Das Jenaer Rathaus im Spiegel der denkmalpflegerischen Aufgaben des 20. Jahrhunderts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Baugeschichte

3. Das Jenaer Rathaus im Spiegel der Denkmalschutzbestimmungen des 20.Jahrhunderts
3.1. Denkmalpflege vor
3.2. Denkmalpflege bis
3.3 Denkmalpflege in der DDR
3.4. Die Wende – auch in der Denkmalpflege

4. Fazit und Kritik

5. Literaturangaben

1. Einleitung

Das Jenaer Rathaus hat im Laufe der Jahrhunderte sein Gesicht und sein Innenleben unzählige Male verändert. Es war seit seiner vorsichtig geschätzten Entstehung (s. Kapitel 2, Baugeschichte) Ende des 14.Jahrhunderts immer den jeweiligen Bedürfnissen der Bürger, die es nutzten, angepasst worden und spiegelt dies in seiner baulichen Uneinigkeit und stilistischen Varianz wieder. Besonders unter den wechselnden Schwerpunkten der „prä“- denkmalpflegerischen Ansätzen des 19. und besonders unter den denkmalpflegerischen Bestimmungen 20.Jahrhunderts wurde der Umgang mit dem historisch äußerst wertvollen Gebäude äußerst kontrovers diskutiert. Erst in jüngster Zeit scheint das Rathaus am Jenaer Markt seinen denkmalschützerischen Frieden gefunden zu haben.

Die Ziele, die im vergangenen Jahrhundert unter dem Deckmantel „Denkmalschutz“ oder „Denkmalpflege“ bezüglich des Rathauses verfolgt wurden, sollen in dieser Hausarbeit in den Fokus genommen werden. Zur Übersicht und besseren Orientierung geht dieser Analyse eine abrissförmige Baugeschichte des Objektes voraus. Diese beruht nicht auf Vollständigkeit, da selbst heute noch dank der mannigfaltigen undokumentierten baulichen Veränderungen und verwischten Spuren aufgrund unsachgemäßer „Sanierungsarbeiten“ eine korrekte „Vita“ des Jenaer Rathauses nicht zweifelsfrei zu schreiben ist.

Soweit eine einheitliche Linie für bestimmte zeitliche Perioden zu erkennen ist, soll diese vergleichend mit der heutigen Auffassung von Denkmalschutz in einem Fazit abschließend diskutiert und notfalls kritisiert werden.

2. Baugeschichte

Nach Durchsicht der zugänglichen Akten des Amtes für Denkmalpflege Erfurt und des Stadtarchives Jena lässt sich für das Rathaus in Jena am Markt 1 die folgende Baugeschichte als Informationsgrundlage für diese Bearbeitung feststellen:

Dehio[1] beschreibt das „ehemalige Rathaus“, das jetzt als Standesamt und Tagungsräume dient, als einen „wuchtigen, schmucklosen Bau“, der ab 1377 nachweislich als Standort für Brot- und Fleischbänke sowie als Kaufhaus für Pelz- und Tuchhändler genutzt wurde. Weiterhin wird es dort als „dreiseitig freistehender, annähernd quadratischer, zweigeschossiger Bau an der Westseite des Marktes mit zwei mächtigen, quer zum Markt liegenden Walmdächern von 1412/13“ beschrieben. Letzteres kann durch eine dendrochronologische Untersuchung des Dachstuhles von der Universität Bamberg aus dem Jahre 1996 bestätigt werden.

Laut der Dokumentation von Dorette Grumbt[2], der eine baugeschichtliche Untersuchung von ihr aus dem Jahre 1967 zugrunde liegt, wurde der Vorgängerbau des Jenaer Rathauses 1365 erstmals urkundlich erwähnt. Dem folgte noch vor 1378 ein Neubau des Rathauses, bei dem nach Angaben von Grumbt im Norden der alte Keller und ein dreigeschossiger massiver Bauteil aus dem 13.Jahrhundert übernommen bzw. verwendet wurden. Weiterhin entstanden in dieser Zeit die damalige Markthalle im Erdgeschoss und die Ratsdiele mit Ratsstube und Kapelle in der Südwestecke des Obergeschosses, die seit 1967 den Sitzungssaal bilden. Diese Kapelle wurde am 11.Juni 1378 nachweislich vom Stadtrat gestiftet. Dazu kamen als baulicher Zusatz im Jahre 1440 an der westlichen Südseite angebrachte Stützpfeiler. Um 1480 erfuhr die Rathausdiele eine erste Umgestaltung, bevor um 1500 der berühmte „Schnapphans“ an seinem Ursprungsort, der Nordseite des Rathausdaches, installiert wurde.

Für die erste Hälfte des 16.Jahrhunderts führt Grumbt den Einbau einer Bürgermeisterstube an der Marktseite der Rathausdiele an, die ebenfalls seit 1967 als Trauzimmer genutzt wird. Ebenfalls für die Marktseite konnten das Jahr 1632 für die Errichtung einer Steuerstube festgestellt werden. Die Tür zur o.g. Bürgermeisterstube wird auf 1683 datiert. Bis 1755 werden keine Veränderungen erwähnt, in diesem Jahr wird jedoch der gotische Zinnenkranz mitsamt den Scharwachtürmchen, den Butzenscheiben der Fenster und der Fassaden- und Wandmalereien beseitigt. Laut Dehio fällt auch eine in Traufhöhe angebrachte steinerne Kanzel an der Mitte der Marktseite den Veränderungen zum Opfer. Außerdem erfährt die Rathausuhr mit dem „Schnapphans“ einen Ortswechsel unter die Turmhaube des ebenfalls 1755 errichteten Fachwerkturmes zwischen den zwei Walmdächern.

Knapp einhundert Jahre später, 1842, werden laut Grumbt wiederum in der Südwestecke der Rathausdiele zwei Zimmer eingebaut und vor 1850, als Pendant zu denen an der westlichen Südseite, Stützpfeiler an der östlichen Südseite errichtet. Die Zimmer der Südseite werden allerdings im Jahre 1894 von der Rathausdiele abgetrennt. 1926 kann eine erste „Restauration“ des Inneren des Rathauses angeführt werden.

Die Schäden, die 1945 durch einen Stadtbrand, verursacht durch Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges, entstanden, wurden erst 1948 beseitigt und das Rathaus „wiederhergestellt“. Dabei baute man die Ratsstube und die ehemalige Kapelle zum Sitzungssaal um, die Deckenhöhen und Fenster angeglichen.

Eine finale Veränderung vor der Wende erfuhr das Rathaus durch die Renovierung des Sitzungssaals im Jahre 1966 und der darauffolgenden Restaurierung des Trauraumes 1968. Hier wurde bis 1969 ein Wandbild von Siegfried Wunderlich angebracht. Dem folgten nur noch unwesentliche Veränderungen wie Dachreparaturen nach Sturmschäden, aber auch der Anbau eines Kiosks an der Nordseite. Auf diese wird aber im folgenden Kapitel zusammen mit den gesamten Umbauten der letzten 50 Jahre eingegangen.

3. Das Jenaer Rathaus im Spiegel der Denkmalschutzbestimmungen des 20.Jahrhunderts

3.1. Denkmalpflege vor 1900

Wie aus der vorhergegangenen Baugeschichte hervorgeht, hatte das Jenaer Rathaus schon bis zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert eine sehr bewegte Vergangenheit. Es wurde entsprechend den Bedürfnissen der Stadt und des zeitgemäßen Stils und Geschmacks mehrmals verändert und laut dem Kommentar Lehfeldts[3] von 1897 im Jahre erstmals 1775 „da es baufällig geworden, auf Befehl des Landesherren restaurirt“. Dem Sinn des Wortes „restaurirt“ scheint damals eine andere Interpretation innegewohnt zu haben, wurden bei dieser und anderen Gelegenheiten doch gleich vom Herrscher des Landes An- und Umbauten sowie Übertünchungen unliebsamer Bemalungen angeordnet und, ganz im Gegenteil, nichts „wiederhergestellt“ außer dem Ansehen der Stadt. Entschuldigend muss man hinzufügen, dass der Begriff „Denkmalpflege“ bis dato noch nicht geprägt, geschweige denn salonfähig war.

Das und die Herangehensweise an Gebäude dieser Art änderte sich erst zu Beginn des 20.Jahrhunderts.

[...]


[1] Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, neu bearbeitet von Ernst Gall, München (u.a.), Deutscher Kunstverlag, 1993

[2] Grumbt, Dorette: Das Jenaer Rathaus, Gestalt und Geschichte, in : Schriften des Jenaer Stadtmuseums, Nr.14, Jena 1973

[3] Lehfeldt, Paul und Voss, Georg: Bau- und Kunstdenkmäler, Thüringens, Verlag für Kunstreproduktionen Neustadt an der Aisch, 1996

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Jenaer Rathaus im Spiegel der denkmalpflegerischen Aufgaben des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Denkmalpflege in Thüringen
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V39627
ISBN (eBook)
9783638383486
ISBN (Buch)
9783638790505
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jenaer, Rathaus, Spiegel, Aufgaben, Jahrhunderts, Denkmalpflege, Thüringen
Arbeit zitieren
Nadine Beck (Autor), 2003, Das Jenaer Rathaus im Spiegel der denkmalpflegerischen Aufgaben des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39627

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