Der Begriff „Desertifikation“ kommt aus dem Lateinischen „desertus facere“, was verwüsten bedeutet. Unter Desertifikation versteht man die anthropogen verursachte Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse in Gebiete hinein, in denen sie zonal-klimatisch eigentlich nicht existieren. Nach der UNCOD 1977 (United Nations Conference on Desertification) wird Desertifikation folgendermaßen definiert: “Desertification is the impoverishment of arid, semi-arid and some subhumid ecosystems by the impact of man`s activity [..] Desertification is the result of land abuse.” (UN 1977)
Nicht durch den Menschen verursachte Ausbreitung wüstenhafter ökologischer Verhältnisse, die vor allem am Zustand des Bodens und der Vegetation sichtbar werden, bezeichnet man als Desertion.
Der heute weltweit verwendete Terminus „Desertifikation“ wurde erst durch die oben genannte UN-Konferenz allgemein bekannt. Diese wurde 1977 als Folge einer verheerenden Dürrekatastrophe in der Sahelzone nach Nairobi einberufen. Die von 1969-1974 andauernde Dürre im südlichen Randbereich der Sahara und die in der Folge verstärkt auftretende Ausbreitung wüstenhafter Bedingungen in dieser ursprünglichen Dornsavannenregion war allerdings nur ein Element, das die Initiierung bzw. Beschleunigung des Desertifikations-prozesses steuerte. Andere, und nicht weniger wichtige Auslöser und Steuerfaktoren dieses Geschehens waren Nutzungsfehler der in dieser Region wirtschaftenden Menschen, insbesondere auf dem agrarischen Sektor.
Inhaltsverzeichnis
1 Umweltproblem Desertifikation
1.1 Zur Definition der Desertifikation
1.2 Verbreitung und Ausmaß der Desertifikation
1.3 Ursachen der Desertifikation
1.4 Folgen der Desertifikation
2 Desertifikation und die UNCCD
2.1 Ziel der Konvention
2.2 Instrumente und Organe der UNCCD
2.3 Unterstützung der Umsetzung der Konvention von deutscher Seite
3 Desertifikationsbekämpfung
3.1 Strategien zum nachhaltigen Ressourcenmanagement
3.2 Risikominimierung
3.3 Anwendungsbeispiele aus China
3.4 Schwerpunkt der deutschen EZ
4 Erfahrungen und Perspektiven
4.1 Erfolge und Probleme bei der Desertifikationsbekämpfung am Beispiel der Sahelzone
4.2 Kritik
4.3 Ausblick
5 Desertifikation und Biologen
5.1 Berufsfelder für Biologen
5.2 Nationale und Internationale Organisationen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Ursachen und den ökologischen sowie sozioökonomischen Folgen der Desertifikation. Das primäre Ziel ist die Analyse effektiver Bekämpfungsstrategien, insbesondere unter Einbeziehung der UNCCD, der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und praktischer Ansätze des Ressourcenmanagements in betroffenen Regionen.
- Grundlagen und Definition der Desertifikation als globales Umweltsyndrom
- Analyse der anthropogenen Ursachen und ökologischen Degradationsprozesse
- Rolle internationaler Abkommen (UNCCD) und nationaler Aktionsprogramme
- Methoden des nachhaltigen Ressourcenmanagements (Boden- und Wasserschutz)
- Erfahrungen aus Praxisbeispielen in der Sahelzone und in China
Auszug aus dem Buch
1.3 Ursachen der Desertifikation
Hierbei handelt es sich fast immer um ein Zusammenwirken von mehreren Ursachenfaktoren. Die meisten Ursachen der Desertifikation sind auf den Menschen zurückzuführen. Durch seine Eingriffe kommt es zu einer Übernutzung bestimmter Ökosysteme. Desertifikation umfasst die Degradation von Böden und Vegetation und führt zu einer kontinuierlichen Verminderung des Weidepotentials und der Ernteerträge. Im Gegensatz zur Dürre ist der Mensch an der Desertifikation ursächlich beteiligt („man-made-desert“). (Mensching & Seuffert 1990) Im Folgenden wird zunächst die biologische Seite der Desertifikationsursachen besprochen, bevor auf die sozioökonomischen Faktoren eingegangen wird.
Der Einstieg in das Desertifikationssyndrom geschieht nach Mensching und Seuffert in der Regel durch die anthropogene Zerstörung der natürlichen Vegetation. Dies gilt für alle Komponenten, von der Baum- und Strauch- bis zur Kraut- und Grasvegetation. In trockenen Klimaten ist die Regenerierbarkeit der Vegetation umso stärker eingeschränkt, je größer die Variabilität des Klimas ist. Dies gilt vor allem im hygrischen Bereich. Bei trockenen, sehr variablen Klimabedingungen besteht ein großes Anbaurisiko, da man selten über mehrere Jahre kalkulieren kann. Generell bedeutet Aridität für die Pflanzenwelt ein Wachstumhemmnis. Eine hohe Niederschlagsvarialibität erschwert aber nicht nur das Wachstum, sondern kann, besonders bei Gräsern und Kräutern, bis zum Vertrocknen der Pflanze führen. Jede großflächige Vegetationsvernichtung bedeutet eine Aridifizierung des Klimas der bodennahen Luftschicht mit einer Reihe von Folgen. Dazu gehören die oberflächliche Verhärtung von Böden bis hin zur Rindenbildung und als direkte Folge eine Verringerung der Infiltrationskapazität für Regenwasser. Dies wiederum fördert einerseits die fluviale Bodenabspülung und führt andererseits zur verstärkten Deflation der transportierten Sedimente. Insgesamt bedeutet dies nicht nur eine verstärkte, sondern zugleich auch eine mehr flächenhaft wirkende Erosion, d. h. eine Kappung der obersten, nährstoffreichen Bodenschichten, die sehr schnell zu wüstenhaften Vorgängen und Formen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Umweltproblem Desertifikation: Erläutert die wissenschaftliche Definition, Verbreitung und die maßgeblichen anthropogenen Ursachen der Desertifikation.
2 Desertifikation und die UNCCD: Beschreibt die Ziele, Instrumente und Organe der internationalen Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation.
3 Desertifikationsbekämpfung: Analysiert Strategien zum nachhaltigen Ressourcenmanagement, Risikominimierung sowie konkrete Beispiele aus China und der deutschen EZ.
4 Erfahrungen und Perspektiven: Bewertet Erfolge und Probleme in der Sahelzone, übt Kritik an aktuellen Ansätzen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Anforderungen.
5 Desertifikation und Biologen: Skizziert die Rolle von Biologen in der Desertifikationsbekämpfung und listet relevante Berufsfelder und Organisationen auf.
Schlüsselwörter
Desertifikation, Landdegradierung, UNCCD, Trockengebiete, Ressourcenmanagement, Bodenerosion, Wasserernte, Sahelzone, Nachhaltigkeit, Anthropogene Einflüsse, Klimawandel, Entwicklungszusammenarbeit, Bodenfruchtbarkeit, Wassermangel, Ökosystemschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das globale Phänomen der Desertifikation, ihre Ursachen, ihre verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sowie die Möglichkeiten ihrer Eindämmung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die ökologische Definition des Begriffs, die Rolle des Menschen bei der Bodendegradation, internationale politische Rahmenbedingungen und praktische Ansätze zur nachhaltigen Landbewirtschaftung ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Desertifikation durch ein Zusammenspiel von technischer Hilfe, sozioökonomischer Anpassung und politischer Strategien erfolgreich bekämpft werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender geographischer und entwicklungspolitischer Studien sowie der Auswertung von Fallbeispielen aus der Entwicklungszusammenarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ursachen, die Vorstellung der UNCCD als politischer Rahmen, technische Methoden des Ressourcenschutzes und die kritische Würdigung praktischer Projekte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Desertifikation, Landdegradierung, UNCCD, Ressourcenmanagement, Bodenerosion und Nachhaltigkeit.
Warum ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung bei Projekten so entscheidend?
Ohne die Akzeptanz und Mitwirkung der betroffenen Bevölkerung lassen sich keine dauerhaften Erfolge erzielen, da traditionelle Lebensgewohnheiten und lokale Wissensbestände direkt über das Gelingen oder Scheitern von Schutzmaßnahmen entscheiden.
Warum wird die Rolle der Frau in dieser Arbeit hervorgehoben?
Frauen tragen im ländlichen Raum die Hauptlast der täglichen Landbewirtschaftung, Viehzucht und Haushaltsführung, sind jedoch in Entscheidungsprozessen oft unterrepräsentiert, was ihre Einbindung zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg macht.
Welche Bedeutung haben Landnutzungskarten?
Sie sind essenziell, um einen Überblick über Anbausituationen in verschiedenen Jahren zu erhalten, Grenzlinien für den Ackerbau festzulegen und Weideareale vor Übernutzung zu schützen.
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- Christiane Weiner (Author), 2004, Desertifikation. Erscheinungsformen, Entwicklung und Bekämpfung eines globalen Umweltsyndroms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39473