Vergleich der Afrikabilder in zwei Werken der neueren Literatur: Heart of Darkness von Joseph Conrad und Voyage au bout de la nuit von Louis-Ferdinand Céline


Hausarbeit, 1996
8 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

Einleitung

Anhand einiger Textstellen aus den Werken „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad und „Voyage au bout de la nuit (Reise ans Ende der Nacht)“ von C.-Ferdinand Céline möchte ich im Folgenden versuchen, die in ihnen implizit dargestellten Afrikabilder zu veranschaulichen und zu vergleichen.

Für die Wahl dieser beiden Werke ist entscheidend, daß sich zum Teil die inhaltlichen Gegebenheiten, wie die Flußreise der Hauptperson zu ihrem unbekannten Ziel, und zum Teil auch Äußerungen der Protagonisten in gewisser Weise ähneln. Doch mit Hilfe von Textstellen, wie Seite 70 in „Heart of Darkness“ (It made me hold my breath...-...assaulted by the powers of darkness.) und 151-152 in „Reise ans Ende der Nacht“ (Unter den Tam-Tam-Schlägen...-...das mir so reizend geschildert worden war), werde ich die Unterschiede hinsichtlich der Einstellung gegenüber dem Land sowie der Funktion Afrikas verdeutlichen.

Vergleich der Afrikabilder

Parallelen zwischen den Afrikaaufenthalten der Protagonisten Marlow bzw. Bardamu entdeckt man auf verschiedenen Ebenen. Schon die Titel beider Werke assoziieren Düsterkeit. In „Heart of Darkness“ geschieht dies explizit und in „Reise ans Ende der Nacht“ implizit durch „Nacht“. Zu solch später Zeit kommt Bardamu in Afrika an und stellt fest, daß die Nacht durch den Dschungel noch undurchdringlicher wird (vgl. S. 143). An der so erzeugten Stimmung liegt es, daß man mit nicht sehr positiven Ereignissen für die Hauptpersonen rechnet.

Beide Helden sehen die von den Weißen geschundenen, versklavten Schwarzen: der eine auf einem Handelsposten für Elfenbein, der andere in einer Fabrik für Rohgummi. Beide stellen sogar den Vergleich zu den eifrigsten, am schwersten tragenden Tieren auf, zu den Ameisen, als sie die Eingeborenen in großen Reihen bei ihrer Schufterei erblicken. Dabei handelt es sich bei Marlow um einen eher naiven, durch den reinen Anblick entstandenen, auf die Natur bezogenen Vergleich, bei Bardamu jedoch schon um eine ironische Anspielung auf die Unterwürfigkeit und Erniedrigung der Schwarzen, sie sich so klein machen, daß sie freiwillig mehr leisten als eine Ameise es könnte. Insgesamt hat Bardamu ihnen gegenüber eine negativere Einstellung als Marlow. Er setzt einfach voraus, daß sie Kannibalen sind und fragt sich eher belustigt, warum sie ihn nicht fressen (S. 205), als sie ihn krank und schwach durch den Urwald tragen. Marlow aber erfährt von einem Schwarzen selbst, daß dieser und seine Leidensgenossen Kannibalen sind. Er ist beeindruckt, daß die vielen Ruderer in ihrer Not nicht einfach die wenigen Weißen töten und verzehren. Denn sowohl Marlow als auch Bardamu erkennen bereits kurz nach ihrer Ankunft, daß die Kolonisatoren mit brutaler Gewalt herrschen und aus bloßer Habgier in dem Land sind, aus dem jeder noch so geringe und bedeutungslose Arbeiter um jeden Preis den größtmöglichen Nutzen ziehen will. Die Weißen werden als niederträchtig und vertiert dargestellt, und zwar was Marlows Perspektive betrifft mit wahrem Entsetzen und Abscheu. Dieser Reisende scheint schockiert zu sein von dem, was den Schwarzen angetan wird. Er zeigt sich freundlich ihnen gegenüber und findet es aus seiner Überlegenheit heraus äußerst lächerlich, daß diese gebrochenen Wesen von seinesgleichen wie ernstzunehmende Feinde bekriegt werden. So zieht er sich meistens von den anderen Europäern zurück.

Für Bardamu sind gemeine Menschen dagegen nichts Neues, da er in seinem Leben nur solchen begegnet. Lediglich der Grad des Betruges und der Unehrlichkeit, die er erlebt, scheint durch das Klima noch verstärkt worden zu sein. So empfindet er Afrika als das Land einer Horde von Wilden: einmal die brüllenden, tanzenden, kreischenden Nackten und einmal die gut gekleideten, vor lauter Gier wild gewordenen, um sich peitschenden Händler. Deshalb erwartet er sich von dem Menschen, zu dem er sich bei seiner künftigen Station gesellen soll, auch keine hervorragenden Eigenschaften. Er versucht zwar, etwas über ihn zu erfahren, begnügt sich aber schließlich mit den kargen Gerüchten und hat es nicht im geringsten eilig, zu ihm zu kommen: „Ich fragte zum letztenmal [...] nach dem unredlichen Beamten, den ich unbedingt [...] ersetzen sollte.“ (siehe S. 165).

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Afrikabilder in zwei Werken der neueren Literatur: Heart of Darkness von Joseph Conrad und Voyage au bout de la nuit von Louis-Ferdinand Céline
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Philosphisches Institut)
Veranstaltung
Übung: Einführung in die Komparatistik
Note
unbenotet
Autor
Jahr
1996
Seiten
8
Katalognummer
V3967
ISBN (eBook)
9783638124690
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine weitgehend schlüssige und nachvollziehbare Analyse. Insgesamt wünschte ich mir jedoch eine etwas stärkere Distanzierung vom Gegenstand, wodurch die Lektüre erleichtert würde (Seminarleiter). Ohne Verwendung Sekundärliteratur.
Schlagworte
Vergleich, Afrikabilder, Werken, Literatur, Heart, Darkness, Joseph, Conrad, Voyage, Louis-Ferdinand, Céline, Einführung, Komparatistik
Arbeit zitieren
Martina Ochs (Autor), 1996, Vergleich der Afrikabilder in zwei Werken der neueren Literatur: Heart of Darkness von Joseph Conrad und Voyage au bout de la nuit von Louis-Ferdinand Céline, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3967

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