Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus


Seminararbeit, 2004
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Struktur der Filmindustrie in der Weimarer Republik
2.1 Die UFA als Staatsdiener – Ein Gigant bietet Hilfestellung
2.2 Krise der deutschen Filmindustrie und Übernahme durch die Nationalsozialisten

3. Die Entfaltung konservativen und nationalistischen Gedankenguts im Film der Weimarer Republik
3.1 Beeinflussung jenseits des Bewusstseins?
3.2 Narkotisierende Dysfunktion: Ein Volk wird abgelenkt
3.3 Politische Funktion der Filme

4. Der filmische Widerstand der Arbeiterbewegung – Kampf mit ungleichen Waffen

5. Zensur (evtl. auch bei 4.)

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ohne Zweifel ist der Film als Sprache ein vortreffliches Mittel der Propaganda“[1]. Diese Erkenntnis des Filmwissenschaftlers Joseph Wulf hat seine Gültigkeit keineswegs ausschließlich im Betrachtungsrahmen des Nationalsozialismus. Der gleichgeschaltete Medienapparat der NSDAP muss als Extrembeispiel für wirksame Agitation und der Film hierbei als wichtiger Bestandteil gelten, doch der Ruf, aktiv politische Einflussnahme zu betreiben, eilte dem Genre schon einige Zeit zuvor voraus. In der Weimarer Republik, in der der Film zu einem der bedeutendsten Industriezweige heranwuchs, entfaltete er neben seiner wirtschaftlichen Kraft zweifellos ein großes Wirkungspotenzial, das einige Autoren, allen voran „der große Psychoanalytiker der Filmliteratur“[2], Siegfried Kracauer, von konservativen Kräften ausgenutzt sah. Speziell Kracauer schätzte diese Art der Einflussnahme als so mächtig ein, dass er dem Film eine dem Nationalsozialismus den Weg ebnende Funktion unterstellte. Hierauf deutet der Titel seines bekanntesten Werkes Von Caligari zu Hitler, der eine Verbindung des Weimarer Films zur Machtübernahme des Despoten nachzuzeichnen sucht.

Wie aber sehen Spezifik, Art und Umfang des filmischen Beitrags aus, „die zu den mentalen Veränderungsprozessen, die zur breiten Akzeptanz rechtskonservativer bis extrem republikfeindlicher Ideologien führten“[3] ?, fragt Helmut Korte, Deutschlands führender Filmwissenschaftler. Andere Autoren, am deutlichsten Thomas Koebner, ziehen indes die These in Zweifel, der Film der Weimarer Republik sei als Vorbote ihres Endes zu verstehen, wie er in seinem Aufsatz Von Caligari führt kein Weg zu Hitler zu belegen sucht, das er als neues Paradigma der Analyse des Weimarer Kinos verstanden wissen will.

Es stellt sich die Frage, die Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein soll: Inwiefern hat der Film in der Weimarer Republik die Funktion eines Wegbereiters des Nationalsozialismus erfüllt?

Hierzu ist zunächst ein bündiger Blick auf die Entwicklung der Filmindustrie von Nöten, um die für die filmische Wirkungsziele relevanten Besitzverhältnisse zu klären; im Anschluss soll eine Analyse relevanter Aspekte exemplarischer Werke die (direkten wie indirekten) Wirkungsmöglichkeiten und -intentionen des Films beleuchten, ehe eine Betrachtung des links-oppositionellen Films die Schwierigkeiten jener Kategorie erklären soll. Die Frage, inwiefern presserechtliche Bestimmungen die untersuchten Entwicklungen gehemmt oder begünstigt haben, ist Gegenstand des darauf folgenden Teils, der die Betrachtung abschließen soll.

2. Struktur der Filmindustrie in der Weimarer Republik

Kracauer entdeckte in der Mehrzahl der Werke des Weimarer Kinos – vor der ‚Machtergreifung’ und retrospektiv nach dem Krieg – Menetekel der Tyrannei. Als Folge der erschütternden Kollektiverfahrungen habe das deutsche Volk nach 1918 nach einer neuen Ordnung verlangt, nach einem starken Mann, und dieses Verlangen sah Kracauer (wie unter 3. erörtert wird) in vielen Filmen thematisiert. Dieser vermeintlich kollektive Wunsch, argumentieren Isaksson/Fuhrhammar, kann jedoch nicht der alleinige Grund für die (noch zu belegende) Überrepräsentierung konservativer Vorstellungen im Weimarer Kino gewesen sein. Wenn ein Großteil der Filme

„einen Inhalt mit konservativen Ideen hatte, lag das nicht nur an den Deutschen, die von Krieg und Revolution erschüttert, ohne Selbstsicherheit, jetzt um jeden Preis Geborgenheit wünschten, - auch um den Preis eines Despoten -, sondern es lag auch an der konservativen Einstellung der Filmproduzenten und der Art, wie sie die Produktion lenkten“[4].

Vor dem Hintergrund dieser Annahme soll nun die Entwicklung der Filmindustrie skizziert werden. Eine zentrale Rolle nahmen hier die Universum Film AG (UFA) und ihr späterer Chef Alfred Hugenberg ein.

2.1 Die UFA als Staatsdiener – Ein Gigant bietet Hilfestellung

Die tonangebende Instanz in der Filmindustrie war seit 1917 die UFA, gegründet auf Veranlassung von General Ludendorff und – unter strengster Geheimhaltung – ursprünglich zu einem Drittel Staatseigentum. Den Rest des Grundkapitals steuerten Unternehmen der Schwerindustrie bei, die bei der 1916 gegründeten Deutschen Lichtbild-Gesellschaft (DLG) außen vor geblieben waren. Die politische und ideologische Funktion der UFA, in der die führenden Filmunternehmen zusammengefasst wurden, unterschied sich nicht von der der DLG, die „Dokumentarfilme ‚im Dienste der nationalen, wirtschaftlichen und kulturellen Propaganda’ herstellte“[5]. In der Folgezeit vergrößerte sich die neue Gesellschaft durch Angliederung weiterer Unternehmen erheblich, was aufgrund ihrer steigenden Kapitalkraft im In- und Ausland die Möglichkeit der Verbreitung ideologischer Vorstellungen maßgeblich verbesserte. Bereits in der Gründungsurkunde hatte die UFA das Ziel formuliert, „eine planmäßige und nachdrückliche Beeinflussung der großen Massen im staatlichen Interesse zu erzielen“[6]. Der Konzern weitete seine Vormachtstellung auf dem deutschen und europäischen Markt in den Folgejahren kontinuierlich aus, wobei die Übernahme des Konzerns durch Alfred Hugenberg 1927 diese Entwicklung zusätzlich förderte. Der Reichstags-Abgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei (deren Vorsitzender er 1928 wurde) verfügte mit dem einem umspannenden Netz deutscher Verlags- und Pressehäuser bereits über „eine Schaltstelle moderner Massenkommunikation“[7]. Unter seiner Ägide gelangte mit Ludwig Klitzsch bald der Mann in den Aufsichtsrat, der zuvor als wichtigster Vertreter der ideologischen Aufrüstung des Kinos mit Hugenbergs Unterstützung auch die Gründung der DLG auf den Weg gebracht hatte, und nun, in seiner Parallelfunktion als Präsident der SPIO (Spitzenorganisation der deutschen Filmindustrie) die beiden wichtigsten Organisationen der deutschen Filmindustrie leitete. Diese Doppelspitze, Hugenberg und Klitzsch, agierte nun als nationalistisch-konservatives Bollwerk, wobei sich speziell Hugenberg im öffentlichen Bekenntnis zu seinen politschen Zielen hervortat und sich dabei „in Programmatik und Sprachduktus kaum von […] der NSDAP unterschied“[8]. Parallel wuchs der Konzern: 1931 besaß die Ufa 71 Unternehmen, darunter 6 Produktionsfirmen, 37 Theater, 19 im Ausland, betrieb darüber hinaus 115 Großkinos in Deutschland und bediente rund 2000 Lichtspieltheater mit ihrem massiven Filmnetzwerk.[9]

Es war mithin ein mächtiger Filmkonzern entstanden,

„der viele Jahre lang die entscheidende Rolle bei der Gestaltung des deutschen Films spielen sollte, der dem Schaffen von Produzenten und Regisseuren den ideologischen Stempel aufdrücken und für die Produktion der kleineren, unabhängigen und konkurrierenden Firmen tonangebend sein sollte.“[10]

[...]


[1] Wulf 1989, S. 364.

[2] Isaksson, Fuhrhammar 50

[3] Korte 1998, S. 422.

[4] Isaksson, Fuhrhammar, 50

[5] Korte/Hanser, 69

[6] Korte/Hanser, 69

[7] Kreimeier, 191

[8] Kreimeier, 223

[9] Vgl. Murray, 150

[10] Kreimeier, 43

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V39629
ISBN (eBook)
9783638383509
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit rückt folgende Frage in den Mittelpunkt: Inwiefern hat der Film in der Weimarer Republik die Funktion eines Wegbereiters des Nationalsozialismus erfüllt? Hierzu wird die Entwicklung der Filmindustrie skiziert (inkl. der für die filmischen Wirkungsziele relevanten Besitzverhältnisse). Nach einer Analyse direkter und indirekter Wirkungsintentionen des Films folgt eine Evaluierung der Thesen von Kracauer und Koebner, die die o.g. Fragestellung unterschiedlich beantworten.
Schlagworte
Film, Weimarer, Republik, Funktion, Wegbereiter, Nationalsozialismus, Proseminar
Arbeit zitieren
Daniel Pontzen (Autor), 2004, Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39629

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