Nach dem für Deutschland verlorenen Weltkrieg und nachdem am 05.06.1945 die oberste Regierungsgewalt durch die Alliierten übernommen worden war sahen es die Siegermächte als ihre Aufgabe an, entsprechend ihren Festlegungen auf der Potsdamer Konferenz vom 17.07. bis 02.08.1945 das Gebiet des Deutschen Reiches zu reorganisieren. Den Vereinbarungen zufolge sollte jede Besatzungsmacht auf dem ihr unterstellten Territorium für die Durchsetzung des 4-D-Programms sorgen: Demilitarisierung, Denazifizierung, Deindustrialisierung und Dezentralisierung. Das in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland bestand aus den Gebieten, die das Deutsche Reich 1937 vor den Annexionen der Kriegs- und unmittelbaren Vorkriegszeit, gebildet hatten, abzüglich der Gebiete östlich der Oder und Lausitzer Neiße. Diese wurden von Polen und im Falle von Nordostpreußen, von der UdSSR, verwaltet und durch Vertreibung der deutschen Bevölkerung und Ansiedlung von Polen beziehungsweise Russen, de facto einverleibt, eine staatsrechtliche Regelung stand aus. Auf dem restlichen Gebiet entstanden vier Besatzungszonen, diese markierten nicht den Frontverlauf bei Kriegsende, sondern waren das Ergebnis von Verhandlungen. Berlin wurde, ebenfalls wie Wien, als Viersektorenstadt von den Besatzungsmächten gleichermaßen verwaltet. Jede Besatzungszone schuf nur auf dem ihr unterstellten Gebiet neue Länder, zonenübergreifende Räume kamen nicht zustande. Diese Veränderungen der politischen Gestalt Deutschlands in der ersten Nachkriegsjahren sowie ihre kurz nach Bildung beider deutscher Staaten erfolgte teilweise Umstrukturierung ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gründung neuer Länder
2.1. Westliche Besatzungszonen
2.1.1. Amerikanische Besatzungszone
2.1.2. Französische Besatzungszone
2.1.3. Britische Besatzungszone
2.2. Sowjetische Besatzungszone
2.3 Berlin
2.4 Spätere Grenzkorrekturen
3. Ergebnis und Ausblick
4. Literatur (Auswahlbibliographie)
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der administrativen und territorialen Neuordnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Das primäre Ziel ist die Analyse der Prozesse, die zur Gründung neuer Länder in den jeweiligen Besatzungszonen führten, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen Strategien der Alliierten sowie der entstehenden deutsch-deutschen Strukturen.
- Territoriale Reorganisation der Besatzungszonen nach 1945
- Die föderale Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen
- Die Rolle der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und die spätere Bezirksbildung
- Der Sonderstatus Berlins als Viersektorenstadt
- Strukturveränderungen und Länderneugliederungen des Jahres 1952
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Amerikanische Besatzungszone
Die amerikanische Besatzungszone umfasste Bayern ohne die Pfalz, die nördlichen Teile Badens und Württembergs, Teile Hessens und der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Ebenso wie die anderen Besatzungsmächte standen auch die USA vor dem Problem, das okkupierte Gebiet mit seinen knapp 17 Millionen Menschen, zu denen zirka 4,5 Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten, im Falle Bayerns besonders aus Sudeten, hinzukamen, zu verwalten. Eine dauerhafte Truppenpräsenz wurde mit Hinblick auf die entstehenden Kosten nicht angestrebt. Auch sahen es die Amerikaner als nötig an, Deutschland nicht weiter aufzuteilen, Rheinland und Ruhr sollten entgegen französischen Vorstellungen weiterhin dem deutschen Staatsverband angehören, der allerdings neu zu organisieren war. Verhältnismäßig schnell wurden daher von der Militärregierung in der Proklamation Nr.2 am 19.09.1945 „die Länder Bayern, Groß-Hessen, und Württemberg- Baden als oberste Verwaltungseinheiten eingerichtet“. An die Stelle der zentralistischen Struktur, die in Deutschland seit der Machtübernahme Hitlers geherrscht hatte, sollte eine föderale treten. Als Vorbild diente den Amerikanern hierbei ihr eigener Staatsaufbau. Ein wichtiger Aspekt sollte die ökonomische Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit der Länder sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Ausgangslage nach 1945, die Potsdamer Konferenz und die demographischen sowie politischen Herausforderungen für die Besatzungsmächte bei der Reorganisation der deutschen Gebiete.
2. Die Gründung neuer Länder: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die administrative Schaffung der neuen Länder in den westlichen Zonen, der sowjetischen Zone sowie den Sonderstatus von Berlin.
3. Ergebnis und Ausblick: Das Fazit bewertet den langfristigen Erfolg der administrativen Neuordnung und den Übergang von den Besatzungsstrukturen hin zu den späteren föderalen Systemen beziehungsweise zur Zentralverwaltung in der DDR.
4. Literatur (Auswahlbibliographie): Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Standardwerke zur Nachkriegsgeschichte.
Schlüsselwörter
Deutschland, Zweiter Weltkrieg, Alliierte Besatzung, Besatzungszonen, Länderneugründungen, Föderalismus, SBZ, Bundesrepublik Deutschland, DDR, Verwaltungsstruktur, Grenzkorrekturen, Potsdam, Militärregierung, Nachkriegsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die politische und territoriale Umgestaltung Deutschlands zwischen 1945 und 1952, insbesondere die Entstehung neuer Länder durch die Alliierten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die US-amerikanische, französische, britische und sowjetische Besatzungspolitik sowie die spezifische Entwicklung in Berlin und die Umstrukturierungen des Jahres 1952.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die Besatzungsmächte Deutschland in neue politische Einheiten gliederten und wie diese neuen Strukturen die spätere politische Gestalt der beiden deutschen Staaten prägten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse auf Basis von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und Proklamationen der Militärregierungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach Besatzungszonen und analysiert, wie die jeweiligen Mächte die Verwaltung ihres Territoriums föderal oder zentralistisch organisierten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besatzungszonen, Länderneugründungen, Föderalismus, Alliierte, Nachkriegszeit, Grenzziehung und Verwaltungsstruktur.
Warum wurde das Saarland in der französischen Besatzungszone besonders behandelt?
Das Saarland nahm aufgrund französischer Annexionsbestrebungen und der wirtschaftlichen Angliederung an Frankreich von 1948 bis 1956 eine Sonderstellung als Protektorat ein.
Wie unterschied sich die Länderpolitik in der SBZ von der in den westlichen Zonen?
Während in den westlichen Zonen ein föderaler Aufbau nach US-Vorbild angestrebt wurde, ersetzte die DDR ihre Länder später durch Bezirke, um eine zentralistische Kontrolle durch die SED zu gewährleisten.
Welche Rolle spielte die Bevölkerung bei den Grenzkorrekturen?
Die Bevölkerung war oft von den administrativen Entscheidungen betroffen, etwa bei der Flucht und Vertreibung, aber auch bei regionalen Volksbefragungen oder dem Widerstand gegen Gebietszusammenschlüsse.
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- M.A. Carl Christian Wahrmann (Author), 2002, Länderneugründungen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39491