sich in Shanghai.4 Ziel dieser Arbeit ist die Analyse der Umsetzungsprobleme der MSB Transrapid, warum trotz 25 jähriger hoher staatlicher Förderung und großer Unterstützung der deutschen Politik die Hochtechnologie Transrapid weltweit kaum Beachtung findet und selbst in Deutschland wohl kaum zur kommerziellen Anwendung gebracht werden wird. In Kapital 2 folgt ein technischer Vergleich des Transrapid mit der R/S-Technik. Der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Transrapid in Kapitel 3 folgt eine volkswirtschaftliche Beurteilung in Kapitel 4. In Kapitel 5 werden mögliche Perspektiven der MSB-Technik untersucht, die Arbeit schließt in Kapitel 6 mit einer Zusammenfassung. 1 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesminister für Verkehr (1992), S. 274 2 Vgl. Herzberg, S. / Mixa, A. / Witt, M. (2002), S. 10 3 Vgl. Völkening, W. (2003), S. 62 4 Sie verbindet Long Yang Road-Station mit dem 30 km entfernten Flughafen Pudong
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Technischer Vergleich zwischen Transrapid und Rad-Schiene-Technik
2.1. Spurführung und Trassierung
2.2. Geschwindigkeit und Reisezeitvorteile
2.3. Lärmemissionen und Energieverbrauch
3. Betriebswirtschaftliche Beurteilung
3.1. Investitions- und Betriebskosten
3.2. Erlöse
3.3. Finanzierung
4. Volkswirtschaftliche Beurteilung
4.1. Industrie- und beschäftigungspolitische Perspektive
4.2. Verkehrspolitische Perspektive
4.3. Umweltpolitische Perspektive
4.4. Machbarkeitsstudien und Nutzen-Kosten-Analyse
5. Perspektiven
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Umsetzungsprobleme der Magnetschnellbahn (MSB) Transrapid zu analysieren und zu ergründen, warum das System trotz langjähriger staatlicher Förderung und politischer Unterstützung weltweit kaum kommerzielle Anwendung findet. Die Forschungsfrage untersucht die betriebs- und volkswirtschaftlichen Hürden, die einer erfolgreichen Markteinführung entgegenstehen.
- Technischer Vergleich: Transrapid versus Rad-Schiene-Technik
- Betriebswirtschaftliche Analyse: Kostenstrukturen und Erlöserwartungen
- Volkswirtschaftliche Perspektiven: Industrie-, Verkehrs- und Umweltpolitik
- Kritische Würdigung bestehender Machbarkeitsstudien und Nutzen-Kosten-Analysen
- Zukunftsperspektiven der Magnetbahntechnologie im Kontext bestehender Netze
Auszug aus dem Buch
2.1 Spurführung und Trassierung
Die MSB Transrapid und die Eisenbahn auf Basis der R/S-Technik sind spurgeführte Verkehrsmittel. Bei der R/S-Technik besteht ein direkter und relativ kleiner Kontakt über die Räder zwischen Fahrzeug und Fahrweg, über den Beschleunigungs-, Brems- und Tragkräfte übertragen werden müssen. Fahrweg und Rad unterliegen einem ständigen belastungs- und zeitabhängigen Verschleiß. Der Transrapid besitzt keinen Kontakt zum Fahrweg, er schwebt berührungs- und verschleißfrei mittels Führungs- und Tragmagneten in einem gleichbleibend geringen Abstand über dem Fahrweg. Die Fahrzeuge umfassen den Fahrweg und verhindern somit ein entgleisen oder kippen. Nachteilig ist dieses System bei Hindernissen auf dem Fahrweg, die kinetische Energie kann nicht durch entgleisen abgebaut werden, der Transrapid trifft quasi auf ein starres Hindernis. Bei der R/S-Technik befindet sich der Antrieb im Fahrzeug, während die MSB durch einen im Fahrweg eingebauten Langstator-Linearmotor angetrieben und abgebremst wird. Diese Technik ermöglicht bei topographisch anspruchsvollem Gelände eine flexiblere Trassierung der Magnetbahnstrecke, ist jedoch auch mit Nachteilen verbunden. Innovationen und Veränderungen im Antrieb sind bei der R/S-Technik wesentlich leichter umsetzbar, da meist lediglich die Fahrzeuge ausgetauscht werden müssen, während bei der MSB der ganze Fahrweg ersetzt werden muß.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Historie der Magnetbahntechnologie ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Umsetzungsprobleme des Transrapid zu identifizieren.
2. Technischer Vergleich zwischen Transrapid und Rad-Schiene-Technik: Hier werden die technologischen Unterschiede, insbesondere im Hinblick auf Spurführung, Antrieb, Geschwindigkeit und Umweltbelastungen, gegenübergestellt.
3. Betriebswirtschaftliche Beurteilung: Das Kapitel befasst sich mit den hohen Investitions- und Betriebskosten sowie den unsicheren Erlöspotenzialen und Finanzierungsmodellen des Systems.
4. Volkswirtschaftliche Beurteilung: Diese Sektion analysiert die industriepolitischen, verkehrspolitischen und ökologischen Argumente und hinterfragt kritisch die Methodik der vorliegenden Machbarkeitsstudien.
5. Perspektiven: Hier wird der aktuelle Status des Transrapid in Deutschland diskutiert und der Fokus auf die Bedeutung der Erhaltung bestehender Infrastrukturen gelegt.
6. Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass der Transrapid trotz technischer Alleinstellungsmerkmale aufgrund wirtschaftlicher und praktischer Hürden kaum Chancen auf eine breite Implementierung hat.
Schlüsselwörter
Transrapid, Magnetschnellbahn, Rad-Schiene-Technik, Infrastruktur, Kosten-Nutzen-Analyse, Umsetzungsprobleme, Verkehrspolitik, Wirtschaftlichkeit, Hochgeschwindigkeit, Schienenverkehr, Netzintegration, Fördermittel, Betriebskosten, Trassierung, Zukunftstechnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die technischen, betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Gründe für die mangelnde Umsetzung und Kommerzialisierung der Transrapid-Technologie in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der technische Vergleich zur herkömmlichen Eisenbahn, eine Kosten-Nutzen-Analyse, die politische Bewertung sowie die Infrastrukturintegration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum trotz intensiver staatlicher Förderung keine nennenswerte kommerzielle Anwendung der Magnetbahn erfolgt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf Daten aus Machbarkeitsstudien, Fachliteratur und verkehrswirtschaftlichen Grundlagen basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Gegenüberstellung von Transrapid und Rad-Schiene-Technik sowie eine kritische Bewertung der Wirtschaftlichkeit und des Nutzens für die Volkswirtschaft.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Magnetschnellbahn, Netzintegration, volkswirtschaftliche Beurteilung und Konkurrenzfähigkeit.
Warum wird der Transrapid als "Insellösung" bezeichnet?
Da das System mangels Kompatibilität mit bestehenden Schienennetzen als isolierte Strecke geplant werden muss, was zu ineffizienten Umsteigevorgängen und Systembrüchen führt.
Wie bewertet der Autor die Nutzen-Kosten-Analysen des Transrapid?
Der Autor steht diesen Analysen äußerst kritisch gegenüber, da sie oft von unrealistisch optimistischen Annahmen ausgehen und wichtige Kostenfaktoren nur unzureichend berücksichtigen.
Welche Alternative empfiehlt die Arbeit zur Förderung des Transrapid?
Die Arbeit empfiehlt, Ressourcen stattdessen auf die technologische Weiterentwicklung und Verbesserung der bestehenden, bewährten Rad-Schiene-Technik zu konzentrieren.
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- Frank Göttlicher (Author), 2004, Transrapid - Analyse der Umsetzungsprobleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39433