Kleist veröffentlichte die Novelle im Frühjahr 1811 zunächst als Serie. Sie erschien unter dem Titel „Die Verlobung“ in der Zeitschrift „Der Freimüthige“ Nr. 60-68 vom 25. – 5. April 1811. Anfang August desselben Jahres erschien Kleists Werk als Gesamtstück unter dem Titel „Die Verlobung in St. Domingo“ im 2. Teil seiner Erzählungen, also ungefähr drei Monate vor seinem Freitod. Es wird gemutmaßt, dass der Anlass, die Erzählung in genau diesem Kontext spielen zu lassen mit Kleists Verhaftung im Jahre 1807 zusammenhängt. Während seiner geplanten Reise nach Dresden, wo er sich größere literarische Erfolge erhoffte, wurde er im Januar bei einem Aufenthalt in Berlin als angeblicher Spion von den Franzosen verhaftet und im März in die Festung im Vallèe de Joux bei Pontarlier überführt. Dort verweilte er bis Mitte Juli. Der Kontakt mit schwarzen Häftlingen und das Wissen um die bestehenden Konflikte sollen Kleist zum Verfassen von „Die Verlobung“ veranlasst haben.
Gliederung
1. Erläuterungen
1.1 Entstehungsgeschichte
1.2 Historischer Hintergrund der Erzählung
2. Inhaltsangabe
3. Interpretationsansätze
3.1 Charakterisierung Gustav
3.2 Charakterisierung Toni
3.3 Rassenkonflikt
3.4 Geschlechterkonflikt
4. Abschließendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ auseinander. Ziel ist es, die schicksalhafte Liebesbeziehung vor dem Hintergrund der haitianischen Sklavenaufstände zu analysieren, dabei Charakterentwicklungen sowie zentrale Konfliktlinien wie Rassen- und Geschlechterkonflikte zu beleuchten und den historischen Kontext einzuordnen.
- Entstehungsgeschichte und historischer Hintergrund der Novelle
- Detaillierte Inhaltsangabe der Geschehnisse auf St. Domingo
- Charakterisierungsansätze der Hauptfiguren Gustav und Toni
- Analyse der Rassen- und Geschlechterkonflikte im Werk
- Reflexion über die Unmöglichkeit der Liebe in einer Umgebung von Verrat und Misstrauen
Auszug aus dem Buch
1.2 Historischer Hintergrund der Erzählung
St. Domingo ist die spanische Bezeichnung für die Insel Haiti, deren westlicher Teil zu der Zeit, in der Kleists Erzählung angesiedelt ist, französische Kolonie (St. Domingue) war. Im Jahre 1803, in dem „Die Verlobung in St. Domingo“ spielt, befanden sich die haitianischen Aufstände, bei denen die Mulatten und Schwarzen ihr Mutterland von den Besetzern zurückerobern wollten, gerade in ihrer blutigen Schlussphase, in der die Sklavenarmee die französischen Truppen besiegte. Nach der Unabhängigkeitserklärung befahl Dessalines, der Führer der haitianischen Aufstände, dass alle noch dort verbliebenen Franzosen getötet werden sollen.
Diese Geschehnisse wurden in Kleists Novelle zeitlich korrekt eingeordnet, wie brutal und verlustreich diese Kämpfe verliefen, wurde von ihm jedoch nicht erwähnt. In weiteren Forschungen zu dem historischen Hintergrund fiel auf, dass Kleists geschichtliche Angaben falsch ansiedelt sind, so war z.B. der letzte Stützpunkt der Franzosen nicht Port au Prince im Westen, sondern Cap Français im Norden. Den Ort „Sainte Lüze“ gab es auf Haiti nicht. Dies zeigt, dass für Kleist wahrscheinlich nicht die geschichtlichen Fakten, sondern die emotionalen Spannungen im Vordergrund standen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erläuterungen: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des Werks sowie dem historischen Hintergrund der haitianischen Sklavenaufstände.
2. Inhaltsangabe: Hier wird der Handlungsverlauf der Novelle, beginnend bei der Ankunft des Schweizer Offiziers Gustav auf St. Domingo bis hin zum tragischen Ende, zusammengefasst.
3. Interpretationsansätze: Dieses Kapitel bietet eine vertiefende Analyse der Hauptfiguren sowie der thematischen Konflikte, darunter der Rassen- und Geschlechterkonflikt.
4. Abschließendes Fazit: Das Kapitel fasst die Bedeutung der Novelle zusammen, wobei besonders das Scheitern der Protagonisten und die Unmöglichkeit der Integration in einer von Hass geprägten Welt hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Novelle, Haiti, Sklavenaufstand, Gustav von der Ried, Toni, Rassismus, Geschlechterkonflikt, Kolonialgeschichte, Misstrauen, Vertrauen, Literaturdidaktik, Emanzipation, Tragik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ im Hinblick auf deren literarische Struktur, die Charakterkonstellationen und den historischen Hintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Liebesgeschichte zwischen Gustav und Toni, der historische Kontext der haitianischen Revolution sowie die gesellschaftlichen Rassen- und Geschlechterkonflikte der Epoche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, verschiedene Interpretationsansätze zur Novelle aufzuzeigen und zu diskutieren, wie äußere Bedingungen das Scheitern der Protagonisten beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Interpretation genutzt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Fakten mit der Charakterisierung der Figuren verknüpft, um die Ambivalenz des Textes aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsangabe sowie eine detaillierte Interpretation, die sich insbesondere auf die Rollen von Gustav und Toni sowie auf die Rassen- und Geschlechterproblematik fokussiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heinrich von Kleist, Sklavenaufstand auf Haiti, Rassismus, Identitätssuche von Toni und das Scheitern der zwischenmenschlichen Integration.
Warum betont der Autor die historischen Ungenauigkeiten in Kleists Erzählung?
Der Autor zeigt auf, dass für Kleist nicht die historische Faktenwiedergabe im Vordergrund stand, sondern das emotionale Spannungsfeld, welches für die tragische Liebesgeschichte erforderlich war.
Welche Rolle spielt die „schwarze, pestkranke Sklavin“ in Gustavs Charakterisierung?
Die von Gustav erzählte Geschichte offenbart sein striktes Schwarz-Weiß-Denken, durch das er Toni trotz ihrer Zuneigung in eine vorurteilsbeladene Rolle drängt.
Warum wird Toni als die Person beschrieben, die einen Wandel vollzieht?
Toni entwickelt sich im Laufe der Erzählung vom Instrument ihrer Mutter hin zu einer selbstbestimmten Frau, scheitert jedoch letztlich an den gesellschaftlichen Vorurteilen ihrer Umgebung.
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- Sina Bottke (Author), 2003, Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39724