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Die jüdische Gemeinde Zürichs im Mittelalter: Rechte - Verfolgung - Vertreibung

Title: Die jüdische Gemeinde Zürichs im Mittelalter: Rechte - Verfolgung - Vertreibung

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 5.5 (CH!)

Autor:in: Philipp Schlatter (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Dass die Juden im Mittelalter auch in der Schweiz diskriminiert und verfolgt worden waren, war mir bekannt; nicht aber in welchem Umfang und aus welchen Beweggründen. Als Fallbeispiel habe ich Zürich gewählt, weil ich in der Agglomeration aufgewachsen bin, das Gymnasium in dieser Stadt absolviert habe und nun auch an der Universität Zürich studiere.
Im ersten Teil meiner Proseminararbeit, habe ich es mir zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, wie der Alltag der Juden im mittelalterlichen Zürich aussah; welche Rechte sie hatten, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienten.
Danach möchte ich auf die Diskriminierung, Vertreibung und Verfolgung der Juden eingehen. Erst einmal möchte ich einen eher allgemeinen Überblick geben, weshalb die Juden Aussenseiter in der christlichen Gesellschaft Europas des Mittelalters waren: Welche Ereignisse haben zu der Ausweisung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung geführt? Welche angeblichen Verbrechen wurde ihnen vorgeworfen, in welcher Art und Weise wurde gegen sie vorgegangen?
Danach will im Speziellen auf die Situation der Juden in Zürich eingehen. Wann wurden sie vertrieben oder gar verfolgt? Was wurde ihnen vorgeworfen, welche Beweggründe steckten dahinter? Bei der Untersuchung dieser Fragen habe ich einen chronologischen Aufbau gewählt, damit die vielen Veränderungen unterworfene Situation der Zürcher Juden nachvollziehbar wird. Die politischen Entwicklungen in der Stadt Zürich, welche nicht spurlos an den Juden vorbeigegangen sein dürften, möchte ich dabei weitgehend ausser Acht lassen, da dies den Rahmen meiner Proseminararbeit sprengen würde.
In erster Linie stütze ich mich bei der Untersuchung dieser Fragen auf Darstellungen, welche zu diesem Thema verfasst wurden. Dabei gilt es allerdings anzumerken, dass viele dieser Werke nicht unbedingt auf dem neusten Stand und im Fall von Baer und Steinberg um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden sind. Dennoch ist ihr Informationsgehalt beachtlich und dürfen deshalb nicht ausser Acht gelassen werden – zumal die Erforschung dieser Thematik im Bezug auf die Stadt Zürich noch in den Kinderschuhen zu stecken scheint, wie ein Blick in die Bibliographie zur Geschichte der Juden in der Schweiz verrät.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Entstehung und Struktur der jüdischen Gemeinde Zürichs

1.1. Rechtliche Stellung

1.2. Wirtschaftliche Tätigkeit

2. Die mittelalterlichen Beschuldigungen gegen die Juden

2.1. Ritualmord

2.2. Hostienschändung

2.3. Schuld am Schwarzen Tod – Brunnenvergiftung

3. Vertreibung und Verfolgung der Zürcher Juden

III. Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Diese Proseminararbeit untersucht die Lebensbedingungen der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Zürich, wobei der Fokus auf ihrer rechtlichen Stellung, ihrer wirtschaftlichen Rolle als Geldverleiher sowie den Mechanismen ihrer Diskriminierung, Verfolgung und schließlichen Vertreibung liegt.

  • Strukturelle Analyse der jüdischen Gemeinde in Zürich im Mittelalter.
  • Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Abhängigkeit von der Obrigkeit.
  • Darstellung der wirtschaftlichen Tätigkeit als Geldverleiher im Kontext des Zinsverbots.
  • Analyse der mittelalterlichen antijüdischen Vorurteile (Ritualmord, Hostienschändung, Brunnenvergiftung).
  • Dokumentation der Verfolgung und Vertreibung während der Pestjahre und in der Folgezeit.

Auszug aus dem Buch

1. Entstehung und Struktur der jüdischen Gemeinde Zürichs

Die Frage, wann die ersten Juden in Zürich ansässig wurden, ist schwer zu beantworten. Es gilt aber als sicher, dass schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Juden in Zürich lebten. Der St. Galler Chronist Ruchimeister berichtet, dass 1273 Walther von Elgg infolge Verarmung den Juden in Zürich einen grossen Kelch verpfändet habe. Frühere urkundliche Erwähnungen existieren nicht, eine etwas weiter zurückreichende Dauer ihrer Siedlungen darf aber angenommen werden.

Auf jeden Fall muss es sich um eine grössere Anzahl von Juden gehandelt haben, die sich in der Limmatstadt niedergelassen haben. Darauf weist der Zürcher Richterbrief von 1304 hin, in dem unter anderem auch die Bedingungen für die Aufnahme von Juden sowie deren Rechte und Pflichten festgehalten sind. Die Zahl der Juden, die sich im 14. Jahrhundert in Zürich niedergelassen hatten, ist nicht bekannt. Es ist aber mit 10 bis 15 grösseren Familien zu rechnen, die zusammen über 100 Personen zählten. Nach 1400 ist die jüdische Bevölkerung zurückgegangen, die Gründe hierfür sollen in Kapitel 3 veranschaulicht werden.

Die Zürcher Juden waren auf jeden Fall zahlreich genug, um eine eigene Synagoge mit einem Rabbiner und einem eigenen Friedhof zu unterhalten. Die Synagoge, damals als „Judenschuol“ bezeichnet, befand sich in der kleinen Brunngasse (heute: Froschaugasse Nr. 4); die Mikwe, das rituelle Tauchbad, wird im Nebenhaus vermutet. Archäologische Untersuchungen gaben der Zürcher Historikerin Florence Guggenheim-Grünberg recht, welche die Synagoge schon früher an diesem Standort vermutet hatte. Der 1382 errichtete Friedhof lag vor dem Lindentor am Wolfbach im Bereich der heutigen Krautgartengasse. Die Zürcher Juden wohnten vorwiegend in der Nähe der Synagoge, weshalb die heutige Froschaugasse damals auch Judengasse genannt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, die Situation der Juden im mittelalterlichen Zürich zu erforschen, und legt den chronologischen Aufbau sowie die methodische Herangehensweise dar.

II. Hauptteil: Dieser Teil behandelt die Entstehung der jüdischen Gemeinde, deren wirtschaftliche Abhängigkeit vom Geldverleih sowie die religiös und ökonomisch motivierten Anschuldigungen, die zu Pogromen führten.

1. Entstehung und Struktur der jüdischen Gemeinde Zürichs: Es wird die Ansiedlung der Juden, ihre rechtliche Stellung als Kammerknechte und ihre räumliche sowie soziale Situation in Zürich beschrieben.

1.1. Rechtliche Stellung: Das Kapitel erläutert die rechtliche Unterordnung unter Kaiser und Rat, das eingeschränkte Bürgerrecht sowie die zahlreichen Verbote, denen die jüdische Bevölkerung unterlag.

1.2. Wirtschaftliche Tätigkeit: Hier wird die Rolle der Juden als Geldverleiher im Kontext des christlichen Zinsverbots und ihre Bedeutung für die städtische Finanzwirtschaft analysiert.

2. Die mittelalterlichen Beschuldigungen gegen die Juden: Dieses Kapitel thematisiert die Entstehung und Verbreitung antijüdischer Vorurteile, die als Legitimationsgrundlage für Verfolgungen dienten.

2.1. Ritualmord: Untersuchung des Ritualmordvorwurfs als wiederkehrendes, strukturelles Motiv der Judenfeindschaft und beispielhafte Darstellung eines Falls in Diessenhofen.

2.2. Hostienschändung: Beschreibung der Legende von der Hostienschändung, die als Anlass für Verfolgungen und Hinrichtungen missbraucht wurde.

2.3. Schuld am Schwarzen Tod – Brunnenvergiftung: Darstellung der verhängnisvollen Anschuldigung der Brunnenvergiftung während der Pestepidemie, die 1349 im „Judenbrand“ kulminierte.

3. Vertreibung und Verfolgung der Zürcher Juden: Dieses Kapitel fasst den Ablauf der Verfolgungen in Zürich zusammen, von den Pogromen 1349 bis hin zur endgültigen Ausweisung im 15. Jahrhundert.

III. Schlusswort: Zusammenfassende Reflexion über die prekäre Existenz der Juden im mittelalterlichen Zürich, deren Duldung stets an ihren ökonomischen Nutzen geknüpft war.

Schlüsselwörter

Judentum, Mittelalter, Zürich, Judenverfolgung, Pogrom, Geldverleih, Antisemitismus, Ritualmord, Brunnenvergiftung, Kammerknechtschaft, Vertreibung, 1349, Wirtschaftsgeschichte, Synagoge, Zinsverbot.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zürich während des Mittelalters, insbesondere ihre sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie ihre gewaltsame Vertreibung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die rechtliche Stellung, die Rolle als Geldverleiher, die religiösen und ökonomischen Wurzeln der Judenfeindschaft und der Verlauf der Verfolgungen durch die städtische Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Alltag der Juden im mittelalterlichen Zürich zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Schutzversprechen der Obrigkeit aufgrund von Vorurteilen und wirtschaftlichem Druck immer wieder brachen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei der Autor Darstellungen und Quellensammlungen zur Zürcher Wirtschaftsgeschichte heranzieht, um die historische Entwicklung chronologisch nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Gemeinde, die spezifischen rechtlichen und ökonomischen Bedingungen, die antijüdischen Anschuldigungen wie Ritualmord oder Brunnenvergiftung und die Pogrome.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Judentum, Mittelalter, Zürich, Judenverfolgung, Geldverleih, Ritualmordlegenden, wirtschaftlicher Nutzen und Vertreibung.

Warum war das Zinsverbot für die Situation der Juden entscheidend?

Da Christen das Ausleihen von Geld gegen Zinsen verboten war, übernahmen Juden diese Funktion. Dies sicherte ihnen zwar eine Existenzgrundlage, machte sie aber auch gesellschaftlich isoliert und anfällig für Neid und Vorwürfe.

Warum konnte der Zürcher Rat die Juden nicht dauerhaft schützen?

Obwohl die Obrigkeit die Juden anfangs schützte, beugte sie sich in Krisenzeiten wie der Pestepidemie dem Volkszorn, oft auch, weil sie selbst bei Juden verschuldet war und die Vertreibung Schulden tilgte.

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Details

Title
Die jüdische Gemeinde Zürichs im Mittelalter: Rechte - Verfolgung - Vertreibung
College
University of Zurich  (Historisches Seminar)
Course
Proseminar II: Einführung in das Studium der Geschichte
Grade
5.5 (CH!)
Author
Philipp Schlatter (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V39620
ISBN (eBook)
9783638383424
ISBN (Book)
9783638762236
Language
German
Tags
Gemeinde Zürichs Mittelalter Rechte Verfolgung Vertreibung Proseminar Einführung Studium Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Schlatter (Author), 2003, Die jüdische Gemeinde Zürichs im Mittelalter: Rechte - Verfolgung - Vertreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39620
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