Wie wird in Deutschland Bier gebraut, getrunken und vor allen Dingen erforscht? Diese Arbeit gibt einen Abriss der Geschichte des Bieres wieder, angefangen von seiner Entstehung vor 9000 Jahren bis zum heutigen Weg seiner Herstellung, bis zum Endprodukt in der Flasche. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das Konsumverhalten des Verbrauchers gelegt. Weiterhin wird gefragt, wie die volkskundliche Nahrungsforschung mit dem Lieblingsgetränk der Deutschen umgeht.
Hauptthema aber ist der Wandel in der Brautradition, wie sie am Beispiel eines mittelhessischen Landkreises verdeutlicht wird. Während in Deutschland das Brauwesen zunehmend monopolisiert und globalisiert wird, halten sich drei kleine Brauereien in Marburg und Umgebung unter Anstrengungen am Leben. Wie und mit welchem Selbstverständnis sie dies erreichen wird hier aus volkskundlich-ökonomischer Sicht betrachtet: Wie verhalten sich die kleinen Privatbetriebe im Vergleich zum bundesdeutschen Trend? Gibt es einen Trend “back to the roots”? Warum greift der Deutsche zum Einheitspils anstatt zum Charakterbier? Ist auch hier eine Veränderung des Verhaltens zu spüren?
Zum besseren Verständnis des Bildes, wie es sich in diesem Landkreis darstellt, wird der Wandel des Brauwesens und der Brautradition im historischen Kontext der Region eingebettet untersucht, der als stellvertretend für die Geschichte vieler Brauereien in Deutschland angesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Bier forschen – ein Thema? Das Bier in der Nahrungsforschung.
1.1. Populärkultur
1.2. Quellenlage
1.3. Wein und Bier
2. Bier brauen. Zur Geschichte der Bierherstellung.
2.1. Wer? Wie? Wann? Was? Die Geschichte des Bierbrauens.
2.2. Stark? Voll? Spezial? Export oder doch Lokal? Die Bierherstellung oder auch: „Der kleine Unterschied“
2.2.1. Vier Freunde sollt ihr sein: Die Zutaten laut deutschem Reinheitsgebot
2.2.2. Der Brauprozess
3. Bier trinken. Zum Wandel lokaler Brautradition.
3.1. Der Bier-Industrie geht es schlecht. Der ganzen Bier-Industrie? Nein, ein kleiner Landkreis scheint dem wirtschaftlichen Trend zu trotzen...
3.1.1. Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit: Das Wesentliche des Marburger Brauwesens
3.1.2. Brauen in Marburg nach 1516
3.1.3. Pauperismus und Industrialisierung in Marburg
3.2. Die Marburger Spezialitäten-Brauerei
3.2.1. Regional total: Die Firmenphilosophie des Klaus Rauh.
3.2.2. Ein kleiner ökonomischer Exkurs: Die deutsche Bier-Industrie und wie sie sich heute darstellt.
3.2.2.1. Die Auslöser der deutschen Bierkrise oder auch: Was bin ich?
3.3. Das Beispiel „Licher“-Brauerei Giessen
3.4. Die Thome-Brauerei
3.5. Die Privatbrauerei Bosch
4. Stadt-Land-Fluß: Herz-Rhythmus-Störung? Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel lokaler Brautraditionen in Deutschland am Beispiel von drei ausgewählten Brauereien im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Ziel ist es, die soziokulturelle Bedeutung des Bieres als Nahrungsmittel sowie die ökonomischen Herausforderungen für mittelständische Brauereien im Kontext der Industrialisierung und des heutigen Marktdrucks durch Großkonzerne zu analysieren.
- Kulturgeschichte und Nahrungsforschung des Bieres
- Entwicklung und Wandel lokaler Brautraditionen
- Ökonomischer Überlebenskampf mittelständischer Familienbrauereien
- Veränderung von Konsumgewohnheiten und Marketingstrategien
- Fallstudien zur regionalen Identität und Brauereipraxis
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1. Die Auslöser der deutschen „Bier-Krise“ oder auch: Was bin ich?
Interessant ist zur Erforschung des Phänomens der aussterbenden Kleinbrauereien vor allen Dingen, wie es überhaupt zu dieser kritischen Situation kommen konnte. Im Gespräch mit mehreren Brauereibesitzern ist die Ursache im Aufkommen der ersten Mode-Biere der Marke Warsteiner, Veltins und Krombacher zu suchen. Sie hatten Anfang der Achtziger mit ihren Werbeslogans und einem Bier mit unkompliziertem, gefälligem, weil durch weniger gehopften und dadurch weniger herb-bitteren Geschmack den Nerv der Zeit getroffen. Die in dieser Zeit entstehende Yuppie-Kultur der Mittzwanziger sprach auf diese neue Sorte in den auffälligen, mit edlem goldenen Etikett und der goldenen Staniolumwickelung um den Flaschenhals an. Die mit dem Yuppietum verbundene leicht elitäre Haltung und der generelle Zeitgeist der Achtziger Jahre konnte sich gut mit den auf diesen Markt zugeschnittenen Bieren identifizieren.
Das Haus Cramer, das Warsteiner produziert, wirbt noch heute unverändert mit dem Slogan „Ausgezeichnet im Geschmack, es zeichnet den aus, der es auswählt und vor allem den, der es zu genießen versteht“ und „Eine Königin unter den Bieren“ auf seinen Etiketten. Auch der Titel, den die Krombacher Privatbrauerei für sich beansprucht, läßt ähnlich anspruchsvolles vermuten: „Eine Perle der Natur – Eines der besten Biere nach Pilsener Brauart“. Wer diese Biere trank, hob sich von der Masse der „einfachen“ Biertrinker, die bis dato eher das würzige Export-Bier als das herbe Pils bevorzugten, ab. Die Gaststätten und der Handel reagierten auf die verstärkte Nachfrage und in einem kontinuierlichen Prozeß strebten alle Pils-Brauereien den einheitlichen Geschmack an,
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Bier forschen – ein Thema? Das Bier in der Nahrungsforschung.: Dieses Kapitel beleuchtet den Mangel an volkskundlicher Forschung zum Thema Bier und ordnet es in die Nahrungsforschung ein.
2. Bier brauen. Zur Geschichte der Bierherstellung.: Hier werden die historischen Grundlagen des Bierbrauens, der Brauprozess sowie die Zutaten nach dem Reinheitsgebot erläutert.
3. Bier trinken. Zum Wandel lokaler Brautradition.: Der Hauptteil analysiert anhand von Fallstudien im Raum Marburg-Biedenkopf die wirtschaftliche Lage kleiner Brauereien im Kontext der industriellen Konzentration.
4. Stadt-Land-Fluß: Herz-Rhythmus-Störung? Fazit und Ausblick: Das Fazit zieht Resümee über die Überlebenschancen mittelständischer Braubetriebe durch regionale Identität und Flexibilität.
Schlüsselwörter
Bier, Brautradition, Marburg-Biedenkopf, Nahrungsforschung, Privatbrauerei, Reinheitsgebot, Industrialisierung, Regionalität, Brauprozess, Konsumverhalten, Familienbetrieb, Bierkrise, Spezialitätenbrauerei, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen und soziokulturellen Wandel der Brautradition und Bierkultur im Landkreis Marburg-Biedenkopf unter Berücksichtigung ökonomischer Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Bierherstellung, die Rolle von Regionalbrauereien, den Einfluss der Industrialisierung und das veränderte Trinkverhalten der Konsumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie es einigen kleinen, mittelständischen Brauereien gelingt, trotz des starken Marktdrucks durch große Konzerne und eines allgemeinen Bierkonsumrückgangs ihre Eigenständigkeit zu bewahren.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus historischer Quellenanalyse, volkskundlicher Nahrungsforschung und qualitativen Expertenbefragungen mit Inhabern regionaler Brauereien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Geschichte und der heutigen Firmenphilosophie der Brauereien "Marburger Spezialitäten-Brauerei", "Thome-Brauerei" und "Privatbrauerei Bosch" als Fallstudien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Regionalität, Bodenständigkeit, Familienbetrieb, Spezialitäten-Brauerei und der Wandel der Brautradition.
Warum spielt die Marburger Spezialitäten-Brauerei in der Untersuchung eine besondere Rolle?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für den Imagewandel einer Brauerei, die sich durch ökologische Ausrichtung und regionale Verwurzelung von der "Einheitsmasse" abhebt.
Wie bewertet die Autorin den Trend zu "Mode-Bieren" großer Konzerne?
Sie sieht darin eine Ursache für den "Einheitswahn" und den Verlust geschmacklicher Diversität, der die Existenz kleinerer Brauereien durch aggressives Marketing und Preisdruck gefährdet.
Welche Bedeutung hat der regionale Bezug laut der Autorin?
"Bier braucht Heimat" ist die zentrale Prämisse; die Identifikation der Konsumenten mit ihrem Standort ist der entscheidende Faktor für das Überleben der regionalen Braukultur.
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- Nadine Beck (Author), 2003, Hopfen und Malz, Gott erhalt's? Zum Wandel lokaler Brautradition in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39624