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Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus

Title: Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus

Seminar Paper , 2004 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Daniel Pontzen (Author)

Business economics - Economic and Social History
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[...] Diese Erkenntnis des Filmwissenschaftlers Joseph Wulf hat seine Gültigkeit keineswegs ausschließlich im Betrachtungsrahmen des Nationalsozialismus. Der gleichgeschaltete Medienapparat der NSDAP muss als Extrembeispiel für wirksame Agitation und der Film hierbei als wichtiger Bestandteil gelten, doch der Ruf, aktiv politische Einflussnahme zu betreiben, eilte dem Genre schon einige Zeit zuvor voraus. In der Weimarer Republik, in der der Film zu einem der bedeutendsten Industriezweige heranwuchs, entfaltete er neben seiner wirtschaftlichen Kraft zweifellos ein großes Wirkungspotenzial, das einige Autoren, allen voran „der große Psychoanalytiker der Filmliteratur“, Siegfried Kracauer, von konservativen Kräften ausgenutzt sah. Speziell Kracauer schätzte diese Art der Einflussnahme als so mächtig ein, dass er dem Film eine dem Nationalsozialismus den Weg ebnende Funktion unterstellte. Hierauf deutet der Titel seines bekanntesten Werkes Von Caligari zu Hitler, der eine Verbindung des Weimarer Films zur Machtübernahme des Despoten nachzuzeichnen sucht. Wie aber sehen Spezifik, Art und Umfang des filmischen Beitrags aus, „die zu den mentalen Veränderungsprozessen, die zur breiten Akzeptanz rechtskonservativer bis extrem republikfeindlicher Ideologien führten“?, fragt Helmut Korte, Deutschlands führender Filmwissenschaftler. Andere Autoren, am deutlichsten Thomas Koebner, ziehen indes die These in Zweifel, der Film der Weimarer Republik sei als Vorbote ihres Endes zu verstehen, wie er in seinem Aufsatz Von Caligari führt kein Weg zu Hitler zu belegen sucht, das er als neues Paradigma der Analyse des Weimarer Kinos verstanden wissen will. Es stellt sich die Frage, die Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein soll: Inwiefern hat der Film in der Weimarer Republik die Funktion eines Wegbereiters des Nationalsozialismus erfüllt? Hierzu ist zunächst ein bündiger Blick auf die Entwicklung der Filmindustrie von Nöten, um die für die filmische Wirkungsziele relevanten Besitzverhältnisse zu klären; im Anschluss soll eine Analyse relevanter Aspekte exemplarischer Werke die (direkten wie indirekten) Wirkungsmöglichkeiten und - intentionen des Films beleuchten, ehe eine Betrachtung des links-oppositionellen Films die Schwierigkeiten jener Kategorie erklären soll. Die Frage, inwiefern presserechtliche Bestimmungen die untersuchten Entwicklungen gehemmt oder begünstigt haben, ist Gegenstand des darauf folgenden Teils, der die Betrachtung abschließen soll.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur der Filmindustrie in der Weimarer Republik

2.1 Die UFA als Staatsdiener – Ein Gigant bietet Hilfestellung

2.2 Krise der deutschen Filmindustrie und Übernahme durch die Nationalsozialisten

3. Die Entfaltung konservativen und nationalistischen Gedankenguts im Film der Weimarer Republik

3.1 Beeinflussung jenseits des Bewusstseins?

3.2 Narkotisierende Dysfunktion: Ein Volk wird abgelenkt

3.3 Politische Funktion der Filme

4. Der filmische Widerstand der Arbeiterbewegung – Kampf mit ungleichen Waffen

4. Zensur (evtl. auch bei 4.)

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Films in der Weimarer Republik als mögliches Instrument zur Vorbereitung des Nationalsozialismus. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die damalige Filmindustrie durch ihre Strukturen, die Inhalte ihrer Produktionen und die bestehende Zensurpraxis einen mentalen Wandel in der Bevölkerung begünstigt oder durch die Unterdrückung oppositioneller Stimmen den Weg für rechtskonservative Ideologien geebnet hat.

  • Strukturelle Analyse der Weimarer Filmindustrie und der UFA
  • Untersuchung der psychologischen Wirkung von Filmen auf die Kollektivmentalität
  • Diskussion der Kontroverse zwischen den Filmwissenschaftlern Kracauer und Koebner
  • Analyse des oppositionellen Films und dessen politischer Unterlegenheit
  • Rolle der institutionalisierten Filmzensur als politisches Steuerungsinstrument

Auszug aus dem Buch

3.1 Beeinflussung jenseits des Bewusstseins?

Kracauer maß dem Film erhebliches Beeinflussungspotenzial auf kaum wahrzunehmender Ebene zu: „Was die Filme reflektieren, sind weniger explizite Überzeugungen als psychologische Dispositionen – jene Tiefenschichten der Kollektivmentalität, die sich mehr oder weniger unterhalb der Bewußtseinsdimension erstrecken.“17

Wie ein roter Faden zieht sich diese These durch die Schriften Kracauers – mit vergleichbar akribischer Hartnäckigkeit sucht Koebner sie zu widerlegen. Er verneint18 die Existenz eines gleichförmigen gesellschaftlichen Bewusstseins.

„Das Nebeneinander von antimoderner konservativer Agrarromantik und hemmungsloser Befürwortung des modernen Amerikanismus […] lässt an einer einheitlichen, homogenen Kollektivmentalität auch in den von Kracauer vermuteten Tiefenschichten zweifeln“ 19.

Ein hieran angelehnter Kritikpunkt Koebners an Kracauer ist der, dass sich ideologische Vorstellungen gerade auf der Ebene des Unterbewusstseins nicht von oben herab befehlen ließen. Koebners Argumentation ist schlüssig: Der große Stab der am Film beteiligten Personen mit ihrer eigenen, persönlichen „Fülle von zeittypischen Bezügen“20 verbiete die Vorstellung einer einförmigen, künstlich kreierten unterschwelligen Botschaft. Jene subtile Art der Beeinflussung sieht Koebner in Kracauers Argumentationslinien generell überrepräsentiert, daher formuliert er „ein Plädoyer dafür, die bewussten Anteile [...] quantitativ und qualitativ viel höher anzusetzen“21.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob der Film in der Weimarer Republik als Wegbereiter für den Nationalsozialismus fungierte und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2. Struktur der Filmindustrie in der Weimarer Republik: Das Kapitel analysiert die Machtkonzentration innerhalb der Filmindustrie, insbesondere am Beispiel der UFA, und zeigt auf, wie ökonomische Strukturen eine konservative Ausrichtung förderten.

2.1 Die UFA als Staatsdiener – Ein Gigant bietet Hilfestellung: Dieser Unterpunkt beleuchtet die Rolle der UFA als führendes Unternehmen, das gezielt zur Beeinflussung der Massen im staatlichen Interesse eingesetzt wurde.

2.2 Krise der deutschen Filmindustrie und Übernahme durch die Nationalsozialisten: Hier wird erläutert, wie wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Weltwirtschaftskrise die Industrie anfällig für die Übernahme durch nationalsozialistische Akteure machten.

3. Die Entfaltung konservativen und nationalistischen Gedankenguts im Film der Weimarer Republik: Das Kapitel diskutiert die wissenschaftliche Debatte darüber, ob Filme unterschwellig nationalistische oder autoritäre Werte vermittelten.

3.1 Beeinflussung jenseits des Bewusstseins?: Dieser Abschnitt erörtert Kracauers These einer manipulierten Kollektivmentalität im Gegensatz zu Koebners Gegenargumenten.

3.2 Narkotisierende Dysfunktion: Ein Volk wird abgelenkt: Hier wird die Rolle des Eskapismus im Weimarer Film untersucht, der das Publikum von den akuten Krisen der Zeit ablenken sollte.

3.3 Politische Funktion der Filme: Dieser Unterpunkt befasst sich mit der Frage, ob Tyrannenfiguren im Film tatsächlich den Aufstieg Hitlers vorbereiteten oder ob diese Interpretation eine Überdeutung ist.

4. Der filmische Widerstand der Arbeiterbewegung – Kampf mit ungleichen Waffen: Dieses Kapitel zeigt die strukturellen und ökonomischen Nachteile auf, mit denen links-oppositionelle Filmproduktionen in der Weimarer Zeit zu kämpfen hatten.

4. Zensur (evtl. auch bei 4.): Hier wird der Einfluss des Reichslichtspielgesetzes und die zunehmende Willkür bei der Zensur als Instrument zur Unterdrückung sozialkritischer Inhalte behandelt.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass zwar keine direkte Steuerung durch omnipräsente nationalistische Botschaften vorlag, die Filmindustrie jedoch durch unpolitische Unterhaltung und Zensur linkes Gedankengut aus dem Blickfeld drängte und somit gesellschaftliche Voraussetzungen für 1933 schuf.

Schlüsselwörter

Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Filmindustrie, UFA, Siegfried Kracauer, Thomas Koebner, Propaganda, Zensur, Reichslichtspielgesetz, Ideologie, Kollektivmentalität, Arbeiterbewegung, Kuhle Wampe, Medienkontrolle, Politische Filmgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Weimarer Film und seine potentielle Rolle als Wegbereiter für den Nationalsozialismus, indem sie die Industriebedingungen, die Filminhalte und die Rolle der Zensur analysiert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die ökonomische Machtkonzentration in der Filmwirtschaft, die Debatte über psychologische Beeinflussung durch Filme und die Schwierigkeiten oppositioneller Medienarbeit.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es zu klären, inwieweit das Weimarer Kino aktiv zur Akzeptanz rechtskonservativer Ideologien beigetragen hat oder ob es lediglich den Raum für derartige Entwicklungen passiv durch Unterhaltungskultur verengte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die filmwissenschaftliche Literaturdiskurse mit Analysen zur Wirtschaftsgeschichte der deutschen Filmindustrie und medienrechtlichen Bestimmungen verknüpft.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der industriellen Strukturen (UFA), die inhaltliche und psychologische Analyse der Filme sowie eine Betrachtung der Zensur und des Widerstands durch den linken Film.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Filmzensur, ideologische Beeinflussung, UFA, Kollektivmentalität und die Kontroverse zwischen Kracauer und Koebner charakterisiert.

Warum ist die Rolle der UFA so zentral für die Argumentation?

Die UFA wird als mächtiger Konzern identifiziert, dessen Spitze durch nationalistische Akteure wie Alfred Hugenberg besetzt war, wodurch das Unternehmen als zentrales Instrument für die Verbreitung politisch gewünschter Botschaften fungieren konnte.

Welche Rolle spielt die Zensur in der Argumentation des Autors?

Die Zensur wird als Instrument dargestellt, das besonders in der späten Weimarer Republik zunehmend eingesetzt wurde, um sozialkritische und links-oppositionelle Botschaften zu unterdrücken und so den Spielraum für systemkritischen Film einzuschränken.

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Details

Title
Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus
College
LMU Munich  (Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Course
Proseminar
Grade
1,3
Author
Daniel Pontzen (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V39629
ISBN (eBook)
9783638383509
Language
German
Tags
Film Weimarer Republik Funktion Wegbereiter Nationalsozialismus Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Pontzen (Author), 2004, Der Film in der Weimarer Republik in seiner Funktion als Wegbereiter des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39629
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