Soziale Rolle / Soziale Position


Seminararbeit, 1998

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung der Hausarbeit:

Einleitung

1) Begriffsdefinitionen
1.1 Soziale Rolle
1.2 Soziale Position

2) Kernbedeutung/ Randbedeutung
2.1 Zum Positionsbegriff
2.2 Zum Rollenbegriff
2.3 Die Beziehung: Soziale Rolle/ soziale Position
2.3.1 Von der Position zur Rolle

3) Begriffliche Differenzierungen im Anschluß an das Rollenkonzept des „Homo Sociologicus“ (1.-5.)
3.1 Paradigmen der Rollenanalyse

4) Die Rollen - Theorien (Kritik)
4.1 Die Rollentheorie von Talcott Parson
4.2 Das interaktionistische Rollen - Konzept (nach Mead)
4.2.1 Zur symbolisch - interaktionistischen Perspektive
4.3 Kritik
4.3.1 Kritik an der strukturell - funktionalen Rollen - Theorie
4.3.2 Kritik an dem interaktionistischen Rollen - Konzept

5) Literaturverzeichnis

Einleitung:

In dieser Abhandlung soll es darum gehen, zu erklären, wie soziale Interaktion funktioniert.

Die Begriffe „Rolle“ und „Position“ sollen als feste Begriffe dazu dienen, dynamische Prozesse in einer statischen Relation zu veranschaulichen.

Ziel der unter Punkt 4 angeführten Rollentheorien ist, zu erklären, wie Interaktion trotz Individuation und prinzipiell nur begrenzter Erkennbarkeit des anderen dennoch möglich ist.

Als Gegebenheit werden Individualität, Sozialität und gegenseitige Abhängigkeit der Menschen untereinander angenommen.

Der Positionsbegriff stellt den einzelnen in den Zusammenhang von Organisationssystemen, der Rollenbegriff in den von Interaktionssystemen.

1) Begriffsdefinitionen

1.1) Der Begriff: Soziale Rolle

Der Begriff „soziale Rolle“ wird definiert als „ ein Bündel normativer Verhaltenserwartungen, die von einer Bezugsgruppe oder mehreren Bezugsgruppen an Inhaber bestimmter sozialer Positionen herangetragen werden.

Rollen sorgen für ein regelmäßiges, vorhersagbares Verhalten als Voraussetzung für kontinuierlich planbare Interaktionen und erfüllen somit eine allgemeine soziale Orientierungsfunktion.“[1]

Die Verhaltenserwartungen werden zwar an Individuen herangetragen, beziehen sich aber auf die sozialen Positionen, die die Individuen einnehmen, sind also auf Individuen als Positionsträger gerichtet. Die Bezugsgruppen erwarten von dem Positionsträger, daß er bestimmte Dinge tut, andere unterläßt. „Sie sind die Regisseure für sein Rollenspiel im wirklichen Leben. Sie schauen darauf, daß er das tut, was man ihrer Meinung nach in seiner Position tun sollte, sie haben normative Erwartungen[2]

Die Bezugsgruppen wären überrascht, wenn der Positionsträger etwas ganz anderes unternimmt als es ein Inhaber seiner Position gemeinhin tut - Sie haben antizipatorische Erwartungen.

Nebenbetrachtung: Internalisierung von Rollen

Die tatsächliche Erfüllung der Rollenerwartung erfolgt jedoch vor allem durch die im Verlauf des Sozialisationsprozesses erfolgten Internalisierung der Erwartungen.

Eine Internalisierung besteht in einer verpflichtenden Übernahme institutionalisierter Elemente des kulturellen Systems ( z.B. Symbole, Werte, Normen, Rollen, Handlungsmuster), welche zu einer normativen Struktur zusammen geordnet sind.[3]

Die Verinnerlichung in der Jugendzeit gilt jedoch nur für einen Teil der sozialen Rollen.

Manche sozialen Rollen, z.B. oft Berufsrollen, werden nicht frühzeitig antizipatorisch verinnerlicht,

sondern erst, nachdem der Beruf ergriffen worden ist.

Je später eine Rolle erlernt wird und je partieller das Engagement ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Rollenspiel in Fleisch und Blut übergeht.

Bezugspersonen oder -gruppen verfügen über bestimmte Sanktionsmöglichkeiten.

„ Sanktionen“ sind die Reaktionen, die ein Rollenverhalten bei den Bezugsgruppen hervorruft.

Erfüllt jemand seine Aufgabe pflichtgemäß, dann kann er positive Sanktionen erwarten

(z.B. in Form einer Beförderung = Belohnung)

Weicht er von den Erwartungen ab, dann muß er negative Sanktionen befürchten

(z.B. in Form eines Berufsverbots = Bestrafung für Abweichungen vom „pflichtgemäßen“)

Je nach Intensität der Erwartungen, die bei den Bezugsgruppen herrschen, können die negativen Sanktionen verschieden hart sein.

1.2) Der Begriff: Soziale Position

(amerik. Autoren sprechen häufig von Status)

„Soziale Positionen bezeichnen [...] dauerhafte, von einzelnen Personen ablösbare Schnittpunkte sozialer Beziehungen im gesellschaftlichen Beziehungsgeflecht ( z.B. Vater, Lehrer)

Die Verhaltenserwartungen werden an den Positionsträger von Personen oder Gruppen herangetragen, deren Positionen auf seine Position strukturell bezogen sind:

den Bezugspersonen oder Bezugsgruppen

( bezogen auf die Position des Lehrers: die Schüler und Kollegen).“[4]

Position definiert immer nur einen institutionellen Erwartungs-Rahmen.

Der durch die Position gesetzte Rahmen kann also bestimmte Situationen zwar typisieren bzw. klassifizieren, er definiert sie aber nicht vollständig. Daher ist auch nicht gleichgültig, welche Person eine bestimmte Position besetzt.

2) Kernbedeutung/ Randbedeutung

2.1) Zum Positionsbegriff:

Das Grundkonzept: „Rolle und Status“ bei R. Linton

Linton entwickelte die Begriffe Status und Rolle, um ein Model zu konstruieren, über das der einzelne in seine Kultur eingeordnet werden kann.

Linton hält die Teilhabe und Teilnahme des einzelnen an seiner Kultur für nicht zufällig, vielmehr werden sie durch seine Stellung in der Gesellschaft und seine Erziehung auf die Übernahme dieser Position bestimmt.

Das Verhalten des einzelnen darf daher nicht allein im Hinblick auf die Gesamtkultur der Gesellschaft untersucht werden, vielmehr müssen die kulturellen Anforderungen berücksichtigt werden, die die Gesellschaft an das Individuum richtet, weil es einen bestimmten Platz in der Gesellschaft einnimmt.

Man kann die Individuen einer Gesellschaft nach mehreren Ordnungsgesichtspunkten klassifizieren und organisieren, z. B. nach Prestige, Alter, Arbeitsteilung.

Die so entstehenden Systeme haben je ihre eigene Funktion für die Verschränkung von Individuum und Kultur: In jedem System nimmt jeder seinen eigenen Platz ein. Jedes System ist positional differenziert, es ordnet jedem Mitglied einen Status zu.

2.2) Zum Rollenbegriff: (nach Heinrich Popitz)

Der Rollenbegriff ist keine Elementarkategorie, sondern ableitbar aus einer spezifischen Verknüpfung der grundlegenden Phänomene der sozialen Differenzierung; Gesellschaft als Gefüge aus ungleichartigen Teilen, und der sozialen Normierung; Gesellschaft als Gefüge von Verhaltensnormierungen, als verbindliche und gesollt angesehene Gleichförmigkeiten, Regelmäßigkeiten des Handelns. Der Begriff der Rolle gilt als eine zentrale Kategorie der Soziologie.

Seine herausragende Wirkung beruht z.T. auf seiner Nähe zum Alltagsleben und insbesondere zur Welt des Theaters.

„Die Welt wird als Bühne aufgefaßt, auf der der einzelne auftritt und von der er, nachdem er seine Rolle gespielt hat, wieder abtritt“[5]

Zum Verhältnis Person (Schauspieler) - Gesellschaft führt R. Dahrendorf weiter aus:

„Das Bild des Schauspielers kann, auf die Gesellschaft übertragen, irreführen.

[...]


[1] Schäfers, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie, Opladen 1986, S. 252

[2] Arbeitsgruppe Soziologie: Denkweisen und Grundbegriffe der Soziologie: Eine Einführung, Frankfurt/Main 1996, S. 25

[3] vgl. Schäfers, Bernhard (Hrsg.):Grundbegriffe der S., Opladen 1986, S. 231

[4] wie Anm. 1, S. 252 - 253

[5] Dahrendorf, Ralf: Homo Sociologicus, Opladen 1977, S. 26

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Soziale Rolle / Soziale Position
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Soziologie - Grundbegriffe und theoretische Ansätze
Note
2,7
Autor
Jahr
1998
Seiten
15
Katalognummer
V39747
ISBN (eBook)
9783638384391
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Rolle, Position, Proseminar, Einführung, Soziologie, Grundbegriffe, Ansätze
Arbeit zitieren
Matthias Rischer (Autor), 1998, Soziale Rolle / Soziale Position, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39747

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