Digital und mobil. WhatsApp als smartphonebasierte Kommunikationsform


Hausarbeit, 2017

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT AUS SPRACHTHEORETISCHER SICHT
2.1 MÜNDLICHKEITS- UND SCHRIFTLICHKEITSMODELL NACH KOCH/OESTERREICHER (1985)
2.1.1 Medium und Konzeption
2.1.2 Sprache der Nähe und Sprache der Distanz
2.2 KRITIK AM MODELL
2.3 ERWEITERUNG DES MODELLS NACH DÜRSCHEID (2003)

3. CHARAKTERISTISCHE MERKMALE VON SMARTPHONEBASIERTER KOMMUNIKATION
3.1 WHATSAPP VERSUS SMS
3.2 ABGRENZUNG VON WHATSAPP GEGENÜBER CHATS

4. MEDIALE UND KONZEPTIONELLE MÜNDLICHKEIT/ SCHRIFTLICHKEIT BEI WHATSAPP - FORSCHUNGSSTAND

5. AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Konzeptionelles Kontinuum, mediale Dichotomie und Positionierungunterschiedlicher Kommunikationsformen nach Koch/Oesterreicher (1985: 18)

Abbildung 2: Das Nähe-/ Distanz-Kontinuum nach Koch/Oesterreicher (1985: 23)

Tabelle 1: In Anlehnung an das ‚Vierfelderschema‘ von Söll (1985), Medium und Konzeption anhand französischer Beispiele nach Koch/Oesterreicher (1985: 17)

Tabelle 2: Erweiterung des Modells von Koch/Oesterreicher (1985) auf medialer und konzeptioneller Ebene nach Dürscheid (2003: 49)

1. Einleitung

Die digitale mobile Welt ist heutzutage vielseitig und farbenprächtig, da es unterschiedlicheKommunikationsformen gibt (vgl. Dürscheid/Frick 2014: 155). Es existieren SMS, E-Mailund Chats, aber auch WhatsApp kam im Jahre 2009 hinzu (vgl. Stern 2014).Die Popularität von WhatsApp ist gar nicht mehr aufzuhalten. Dieser Dienst ist sogar imJahr 2015 am meisten heruntergeladen worden (vgl. Süddeutsche 2016). Zudem zeigengerade Jugendliche großes Interesse daran. Der Medienpädagogische ForschungsverbandSüdwest (2016: 31) führte dazu eine JIM-Studie durch und fand heraus, dass 95% derJugendlichen WhatsApp nutzen.

Zur Problematik der oben angesprochenen Kommunikationsformenvielfalt entwickeltenKoch/Oesterreicher (1985) ein Modell, um einerseits eine Klassifikation hinsichtlich ihrerCharakteristika vorzunehmen, andererseits sie voneinander zu differenzieren. Aufgrund derBegeisterung gegenüber diesem Dienst ist es lohnenswert, sich in diesem Zusammenhangdie Fragen zu stellen: Lässt sich WhatsApp als neu dazugekommene smartphonebasierteKommunikationsform nach diesem Modell beschreiben? Wie sieht der Forschungstand dazuaus?

Zu Beginn soll zunächst das Mündlichkeits- und Schriftlichkeitsmodell vonKoch/Oesterreicher (1985) als theoretischer Hintergrund erläutert werden. Der neue Ansatzvon 2007 wird nicht berücksichtigt, da dieser keine Modifikation in Bezug auf die Situierungneuer Kommunikationsformen aufweist und somit die generellen Kritikpunkte weiterhinbestehen bleiben (vgl. Dürscheid et al. 2010: 41). Im nächsten Schritt wird deshalb dieBemängelung gegenüber dem Modell von Koch/Oesterreicher (1985) darlegt. Hiernacherfolgt die Darstellung der Erweiterung des Mündlichkeits-/Schriftlichkeitsmodell nachDürscheid (2003). Im weiteren Verlauf der Hausarbeit sollen die charakteristischenMerkmale der WhatsApp-Kommunikationen im Vergleich zu denen der SMSgegenübergestellt werden und eine Abgrenzung gegenüber Chat-Kommunikationengeschehen. In Kapitel 4 wird schließlich der Forschungstand zu WhatsApp dargeboten unddie mediale und konzeptionelle Mündlichkeit beziehungsweise Schriftlichkeit zu dieserKommunikationsform betrachtet. Ein anschließender Ausblick zu WhatsApp stellt denAbschluss dieser Hausarbeit dar.

2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit aus sprachtheoretischer Sicht

2.1 Mündlichkeits- und Schriftlichkeitsmodell nach Koch/Oesterreicher(1985)

2.1.1 Medium und Konzeption

Hauptsächlich basiert dieses Modell aufbauend auf die „doppelte begriffliche Scheidung“zwischen den Kategorien Medium und Konzeption von Ludwig Söll (vgl.Koch/Oesterreicher 1985: 17, vgl. auch Söll 1985: 17ff.). Der Medienbegriff derSprachforscher beschreibt die „Realisierungsformen für sprachliche Äußerungen“ (vgl.Koch/Oesterreicher 1985: 17). Diese Realisierungsformen sind die gesprochene Sprache(medial mündlich) als phonischer Code und die geschriebene Sprache (medial schriftlich)als graphischer Code (siehe Abbildung 1). Im Bereich des Mediums liegt eine dichotomischeBeziehung vor. Daraus resultiert, dass demnach Sprache nur mündlich oder schriftlichrealisiert werden kann (vgl. ebd.).

Die Konzeption von Sprache zeichnet sich hingegen durch kommunikative Strategien aus.Sie sind sprachliche Äußerungen und optimale Modi (vgl. Koch/Oesterreicher 1985: 17),welche sich „auf den Duktus, auf die in der Äußerung gewählten Ausdrucksweise“(Dürscheid 2003: 38), beziehen. Koch/Oesterreicher (1985: 17) unterscheiden hierbeigesprochen (konzeptionell mündlich) und geschrieben (konzeptionell schriftlich) (sieheTabelle 1).

Tabelle 1: In Anlehnung an das ‚Vierfelderschema‘ von Söll (1985), Medium und Konzeption anhand französischer Beispiele nach Koch/Oesterreicher (1985: 17)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Gegensatz zur dichotomischen Beziehung der Begriffspaare des Mediums liegt im Fallder Konzeption ein Kontinuum zwischen der gesprochenen Sprache und der geschriebenenSprache vor (vgl. Koch/Oesterreicher 1985: 17). Infolgedessen ergeben sich vier Zuordnungsmöglichkeiten: (1) Graphisch und geschrieben, was der Sprache einerVerwaltungsvorschrift nahekommt, (2) graphisch und gesprochen (Beispiel: abgedrucktesInterview), (3) phonisch und geschrieben (Beispiel: Vortrag) sowie (4) phonisch undgesprochen, womit die Sprache in vertrauten Gesprächen charakterisiert werden kann (vgl.ebd.; siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Konzeptionelles Kontinuum, mediale Dichotomie und Positionierungunterschiedlicher Kommunikationsformen nach Koch/Oesterreicher(1985: 18)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Demnach lässt sich nach diesem vorangestellten Grundverständnis von Medium und Konzeption konstatieren, dass „Koch/Oesterreicher zwischen medialer und konzeptioneller Mündlichkeit und medialer und konzeptioneller Schriftlichkeit [unterscheiden]“ (Dürscheid 2003: 38; Hervorh. im Orig.).

2.1.2 Sprache der Nähe und Sprache der Distanz

Koch/Oesterreicher (1985) betrachten die „Sprache der Nähe“ (konzeptionelle Mündlichkeit) und die „Sprache der Distanz“ (konzeptionelle Schriftlichkeit) als ein Kontinuum1, „in dem die beiden Endpunkte, der Mündlichkeits- und der Schriftlichkeitspol,mit den Kategorien ‚Nähe‘ bzw. ‚Distanz‘ assoziiert werden“ (vgl. Dürscheid 2003: 38; vgl.auch Koch/Oesterreicher 1985: 23) . Dieses Konzept dient dazu, dass die relative Situierungverschiedener Äußerungsformen in Abhängigkeit von dem Zusammenwirken „kommunikativer Parameter“ (Kommunikationsbedingungen) beschrieben wird (vgl. Koch/Oesterreicher 1985: 19). Demzufolge brilliert der Pol der „Sprache der Nähe“ (gesprochen) durch einen dialogischen Charakter mit freiem Sprechwechsel, einen vertrauten Partner, , face-to-face -Interaktion‘, eine freie Themenentfaltung, keine Präsenz in der Öffentlichkeit, Spontaneität, eine starke Beteiligung sowie durch eine enge Situationsbindung (vgl. Koch/Oesterreicher 1985: 21). Im Gegensatz dazu zeichnet sich der Pol der „Sprache der Distanz“ (geschrieben) dadurch aus, dass ein Monolog vorliegt, kein Sprecherwechsel stattfindet, die Kommunikationspartner sich gegenseitig fremd sind, welche eine räumliche und zeitliche Trennung zueinander haben, ein Thema festgelegt ist, eine reflektierte Sprache auftritt, eine Öffentlichkeit daran teilnimmt und, dass eine geringe Beteiligung und eine unabhängige Situation dominieren (vgl. ebd.).

Aus den Kommunikationsbedingungen in der „Sprache der Nähe“ und der „Sprache derDistanz“ gehen aber auch kommunikative Strategien (Versprachlichungsstrategien) hervor(vgl. ebd.; vgl. auch Koch/Oesterreicher 1985: 23). Bei der „Sprache der Nähe“ bewirkender dialogische Charakter und die geringe Planung eine „Vorläufigkeit“ und„Prozesshaftigkeit“ von sprachlichen Äußerungen (vgl. Koch/Oesterreicher 1985: 22).Dagegen gehen aus der Monologizität der „Sprache der Distanz“ eine Endgültigkeit und eine‚Verdinglung‘ hervor (vgl. ebd.). Aufgrund der längeren Planungszeit und der„Situationsentbindung“ wird auch verständlich, warum eine deutlich größere„Kompaktheit“, „Komplexität“, „Informationsdichte“ für Äußerungen bei der „Sprache derDistanz“ unabdingbar sind (vgl. ebd.). Außerdem steht die „integrative Elaboriertheit“ imKontrast zu der - wegen geringer Planung und Prozesshaftigkeit - weniger integriertenVersprachlichung in der „Sprache der Nähe“ (vgl. ebd.).

Hieraus ergibt sich das folgende Modell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das Nähe-/ Distanz-Kontinuum nach Koch/Oesterreicher (1985: 23)

2.2 Kritik am Modell

Das Modell von Koch/Oesterreicher (1985) ist schon vermutlich zu früh verwendet worden, um Kommunikationspraktiken im Bereich der Neuen Medien in den größeren Kontext von mündlichen und schriftlichen Diskurstraditionen2 einzuordnen. Diese Ansicht teilt auch Dürscheid (2003: 37) und betont insbesondere, „dass in den vergangenen Jahren neue Kommunikationsformen […] populärer geworden sind, die von Koch/Oesterreicher noch gar nicht erfasst werden konnten.“ Eine Zustimmung bekommt die Autorin von Jannis Androutsopoulos (2007: 79), der feststellt:

Es gehört zu den Paradoxien der deutschsprachigen linguistischenInternetforschung, sich eines Ansatzes zu bedienen, der noch vor dem Siegeszugder Neuen Medien konzipiert wurde und diese nicht einmal am Randeberücksichtigen.

Koch/Oesterreicher (2007: 353) meinen mit Diskurstraditionen „Textsorten, (literarische und nichtliterarische) Gattungen, Stile usw., die massive Auswirkungen auf den sprachlichen Ausdruck und das Verständnis des ausgedruckten haben.“

Hingegen bekräftigten Koch/Oesterreicher (2007: 359) in dem Artikel „Schriftlichkeit undkommunikative Distanz“ die Anwendung ihrer Theorie auf die Neuen Medien. Denn diesenimmt in der Tat Bezug auf neuste Kommunikationsformen wie Chat oder E-Mail, dieentweder auf der Basis des „akustischen Prinzip[s] der Phonie oder auf dem visuellen Prinzipder Graphie“ funktionieren (vgl. ebd.). Sie treffen auch eine Unterscheidung „zwischen‚Medien‘ als physikalischen Manifestationen […] und ‚technischen‘ Speicher- undÜbertragungsmedien“, wie zum Beispiel dem Internet (vgl. ebd.). Außerdem bringen dieSprachforscher zum Ausdruck:

Der Chat ist sogar eines der schönsten Beispiele dafür, daß [sic!] im graphischen Medium eine relative, natürlich immer limitierte Annäherung an dialogische, spontane Nähesprachlichkeit möglich ist (ebd.).

Obwohl Koch/Oesterreicher (1985) ihr Modell gutheißen, besteht in der Medienforschungeine kontrastive Meinung dazu. Das Kommunikationsmedium bedingt nämlich auch „die Wahl der sprachlichen Ausdrucksweise“ (vgl. Dürscheid 2003: 38). Diese Betrachtungsweise wird aber von den Sprachforschern nicht berücksichtigt (vgl. ebd.),worauf eine Hypothese aufgestellt werden kann, dass über mögliche externeEinflussfaktoren durch die neuen Kommunikationsmedien, die das resultierende sprachlicheProdukt de facto verändern, nicht reflektiert werde. Dies ist demnach einer der größtenKritikpunkte.

Des Weiteren beanstandet Dürscheid (2003: 38) den Gebrauch des Teminus ‚medial‘ imMündlichkeits-/Schriftlichkeitsmodell von Koch/Oesterreicher (1985), weil dieSprachforscher „ihren Medienbegriff ausschließlich auf die beiden Repräsentationsformenvon Sprache (phonisch/ graphisch) [beziehen]“ und somit einen engen Medienbegriff alsGrundlage nehmen. Dagegen gibt es in der Medienforschung einen Konsens darüber, dassder Begriff ‚medial‘ weiter gefasst ist. Er umfasst sowohl das Medium zur Übertragung vonSprache als auch das Medium als Realisierungsform von Sprache. Deshalb kann er nichtohne weiterführende Definition angewendet werden (vgl. Dürscheid 2003: 38f.).

Dürscheid (2003: 39) pointiert auch, dass eine deutliche terminlogische Unterscheidung desMedienbegriffs gerade für die Medienforschung angebracht ist (vgl. ebd.). Eine weiterekritische Ansicht vertreten Dürscheid/Brommer (2009). Einerseits ist es mit dem Modellgewiss möglich, Kommunikationsformen einzuordnen, da zwischen Mündlichkeit undSchriftlichkeit ein Kontinuum besteht (siehe 2.1.1), und diese hinsichtlich ihrer sprachlichen Merkmale zu definieren, andererseits erweist sich dieses Modell als nicht geeignet, wenn„kommunikative Aktivitäten“3 analysiert werden sollen (vgl. Dürscheid/Brommer 2009:15).

2.3 Erweiterung des Modells nach Dürscheid (2003)

Dürscheid (2003: 39) plädiert, wie auch Holly (1997), für die Trennung zwischen Medien,Zeichensystemen und Kommunikationsformen. Die Schrift verkörpert als graphischeRealisierung von Sprache nicht länger das Medium. Sie dient stattdessen alsRepräsentationsform eines Zeichensystems (vgl. ebd.). Demgegenüber stellen Medien4 nachHolly (1997: 69) „konkrete materielle Hilfsmittel [dar], mit denen Zeichen verstärkt,hergestellt, gespeichert und/ oder übertagen werden können.“ Eine weitere Adaptierungbesteht darin, dass Dürscheid (2003: 39) Medium von Medialität differenziert. Medialität istbei ihr, was Koch/Oesterreicher (1985) als Medium der Realisierung (phonisch/ graphisch)verstehen (vgl. ebd.).5 Aber nicht nur eine ausreichende Reflexion des Medienbegriffs istvon Bedeutung, „sondern auch die Unterscheidung von Kommunikationsmedien,Kommunikationsformen, Textsorten und Diskursarten“ spielen bei der Weiterentwicklungdes Modells von Koch/Oesterreicher (1985) eine wichtige Rolle (vgl. Dürscheid 2003: 40).Die Kommunikationsmedien als materielle Hilfsmittel haben die Funktion, dass eineKommunikation trotz räumlicher Entfernung arrangiert und demnach erleichtert wird (vgl.ebd.). Im Gegensatz dazu sind Kommunikationsformen als „virtuelle Konstellationen“(Holly 1997: 69) multifunktional, nicht von materieller Art und werden mittels textexterner Merkmale definiert.6 Außerdem können sie entweder selbstständig ohne Kommunikationsmedium (z.B. das Face-to-Face-Gespräch) existieren oder konstituieren sich erst durch die Wahl des Kommunikationsmediums (z.B. das Telefongespräch) (vgl. Dürscheid 2003: 40). Die Textsorten separieren sich deswegen von den Kommunikationsformen, da sie eine spezifische thematische Funktion innehaben. Bei derDefinition der Begriffe Text und Diskurs geht Dürscheid (2003: 41) auf die Eigenschaftender Monologizität und Dialogizität ein. Der Unterschied zwischen Text und Diskurs ist ihrerAuffassung nach nicht anhand der Frage der Medialität festzustellen, sondern bedarf derFrage nach einer kommunikativen Funktionalität (vgl. ebd.). Infolgedessen sind Textesprachliche Äußerungen, bei denen Kommunikationspartner nicht zur gleichen Zeitanwesend sind (Monolog), und Diskurse sind dagegen Sprachformen, die sich durch denwechselseitigen Austausch der Kommunikationspartner (Dialog) auszeichnen (vgl. ebd.).Auf dieser theoretischen Basis adaptiert Dürscheid (2003) das Modell vonKoch/Osterreicher (1985), damit es den Anforderungen der neuen Kommunikationsformen,wie zum Beispiel Chats und Instant-Messaging, gerecht wird (siehe Tabelle 2). Ausgehendvon dieser Tatsache differenziert sie zwischen „asynchronen“, „synchronen“ und „quasi- synchronen“ Kommunikationsformen (vgl. Dürscheid 2003: 46). „Asynchrone“ Kommunikationsformen, wie beispielweise Fax, E-Mail und SMS charakterisieren sich durch einen nicht gemeinsamen Kommunikationsraum, da der Kommunikationskanal nur einseitig offensteht. Daraus resultiert, dass stets eine neue Verbindung zwischen den Kommunikationspartner unabdingbar ist (vgl. Dürscheid 2003: 44f.). Aber sie bieten den Vorteil, „unsere Äußerungen vorab zu planen, sie sprachlich zu elaborieren, sie zu korrigieren“ (vgl. Dürscheid 2003: 47).

Demgegenüber befinden sich Kommunikationspartner in einem gleichen lokalen undtemporalen Kommunikationsraum, wenn die Kommunikation „synchron“ erfolgt. Somit istauch der Kommunikationskanal zu beiden Seiten hin geöffnet (vgl. Dürscheid 2003: 43f.).Dabei sind die Äußerungen durch Spontaneität, wenige Reflexion der Sprache undPlanlosigkeit gekennzeichnet (vgl. Dürscheid 2003: 47). Nach Meinung von Dürscheid(2003: 44) handle es sich aber bei Chats und Instant-Messaging um „quasi-synchrone“Kommunikationsformen, bei denen zwar eine direkte Interaktion derKommunikationspartner im gleichen Kommunikationsraum geschieht, aber simultaneÄußerungen oder Unterbrechungen unrealisierbar sind. Dennoch nehmen die Äußerungendes Schreibers und die des Rezipienten Bezug aufeinander (vgl. ebd.).7 Angesichts der Heinemann/Viehweger (1991: 219) betonen allerdings, dass die jeweiligen Aktivitäten der Kommunikationspartner in Teilsituationen stattfinden. Die Gesamtsituation ergibt durch den geschriebenen Text und durch den gemeinsamen Kommunikationsraum (vgl. ebd.).

[...]


1 In diesem Zusammenhang pointieren Koch/Oesterreicher (1985: 21), dass das Kontinuum nicht „rein lineargedacht werden darf“, sondern es einer Imagination eines „mehrdimensionalen Raum[s] zwischen zwei Polen“bedarf.

2Koch/Oesterreicher (2007: 353) meinen mit Diskurstraditionen „Textsorten, (literarische und nichtliterarische) Gattungen, Stile usw., die massive Auswirkungen auf den sprachlichen Ausdruck und das Verständnis des ausgedruckten haben.“

3 Um „kommunikative Aktivitäten“ zu analysieren, verweisen Dürscheid/Brommer (2009: 15ff.) auf die Interaktionale Linguistik von Selting/Couper-Kuhlen (2000).

4 Nach dieser Definition sind Bücher, Zeitschriften, Faxgeräte, aber auch ein Computer und Handys Medien (vgl. Dürscheid 2003: 39).

5 Es kann weiterhin von medialer Mündlichkeit und medialer Schriftlichkeit gesprochen werden, wenn dasAdjektiv ‚medial‘ auf das Substantiv ‚Medialität‘ Bezug nimmt und nicht auf das Substantiv ‚Medium‘ (vgl.ebd.).

6 Kommunikationsformen dürfen nicht mit Textsorten und Diskursarten missverstanden werden. Sie sind durchtextexterne Merkmale gekennzeichnet. Textsorten und Diskursarten legen einen großen Wert auf textinterneFaktoren (vgl. Dürscheid 2003: 40, vgl. auch Ziegler 2003: 24). Bei den textexternen Merkmalen stützt sichDürscheid (2003: 40) auf „die Kommunikationsrichtung (monologisch/ dialogisch), die Anzahl derKommunikationspartner und [auf] die zeitliche Dimension der Kommunikation (synchron/ asynchron).“

7 Heinemann/Viehweger (1991: 219) betonen allerdings, dass die jeweiligen Aktivitäten der Kommunikationspartner in Teilsituationen stattfinden. Die Gesamtsituation ergibt durch den geschriebenen Text und durch den gemeinsamen Kommunikationsraum (vgl. ebd.).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Digital und mobil. WhatsApp als smartphonebasierte Kommunikationsform
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V396468
ISBN (eBook)
9783668630857
ISBN (Buch)
9783668630864
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digital, whatsapp, kommunikationsform
Arbeit zitieren
Robert Arndt (Autor:in), 2017, Digital und mobil. WhatsApp als smartphonebasierte Kommunikationsform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/396468

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