Die Rolle der Frau im Spanien der 50er Jahre war, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern der Zeit, auf häusliche und familiäre Tätigkeiten beschränkt. Frauen hatten Kinder zu gebären, die Familie zu umsorgen und sich um den Haushalt zu kümmern. In einem traditionell katholischen Land wie Spanien wurde noch dazu die Bedeutung des Glaubens besonders betont. Ähnlich den ideologischen Vorgaben des nationalsozialistischen Deutschlands wurden auch Frauen unter Franco auf die Bereiche Kinder, Küche und Kirche beschränkt.
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit der Rolle der Frauen in drei Filmen von Juan Antonio Bardem – Cómicos, Muerte de un ciclista und Calle Mayor – beschäftigen. Dazu werde ich zuerst in einem theoretischen Teil darstellen, welche Rollen Frauen unter Franco einnehmen konnten, welcher Handlungsspielraum ihnen überlassen wurde und mit welchen Mitteln diese Unterlegenheit und Abhängigkeit der Frau von ihrer Familie, ihrem Mann und dem Staat sanktioniert und durchgesetzt wurde.
Anschließend werde ich anhand der Filme Cómicos, Muerte de un ciclista und Calle Mayor zeigen, wie Bardem diese gesellschaftliche Realität filmisch umsetzt und welche Handlungsmöglichkeiten der Regisseur seinen Protagonistinnen überlässt. Ich werde zeigen, inwiefern die drei Hauptprotagonistinnen abhängig von Männern sind, in welcher gesellschaftlichen Position sie sich befinden und wie sie deshalb ihre staatlich vordefinierte Rolle erfüllen (müssen). Es soll jeweils gezeigt werden, welche Konsequenzen die gesellschaftliche Stellung der Protagonistinnen für ihr Leben haben und welche Bedeutung die Ideale Kinder, Küche und Kirche für jede haben. Ich werde darstellen, ob sich Alternativen für das Verhalten der Frauen bieten und welch unterschiedliche Wege die Protagonistinnen schließlich in der von Männern dominierten Welt suchen. Abschließend soll jeweils gezeigt werden, dass und in welcher Weise Bardem Kritik an der ihn umgebenden Gesellschaft übt.
Gliederung
1. Einleitung
2. Das Frauenbild im Spanien der fünfziger Jahre
3. Das Frauenbild bei Juan Antonio Bardem
3.1 Das Frauenbild in Cómicos
3.2 Das Frauenbild in Muerte de un ciclista
3.3 Das Frauenbild in Calle Mayor
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Repräsentation der Frau im Spanien der 1950er Jahre anhand dreier Filme von Juan Antonio Bardem. Dabei wird analysiert, inwiefern die Protagonistinnen in einem repressiven, von Männern dominierten gesellschaftlichen System agieren und inwieweit der Regisseur durch ihre individuellen Lebensentwürfe Kritik an den herrschenden Geschlechteridealen übt.
- Rolle der Frau im Franco-Regime (Kinder, Küche, Kirche)
- Gesellschaftliche Repression und Abhängigkeitsverhältnisse
- Filmische Umsetzung gesellschaftlicher Realität bei Bardem
- Individuelle Handlungsspielräume und Emanzipationsversuche
- Gesellschaftskritik durch Filmfiguren
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Frauenbild in Cómicos
Ana Ruiz, die Protagonistin im Film Cómcios (1954), nimmt in der sie umgebenden Gesellschaft eine relativ unabhängige Position ein. Ihr Beruf als Schauspielerin ermöglicht es ihr, eigenes Geld zu verdienen – auch wenn es nie ganz ausreicht; im Land herumzureisen und auf die Erfüllung ihrer eigenen Träume, die Hauptrolle in einem Theaterstück, zu hoffen und dafür zu kämpfen. Die Tatsache, dass in den 50er Jahren im spanischen Kino eine Frau so deutlich die Hauptrolle spielt, ist für die Zeit ungewöhnlich.
Trotz ihrer relativen Unabhängigkeit zeigt sich jedoch, dass sich Ana nicht völlig von der sie umgebenden Gesellschaft und deren Standards lossagen kann: als sie mit Miguel, einem Schauspielerkollegen, im Künstlercafé sitzt und beide überlegen, wie die für sie nicht sichtbare Stadt aussieht, stellen sie sich einen Ort vor, der der spanischen Provinzstadt im Film Calle Mayor stark ähnelt. Das Leben in dieser Stadt kann jedoch für eine Frau nicht als unabhängig bezeichnet werden, da es genau festlegt, welche Rolle ihre Einwohner einzunehmen haben und dadurch repressiv wirkt: Die jungen Leute, die später heiraten werden, schlendern über eine Plaza Mayor, an der auch eines der Dinge thront, das die Freiheit der Menschen entscheidend einschränkt: eine Kathedrale.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die historisch-ideologische Situation der Frau im Franco-Spanien und definiert die Zielsetzung der Untersuchung dreier Filme von Juan Antonio Bardem.
2. Das Frauenbild im Spanien der fünfziger Jahre: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche, soziale und religiöse Unterordnung der Frau sowie die staatliche Förderung traditioneller Geschlechterrollen.
3. Das Frauenbild bei Juan Antonio Bardem: Im Hauptteil wird detailliert analysiert, wie die Protagonistinnen der Filme Cómicos, Muerte de un ciclista und Calle Mayor jeweils mit den gesellschaftlichen Vorgaben umgehen.
4. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass die staatlichen Ideale für die Frauen in den Filmen nicht lebensfähig sind und Bardem diese Strukturen als repressive Fassaden entlarvt.
Schlüsselwörter
Juan Antonio Bardem, Franco-Spanien, Frauenbild, Cómicos, Muerte de un ciclista, Calle Mayor, Gesellschaftskritik, Geschlechterrolle, Emanzipation, Unterordnung, 1950er Jahre, spanischer Film, Patriarchat, Repression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Rolle der Frau im Spanien unter Franco anhand von drei Spielfilmen des Regisseurs Juan Antonio Bardem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die rechtliche und gesellschaftliche Unterdrückung der Frau, den Einfluss des Nationalkatholizismus sowie den Kampf um Unabhängigkeit in einer patriarchal geprägten Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bardem durch die Schicksale seiner Protagonistinnen die Unmenschlichkeit und Verlogenheit der gesellschaftlichen Normen der 1950er Jahre kritisiert.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche und kulturhistorische Analyse, die soziologische Hintergründe mit der filmischen Umsetzung der Charaktere verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die drei Filme Cómicos, Muerte de un ciclista und Calle Mayor untersucht, um individuelle Wege der Auseinandersetzung mit der herrschenden Ideologie aufzuzeigen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Franco-Spanien, Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen und die spezifischen Filmtitel charakterisieren.
Warum ist das Frauenbild in "Calle Mayor" besonders repressiv?
In "Calle Mayor" wird deutlich, dass eine Frau selbst dann, wenn sie die gesellschaftlichen Regeln exakt befolgen möchte, durch Spott und Ausgrenzung scheitert, da sie ohne Ehemann als "alte Jungfer" sozial nicht existieren kann.
Welche Rolle spielt der Egoismus in "Muerte de un ciclista"?
Der Egoismus der Hauptfigur María José dient als Entlarvung der Elitegesellschaft, die moralische Werte wie Treue nur als dekorative Fassade nutzt, um ihren luxuriösen Lebensstil zu schützen.
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- Claudia Müller (Author), 2005, Kinder, Küche, Kirche? Die Rolle der Frau in Juan Antonio Bardems "Cómicos", "Muerte de un ciclista" und "Calle Mayor", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39506