Die Situation der Politikvermittlung im deutschen Fernsehen


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Fernsehen und Hörfunk als Politikvermittler

2. Hat sich die Politikvermittlung im dualen Rundfunksystem verändert?
2.1 Die Konvergenzhypothese
2.2 Programmstrukturen
2.3 Die Bewertung durch den Zuschauer
2.4. Der Qualitätsverlust
2.5 Die Anpassung der öffentlich-rechtlichen Sender

3. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In den letzten fünf Jahrzehnten haben der Hörfunk und vor allem das Fernsehen an Bedeutung gegenüber den Printmedien beträchtlich zugenommen. In der Gesellschaft nimmt das Fernsehen eine so bedeutsame Rolle ein, dass es oft sogar als „Leitmedium“ bezeichnet wird. Doch wenn etwas in einer Gesellschaft eine leitende Rolle einnimmt, trägt es auch eine gewisse Verantwortung für die Vorgänge und Entwicklungen, die in einer Gesellschaft stattfinden.

„Die Monopolstellung des öffentlich – rechtlichen Rundfunks sorgte für jene anstaltsartige Empfangssituation, in der das wahllose Publikum öffentlicher Rundfunkanstalten (...) zu sehen und hören hatte, was die Anstaltsleitung ihm vorsetzte und insoweit am staatsbürgerlichen Unterricht teilnehmen musste (...). Dieses Rundfunksystem galt (...) als unverzichtbare Politikvermittlungsquelle, wenn nicht als Wesenselement der westdeutschen Demokratie überhaupt.“ (Marcinkowski, 1998, S. 168)

Seit der Einführung des dualen Rundfunksystems Mitte der 80er Jahre ist das Angebot an privaten Fernsehsendern schnell gestiegen. Diese privaten Sender unterliegen jedoch in geringerem Maße der Verpflichtung politisch zu informieren und kulturell zu bilden. Sie folgen einer unbedingten Quotenorientierung und schneiden dementsprechend ihre Programmformate auf die Zuschauerinteressen zu. Das soll nicht heißen, dass die Zuschauer nicht mehr politisch informiert werden wollen. Doch der Mensch hat meist die Angewohnheit den Weg des geringsten (geistigen) Widerstandes zu gehen, was vermutlich auch auf die Informationsaufnahme zutrifft. So machte sich schon zu Beginn des dualen Rundfunksystems die Befürchtung breit, aus den bisher sachlich und neutralen Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks könnten sich sogenannte „Infotainment“ -Sendungen entwickeln.

„Im Hinblick auf die bis dahin gültige Funktionszuweisung an den Rundfunk ergab sich daraus zunächst die Konsequenz, dass die gewohnten Politikvermittlungsleistungen von dem privatwirtschaftlichen Teil des Rundfunks nicht mehr ohne weiteres erwartbar waren. Außerdem stand zu vermuten, dass auch der öffentliche Rundfunk unter dem Eindruck dieser unmittelbaren und ungewohnten Konkurrenz sein Leistungsspektrum verändern könnte, auch im Hinblick auf die bisher gewohnte Art und Weise der Politikvermittlung.“ (Marcinkowski, 1998, S. 169)

In Anlehnung an mein Referat im Seminar möchte ich nun in dieser Arbeit auf Grundlage der Erkenntnisse einiger Autoren darstellen, ob und inwieweit eine qualitative Annäherung von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten im Bereich der Politikvermittlung stattgefunden hat.

1. Fernsehen und Hörfunk als Politikvermittler

Heutzutage wird das Fernsehen meist selbstverständlich als Hauptvermittler von politischen Vorgängen und Ereignissen angesehen. Doch eigentlich möchte man meinen, dass die politische Erziehung durch andere Institutionen, wie Schule, politische Parteien und Interessensgruppen und nicht zuletzt durch die elterliche Erziehung erfolgt. Sicher haben die Eltern wie in allen Erziehungsfragen auch bei der politischen Erziehung einen prägenden Einfluss. Aber was macht den Unterschied und die besondere Rolle der elektronischen Medien im Vergleich zu den genannten Institutionen bei der Politikvermittlung aus? Frank Marcinkowski meint dazu:

„Nachdem Fernsehen und Hörfunk in der Bundesrepublik Deutschland flächendeckend verbreitet sind, besteht ihre besondere Qualität offenbar in ihrer einzigartigen Reichweite. Während Eltern, Lehrer und sonstige Ausbilder die Bürger immer nur ein recht kleines Stück ihres Lebensweges begleiten, sind die elektronischen Medien praktisch ein Dauergast, sie verfolgen den Menschen fast sein ganzes Leben lang. (...) Die soziale Reichweite von Fernsehen und Hörfunk kommt darin zum Ausdruck, dass sie unvergleichlich viele Menschen mit der Politik in Kontakt bringen können, und zwar auch solche, die ansonsten nicht erreichbar wären. (..) Obwohl alle genannten Institutionen wichtige Beiträge zur Politikvermittlung leisten, bieten folglich nur die elektronischen Medien eine Gewähr für permanente Ansprache und eine hohe Zahl von Angesprochenen.“ (Marcinkowski, 1998, S. 167-168)

Auch Klaus-Dieter Altmeppen und Martin Löffelholz bestätigen diese Annahmen mit ihren Aussagen:

„Das Fernsehen gilt ‚als wichtigstes politisches Massenmedium und Vermittlungsinstanz zwischen dem politischen System und den Bürgern’ .(Barbara Pfetsch, 1996, S. 479) Hohe Reichweiten fördern seine Stellung als zentrales Darstellungsinstrument für Politik. Damit, so die Annahme, trägt das Fernsehen erheblich zur Legitimierung des politischen Systems bei.“ (Altmeppen und Löffelholz, 1998, S. 118)

Die genannten Autoren räumen dem Fernsehen also einen enormen Stellenwert als Politikvermittler ein und begründen dies vor allem mit der großen Reichweite des Mediums. Marcinkowski nennt jedoch noch weitere Voraussetzungen, die notwendig sind, damit die elektronischen Medien eine Berechtigung als Politikvermittler besitzen können:

- Politische Informationen müssen einen namhaften Stellenwert im Programm besitzen.
- Die Qualität der Information und ihrer Vermittlung muss dazu angetan sein, Politik besser durchschaubar zu machen, als sie im Alltagsleben zu durchschauen ist.
- Es muss eine gewisse Gleichgewichtigkeit und Vielfalt politischer Meinungen und Interessen in den Rundfunkprogrammen vertreten sein.
- Die Politikvermittlungsangebote in den elektronischen Medien müssen auf ein großes Interesse und eine dementsprechend breite Nutzung in der Bevölkerung treffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Situation der Politikvermittlung im deutschen Fernsehen
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V39814
ISBN (eBook)
9783638384957
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Situation, Politikvermittlung, Fernsehen
Arbeit zitieren
Gavin Benedikt (Autor), 2002, Die Situation der Politikvermittlung im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39814

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