Desertifikation. Erscheinungsformen, Entwicklung und Bekämpfung eines globalen Umweltsyndroms


Hausarbeit, 2004

27 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Umweltproblem Desertifikation
1.1 Zur Definition der Desertifikation
1.2 Verbreitung und Ausmaß der Desertifikation
1.3 Ursachen der Desertifikation
1.4 Folgen der Desertifikation

2 Desertifikation und die UNCCD
2.1 Ziel der Konvention
2.2 Instrumente und Organe der UNCCD
2.3 Unterstützung der Umsetzung der Konvention von deutscher Seite

3 Desertifikationsbekämpfung
3.1 Strategien zum nachhaltigen Ressourcenmanagement
3.2 Risikominimierung
3.3 Anwendungsbeispiele aus China
3.4 Schwerpunkt der deutschen EZ

4 Erfahrungen und Perspektiven
4.1 Erfolge und Probleme bei der Desertifikationsbekämpfung am Beispiel der Sahelzone
4.2 Kritik
4.3 Ausblick

5 Desertifikation und Biologen
5.1 Berufsfelder für Biologen
5.2 Nationale und Internationale Organisationen

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichsnis

Abbildung 1 Titelbild, Desertifikation in Afrika, www.gtz.de

Abbildung 2 Weltkarte der Desertifikation, UNCOD, Nairobi 1977/1978

Abbildung 3 Desertifikationsschema, www.geo.bildungszentrum-markdorf.de

Abbildung 4 Steinreihen im Kulturland zum Schutz vor Flächenspülung (aus Krings 2001)

Abbildung 5 Mistgrube in Sabce, Burkina Faso (aus Krings 2001)

Abbildung 6 Baumpflanzung entlang einer Banketten-Steinreihe (aus Krings 2001)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Mittlerer Jahresniederschlag in verschiedenen klimatischen Trockenzonen (nach Schulz 1995)

Tabelle 2 Desertifizierte Gebiete der Erde (Drenge 1991)

1. Umweltproblem Desertifikation

1.1 Zur Definition der Desertifikation

Der Begriff „Desertifikation“ kommt aus dem Lateinischen „desertus facere“, was verwüsten bedeutet. Unter Desertifikation versteht man die anthropogen verursachte Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse in Gebiete hinein, in denen sie zonal-klimatisch eigentlich nicht existieren. Nach der UNCOD 1977 (United Nations Conference on Desertification) wird Desertifikation folgendermaßen definiert: “Desertification is the impoverishment of arid, semi-arid and some subhumid ecosystems by the impact of man`s activity [..] Desertification is the result of land abuse.” (UN 1977)

Nicht durch den Menschen verursachte Ausbreitung wüstenhafter ökologischer Verhältnisse, die vor allem am Zustand des Bodens und der Vegetation sichtbar werden, bezeichnet man als Desertion.

Der heute weltweit verwendete Terminus „Desertifikation“ wurde erst durch die oben genannte UN-Konferenz allgemein bekannt. Diese wurde 1977 als Folge einer verheerenden Dürrekatastrophe in der Sahelzone nach Nairobi einberufen. Die von 1969-1974 andauernde Dürre im südlichen Randbereich der Sahara und die in der Folge verstärkt auftretende Ausbreitung wüstenhafter Bedingungen in dieser ursprünglichen Dornsavannenregion war allerdings nur ein Element, das die Initiierung bzw. Beschleunigung des Desertifikations-prozesses steuerte. Andere, und nicht weniger wichtige Auslöser und Steuerfaktoren dieses Geschehens waren Nutzungsfehler der in dieser Region wirtschaftenden Menschen, insbesondere auf dem agrarischen Sektor.

Anthropogene Eingriffe in die Geoökosysteme der Trockenzonen mit Landnutzungs-methoden, die diesen nicht angepasst sind, führen zwar unausweichlich zur Degradation der ariden und semi-ariden Naturlandschaften der Steppen und Wüstensteppen und der randtropischen Dornbuschsavannen und Trockensavannen – sie können jedoch nur dann als Desertifikation bezeichnet werden, wenn dies mit der Entstehung tatsächlich wüstenhafter Bedingungen in den betroffenen Gebieten und damit mit einer realen Ausbreitung von Wüsten in solche Regionen hinein verbunden ist. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es eine „wirkliche Desertifikation“ ohne die naturgegebene Prädisposition der Trockengebiete für dieses Geschehen nicht geben kann. Maßgeblich hierfür sind die zu Dürren neigenden Klimagegebenheiten der Trockengebiete. Sie bilden das latent immer vorhandene, aber räumlich, zeitlich und graduell stark variierende ökologische Risikopotential, das verantwortlich ist für das jeweilige Maß, den Zeitraum und die räumliche Anordnung der ökologischen Sensibilität von Trockengebietsräumen gegenüber anthropogenen Eingriffen. Erst durch das Vorhandensein dieser Prädisposition können ökologisch nicht angepasste Methoden der Landnutzung dann überhaupt Desertifikationsprozesse auslösen.

Desertifikation ist demnach – wissenschaftlich definiert – die Extremform bzw. Endstufe von Landschaftsdegradation, die durch unangepasste, vor allem landwirtschaftliche Nutzungen lokal, regional und langfristig möglicherweise sogar zu zonal wüstenartigen Bedingungen in Landschaften führt, die diese vorher nicht aufgewiesen haben. Im Sprachgebrauch der mit diesem Problem befassten UN- sowie nationalen Organisationen ist Desertifikation jeder Prozess, der in ariden[1], semi-ariden[2] und trockenen subhumiden[3] Klimazonen der Erde als Folge anthropogener Eingriffe in den Naturhaushalt, gegebenenfalls unter Beteiligung von Klimavariationen, zu einer erheblichen Beschränkung der Landnutzungsmöglichkeiten für den Menschen führt und damit die Lebensbedingungen in den betroffenen Trockengebieten der Erde, die rund ein Drittel der Landoberfläche der Erde ausmachen, erheblich verschlechtert. (Mensching & Seuffert 2001)

1.2 Verbreitung und Ausmaß der Desertifikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Weltkarte der Desertifikation, UNCOD, Nairobi 1977/1978 (aus Mensching & Seuffert 2001)

Die Trockengebiete der Erde umfassen ca. 1/3 des Festlandes der Erde. 2/3 dieser Gebiete gehören zu den tropisch/subtropischen Trockengebieten, 1/3 zu den außertropischen Trockengebieten der Mittelbreiten (vgl. Abb.2). Gemeinsam ist diesen Gebieten eine hohe Niederschlagsvariabilität, geringe Luftfeuchtigkeit und meist auch ein geringer Deckungsgrad der Vegetation.

Die Verbreitung der meisten tropisch/subtropischen Trockengebiete erklärt sich aus der tropischen Passatzirkulation[4]. Infolge der Breitenlage 15°-35° südlicher/nördlicher Breite (subtropischer Hochdruckgürtel) kommt es zur Regenarmut (Ausnahme: Küstenwüsten. Hier bedingen kalte Auftriebsgewässer vor der Küste die Aridität).

Außertropische Trockengebiete schließen sich bis zum 50° südlicher/nördlicher Breite an die tropischen Trockengebiete an. Hier wird die Aridität durch die ausgesprochen kontinentale Lage[5] der jeweiligen Trockengebiete und durch die außertropischen Westwinde[6] bedingt.

Da die Wolkenbedeckung in Trockengebieten weitgehend fehlt, ist der Anteil der direkt auf die Erde treffenden Globalstrahlung[7] sehr hoch. In den tropisch/subtropischen Trockengebieten beträgt sie etwa 75 %, in den Trockenmonaten bisweilen mehr. Trotz der hohen Albedoraten[8] der Trockengebiete – durchschnittlich 20-30 % – kommt es am Tag zu einer starken Erwärmung der Erdoberfläche, die dem Boden durch Verdunstung Haftwasser, falls überhaupt vorhanden, entzieht. Die absorbierte Strahlungsenergie wird in trockenem Substrat fast vollständig in fühlbare Wärme umgewandelt, da latente Wärme wegen des Feuchtemangels im Boden kaum vorhanden ist. Auch die Ausstrahlungsverluste sind auf Grund der fehlenden Wolkenbedeckung in den Trockengebieten höher als anderswo. Dieser Wärmeverlust führt nachts zu einer starken Abkühlung der Erdoberfläche und zur generellen Temperaturerniedriegung, wodurch die tägliche Temperaturamplitude vor allem in ariden Gebieten sehr hoch ist.

Die Niederschläge in den desertifikationsgefährdeten Gebieten variieren regional im Mittel zwischen 50 und 500 mm jährlich (Vgl. Tab. 1). In vielen Monaten sind sie geringer als die potentielle Evapotranspiration. Diese beträgt im Mittel ca. 2000 mm, kann jedoch in Extremfällen auch bis zu 4000 mm jährlich betragen. (Breckle & Walter 1999)

Tabelle 1: Mittlerer Jahresniederschlag in verschiedenen klimatischen Trockenzonen (nach Schulz 2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Desertifikation findet vor allem in den semiariden und subhumiden Gebieten der Erde statt. Besonders betroffen sind folgende Gebiete (Vgl. Abb.2):

- Teile von Mexiko, der Südwesten der USA, kleine Areale im Osten Südamerikas, ein schmaler Streifen westlich der Anden und ein Streifen östlich bis Patagonien;
- Der nordafrikanisch-asiatische Trockengürtel, Bereiche im südlichen Afrika;
- Trockengebiete in Indien, Pakistan und Nordchina;
- Das Innere Australiens. (Mensching 1990)

Desertifikation betrifft alle Kontinente. Betroffen sind derzeit etwa 36 Mio. Km². Dies entspricht einer Fläche dreieinhalb Mal so groß wie Europa. Zahlreiche Entwicklungsländer leiden unter Landdegradierung und Ressourcenzerstörung. Die ca. 50 am wenigsten entwickelten Länder sind besonders stark von der Desertifikation betroffen. In diesen Ländern nehmen Trockengebiete rund zwei Drittel der gesamten Landesfläche ein. (BMZ 2003) Das schlimmste Ausmaß erreicht die Desertifikation im afrikanisch-asiatischen Trockengürtel (Vgl. Abb. 2). Eine Auflistung der desertifizierten Flächen eingeteilt nach Kontinenten ist Tabelle 2 zu entnehmen.

Tab. 2 Desertifizierte Gebiete der Erde (Drenge 1991)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein desertifikationsartiger Wüsten-Endzustand bedarf je nach Intensität und Dauer der anthropogenen Eingriffe unter Umständen sehr unterschiedlicher Zeiträume bis zu seiner Entstehung. Dabei gilt, dass wirkliche Wüstenbedingungen umso seltener und umso später erreicht werden, je humider das Ausgangsklima und je weniger exzessiv die anthropogenen Einwirkungen sind bzw. waren. Im Endeffekt können sogar Steppen und (Dorn-) Savannen zu Wüstensteppen bzw. Wüstensavannen werden und diese letztendlich zu Wüsten. Diese Vorgänge erfolgen in der Regel, wenn auch abgestuft nach Nutzungsintensität, eher flecken- als flächenhaft, wobei im Einzelnen auch die Bevölkerungsverteilung und die ökologische Sensibilität in den jeweiligen Gebieten eine wichtige Rolle spielt. Bekannte Beispiele für relativ klar umgrenzte Desertifikationsareale sind große wüstenhafte Desertifikationsringe um die Siedlungen in Wüstenrandgebieten, wie sie etwa in der Sahelzone zu finden sind. Da einmal in Gang gekommene Desertifikation dazu neigt, sich auch ohne andauernden Eingriff von Seiten der wirtschaftenden Menschen allein durch negative Rückkopplung selbst zu verstärken, sind bei dem Geschehen effektive Gegenmaßnahmen von Nöten.

1.3 Ursachen der Desertifikation

Hierbei handelt es sich fast immer um ein Zusammenwirken von mehreren Ursachenfaktoren. Die meisten Ursachen der Desertifikation sind auf den Menschen zurückzuführen. Durch seine Eingriffe kommt es zu einer Übernutzung bestimmter Ökosysteme. Desertifikation umfasst die Degradation von Böden und Vegetation und führt zu einer kontinuierlichen Verminderung des Weidepotentials und der Ernteerträge. Im Gegensatz zur Dürre ist der Mensch an der Desertifikation ursächlich beteiligt („man-made-desert“). (Mensching & Seuffert 1990) Im Folgenden wird zunächst die biologische Seite der Desertifikationsursachen besprochen, bevor auf die sozioökonomischen Faktoren eingegangen wird.

Der Einstieg in das Desertifikationssyndrom geschieht nach Mensching und Seuffert in der Regel durch die anthropogene Zerstörung der natürlichen Vegetation. Dies gilt für alle Komponenten, von der Baum- und Strauch- bis zur Kraut- und Grasvegetation. In trockenen Klimaten ist die Regenerierbarkeit der Vegetation umso stärker eingeschränkt, je größer die Variabilität des Klimas ist. Dies gilt vor allem im hygrischen Bereich. Bei trockenen, sehr variablen Klimabedingungen besteht ein großes Anbaurisiko, da man selten über mehrere Jahre kalkulieren kann. Generell bedeutet Aridität für die Pflanzenwelt ein Wachstumhemmnis. Eine hohe Niederschlagsvarialibität erschwert aber nicht nur das Wachstum, sondern kann, besonders bei Gräsern und Kräutern, bis zum Vertrocknen der Pflanze führen. Jede großflächige Vegetationsvernichtung bedeutet eine Aridifizierung des Klimas der bodennahen Luftschicht mit einer Reihe von Folgen. Dazu gehören die oberflächliche Verhärtung von Böden bis hin zur Rindenbildung und als direkte Folge eine Verringerung der Infiltrationskapazität[9] für Regenwasser. Dies wiederum fördert einerseits die fluviale Bodenabspülung und führt andererseits zur verstärkten Deflation der transportierten Sedimente. Insgesamt bedeutet dies nicht nur eine verstärkte, sondern zugleich auch eine mehr flächenhaft wirkende Erosion, d. h. eine Kappung der obersten, nährstoffreichen Bodenschichten, die sehr schnell zu wüstenhaften Vorgängen und Formen führen kann. Neben der Vegetationszerstörung gibt es noch viele andere Formen der Bodenstörung, die den Desertifikationsprozess einleiten können oder später begünstigen und ihn exponentiell ansteigen lassen. Hierzu gehört sowohl die direkte Beeinträchtigung von Böden durch Verdichtung, Versiegelung und Überbauung als auch die indirekte negative Veränderung ihres Chemismus durch Schadstoffeinträge über die Luft (z. B. als saurer Regen), über das Wasser (z. B. durch Bewässerung mit zu salzhaltigem Wasser) oder in Folge nicht nachhaltiger Bewirtschaftung (Überweidung, Überdüngung).

Das Ausmaß der Desertifikation ist außer von der Vegetations- und Boden(zer)störung und den klimatischen Rahmenbedingungen auch vom Relief, vom Charakter der Böden (Bodenhorizontierung, Mächtigkeit, Chemismus, Textur[10], Struktur[11]) und vom Gesteins-unterbau abhängig. Diese Faktoren bestimmen Ausmaß und Art (Erosion/Akkumulation) der Morphodynamik wie auch entscheidend den Wasser- und Nährstoffhaushalt der Böden. So sind Reliefbedingungen dann besonders begünstigend für die Desertifikation, wenn sie der Erosion durch Wind und/oder Wasser Vorschub leisten und die Austrocknung der Böden begünstigen.

Alle diese Faktoren können auf längere Sicht zu einer Verschiebung des Vegetationsspektrums einer Region in Richtung stärker trockenheitsresistenter Pflanzen führen. Dies ist in der Regel mit einer Zunahme der Zahl der verholzten Pflanzen verbunden, was eine Abnahme des Nährwerts der Weidevegetation zur Folge hat. Man bezeichnet dieses meist durch Überweidung auftretende Problem als Verbuschung.

Neben all diesen biologischen Steuerelementen spielt der anthropogene Ursachenkomplex der Desertifikation eine entscheidende Rolle. „Bei der Untersuchung und Bewertung der Desertifikation muss die humangeographische und soziologische Komponente zumindest gleich-, wenn nicht vorrangig beachtet werden. Schließlich kommt dem anthropogenen Faktor bei der Bekämpfung der Desertifikation die Schlüsselrolle zu, denn wo auch immer in den Trockengebieten der Erde eine Übernutzung bzw. Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vonstatten geht, sind als Ursachen dafür vorrangig historische, soziologische und ökonomische Entwicklungen und Zwänge auszumachen, die entweder einzeln, oder aber – und das ist die Regel – in ihrem Komplexen Zusammenspiel Desertifikationsprozesse auslösen.“ (Mensching & Seuffert 2001) Eine besonders große Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem wachsenden Bevölkerungsdruck zu, der in nahezu allen von der Desertifikakation betroffenen Gebieten zu steigenden politischen und sozialen Defiziten führt, da die betroffenen Gebiete oft sogar innerhalb des jeweiligen Landes kaum integrierte Randbereiche und damit auch Armutsgebiete darstellen, für die in der Regel keine Landnutzungspläne (LNP) existieren. Auch rein ökonomische Gründe können großflächige Desertifikationsprozesse auslösen. Ein Beispiel hierfür sind die großen Farmgebiete in Namibia und die Estancias in Patagonien, wo es durch Haltung riesiger Schafbestände zu starker Überweidung gekommen ist. Die Überweidung ist neben dem Bevölkerungsdruck das wohl häufigste Problem im Zusammenhang mit Desertifikation. Dabei wird ein zu großer Viehbestand auf einer zu kleinen Weidefläche gehalten, eine Weideflächenrotation ist durch den hohen Tierbestand oft nicht mehr möglich. (Mensching & Seuffert 2001) Dies wird neben Statusgründen zumeist durch die Verbreitung von Tierkrankheiten bedingt, da angesichts der meist geringen Fleischproduktivität und hoher Sterblichkeitsraten unter den Zuchttieren durch die Haltung übermäßig großer Bestände vorgesorgt werden soll. Mehr gesunde Tiere mit höherer Kalbungsrate und mit höherer Fleisch- oder Milchproduktion würden auch kleinere Herden ermöglichen. (Mensching 1990)

Ein weiteres Problem stellt die Abholzung von Wäldern dar. Der Baumbestand wird oft völlig dezimiert und Jungwuchs ist in vielen Fällen kaum noch zu sehen. Das Holz wird für Feuerholz, für Hütten-, Zaun- und Brunnenbau und als Holzkohle benötigt. Leider fehlen oftmals andere Energiequellen, so dass die in den betroffenen Gebieten wirtschaftenden Menschen kaum einen Ausweg haben. (Barth 1980) Auch ökologisch nicht angepasster Ackerbau auf durch Zerstörung der natürliche Vegetation degradierten Fläche ist ein großes Problem bei dem viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Durch die Degradierung kommt es zu einer Austrocknung des Bodens, die eine Verkürzung der Wachstumsperioden der Pflanzen bedingt. Die sich daraus ergebenden Ernterückgänge versucht man meist durch eine Verkürzung der Brachzeiten zu kompensieren, wodurch der Boden ausgelaugt wird und schließlich auf Grund der fehlenden Nährstoffe keinen Ackerbau mehr möglich ist.

Als verstärkender Faktor kommt der exportorientierte Anbau von so genannten Cash Crops hinzu, der sich durch den Anbau von Monokulturen (z. B. Baumwolle, Erdnüsse) auszeichnet. Der Anbau ist auf Ertragsmaximierung ausgerichtet und soll die Handelsbilanz der betroffenen Länder ausgleichen. Die Monokulturen machen häufig den Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden notwendig, was in der Regel jedoch auf lange Sicht hin zu einer weiteren Verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit führt.

Durch falsche Verwendung mechanischer Anbautechniken, z. B. das Pflügen in Richtung des Hanggefälles, wird die Möglichkeit zur Abschwemmung von Bodenmaterial verstärkt. Durch zu starke Auflockerung des Bodens kann es außerdem zu äolischer Deflation[12] kommen. Die nicht mehr durch Vegetation fixierten Sandgebiete können mobilisiert werden und es entstehen Dünensysteme, die sich mit der Windrichtung in noch intakte Anbaugebiete hineinbewegen. Sie vernichten wertvolles Kulturland, gefährden Brunnen und Gewässer und entwerten Weideland. Die Winderosion ist auch dafür verantwortlich, dass auf gerodeten Böden – auch Brandrodung begünstigt Desertifikationsprozesse – fruchtbare Bodenkrumen ausgeblasen werden, da Sträucher und Bäume fehlen und so keinen Windschutz mehr bieten können. Da keine bodenschützende Pflanzendecke mehr vorhanden ist, ist die Gefahr von Bodenerosion erheblich. Ursache für das Phänomen der linien- oder flächenhaften Erosion ist die herabgesetzte Infiltrationsgeschwindigkeit und Infiltrationskapazität des oberflächlich vegetationslosen, verhärteten Bodens. Der Oberflächenabfluss wird dadurch verstärkt und es können Spülungsprozesse einsetzen. Je größer die Reliefunterschiede sind, desto größer ist die Tendenz zur Bildung von Abflussrinnen bis hin zu so genannten „badlands“, in denen jegliche Form landwirtschaftlichen Anbaus unmöglich ist. (Strahler & Strahler 2002) Eine weitere Folge äolischer Deflationsprozesse ist ein hoher, durch Sandstürme hervorgerufener Staubgehalt in der Luft, in Folge dessen es zur Versandung von Straßen kommt. Die Intakthaltung der in den Desertifikationsgebieten meist ohnehin schlechten Infrastruktur kostet jährlich erheblich Summen. (Mensching 1990)

Ein ebenfalls nicht zu vernachlässigendes Problem in den Trockengebieten der Erde ist der ökologisch nicht angepasste Ackerbau (Regenfeldbau jenseits der agronomischen Trockengrenze[13]) und die Verwendung mangelhafter Bewässerungstechniken. Ökologisch nicht angepasster Ackerbau birgt ein sehr hohes Desertifikationspotential. Die natürliche Regenerationskraft der Vegetation ist in diesen Gebieten bereits klimatisch beschränkt, so dass flächenhafte Rodungen, auf denen in Trockenjahren nicht angebaut werden kann, der verstärkten Erosion, vor allem durch Wind, ausgesetzt sind. „Dies hat eine ständige Bodenverschlechterung zur Folge. Wenn in solchen Gebieten zusätzlich noch der geringe Baumbestand geschlagen und Weideflächen vollständig überweidet werden, entstehen in den Jahren mit Niederschlagsdefizit ausgedehnte desertifizierte Flächen mit wüstenhaften Bedingungen. Solche Flächen sind, wenn einmal die Desertifikation um sich gegriffen hat, nur schwer zu rekultivieren [...].“ (Mensching 1990)

„Die Bewässerungslandwirschaft gilt allgemein als ein sichererer Produktionsstandort als der Regenfeldbau in den Trockengebieten, jedenfalls solange ausreichend Wasser für die regelmäßige Bewässerung der in Kultur genommenen Flächen vorhanden ist. Diese können von großen Stauwerken, von Tiefbrunnen oder auch von natürlichen Flüssen oder traditionellen Brunnen mit Wasser versorgt werden.“ (Mensching 1990) Als Ursache von Desertifikation in Bewässerungsgebieten gilt allgemein die Versalzung der Böden. Die hierdurch verursachte Verringerung der Produktion liegt zwischen 40% bei mittlerer und 80% bei starker Versalzung. (BMZ 2003) Zur Versalzung kommt es entweder durch die Verwendung von zu salzreichem Wasser oder durch ein nicht ausgewogenes Verhältnis zwischen Wasserzufuhr (mit geringem Salzgehalt) und entsprechender Durchspülung der Böden mit Ableitung des in Folge der hohen Verdunstungsraten salzangereicherten Wassers. Da in den ariden Klimazonen, wie bereits erwähnt, die Evaporation die Niederschlagsmenge übersteigt, kommt es im Boden zu einer aufwärts gerichteten Wasserbewegung, die den Aufwärtstransport von Salzen fördert, welche im Oberboden auskristallisieren und durch fehlenden Regen nicht ausgespült werden. Durch die stetige Salzanreicherung im Boden kommt es schließlich zur Salzausblühung auf den Bewässerungsfeldern, die dadurch für die Agrarproduktion wegfallen.

Zur Bewässerung von Ackerland werden in den Ober- und Mittelläufen vieler Flüsse zahlreiche Staudämme gebaut. Auch dies kann Desertifikation verursachen. Durch Staudämme wird die Wasserführung der Flüsse verringert, und ehemalige Weideflächen in den Flussniederungen flussabwärts der Staubecken trocknen zunehmend aus bis sie nicht mehr nutzbar sind. Ein weiteres Problem ist die Absenkung des Grundwasserspiegels in Folge von Wasserentnahme aus Tiefbrunnen. An sich ist bei jeder Brunnennutzung eine Absenkung des Grundwasserspiegels in der Umgebung völlig normal, jedoch ist die aktuelle Grundwasserneubildungsrate in der Trockengebieten gering. Die Grundwasservorkommen in den Trockengebieten sind in der Regel quartären Ursprungs und regenerieren sich heute nicht mehr in dem Maße wie sie genutzt werden. Durch die übermäßige Wasserentnahme aus Tiefbrunnen werden die fossilen, begrenzten Wasserreserven der Trockengebiete letztendlich zerstört.

[...]


[1] Arid: Zonen, in denen die potentielle Verdunstung in nahezu allen Monaten höher ist als der Niederschlag, stark negative Wasserbilanz.

[2] Semi-arid: Zonen, in denen die Wasserbilanzen nahezu ausgeglichen sind, die potentielle Verdunstung in einigen Monaten aber die Niederschlagsrate übersteigt.

[3] Subhumid: Zonen, in denen die Wasserbilanz in einigen Monaten positiv, in anderen jedoch negativ ausfällt, Niederschlagsvariabilität 25 %.

[4] Die Passatzirkulation ist der Teil der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre, der zwischen 30° N und 30° S anzutreffen ist. Durch die Ausbildung der Passatinversionsschicht zwischen 15°-30° N/S wird ein Luftmassenaustausch und damit die Bildung hoher Wolken und Niederschläge weitgehend verhindert. (Strahler & Strahler 2002)

[5] Die Kontinentalität nimmt mit der Entfernung vom Meer zu. Je höher sie ist, desto größer werden die Temperaturgegensätze im Jahresgang.

[6] Die außertropischen Westwinde sind bodennah wehende Winde zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und den Tiefdruckgebieten der Polarfront.

[7] Globalstrahlung = direkte Strahlung + diffuse Strahlung.

[8] Albedorate: Drückt das Rückstrahlvermögen der Erdoberfläche aus.

[9] Infiltrationskapazität: Maximale Eindringtiefe für Regenwasser. Sie ist abhängig von der Struktur, der Textur und der von diesen Faktoren abhängigen Feldkapazität des Bodens. Bei tonigen oder dicht gelagerten Böden ist die Feldkapazität etwa 5 mal höher als bei sandigen, d. h. während bei einem Regenereignis Wasser in die oberen 50 cm eines Sandbodens gelangt, werden bei einem Tonboden mit derselben Wassermenge nur die oberen 10 cm befeuchtet. Wenn nun die oberen 5 cm des Bodens austrocknen würden, wären bei einem Tonboden schon 50 % des Regens verloren, während man beim Sandboden nur 10 % Verlust hätte.

[10] Textur: Körnung, dass heißt die Korngröße der Bodenpartikel bezeichnend.

[11] Struktur: Räumliche Anordnung der Bodenpartikel.

[12] Ausblasung von Bodenmaterial durch Wind (Winderosion).

[13] Grenze bis zu der bewässerungsfreier Feldbau möglich ist (350 mm/Jahr in Winterregengebieten, 500 mm/Jahr in Sommerregengebieten). (Schultz 2002)

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Desertifikation. Erscheinungsformen, Entwicklung und Bekämpfung eines globalen Umweltsyndroms
Hochschule
Universität Bremen  (Ökologie)
Veranstaltung
Grundwissen Umweltschutz
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V39473
ISBN (eBook)
9783638382250
ISBN (Buch)
9783668222052
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Desertifikation, Grundwissen, Umweltschutz
Arbeit zitieren
Christiane Weiner (Autor), 2004, Desertifikation. Erscheinungsformen, Entwicklung und Bekämpfung eines globalen Umweltsyndroms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39473

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