Mit dieser Arbeit soll das Verhältnis des zweiten römischen Kaisers Tiberius zum Senat näher beleuchtet werden. Als Tiberius sein Amt als Princeps von seinem Adoptivvater Augustus am 19. August des Jahres 14 n.Chr., nach dessen Tod, übernahm, befand sich das römische Reich in einem Transformationsprozess von der Republik zum Prinzipat. Besonderes Augenmerk wird in dieser Arbeit auf die Festigung des Prinzipats als politische Instanz, mit der, unter Augustus bereits da gewesenen, und unter Tiberius fortgeführten, Entmachtung des Senats und den alten aristokratischen Führungsschichten, gelegt. Zwar sah sich Tiberius anfangs nur als erster Bürger des Staates und nicht als Alleinherrscher, anderseits war er aber mit so weit reichenden Machten ausgestattet, dessen er sich auch bewusst war1, dass er zum Regieren nicht auf den Senat angewiesen war, sondern dieser auf ihn. Die Frage ob er es ehrlich mit dem Senat meinte oder ob es nur darum ging die politische Opposition zu beruhigen wird eine der Hauptfragen sein, die diese Arbeit zu lösen versucht. Das erste Kapitel beschäftigt sich zunächst einmal mit den verschiedenen Positionen der modernen Forschung zu der Frage ob es sich bei der römischen Kaiserzeit um eine Fortführung der res publica oder um eine absolute Monarchie handelte. Im zweiten Kapitel wird die Amtsübernahme des Tiberius und seine Herrschaft untersuchen, welche in zwei Phasen, in die ersten Regierungsjahre nach seinem Amtsantritt und die Herrschaft nach seinem Rückzug auf Capri, unterteilt ist. Im dritten Kapitel wird Tiberius´ Verhältnis zum Senat, die Aufgaben, die dem Senat unter Tiberius zukamen und welche politische Rolle der Senat überhaupt noch während der Herrschaft des Tiberius spielte, behandelt. Das Senatsgericht und die Majestätsprozesse sind hierbei als besonders prägnant für die tiberianische Regierungszeit herausgestellt worden. Beim fünften Abschnitt handelt es sich letztendlich um eine Zusammenfassung der Arbeit. Die Forschungslage über die Herrschaft des Tiberius ist als relativ gut einzustufen und als zeitgenössische Quellen werden besonders die Angaben von Tacitus und Sueton berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Transformationsprozess von der Republik zum Prinzipat in der modernen Forschung
III. Tiberius Aufstieg zum Princeps und seine Herrschaft
III.1. Die Amtsübernahme des Tiberius
III.2. Die ersten Regierungsjahre
III.3. Rückzug auf Capri und die politischen Folgen
IV. Das Verhältnis Tiberius´ zum Senat
IV.1. Tiberius und der Senat
IV.2. Das Senatorengericht
IV.3. Die Majestätsprozesse
V. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Transformationsprozess des römischen Reiches von der Republik zum Prinzipat unter Tiberius, mit besonderem Fokus auf sein schwieriges Verhältnis zum Senat und der schleichenden Entmachtung der aristokratischen Führungsschichten.
- Entwicklung des Verhältnisses zwischen Kaiser und Senat.
- Die Rolle des Senatsgerichts als Kontrollinstrument.
- Analyse der Majestätsprozesse als politisches Barometer.
- Untersuchung der Forschungskontroverse (res publica vs. Monarchie).
- Auswirkungen von Tiberius' Rückzug nach Capri auf die Machtstruktur.
Auszug aus dem Buch
IV.2. Das Senatorengericht
Unter der Herrschaft des Tiberius entwickelte sich der Senat zu einer Strafbehörde, die über alle Amtsvergehen und alle Verbrechen, welche von Angehörigen der höchsten Stände verübt wurden, urteilte. Der Personenkreis, der angeklagt wurde erweiterte sich bei Tiberius stark. Man urteilte über Senatoren, Frauen des senatorischen Standes, Ritter, auswärtige Fürsten und ritterständische Offiziere. Auf Grund des stark erweiterten Personenkreises kann man auch den enormen Anstieg der Verurteilungen unter seiner Herrschaft erklären und nicht, wie oft behauptet, bloß als ein Zeichen seiner blutrünstigen Regierung werten.
Bei der Anklage spielten die Delatoren eine große Rolle. Sie waren mit den heutigen Staatsanwälten zu vergleichen, und bekamen bei Verurteilung der Angeklagten ein Viertel dessen Vermögen. Mit dem Senatsgericht sollten die Spitzen der Aristokratie das ordentliche Funktionieren der Reichsverwaltung garantieren, weiter beaufsichtigten sie ihren Stand ob deren Mitglieder die Loyalität zum Princeps einhielten. Bereits unter Augustus wurde das Senatsgericht eingerichtet, um der Aristokratie das Gefühl einer Mitbestimmung zurückzugeben, mit dem Ziel die Opposition dadurch zu brechen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Rolle des Senats im Transformationsprozess von der Republik zum Prinzipat unter Tiberius kritisch zu hinterfragen.
II. Der Transformationsprozess von der Republik zum Prinzipat in der modernen Forschung: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Debatte darüber, ob die frühe Kaiserzeit eine Fortführung der res publica oder eine absolute Monarchie darstellte.
III. Tiberius Aufstieg zum Princeps und seine Herrschaft: Es wird der Amtsantritt sowie die politische Strategie des Kaisers untersucht, wobei der Fokus auf den Regierungsjahren und den Folgen des Rückzugs nach Capri liegt.
IV. Das Verhältnis Tiberius´ zum Senat: Dieser Hauptteil analysiert die faktische Machtlosigkeit des Senats gegenüber dem Princeps durch Institutionen wie das Senatorengericht und die Majestätsprozesse.
V. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass Tiberius' Herrschaft trotz des formellen Festhaltens an republikanischen Idealen eine klare Verschiebung in Richtung absoluter Monarchie bedeutete.
Schlüsselwörter
Tiberius, Prinzipat, Senat, römische Republik, Kaiserzeit, res publica, Senatorengericht, Majestätsprozesse, Augustus, Machtpolitik, Transformation, Aristokratie, Delatoren, politische Geschichte, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Regierungszeit des zweiten römischen Kaisers Tiberius und wie sich das politische System in dieser Phase von der republikanischen Tradition hin zum Prinzipat gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Machtverschiebung zwischen Kaiser und Senat, die Instrumentalisierung der Justiz und die Frage nach der tatsächlichen Regierungsform unter Tiberius.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob Tiberius' Umgang mit dem Senat ehrlich auf eine Zusammenarbeit im Sinne der res publica abzielte oder ob es sich lediglich um ein taktisches Manöver zur Festigung der eigenen Alleinherrschaft handelte.
Welche methodischen Grundlagen liegen der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung antiker Quellen wie Tacitus und Sueton sowie einer Analyse moderner Forschungspositionen zur Struktur der römischen Kaiserzeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Herrschaftsantritts, der politischen Folgen von Tiberius' Rückzug auf Capri und die Analyse von Senatorengericht und Majestätsprozessen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Prinzipat, Transformation, Senat, Machtstruktur, politische Täuschung und die Diskrepanz zwischen Recht und Wirklichkeit.
Warum spielt der Rückzug auf Capri eine so bedeutende Rolle in der Arbeit?
Der Autor zeigt auf, dass mit dem Weggang aus Rom das politische Vakuum entstand, welches den Einfluss des Senats endgültig auf null reduzierte und die monarchischen Züge der Herrschaft verstärkte.
Was sind laut der Arbeit Majestätsprozesse?
Majestätsprozesse waren Gerichtsverfahren, die zunehmend gegen die Oberschicht eingesetzt wurden und laut Autor als Barometer der politischen Weltlage unter Tiberius fungierten.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Senatoren?
Der Autor kritisiert die Servilität (Unterwürfigkeit) der Senatoren, die sich zu keinem Zeitpunkt trauten, dem Kaiser entgegenzutreten, und den Senat somit zu einem bloßen Werkzeug degradierten.
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- Daniel Volker (Author), 2004, Die Herrschaft des Tiberius - Der Transformationsprozess von der Republik zum Prinzipat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39813