Was ist überhaupt Steuerwettbewerb und welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Konkurrenzsituation für den Staat? Steht der Wohlfahrtsstaat in Gefahr, gibt es einen Steuersenkungswettlauf und betreiben die neuen EU-Beitrittsländer Steuerdumping?
Auf die Fragen möchte die vorliegende Hausarbeit Antworten geben. Ausgehend von einer theoretischen Annäherung an das Thema (Abschnitt 2) wird in Abschnitt 3 die aktuelle Diskussion aufgezeigt, mit den Pro- und Contra Argumenten zum Steuerwettbewerb, die Schaffung eines europäischen Verhaltenskodex und den Aspekten der Steuergestaltung im Steuerwettbewerb. Eine Konkretisierung erfährt diese Arbeit in den Kapiteln 4. und 5. Anhand der Umsatzsteuer und der Körperschaftssteuer möchte ich die aktuellen europäischen Entwicklungen aufzeigen. Auf die jeweiligen Harmonisierungsbestrebungen wird dabei im Kontext des Seminars „Reformen in der Steuerpolitik“ besonders eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Betrachtung des Steuerwettbewerbs
2.1. Allgemeines
2.2. Das Tiebout-Modell
2.3. Die Leviathan Theorie
2.4. Das Entdeckungsverfahren
2.5. Zusammenfassung
3. Die Diskussion um den Steuerwettbewerb in Europa
3.1. Pro und Contra des Steuerwettbewerbs
3.2. Der europäische Verhaltenskodex
3.3. Steuergestaltung im Steuerwettbewerb
4. Die Umsatzsteuer im Lichte des Steuerwettbewerbs
4.1. Allgemeines
4.2. Die Harmonisierungsbestrebungen in der EU
4.3. Perspektive der Umsatzsteuer
5. Die Körperschaftssteuer im Lichte des Steuerwettbewerbs
5.1. Allgemeines
5.2. Die Harmonisierungsbestrebungen in der EU
5.3. Perspektive der Körperschaftssteuer
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Steuerwettbewerbs innerhalb der Europäischen Union und analysiert dessen Auswirkungen sowie die Notwendigkeit steuerpolitischer Harmonisierung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob der Steuerwettbewerb zu einem ruinösen „race to the bottom“ führt oder ob er als notwendiger Mechanismus zur Förderung von Effizienz und Standortattraktivität betrachtet werden kann, insbesondere im Hinblick auf die Umsatz- und Körperschaftssteuer.
- Theoretische Grundlagen des Steuerwettbewerbs (Tiebout-Modell, Leviathan-Theorie)
- Pro- und Contra-Argumente im Kontext der EU-Osterweiterung
- Analyse der Harmonisierungsbestrebungen bei Umsatz- und Körperschaftssteuern
- Untersuchung von Steuergestaltung und Gewinnverlagerung bei Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1. Pro und Contra des Steuerwettbewerbs
Kritiker des Steuerwettbewerbs erklären, Steuerwettbewerb bringe ineffiziente Ergebnisse hervor und führe zu einer ruinösen Steuerkonkurrenz. Insbesondere der fiskalische Wettbewerbsdruck führe zu ineffizient niedrigen Steuersätzen und bedrohe damit den Wohlfahrtsstaat. Der Staat würde seine Handlungsfähigkeit verlieren und die Bereitstellung der öffentlichen Güter wäre nicht gesichert. Sinn hat dies mit seiner „Selektionsthese“ beschrieben:
„… weil Staaten eine Selektion jener Aufgaben erfüllen, bei denen der privatwirtschaftliche Wettbewerb versagt. Weil Marktversagen Staatsaufgaben begründet, hat es wenig Sinn, den Markt durch die Hintertür des Systemwettbewerbs wieder einzuführen. Wenn also z.B. der Staat öffentliche Güter produziert, deren privatwirtschaftliche Bereitstellung zu einem ruinösen Wettbewerb führt, ist dann nicht ein ruinöser Wettbewerb zwischen den Staaten zu erwarten?“
Der daraus resultierende Wettbewerb verschärft den Druck auf die Steuersätze und führe zu einem sog. „race to the bottom“, d.h. ein Steuersenkungswettlauf und dies hätte zwangsläufig eine Erosion der Steuereinnahmen zur Folge. Der Staat ein Opfer der Globalisierung?
Diese Argumentation wird vor allem durch das Beispiel der Besteuerung von mobilem Kapital sehr deutlich. Aus der Konkurrenzsituation wächst der Anreiz, durch eine Senkung der Kapitalbesteuerung, zusätzliches Kapital anzuziehen. Gleichzeitig fällt für die Gebietskörperschaften das Steueraufkommen auf einen Tiefstand. In den letzten Jahren stieg die Mobilität erheblich an. Eine Harmonisierung der Zinsbesteuerung ist bisher nicht gelungen. In der Praxis prognostizieren deshalb Ökonomen langfristig ein verschwinden der Kapitalbesteuerung im Steuerwettbewerb. Als einen ersten Schritt in diese Richtung sehen C. Fuest/ W. Fuest in den europäischen Ländern einen Trend zur Umstrukturierung der Steuersysteme: Mehr indirekte Steuern, weniger direkte Steuern (siehe dazu Abschnitt 4 bzw. 5). D.h. Senkung der Kapitalbesteuerung und im Gegenzug Erhöhung der Konsumbesteuerung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um unterschiedliche Steuersätze in der EU und die damit verbundenen Vorwürfe des Steuerdumpings durch neue Mitgliedsstaaten.
2. Theoretische Betrachtung des Steuerwettbewerbs: Dieses Kapitel erläutert ökonomische Erklärungsmodelle wie das Tiebout-Modell und die Leviathan-Theorie, die unterschiedliche Sichtweisen auf den Wettbewerb zwischen Staaten bieten.
3. Die Diskussion um den Steuerwettbewerb in Europa: Hier werden die kontroversen Pro- und Contra-Argumente sowie der europäische Verhaltenskodex und die Problematik der Steuergestaltung bei multinationalen Unternehmen erörtert.
4. Die Umsatzsteuer im Lichte des Steuerwettbewerbs: Das Kapitel analysiert die Umsatzbesteuerung in Europa, die Harmonisierungsbestrebungen der EU und die Perspektiven für zukünftige Entwicklungen.
5. Die Körperschaftssteuer im Lichte des Steuerwettbewerbs: Hier stehen die Unterschiede in der Körperschaftsbesteuerung der EU-Staaten sowie der Trend zur Bemessungsgrundlagen-Harmonisierung und zum Shareholder-Relief-System im Fokus.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und bewertet den Steuerwettbewerb als systemimmanente Herausforderung, die eine aktive Strukturpolitik erfordert.
Schlüsselwörter
Steuerwettbewerb, Europa, Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer, Harmonisierung, Steuerdumping, Globalisierung, Leviathan, Tiebout-Modell, Standortpolitik, Steuergestaltung, Fiskalpolitik, EU-Erweiterung, Kapitalbesteuerung, Unternehmensbesteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen und politischen Debatte über den Steuerwettbewerb zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Erklärungen für Staatenwettbewerb, die EU-Harmonisierungsbemühungen bei Umsatz- und Körperschaftssteuern sowie die Frage nach Steuerdumping durch osteuropäische Beitrittsländer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob der Steuerwettbewerb in der EU zu ruinösen Effekten führt oder ob er als notwendiges Instrument für Effizienz und Standortattraktivität positiv zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung finanzwissenschaftlicher Literatur (wie Tiebout-Modell und Leviathan-Theorie) und kombiniert diese mit einer Analyse aktueller EU-Steuerentwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Diskussion von Pro- und Contra-Argumenten, eine spezifische Analyse der Umsatz- und Körperschaftssteuersysteme in der EU sowie deren Harmonisierungstendenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Steuerwettbewerb, Harmonisierung, Fiskalpolitik, Standortpolitik, Gewinnverlagerung und EU-Osterweiterung.
Wie bewertet der Autor den Vorwurf des Steuerdumpings durch neue EU-Länder?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Vorwurf des unfairen Steuerdumpings nicht haltbar ist; niedrige Steuersätze allein stellen nach dem europäischen Verhaltenskodex kein Indiz für unfaire Praktiken dar.
Welche Rolle spielt die Gewinnverlagerung für deutsche Unternehmen?
Die Gewinnverlagerung wird als Reaktion auf hohe nationale Steuersätze diskutiert, wobei Unternehmen versuchen, Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verschieben, was den heimischen Fiskus unter Druck setzt.
Wird eine Erhöhung der Umsatzsteuer in Deutschland als wahrscheinlich angesehen?
Zum Zeitpunkt der Arbeit wird eine Erhöhung der Umsatzsteuer nicht erwartet, obwohl es wissenschaftliche Impulse (z.B. durch das ZEW) für eine Anpassung bzw. Abschaffung reduzierter Sätze gibt.
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- Torge Maaßen (Autor), 2005, Steuerwettbewerb in Europa und die Konsequenzen für den Staat, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39578