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Der Wandel von Klientelismus zur Bürgergesellschaft in Mexiko

Title: Der Wandel von Klientelismus zur Bürgergesellschaft in Mexiko

Examination Thesis , 2005 , 81 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anne Schalper (Author)

Politics - Region: Middle and South America
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„Recent political events in Latin America suggest a transformation in state-society relations. Across the region, there are indications that voter compliance and, as a result, elections can no longer be secured by the time – honored practice of exchanging votes for favors otherwise known as clientelism. Indeed, the recent difficulties experienced by the Institutional Revolutionary Party (PRI) in Mexico and the continued success of the Workers Party (PT) in Brazil have been interpreted as evidence that traditional mechanisms of political control are breaking down.”

Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 erlebte Mexiko ein politisches Novum. Nach über 71 Jahren wurde der Partido Revolucionario Institucional (PRI), der Mexiko seit 1929 regierte, abgewählt. Stattdessen stimmte die Bevölkerung für Vicente Fox, den Kandidaten der katholisch- konservativen Partido Acción Nacional (PAN).
Der außergewöhnlich lange Machterhalt des PRIs basierte in hohem Maße auf Klientelismus. Hierbei handelt es ich um informelle Abhängigkeitsverhältnisse, bei denen private Leistungen im Gegenzug für politische Unterstützung getauscht werden. So existierte sowohl zwischen Staat und Gesellschaft, als auch innerhalb der Partei ein Netz aus gegenseitigen Gefälligkeiten und Abhängigkeiten, an dessen Spitze der mexikanische Präsident stand. Bei Wahlen kann der Klientelismus in der Form des Stimmenkaufs, der Tausch einer Ware gegen eine Wählerstimme, auftreten.
Als ab Mitte der 80er Jahre der Einfluss des PRIs durch wirtschaftliche und politische Reformen sank, versuchte der PRI vermehrt durch Stimmenkauf den Machterhalt zu sichern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klientelismus aus theoretischer Perspektive

2.1. Ursachen und Folgen des Klientelismus

2.2. Klientelismus bei Wahlen: Der Stimmenkauf

2.3. Der Klientelismus: Eine informelle Institution

2.3. Die „defekte Demokratie“

2.5. Fazit

3. Die Transformation von Klientelismus zur Bürgergesellschaft

3.1. Die Public Choice Theorie

3.2. Klientelismus versus das Konzept der Bürgergesellschaft

3.3. Der Wandel von Klientelismus zur Bürgergesellschaft

3.3.1. Der Moment der Krise

3.3.2. Wandel durch die Zivilgesellschaft

3.4. Fazit

4. Der mexikanische Staat unter 71 Jahren PRI- Herrschaft (1929-2000)

4.1. Das politische System Mexikos

4.2.Geschichtlicher Überblick des 20. Jahrhunderts

4.3. Klientelismus auf staatlicher Ebene

4.3.1. Der PRI als „Catch- all“ Partei

4.3.2. Zentrale Partei- und Staatsführung

4.3.3. Nichteinmischungspakt mit dem Militär

4.4. Klientelismus zwischen Staat und Gesellschaft

4.4.1. Korporativismus

4.4.2. Direkter Stimmenkauf

4.4.3. PRONASOL- ein Beispiel für indirekten Stimmenkauf

4.5. Die Wahlen 2000

4.6. Fazit

5. Warum wandte sich die mexikanische Bevölkerung bei den Wahlen 2000 vom Klientelismus ab?

5.1. Der Moment der Krise

5.1.1. Die Wirtschaftskrisen

5.1.2. Der weltweite Prozess der Demokratisierung

5.2. Transformationen auf der politischen Ebene

5.2.1. Ursachen der Transformation

5.2.2. Stärkung des Instituto Federal Electoral

5.2.3. Steigende Achtung der bürgerlichen Freiheitsrechte

5.2.4. Gerechtere Parteienfinanzierung

5.2.5. Ausgeglichenere Präsenz in den Medien

5.2.6. Umfassende Privatisierungsmaßnahmen

5.3. Transformationen auf der gesellschaftlichen Ebene

5.3.1. Gründe für den Stimmenkauf

5.3.2. Legitimitätsverlust des PRI

5.3.3. Die transformative Rolle der Zivilgesellschaft

5.3.3.1. Entwicklung der mexikanischen Zivilgesellschaft

5.3.3.2. Transformation durch die Zivilgesellschaft

5.4. Transformation auf der parteiinternen Ebene

5.4.1. Parteiinterne Krise

5.4.2. Gründung des PRD

6. Fazit: Gründe der Abkehr der Bevölkerung vom Klientelismus bei den Wahlen 2000

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die Abkehr der mexikanischen Bevölkerung vom Klientelismus bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000, nach über 71 Jahren der Herrschaft des Partido Revolucionario Institucional (PRI). Im Zentrum steht die Forschungsfrage, warum klientelistische Mechanismen zur Wählermobilisierung in diesem Fall ihre Wirksamkeit verloren haben.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen von Klientelismus und Stimmenkauf als informelle Institutionen.
  • Untersuchung der Transformation von Klientelismus zur Bürgergesellschaft unter Anwendung der Public Choice Theorie.
  • Darstellung des mexikanischen politischen Systems und der Mechanismen der PRI-Herrschaft (Korporativismus, staatliche Kontrolle).
  • Untersuchung des Wandels auf politischer, gesellschaftlicher und parteiinterner Ebene ab den 1980er Jahren.
  • Evaluation der Rolle der Zivilgesellschaft und des "Moments der Krise" als Auslöser für den politischen Wandel.

Auszug aus dem Buch

2.3. Der Klientelismus: Eine informelle Institution

„Institutionen sind alle normativ gesetzten und empirisch beobachtbaren Regeln, mit deren Hilfe nutzenorientierte Akteure ihren Entscheidungsspielraum strukturieren, und somit die Komplexität ihrer Umwelt verringern.“ Sie machen Prozesse planbar und voraussehbar.

Informelle Institutionen sind Institutionen, die außerhalb der im politischen System festgelegten offiziellen Codes (Verfassung und Gesetze) agieren. Sie entstehen durch informelle, in der Regel nicht schriftlich festgelegte Vereinbarungen und sind das Ergebnis gesellschaftlicher Selbstorganisation. Ihre Regeln sind trotz fehlender schriftlicher Satzung allen Mitspielern bekannt. Damit von einer informellen Institution gesprochen werden kann, muss sie strukturell verankert sein, und darf keine kurzweilige Erscheinung sein. Hans-Joachim Lauth zählt zu den informellen Institutionen den Klientelismus, die Korruption und die gewaltförmige Beteiligung.

Formale und informelle Institutionen können sich gegenseitig verdrängen oder in ihrer Wirkungsweise miteinander verflochten sein, so dass die Funktionslogik formaler Institutionen davon beeinträchtigt wird. Im Verdrängungsfall konkurrieren sie mit dem Staat, indem sie als informeller Staat – oder als Staat im Staate- agieren.

Im Verflechtungsfall leben informelle Institutionen quasi auf Kosten der Formellen: Sie instrumentalisieren sie für ihre Zwecke. So ist es auch bei dem Stimmenkauf, da die informelle Institution, der Klientelismus, sich der formellen Institution, den Wahlen, bedient. Er wird somit auch als parasitäre Institution bezeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Zäsur der Wahlen 2000 in Mexiko ein und stellt die Forschungsfrage nach den Gründen für den Rückgang des Klientelismus.

2. Klientelismus aus theoretischer Perspektive: Dieses Kapitel definiert Klientelismus und Stimmenkauf und ordnet sie als informelle, entwicklungshemmende Institutionen in eine defekte Demokratie ein.

3. Die Transformation von Klientelismus zur Bürgergesellschaft: Es werden Thesen zur Transformation von Klientelismus erläutert, wobei Konzepte wie der Moment der Krise und die Public Choice Theorie genutzt werden.

4. Der mexikanische Staat unter 71 Jahren PRI- Herrschaft (1929-2000): Hier wird das klientelistische System der PRI-Herrschaft, inklusive Korporativismus und Stimmenkauf, detailliert historisch analysiert.

5. Warum wandte sich die mexikanische Bevölkerung bei den Wahlen 2000 vom Klientelismus ab?: Dieses Kernkapitel untersucht die Transformationen auf politischer, gesellschaftlicher und parteiinterner Ebene, die den Wandel ermöglichten.

6. Fazit: Gründe der Abkehr der Bevölkerung vom Klientelismus bei den Wahlen 2000: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Abkehr ein rationaler Akt aufgrund veränderter politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen war.

Schlüsselwörter

Klientelismus, Mexiko, PRI, Bürgergesellschaft, Stimmenkauf, Demokratisierung, defekte Demokratie, Transformation, Korporativismus, Zivilgesellschaft, Wahlen 2000, politische Reform, Legitimitätskrise, informelle Institutionen, Public Choice Theorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Übergang Mexikos von einem über Jahrzehnte durch Klientelismus geprägten Einparteiensystem hin zu einer Bürgergesellschaft, kulminierend in der Abwahl des PRI im Jahr 2000.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Themenfelder umfassen die theoretische Definition von Klientelismus, die Analyse des mexikanischen politischen Systems unter dem PRI sowie die Untersuchung transformativer Prozesse auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, warum die mexikanische Bevölkerung bei den Präsidentschaftswahlen 2000 trotz des Versuchs von Stimmenkauf massenhaft vom klientelistischen Muster abwich.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze wie die Public Choice Theorie und die Konzepte von Jonathan Fox und Robert Gay zur Transformation von Klientelismus auf den mexikanischen Fall anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Strukturen der PRI-Herrschaft sowie die Transformationen seit den 1980er Jahren, insbesondere die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen, Wahlrechtsreformen und das Erstarken der Zivilgesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Klientelismus, PRI, Bürgergesellschaft, Stimmenkauf, Demokratisierung und Transformation.

Welche Rolle spielte das Programm PRONASOL?

PRONASOL diente der Regierung als Instrument des indirekten Stimmenkaufs, um durch gezielte Sozialausgaben in strategischen Regionen die Loyalität der Wähler zum PRI-Regime zu sichern.

Warum war der Stimmenkauf bei den Wahlen 2000 kontraproduktiv?

Studien zeigen, dass der Stimmenkauf durch die PRI in der aufgeklärteren politischen Kultur von 2000 nicht mehr den gewünschten Erfolg brachte, sondern teilweise eine abschreckende Wirkung hatte.

Ist der Rückgang des Klientelismus auf ein höheres Bildungsniveau zurückzuführen?

Nein, die Arbeit zeigt anhand von Daten, dass keine substantielle Steigerung des Bildungsniveaus vorlag; die Abkehr wird stattdessen durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung der Bürger in einem Moment der Krise erklärt.

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Details

Title
Der Wandel von Klientelismus zur Bürgergesellschaft in Mexiko
College
University of Potsdam
Grade
2,0
Author
Anne Schalper (Author)
Publication Year
2005
Pages
81
Catalog Number
V39482
ISBN (eBook)
9783638382335
Language
German
Tags
Wandel Klientelismus Bürgergesellschaft Mexiko
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne Schalper (Author), 2005, Der Wandel von Klientelismus zur Bürgergesellschaft in Mexiko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39482
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