Platon, Symposion 172 a - 178 a.1
1. APOLLODOROS UND DIE FREUNDE: doxa UND episteme (172a-174a). Das Symposion beginnt als Dialog. Die Gesprächspartner sind Apollodoros und Freunde (etairos)(2). Apollodoros, ein Athener, ist
ein treuer Anhänger des Sokrates, er tritt auch im Phaidon auf und in der Apologie, er gehört zu denen, die bei Sokrates’ Tod anwesend sind(3). Er erzählt nun den Freunden, wie er neulich auf der Straße
einen Bekannten getroffen habe, den er später als Glaukon näher bestimmt. Glaukon könnte, aber das ist zweifelhaft, der Bruder des Platon sein, den man aus der Politeia kennt, er scheint jedenfalls nicht mit dem Glaukon aus dem Charmides identisch zu sein4, der später von Alkibiades erwähnt wird (222b). Dieser also habe, berichtet Appolodor, von ihm näheres über ein kürzlich abgehaltenes
Gastmahl, an dem Agathon, Sokrates, Alkibiades und andere teilgenommen hätten und erotikoi logoi gehalten hätten, erfahren wollen.
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1 Überarbeitete Fassung eines Referats aus dem Sommersemester 1995 im Seminar von Dr. Venanz Schubert an der Ludwig-
Maximilians-Universität München.
2 So über dem Text in der Schleiermacher-Übersetzung angeschrieben, also eigentlich „Freund“. Im Text jedoch im Plural
angesprochen.
3 Vgl. WISSOWA, Georg u.a. (Hrsg.): Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Neue Bearbeitung. – Stuttgart:
Metzler, 1894 ff. [Im folgenden: RE). - Hier Bd. 1, 2; Sp. 2849, Nr. 15.
Inhaltsverzeichnis
1. APOLLODOROS UND DIE FREUNDE: doxa UND episteme (172a-174a)
2. ARISTODEMOS UND SOKRATES (174a-175b)
3. SOKRATES UND AGATHON: sophia (175c- 176a)
4. VERABREDUNG ÜBER GESTALTUNG UND THEMA DES TRINKGELAGES (176a-178a)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Einleitung und den Rahmen des platonischen Dialogs "Symposion" (172a-178a), um die philosophische Bedeutung der Rahmenerzählung und die dort eingeführten Kernbegriffe zu verdeutlichen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Platon durch die Gegenüberstellung von Sokrates und den anderen Teilnehmern den Unterschied zwischen bloßem Glauben und wahrem Wissen erarbeitet.
- Die Funktion der Rahmenerzählung im Symposion
- Die philosophische Unterscheidung zwischen doxa und episteme
- Die Charakterisierung des Sokrates als Suchender im Gegensatz zur vermeintlichen Selbstsicherheit der anderen
- Die Vorbereitung des Themas "Eros" durch die philosophische Haltung der Teilnehmer
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung von doxa und episteme im Symposion
Hier erscheinen zwei der Kernbegriffe des Platonischen Werkes auf: doxa und episteme. Während doxa, der Glaube, das Glauben, das ist, was die Freunde von ihrem Schaffen haben, nämlich, daß sie es hätten, ist episteme, das Wissen, das Apollodor von sich hat und von seinen Freunden, nämlich das Wissen um die eigene Unzulänglichkeit, alle seien nämlich, ausgenommen Sokrates, kakodaimona, also unselig. Hier wird schon vorsichtig vorbereitet, was man später im Symposion noch genauer sehen wird, daß nämlich wahres Philosophieren aus der eigenen Unzulänglichkeit heraus entsteht, aus dem Mangel an Wissen. Der eros ist Liebe zu dem, wovon er Mangel hat oder was er nicht ist, wie Diotima später dem Sokrates verständlich machen will, und so, das wird im Geplänkel zwischen Apollodor und seinen Freunden angedeutet, ensteht Philosophie dann, wenn der, der philosophieren wird, einen Mangel hat an Weisheit, aber auch dann nur dann, wenn er erkennt, daß er diesen Mangel hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. APOLLODOROS UND DIE FREUNDE: doxa UND episteme (172a-174a): Dieses Kapitel etabliert den narrativen Rahmen und führt die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Glauben und Wissen ein, die für den gesamten Dialog zentral ist.
2. ARISTODEMOS UND SOKRATES (174a-175b): Hier wird das Zusammentreffen von Aristodemos und Sokrates beschrieben, wobei besonders die untypische, gepflegte Erscheinung des Sokrates hervorgehoben wird, die für Verwunderung sorgt.
3. SOKRATES UND AGATHON: sophia (175c- 176a): Das Kapitel thematisiert die ironische Auseinandersetzung zwischen Sokrates und Agathon über das Wesen der Weisheit und wer von wem lernen kann.
4. VERABREDUNG ÜBER GESTALTUNG UND THEMA DES TRINKGELAGES (176a-178a): Die Teilnehmer einigen sich nach einem Trinkgelage auf ein gemeinsames Thema für ihre Reden, wodurch der Eros als zentraler Gegenstand der folgenden philosophischen Erörterungen festgelegt wird.
Schlüsselwörter
Platon, Symposion, Sokrates, Agathon, Eros, doxa, episteme, Philosophie, Rahmenerzählung, Weisheit, Aristodemos, Dialektik, Unzulänglichkeit, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine interpretatorische Analyse der einleitenden Abschnitte (172a-178a) des platonischen Dialogs Symposion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die erkenntnistheoretische Abgrenzung von Glauben (doxa) und Wissen (episteme) sowie die Charakterisierung des sokratischen Philosophierens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Platon durch die Rahmenerzählung und die Interaktionen der Charaktere die Grundlagen für das philosophische Verständnis des Eros legt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse und zieht ergänzend fachwissenschaftliche Kommentare und antike Quellen heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Abschnitte der Einleitung chronologisch analysiert, wobei besonders die philosophischen Implikationen der Begegnungen von Sokrates mit Aristodemos und Agathon hervorgehoben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Platon, Sokrates, doxa, episteme, Weisheit und Eros.
Warum legt der Autor so viel Wert auf die Abgrenzung von doxa und episteme?
Da diese Unterscheidung den Kern der platonischen Philosophie bildet und verdeutlicht, warum die Anerkennung der eigenen Unwissenheit die Grundvoraussetzung für das Philosophieren ist.
Welche Rolle spielt die Ironie des Sokrates in den betrachteten Kapiteln?
Die Ironie dient Sokrates als Instrument, um bei seinen Gesprächspartnern eine kritische Distanz zu deren vermeintlicher Weisheit zu erzeugen und den Prozess des Nachdenkens anzustoßen.
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- Oliver Tekolf (Autor), 2002, Platon, Einleitung zum Symposion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3972