In der heutigen Zeit spielt der Islam in unser Gesellschaft eine zunehmend größere Rolle. In den Medien wird beinahe täglich von neuen Schreckensmeldungen berichtet, die von muslimischen Selbstmordattentätern begangen wurden, und im gesamten nahen Osten herrscht andauernde Unruhe. Dadurch wird das Feindbild Islam, vor allem im christlich geprägten Abendland, geschürt. Das Stichwort ‚Islam’ löst bei vielen Menschen Assoziationen an fundamentalistische Gewalt aus. Dementsprechend begegnen sie Muslimen mit Zurückhaltung und teilweise auch mit Ablehnung. Der Islam ist und war die missverstandene Religion im christlich geprägten Abendland. Die Berührung mit Moslems in unser Gesellschaft ist ebenso Bestandteil unseres Lebens geworden, wie der Umgang mit Christen. In Deutschland lebten im Jahr 2000 noch 2,9 Millionen Moslems und weltweit über 1,4 Milliarden unserer muslimischen Brüder und Schwestern. Muslime in Deutschland sind zu unseren Nachbarn geworden, doch diese Nachbarschaft ist in vielen Fällen dadurch beeinträchtigt, dass oft nur wenig über den Islam bekannt ist. Durch Unwissenheit und Ignoranz wird von vielen Menschen in unserer Kultur der Islam abgelehnt und dessen Gläubige vorverurteilt. Diese Arbeit soll über den Islam informieren und somit zum interreligiösem Dialog zwischen Religionen und Kulturen beitragen um gemeinsam für ein besseres, friedliches Nebeneinander und Miteinander eintreten zu können. Denn gerade in Krisenzeiten läuft das ‚Nebeneinander’ Gefahr, in ein ‚Gegeneinander’ umzuschlagen. In dieser Arbeit möchte ich den Islam und sein Gottesbild beschreiben. Dabei werde ich vor allem auf die Einflüsse, die Entwicklung und das Verständnis des islamischen Gottesbildes eingehen. Dabei soll dem Leser die enge Verwandtschaft mit dem Judentum und Christentum deutlich gemacht werden. Schwerpunkt wird dabei das Gottesbild und seine Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zu den anderen Schriftreligionen sein. Auch die Propheten, die Engel, das islamische Verständnis von Heil, das Jüngste Gericht und der Koran selbst werden beschrieben. Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch den Islam in seiner ganzen Komplexität darzustellen, sondern wird den Grundaussagen des Islams begegnen, damit dessen Grundsubstanz besser verstanden werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Voraussetzungen und Quellen
1.1 Einleitung
1.2 Die historische Person Mohammed
1.3 Der Koran
1.4 Hadith / Sunna
1.5 Islam und Judentum
1.6 Islam und Christentum
1.7 Islam und Gnosis
2. Grundlagen muslimischer Theologie
2.1 Gott - Schöpfer, Erhalter und Richter der Welt
2.2 Engel
2.3 Schöpfungsmythen des Islam
2.4 Offenbarung Gottes
2.4.1 Abraham im Islam
2.4.2 Jesus im Islam
2.4.3 Der Prophet Mohammed
3. Elemente islamischer Theologie
3.1 Islamische Eschatologie
3.2 Islamische Soteriologie
4. Islam und Christentum
4.1 Islamischer Monotheismus und christliche Trinität
4.2 Christlich - islamischer Dialog
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Darstellung des Islams und dessen Gottesbild, wobei insbesondere die Einflüsse, die Entwicklung und das Verständnis dieses Gottesbildes im Kontext der Verwandtschaft zum Judentum und Christentum analysiert werden. Ziel ist es, das grundlegende Verständnis für den Islam zu fördern und durch den interreligiösen Dialog zum Abbau von Vorurteilen beizutragen.
- Grundlagen des Korans und der Sunna/Hadith als Quellen islamischer Lehre
- Analyse des monotheistischen Gottesbildes im Islam
- Untersuchung von Gnosis-Einflüssen auf die islamische Theologie
- Die Rolle zentraler Figuren wie Abraham, Jesus und Mohammed
- Islamische Eschatologie und Soteriologie
- Bedingungen für einen christlich-islamischen Dialog
Auszug aus dem Buch
1.2 Mohammed als historische Person
Mohammed ist der, der die im Koran überlieferte göttliche Offenbarung empfangen und sie dann den Menschen übermittelt hat. Daher ist auch der am häufigsten verwendete Titel im Koran für Mohammed „Gesandter Gottes“. Der Eigenname Mohammed bedeutet „der Gepriesene“ oder „der hoch zu Preisende“. Da dieser Name jedoch schon in vorislamischer Zeit gebraucht wird, ist er nicht als Titel zu verstehen. Mohammed, der mit bürgerlichem Namen Abul Rasim Muhammad ibn Abdallah hieß, war der Stifter des Islam. Er wurde um 570 in Mekka geboren. Nach islamischer Tradition soll sein Geburtstag mit seinem Todestag zusammenfallen und wird dementsprechend gefeiert.
Doch weder das genaue Jahr, noch der genaue Tag seiner Geburt sind bekannt. Er war Sohn eines Kaufmannes in der angesehenen Sippe der Haschemiten vom Stamm der Quraisch. Sein Vater starb noch vor seiner Geburt und seine Mutter starb als er sechs Jahre alt war. So kam er in die Obhut seines Großvaters Abd al-Mutalib. Nach dessen Tod, Mohammed war gerade acht Jahre alt, nahm sich sein Onkel Abu Talib seiner an. Er gewann überragende Bedeutung für Mohammed, auch wenn er nie Anhänger seiner Botschaft wurde. Seinen Lebensunterhalt verdiente Mohammed als Schafhirte und später als Kamelführer. Mit etwa 25 Jahren heiratete er seine erste Frau die Kaufmannswitwe Khadidja. Auf ihre gemeinsame Tochter Fatima, welche die Jüngste war, gehen alle seine Nachkommen zurück. Seit etwa 595 unternahm er Handelsreisen als Kaufmann nach Syrien und Palästina, wo er wahrscheinlich das orientalische (nestorianische) Christentum kennen lernte. Hier und in Jathrib, dem späteren Medina, machte er auch mit dem Judentum Bekanntschaft. Während einer Andachtsübung (tahannata) am Berg Hira, um das Jahr 610, empfing Mohammed seine erste Vision. Er verstand sich selbst als Prophet in jüdisch-christlicher Tradition, und darüber hinaus als Siegel der Propheten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Voraussetzungen und Quellen: Dieses Kapitel erläutert die historischen und theologischen Grundlagen des Islams, inklusive der Rolle Mohammeds, des Korans, der Hadith-Literatur sowie der Beziehungen zu Judentum, Christentum und Gnosis.
2. Grundlagen muslimischer Theologie: Hier wird das islamische Gottesbild als Schöpfer, Erhalter und Richter thematisiert, ergänzt durch Ausführungen zu Engeln, Schöpfungsmythen sowie die Offenbarung, unterteilt in Abraham, Jesus und Mohammed.
3. Elemente islamischer Theologie: Dieses Kapitel behandelt die islamische Eschatologie (Endzeitvorstellungen) und die Soteriologie (Heilslehre) und setzt diese in den Kontext der islamischen Weltanschauung.
4. Islam und Christentum: Es wird das Verhältnis zwischen dem islamischen Monotheismus und der christlichen Trinitätslehre beleuchtet sowie der notwendige christlich-islamische Dialog diskutiert.
Schlüsselwörter
Islam, Gottesbild, Koran, Mohammed, Monotheismus, Schöpfung, Offenbarung, Judentum, Christentum, Gnosis, Engel, Eschatologie, Soteriologie, Interreligiöser Dialog, Prophetentum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das islamische Gottesbild sowie dessen Ursprünge, Einflüsse und die theologischen Zusammenhänge innerhalb der islamischen Tradition.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Quellen des Islams, die Rolle von Propheten wie Abraham, Jesus und Mohammed, das Gottesbild des Korans sowie der Vergleich mit anderen Weltreligionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das islamische Gottesbild in seiner Komplexität zu beschreiben, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Schriftreligionen aufzuzeigen und somit das Verständnis des Islams zur Förderung eines friedlichen Miteinanders zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische und religionswissenschaftliche Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung koranischer Texte und islamischer Überlieferungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Quellen (Koran, Sunna), die Grundlagen muslimischer Theologie (Gottesbild, Schöpfung), Elemente wie Engel und Offenbarungen sowie die eschatologischen und soteriologischen Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen den Islam, das Gottesbild, den Koran, den Propheten Mohammed, Monotheismus, Eschatologie und den interreligiösen Dialog.
Warum spielt die Gnosis eine Rolle in der Entstehung des Islams?
Die Arbeit identifiziert gnostische Vorstellungen als einen Katalysator für die theologische Entwicklung des frühen Islams, insbesondere in Bezug auf das Verständnis von Diesseits, Jenseits und Gottes Transzendenz.
Wie bewertet die Arbeit das Verhältnis von Islam und Christentum?
Es wird aufgezeigt, dass das Christentum trotz theologischer Differenzen, wie bei der Trinitätslehre, ein fester Bezugspunkt für den Islam ist, wobei der interreligiöse Dialog als notwendiges Mittel zur Bewältigung heutiger Herausforderungen betont wird.
- Quote paper
- Steffen Gehre (Author), 2005, Der Islam und sein Gottesbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39811