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Das "Preislied" (L 56,14) Walthers von der Vogelweide und seine Rezeption in Hoffmanns von Fallersleben "Lied der Deutschen"

Title: Das "Preislied" (L 56,14) Walthers von der Vogelweide und seine Rezeption in Hoffmanns von Fallersleben "Lied der Deutschen"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Rebecca Blum (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist darzustellen, inwiefern die Rezeption des „Preislieds“ Walthers von der Vogelweide in Hoffmanns von Fallersleben „Lied der Deutschen“ als exemplarischer Fall der nationalen Vereinnahmung Walthers im 19. Jahrhundert gesehen werden kann.
In dem sich an die Einleitung anschließenden zweiten Kapitel wird Walthers „Preislied“ analysiert und interpretiert. Die Zitierweise bezieht sich dabei auf die von Ch. Cormeau herausgegebene Walther-Edition K. Lachmanns. Besondere Berücksichtigung erfahren in diesem Kapitel die von P. Wapnewski als essentiell für das Verständnis des Liedes herausgearbeiteten vier „Bedingtheiten“ und die Bedeutungsanalyse des mittelhochdeutschen Wortes "tiusch", die zeigen soll, aus welchen Gründen das Lied zu einem späteren Zeitpunkt missverstanden werden konnte. Im dritten Kapitel wird die Bedeutung Walthers allgemein für das 19. Jahrhundert und speziell für den Vormärzlyriker Hoffmann von Fallersleben erörtert. Dabei soll untersucht werden, inwiefern der historische Kontext des 19. Jahrhunderts die Rezeption Walthers beeinflusste. Im vierten Kapitel wird zunächst auf Hoffmanns von Fallersleben „Lied der Deutschen“ eingegangen, um zu erarbeiten, an welchen Stellen des Liedes sich Hoffmann von Walthers „Preislied“ inspirieren ließ und um zu erläutern, inwiefern man bei dieser literarischen Rezeption des „Preislieds“ von einer nationalen Vereinnahmung Walthers sprechen kann. Abschließend werden Rezeptions- und Wirkungsgeschichte von „Preislied“ und „Lied der Deutschen“ zueinander in Bezug gesetzt, um zu zeigen, inwiefern beide Lieder als Ausdruck der „Horizonthaftigkeit des Verstehens“ im Sinne Gadamers gesehen werden können.
Im Anhang der Arbeit findet sich als Hilfe für eine vertiefende Beschäftigung mit dem Thema eine dreigeteilte Bibliographie zum „Lied der Deutschen“, zum „Preislied“ und zur Rezeption des „Preislieds“ im „Lied der Deutschen“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das „Preislied“ Walthers von der Vogelweide

1. Problematik der Überlieferungssituation

2. Interpretation auf der Grundlage von P. Wapnewskis vier „Bedingtheiten“

3. Bedeutung des Wortes tiusch

III. Walther von der Vogelweide im 19. Jahrhundert

1. Walthers Weg zum Nationaldichter des Mittelalters

2. Bedeutung Walthers für Hoffmann von Fallersleben

IV. Hoffmanns „Lied der Deutschen“ und seine schöpferische Rezeption des „Preislieds“

1. Entstehungssituation des „Lied der Deutschen“

2. Die nationale Vereinnahmung Walthers in Hoffmanns „Lied der Deutschen“

3. Rezeption der Lieder als Ausdruck der „Horizonthaftigkeit des Verstehens“

V. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption des „Preislieds“ von Walther von der Vogelweide in Hoffmanns von Fallersleben „Lied der Deutschen“. Ziel ist es, den Prozess der nationalen Vereinnahmung mittelalterlicher Dichtung im 19. Jahrhundert anhand dieses exemplarischen Falls zu analysieren und die hermeneutischen Zusammenhänge zwischen den historischen Kontexten aufzuzeigen.

  • Analyse und Interpretation von Walthers „Preislied“ unter Berücksichtigung der „Bedingtheiten“ nach Wapnewski.
  • Untersuchung der Bedeutung Walthers von der Vogelweide für die politische Lyrik des Vormärz.
  • Erforschung der Entstehungsgeschichte des „Lieds der Deutschen“ und dessen Bezugnahme auf Walther.
  • Anwendung der Theorie der „Horizonthaftigkeit des Verstehens“ nach Gadamer auf die Rezeptionsgeschichte beider Werke.

Auszug aus dem Buch

Bedeutung des Wortes tiusch

Spätestens mit dem Beginn der zweiten Strophe, der Ankündigung dass der Sänger tiuschen vrowen etwas zu sagen habe (L 56,22), wird deutlich, warum es sich bei dem, was er verkündet, tatsächlich um mære, um etwas Neuartiges handelt: Der Sänger preist nicht nur eine Dame, sondern das Kollektiv der tiuschen Frauen und Männer. Er erhebt sie über alle anderen und stellt ihnen die fremde Lebensart gegenüber (L 56,36). Um die mittelalterliche Bedeutung des Wortes tiusch zu erschließen, muss man die damalige politisch-gesellschaftliche Situation in Betracht ziehen. Im Mittelalter kannte man keinen deutschen Staat, sondern nur das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, ein übernationales Gebilde unter der Vorherrschaft deutschsprachiger Herrscher, das sich im 10. Jahrhundert aus dem karolingischen Ostfrankenreich herausgebildet hatte und bis zu den Napoleonischen Kriegen 1806 bestehen blieb.

In diesem übernationalen Reich waren christlicher Glaube und das Lateinische als Sprache der Gelehrsamkeit und der Theologie die verbindenden Größen. Innerhalb des Reiches dienten den Menschen der einzelnen Regionen Sitten, Gewohnheiten, Kultur und insbesondere die Sprache der Identitätsfindung. So auch das tiusche, das zu diesem Zeitpunkt keine Rasse oder Nation bezeichnete, sondern eine in Abgrenzung von welsch (romanisch) existierende Sprache. Wenn Walther von der tiuschen zuht redet, meint er damit nicht die Lebensart „Deutschlands“, dessen Singular erst seit dem 16. Jahrhundert existiert, sondern die der „deutschen Lande“, der deutschsprachigen Gebiete innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aufgabenstellung ein, die Rezeption von Walthers „Preislied“ im „Lied der Deutschen“ als Fall nationaler Vereinnahmung im 19. Jahrhundert darzustellen.

II. Das „Preislied“ Walthers von der Vogelweide: Hier erfolgt die Analyse des Liedes anhand der Überlieferungsgeschichte, der Bedeutung von Wapnewskis „Bedingtheiten“ und der semantischen Analyse des Begriffs „tiusch“.

III. Walther von der Vogelweide im 19. Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des 19. Jahrhunderts und wie Walther in dieser Zeit zum Nationaldichter stilisiert wurde.

IV. Hoffmanns „Lied der Deutschen“ und seine schöpferische Rezeption des „Preislieds“: Hier wird der Entstehungskontext des „Lieds der Deutschen“ analysiert und dargelegt, wie Hoffmann das „Preislied“ für seine Zwecke adaptierte.

V. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Rezeption beider Werke Ausdruck einer „Horizonthaftigkeit des Verstehens“ ist, bei der historische Distanz durch zeitgenössische Vorurteile überdeckt wurde.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Hoffmann von Fallersleben, Preislied, Lied der Deutschen, nationale Vereinnahmung, Vormärz, tiusch, Rezeptionsgeschichte, Hans-Georg Gadamer, Horizonthaftigkeit, Philologie, Patriotismus, Nationalbewusstsein, Minnesang, Mittelalter-Rezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rezeption und Indienstnahme von mittelalterlicher Lyrik, konkret des „Preislieds“ von Walther von der Vogelweide, durch den Vormärzlyriker Hoffmann von Fallersleben in dessen „Lied der Deutschen“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Identitätsbildung im 19. Jahrhundert, die Rolle der Germanistik als nationale Wissenschaft sowie die Bedeutung von mittelalterlichen Texten für den aufkommenden Nationalismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Walther von der Vogelweide im 19. Jahrhundert nationalisiert wurde und warum dieses Verständnis den eigentlichen Absichten des mittelalterlichen Dichters grundlegend widerspricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historisch-kritische Philologie mit der hermeneutischen Theorie der „Horizonthaftigkeit des Verstehens“ nach Hans-Georg Gadamer verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das mittelalterliche „Preislied“ im Kontext seiner Zeit sowie Hoffmanns „Lied der Deutschen“ im Kontext des 19. Jahrhunderts, um die Unterschiede in der jeweiligen Bedeutung von „Nation“ und „Nationalbewusstsein“ herauszuarbeiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie nationale Vereinnahmung, Rezeptionsgeschichte, Vormärz, tiusch und Horizonthaftigkeit charakterisieren.

Inwiefern unterscheidet sich das mittelalterliche Verständnis von „tiusch“ vom modernen „deutsch“?

Im Mittelalter bezeichnete „tiusch“ lediglich eine sprachliche Abgrenzung vom Romanischen (welsch) innerhalb des übernationalen Heiligen Römischen Reiches, während der moderne Begriff „deutsch“ eine nationale Identität innerhalb staatlicher Grenzen impliziert.

Warum wird die „Horizonthaftigkeit des Verstehens“ nach Gadamer in dieser Arbeit angeführt?

Dieses Konzept erklärt, warum Interpreten des 19. Jahrhunderts und später die Texte von Walther von der Vogelweide unbewusst durch ihre eigenen zeitgenössischen Vorurteile und nationalistischen Horizonte verzerrt wahrgenommen haben.

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Details

Title
Das "Preislied" (L 56,14) Walthers von der Vogelweide und seine Rezeption in Hoffmanns von Fallersleben "Lied der Deutschen"
College
University of Heidelberg
Course
Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Rebecca Blum (Author)
Publication Year
2005
Pages
32
Catalog Number
V39766
ISBN (eBook)
9783638384568
ISBN (Book)
9783640521609
Language
German
Tags
Preislied Rezeption Lied der Deutschen Hoffmann von Fallersleben Walther von der Vogelweide Deutschlandlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Blum (Author), 2005, Das "Preislied" (L 56,14) Walthers von der Vogelweide und seine Rezeption in Hoffmanns von Fallersleben "Lied der Deutschen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39766
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